Europäische Geschichte Der Schädel Heinrich IV. ist gefunden

Lange war der Kopf des bis heute in Frankreich beliebten Königs verschollen. Vier Jahrhunderte nach seiner Ermordung haben Forscher einen Schädel als seinen identifiziert.

Heinrich IV. von Frankreich: Ein Porträt des Malers Frans Pourbus dem Jüngeren (1569–1622)

Heinrich IV. von Frankreich: Ein Porträt des Malers Frans Pourbus dem Jüngeren (1569–1622)

Erst eine wissenschaftliche Fleißarbeit konnte das Rätsel um den Verbleib des Monarchen-Schädels lösen. 400 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod im Mai 1610 haben britische Forscher die sterblichen Überreste des französischen Königs Heinrich IV. identifiziert.

Anthropologen, Pathologen, Genetiker und Gerichtsmediziner hatten Skelette und Schädel untersucht, die aus den Gemäuern der Kathedrale Saint-Denis im Norden von Paris stammen. Seit Ende des 10. Jahrhunderts wurden dort Könige und Königinnen Frankreichs begraben.

Doch zusammenhängende Skelette sind kaum erhalten. Während der Französischen Revolution zerstörten Aufständische die Herrscher-Gräber, wobei auch die Leiche Heinrichs des IV. geschändet wurde. "Seine Leiche wurde aus dem Sarg geholt. Sie wurde brutal geohrfeigt. Man brach ihm einen Arm und ein Bein, riss ihm den Bart aus und warf ihn in ein Massengrab", sagte der französische Historiker Jean-Pierre Babelon vor wenigen Monaten auf einem Kolloquium. Als am 18. Januar 1817 Ludwig XVIII. das Massengrab der Könige öffnen ließ, fand man zwar die Leiche des Bourbonenkönigs, jedoch ohne Kopf.

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Erst jetzt konnten die Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse im British Medical Journal veröffentlichen, einen einbalsamierten Schädel, der zwischenzeitlich in unterschiedlichen Privatsammlungen verwahrt wurde, Heinrich IV zuordnen.

An dem Schädel, dessen Weichteile gut erhalten sind, entdeckten die Forscher ein großes Loch im rechten Ohrläppchen. Es ist bekannt, dass der König zu Lebzeiten einen Ohrring trug. Außerdem fanden die Wissenschaftler am Oberkiefer Spuren einer Verletzung, die von einem Attentat im Jahr 1554 stammt, als ein Student versuchte, den König zu erdolchen. Auch die Überreste des Kopfhaares und des Bartes stimmen mit historischen Überlieferungen überein.

Seit 1947 fehlte von dem Kopf des am 14. Mai 1610 ermordeten volksnahen Königs (1553-1610) jede Spur. Nach der Identifizierung könnte der Tote nun würdig begraben werden, sagte Philippe Charlier, der die Forschergruppe geleitet hatte.

Heinrich IV. liebte sein Volk, das heute noch das Gedenken an den "guten König" und seine Sozialpolitik hochhält. Er war auch wegen des Edikts von Nantes in die Geschichte eingegangen, das nach Jahren des Bürgerkrieges in Frankreich ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten ermöglichte.

 
Leser-Kommentare
  1. ... vor 4 Jahrzehnten ermordet?

  2. Die Pisa-Studien halten es uns ja auch regelmäßig vor Augen. Leider scheint Mathematik kein Pflichtfach der Journalisten-Ausbildung zu sein.

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    • Varech
    • 15.12.2010 um 11:24 Uhr

    Meinten Sie den Kopf?

    Der Schädel ist das Harte, das Knochige, was vom Koppf übrigbleibt, wenn das Weiche ab ist.

    Ihre Zahlenmissgeschicke haben Sie ja "zwischenzeitlich" wortlos korrigiert. Das mit Fleisch und Knochen halten Sie einfach bei nächster Gelegenheit richtig auseinander.

  3. Anm: Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen, konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

    was hat der Kerl nicht auch alles rumliegen zu lassen! Dauernd sucht man was. Fürchte, ein paar Finger fehlen noch. So sind sie, die Großen. Schön, dass es immerhin so viel Arbeit und ein paar Schlagzeilen machte. Wäre ja echt ätzend gewesen, wenn wir nicht mehr den Kopf von Nr.4 gehabt hätten.

  4. "der volksnahe König", der "sein Volk" liebte. Was ist denn das für eine undemokratische Betrachtungsweise? Schon gestern die einer Hofberichterstattung würdigen Beschreibung des Guttenbergschen Kasperletheaters und heute das. Tss, tss. Ich denke, jeder König gehört als geborener und unbeugsamer Feind der Demokratie aufs nächste Schafott und dann vergessen.

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    • siljan
    • 15.12.2010 um 15:02 Uhr

    Warum messen die Leute heutzutage immer wieder Geschehen, Personen, Handlungsweisen mit der Messlatte von heute.

    Ein Römer hätte nicht verstanden was an Sklaverei falsch sein soll, einem Mongolen kam die Plünderung Alt-Sarais als natürlichste Sache der Welt vor und Heinrich Quatre galt zu seienr Zeit tatsälich schon fast als Vorbild auch beim Volke.

    Wir wissen es heute besser. und? Unser Nachkommen werden über uns vermutlich in 500 Jahren auch den Kopf schütteln, so es welche dann noch gibt.

    • siljan
    • 15.12.2010 um 15:02 Uhr

    Warum messen die Leute heutzutage immer wieder Geschehen, Personen, Handlungsweisen mit der Messlatte von heute.

    Ein Römer hätte nicht verstanden was an Sklaverei falsch sein soll, einem Mongolen kam die Plünderung Alt-Sarais als natürlichste Sache der Welt vor und Heinrich Quatre galt zu seienr Zeit tatsälich schon fast als Vorbild auch beim Volke.

    Wir wissen es heute besser. und? Unser Nachkommen werden über uns vermutlich in 500 Jahren auch den Kopf schütteln, so es welche dann noch gibt.

    • siljan
    • 15.12.2010 um 15:02 Uhr
    6. Warum?

    Warum messen die Leute heutzutage immer wieder Geschehen, Personen, Handlungsweisen mit der Messlatte von heute.

    Ein Römer hätte nicht verstanden was an Sklaverei falsch sein soll, einem Mongolen kam die Plünderung Alt-Sarais als natürlichste Sache der Welt vor und Heinrich Quatre galt zu seienr Zeit tatsälich schon fast als Vorbild auch beim Volke.

    Wir wissen es heute besser. und? Unser Nachkommen werden über uns vermutlich in 500 Jahren auch den Kopf schütteln, so es welche dann noch gibt.

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    Antwort auf "Na ick weeß nich,"
  5. Handelt es sich um einen Schädel namens Heinrich? Gemeint ist wohl der Schädel Heinrichs (des Vierten).

  6. ich entgegne immer wieder gerne: Wie soll man "sachlich" reagieren auf etwas, das "unsachlich" ist? Juchu, rufen ein paar Forscher, wir haben seinen Kopf gefunden. Und die Medien machen eine Artikel daraus. Wo ist die Rechtfertigung dafür? Ein paar Knochenteile, vielleicht von irgend einem bestimmten Regenten vor Jahrhunderten, ändern wenig an der Realität. Bestenfalls ist es eine altertümliche Götzenverehrung. Ist es bedeutsam, den Kopf zu finden? Ist es notwendig, diese Skelettteile nun "würdig zu begraben"? All dieser Aufwand für was?

    Ich kann nicht "sachlich" bleiben, wenn zur selben Zeit die Würde meiner Mitmenschen, ob sie nun noch leben oder gerade verstorben sind, mit Füßen getreten wird. Tausende werden jedes Jahr in Deutschland in einem Armenbegräbnis ohne irgend eine Erinnerung an die Person verbuddelt, die Kosten dafür - oder besser einer bürokratischen Wucherei - notfalls irgend welchen nächsten Verwandten aufgedrückt. Und da soll ein totes Stück Knochen von einem Regenten, der vor Jahrhunderten lebte, mich nicht entsetzen, wenn so mit ihm verfahren wird?

    Vielleicht sollte man mehr Bürgerkunde in Schulen lehren. Alle Menschen sind gleich, nur Herrscher und Prominente sind gleicher. Reden Sie wieder mit mir, wenn Sie Ihre "Sachlichkeit" und Anstand gefunden haben.

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    • Varech
    • 15.12.2010 um 18:35 Uhr

    Also, meine bescheidene Meinung schonmal vorweg. Ich warte dann mit Ihnen auf die Reaktion des Redakteurs.
    _____________________

    Auf unserer Ebene, als Ausländer und Deutsche können wir diesen "Bestattungs-Brauch" nicht verstehen und deshalb weder verurteilen noch gutheissen.
    Nötig ist hier völkerkundliche Distanz.
    Weise aus dem Königreich GB haben in einer Häuptlingssache den Leuten in der Präsidial-"Demokratie" F Hilfe gebracht.
    Bei der Bestattung dann, in würdigem Rahmen, versteht sich, wird der ebenfalls "sein Volk liebende" und "hoch verehrte" Präsident mit seinem treuesten Gefolge am sichtbarsten Platz stehen. Das Volk wird vereint bewegt sein. Die Regierungspartei heisst heute schon UMP (Union pour un Mouvement Populaire).

    Voilà, mein sachlicher und respektvoller Beitrag!

    • Varech
    • 15.12.2010 um 18:35 Uhr

    Also, meine bescheidene Meinung schonmal vorweg. Ich warte dann mit Ihnen auf die Reaktion des Redakteurs.
    _____________________

    Auf unserer Ebene, als Ausländer und Deutsche können wir diesen "Bestattungs-Brauch" nicht verstehen und deshalb weder verurteilen noch gutheissen.
    Nötig ist hier völkerkundliche Distanz.
    Weise aus dem Königreich GB haben in einer Häuptlingssache den Leuten in der Präsidial-"Demokratie" F Hilfe gebracht.
    Bei der Bestattung dann, in würdigem Rahmen, versteht sich, wird der ebenfalls "sein Volk liebende" und "hoch verehrte" Präsident mit seinem treuesten Gefolge am sichtbarsten Platz stehen. Das Volk wird vereint bewegt sein. Die Regierungspartei heisst heute schon UMP (Union pour un Mouvement Populaire).

    Voilà, mein sachlicher und respektvoller Beitrag!

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