"Ạndra moi ẹnnepe, Moụsa, polỵtropon, họs mala pọlla..." Ein Achtjähriger des 21. Jahrhunderts dürfte beim Anblick dieser altgriechischen Zeilen umgehend in seine Spielkonsole versinken, der kleine Heinrich Schliemann ist dagegen hin und weg von Homer und der Odyssee. Als er mit acht Jahren ein Bild des brennenden Troja sieht, beschließt er, die Stadt auszugraben – behauptet er jedenfalls später.

Als es ihm mehr als 40 Jahre später gelingt, hat Schliemann eine Karriere als Geschäfts- und Privatmann hinter sich, gegen die manche Biografie blass aussieht. Er wird am 6. Januar 1822 im mecklenburgischen Neubukow geboren, hat acht Geschwister, wächst in Ankershagen auf. Der Vater, ein Pastor, bringt Heinrich griechische und lateinische Klassiker nahe, doch das Gymnasium kann sich die Familie nicht leisten. Eine Lehre bricht Schliemann wegen eines Lungenleidens ab.

Der junge Mann will nach Venezuela auswandern, erleidet aber vor der holländischen Küste Schiffbruch. In Amsterdam findet er Arbeit als Bürobote. Schliemann bringt sich mit einer eigenen Methode in jeweils rund sechs Wochen Niederländisch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch bei, später kommen Schwedisch, Alt- und Neugriechisch, Latein, Türkisch und Arabisch hinzu. Schliemann arbeitet sich zum Buchhalter hoch, wird dann Repräsentant mehrerer Firmen in Sankt Petersburg.

Was Schliemann anfasst, gelingt: Er gründet in den USA, in Sacramento, eine Bank, die Goldgräbern ihre Funde abkauft, investiert in den Eisenbahnbau und verdient als Lieferant der zaristischen Armee im Krimkrieg mit Salpeter, Schwefel und Blei ein immenses Vermögen. Da nutzt ihm, dass er russischer Staatsbürger geworden und mit einer russischen Kaufmannstochter verheiratet ist.