Schiffswrack Letzte Rettung für die legendäre Titanic
Vor 25 Jahren fand Robert Ballard die Trümmer der Titanic. Wasserdruck, Bakterien und Souvenirjäger setzen dem Schiff zu. Eine US-Firma will es nun digital konservieren.
© Merie Wallace/AFP/Getty Images

Szene aus James Camerons Film "Titanic" aus dem Jahr 1997
Seit acht Tagen sucht die Besatzung des Forschungsschiffs
R/V Knorr
den Meeresboden ab. Rund um die Uhr. Abwechselnd starren
Robert Ballard
und die Mitglieder seines Teams auf die Bilder, die das unbemannte U-Boot
Argo
über ein Kabel aus der Tiefe herauf schickt. Stunde um Stunde zieht der Grund des Nordatlantiks an ihren Augen vorbei. Monoton. Keine besonderen Merkmale. Bis kurz nach 1 Uhr morgens am 1. September 1985. Die Beobachter entdecken eine Art Pickel auf dem glatten Boden, 3840 Meter unter den Wogen an der Wasseroberfläche. Danach haben sie gesucht: Wenn ein Schiff in so großer Tiefe sinkt, dann implodiert der Rumpf durch den Druck des Wassers. Tausende Wrackteile werden über eine große Fläche des Meeresbodens verstreut.
Dass sie den Weg zum Wrack weisen, diese Lektion hat Ballard auf einer Geheimmission für die US-Marine gelernt. 1982 hat er die Navy um Geld für seine Suche nach der
Titanic
gebeten, doch die Militärs interessieren sich kaum für den 1912 gesunkenen, zivilen Dampfer. Aber für zwei 1960 gesunkene Atom-U-Boote, die
USS Scorpion
und die
USS Thresher
.
Die Navy sichert sich das von Ballard und der Meeresforschungsfirma Woods Hole Oceanographic Institution entwickelte Sonar- und Kamera-U-Boot Argo , finanziert die R/V Knorr und stellt Ballard befristet an. Er soll erst die beiden U-Boot-Wracks finden und erforschen, dann darf er die Titanic suchen. Erst 2008 enthüllt der Meeresforscher, woher das Geld für seine Expedition kam. Im Kalten Krieg war die Suche nach dem Luxusliner für die Navy eine willkommene Tarngeschichte.
- Titanic
Der Untergang der RMS Titanic am 14. April 1912 war eine der größten Katastrophen der Seefahrt. Das Passagierschiff der britischen Reederei White Star Line, damals das größte der Welt, war für den Liniendienst zwischen Southampton und New York vorgesehen. Auf ihrer Jungfernfahrt kollidierte die als unsinkbar geltende Titanic mit einem Eisberg und sank zwei Stunden und 40 Minuten später. Weil zu wenige Rettungsboote an Bord waren, starben zwischen 1490 und 1517 der mehr als 2200 Menschen an Bord.
- Robert Ballard
Robert Ballard, Jahrgang 1942, ließ sich durch Bücher und Filme wie die des Tauchers Jacques Cousteau für die Unterwasserwelt begeistern. Er studierte Chemie, Geologie und Geophysik und Ozeanografie. Nach seiner Entdeckung der Titanic fand er das deutsche Schlachtschiff Bismarck und den US-Flugzeugträger USS Yorktown sowie ein phönizisches Schiff aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert. Im Schwarzen Meer tauchte er nach Spuren antiker Besiedlung. Er ist Professor für Ozeanographie an der University of Rhode Island.
- Seiten im Internet
-
Das Projekt der Firma RMS Titanic Inc. lässt sich interaktiv im Netz verfolgen. Der aktuelle Expeditionsleiter David Gallo twittert von Bord der Jean Charcot. Auf der Seite des amerikanischen Fernsehsenders MSNBC gibt es ein Feature über die aktuelle Expedition zum Wrack der Titanic.
Gleich mehrere Organisationen widmen sich der Historie des Schiffs und dessen Mythos:
Der durch die Implosion verstreute Schrott hat Ballard zu den beiden U-Booten geführt, er führt ihn auch zur Titanic . Die Pickel auf dem Grund des Atlantiks sind Einschlagkrater von Bruchstücken. Größere Teile werden sichtbar. Ein Kessel kommt ins Bild. Dann das Wrack.
"Mein Gott, wir haben die Titanic gefunden", ruft Ballard aus. Später schreibt er, es sei wie "das Wiedersehen mit einer alten Geliebten" gewesen, der er viele Jahre Briefe geschrieben habe. Viel Zeit bleibt ihm nicht mit der Liebsten; die Knorr ist schon für andere Forscher reserviert. In den vier verbleibenden Tagen der Reise entreißen die Scheinwerfer der Argo den dunklen Tiefen die Bestätigung, dass die Titanic wie vermutet in zwei Teile zerbrochen ist: Der Bug liegt rund 600 Meter entfernt vom stärker zerstörten Heck.
Fundort des Wracks der Titanic
Ein Jahr später kommt Ballard mit dem bemannten Tauchboot Alvin und dem unbemannten Vehikel Jason Junior zurück, das auch in kleine Öffnungen schwimmen kann. Er bringt Fotos aus dem Schiffsinnern mit nach oben, aber keine Gegenstände: Ballard betrachtet den Ort des Untergangs, der rund 1500 Todesopfer forderte, als Friedhof, den er nicht entweihen will. Das tun bald andere.
Aufnahmen aus der Tiefe zeigen Teile des Wracks der Titanic
Die
US-Firma RMS Titanic
, Tochterunternehmen des Ausstellungsveranstalters Premier Exhibitions, unternimmt 1987 die erste von sieben Tauchfahrten zum Wrack. Ausstellungen mit geborgenen und restaurierten Gegenständen, darunter ein tonnenschweres Teil der Schiffswand, ziehen Millionen Besucher an. Kohlestücke werden für 25 Dollar das Stück an Privatleute verscherbelt. Seit 1999 können sich sogar Tauchtouristen für rund 22.000 Euro pro Person auf den Meeresgrund bringen lassen. Seitdem sind U-Boote gegen das Wrack gedonnert, liegt Müll auf dem Meeresboden, plündern Souvenirjäger die Stätte, schreibt Ballard in seinem Buch
Return to Titanic
(Rückkehr zur Titanic). Er spricht von "Grabschändung".
Die Tauchfirmen argumentieren, dass bald gar nichts mehr von der Titanic übrig wäre, wenn sie es nicht herausholten: Eisenoxidierende Bakterien fressen am Metall, das dem Wasserdruck nicht mehr lange standhalten wird. Deshalb arbeitet RMS Titanic jetzt an einer Art digitalem 3D-Modell des Wracks. Zwei vom Forschungsschiff
Jean Charcot
aus ferngesteuerte U-Boote filmen seit Mitte August das gesunkene Schiff Zentimeter für Zentimeter, vermessen es mit Schallwellen. Auch Tausende von Wrackteilen und -trümmern, über mehr als 15 Quadratkilometer Atlantikschlamm verteilt, werden kartografiert. Einige der "
rusticles
", der von Eisenbakterien geformten Rostzapfen am Rumpf, sollen zu Forschungszwecken nach oben geholt werden.
Bei RMS Titanic und der
am Projekt beteiligten Woods Hole Oceanographic Institution
spricht man von einem "virtuellen Bergen". Expeditionsleiter David Gallo sagt, die Tauchgänge sollten auch zeigen, wie stark Strömung, Salzwasser, Druck und Eisenbakterien dem Wrack wirklich zugesetzt haben. "Wir hören all die Geschichten darüber, dass das Schiff wegrostet und in sich zusammenfällt", sagt er, "aber niemand weiß wirklich, wie es aussieht." Mehrere Millionen Dollar koste die Expedition, lässt RMS Titanic wissen, nennt aber keine genauen Zahlen.
In knapp zwei Wochen hat das Team Tausende Fotos und viele Stunden Videos gesammelt, dann vertrieben Tropenstürme die
Jean Charcot
von ihrer Position über dem Wrack. Derzeit wartet sie in einem Hafen in Neufundland auf die Fortsetzung der Expedition. Frieden bekommt die Titanic wohl erst, wenn die Eisenbakterien sie bis zur Unkenntlichkeit verdaut haben.
- Datum 01.09.2010 - 14:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Hier kann die genaue Position der Jean Charcot verfolgt werden:
http://www.marinetraffic....
"Wenn ein Schiff in so großer Tiefe sinkt, dann implodiert der Rumpf durch den Druck des Wassers."
Nur wenn der Rumpf noch mit Luft gefühlt ist, dann implodiert dieser, ist dieser aber schon voll mit Wasser passiert nichts.
"Eisenoxidierende Bakterien fressen am Metall, das dem Wasserdruck nicht mehr lange standhalten wird."
Das ist Blödsinn, das Schiff wird zusammenfallen, weil durch die geschwächten Wände, das Eigengewicht nicht mehr tragen kann.
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