Am 4. September 1940 zetert Adolf Hitler im Berliner Sportpalast: "Wenn die britische Luftwaffe zwei- oder drei- oder viertausend Kilogramm Bomben wirft, dann werfen wir jetzt in einer Nacht 150.000, 180.000, 230.000, 300.000, 400.000, eine Million Kilogramm. Wenn sie erklären, sie werden unsere Städte in großem Maße angreifen – wir werden ihre Städte ausradieren!"

Zu meiner Linken kann ich gerade noch dieses rote Blitzen des Flak-Feuers sehen. Am Nachmittag war ich schon mal hier oben und schaute über all die Häuser, bis hinüber zur Kuppel von St. Paul's. Ich sah viele Flaggen an Masten wehen. Niemand hat diesen Leuten befohlen, ihre Häuser zu beflaggen. Sie haben einfach das Gefühl, es sei an der Zeit, den Union Jack auf ihren Dächern zu zeigen. Niemand hat es ihnen gesagt – und keine einzige Flagge da oben war weiß.
Ed Murrow, US-Reporter

Am Nachmittag des 7. September starten 364 deutsche Bomber, eskortiert von 515 Jagdflugzeugen. Ihr Ziel sind Docks mitten im East End, einem Arbeiterviertel. In London gibt es keine Luftschutzbunker; die Menschen flüchten in die U-Bahnhöfe, die Zehntausenden das Leben retten werden. Rund 650.000 Kinder werden aus der Stadt auf das sichere Land gebracht. Pappsärge, Kalksäcke und Leichengruben sind vorbereitet, um Todesopfer rasch bergen zu können, zur Vermeidung von Seuchen.

1. Januar 1940: Passanten suchen Schutz in den Londoner U-Bahn-Schächten © Getty Images

Am ersten Abend sterben mehr als 400 Londoner, weitere 1500 werden schwer verletzt. In den folgenden Wochen vergehen nur wenige Tage und Nächte ohne Angriff. Meist kommen die Bomber bei Nacht, in großen Verbänden. Funkstrahlen aus Norddeutschland und Nordfrankreich, die sich über dem Abwurfgebiet kreuzen, führen sie zum Ziel (siehe Infokasten).

Doch die Luftwaffe kommt auch in kleinen, gezielten Angriffen bei Tag. Die Londoner sollen jederzeit Angst vor dem Brummen der deutschen Heinkels, Dorniers und Junkers haben müssen. Nur schlechtes Wetter gönnt ihnen eine Atempause. Sie nennen die Angriffswelle " The Blitz ", nach dem NS-Propagandawort vom "Blitzkrieg".

Am Abend des 10. September 1940 explodiert eine Luftmine im Hof des Buckingham Palace. König George VI. und Queen Elizabeth I. bleiben unverletzt, doch viele Fenster bersten, die Kapelle wird zerstört. Dass auch die Königsfamilie vom Krieg betroffen ist, hebt paradoxerweise die Moral, schweißt die Briten und ihre Herrscher zusammen.

Mitte November verschiebt die Luftwaffe den Schwerpunkt der Angriffe, nimmt vor allem Industrieziele außerhalb Londons ins Visier. Aber auch die Hauptstadt erlebt bis Mai 1941 immer wieder Bombardements, darunter das schwere vom 29. Dezember 1940 mit mehr als 160 Toten in einer Nacht.

Jeder hat schon mal ein großes Feuer gesehen, aber ich bezweifle, dass Sie je den gesamten Horizont einer Stadt von großen Bränden gesäumt gesehen haben – Dutzende, vielleicht Hunderte. Da war etwas Inspirierendes in dieser schrecklichen Wildheit. (...) Die nächsten Brände waren nah genug, um das Knistern der Flammen und die Rufe der Feuerwehrmänner zu hören. (...) Flammen schienen Hunderte Fuß hoch in die Luft zu peitschen.
US-Journalist Ernie Pyle über die Brände vom 29. Dezember 1940

Doch die Luftwaffe von Reichsmarschall Hermann Göring schafft es nicht, die Verteidigungsbereitschaft Großbritanniens zu schwächen. Die Piloten der Royal Air Force fügen ihr empfindliche Verluste zu. Premier Churchill dankt den Männern in einer berühmten Rede mit den Worten, noch nie "verdankten so viele so wenigen so viel". "Die wenigen", The Few , wird zum Beinamen der alliierten Piloten. Göring dagegen bezichtigt seine Flieger der Feigheit, um von seiner eigenen Mitverantwortung für das Debakel abzulenken.

Als Hitler erst Jugoslawien und Griechenland, im Juni 1941 dann die Sowjetunion angreifen lässt, müssen Görings Geschwader an die Ostfront. Die Luftschlacht um England ist vorüber. Die Briten sind Sieger dieser Schlacht. Freuen können sie sich darüber nicht. In ganz Großbritannien haben im Bombenhagel und den Bränden Schätzungen zufolge rund 43.000 Menschen ihr Leben verloren.