Ureinwohner AmerikasSitting Bull, Rebell mit Weltruhm

Er ist der wohl berühmteste Indianer der Geschichte: Vor 120 Jahren starb Sitting Bull. Zeitlebens kämpfte er für die Freiheit seines Volks. Mit ihm endete eine Ära. von dpa

Die Aufnahme zeigt den Indianerführer Sitting Bull im Jahr 1881

Die Aufnahme zeigt den Indianerführer Sitting Bull im Jahr 1881  |  © O.S. Goff/Hulton Archive/Getty Images

Bei seinem größten Erfolg war Sitting Bull gar nicht dabei. 1876 schlugen seine Krieger angeführt von Crazy Horse zusammen mit den Kämpfern des Häuptling Big Foot die Truppen des Oberstleutnant George Cluster. Die legendäre Schlacht am Little Bighorn im heutigen US-Bundesstaat Montana wurde zur größten Niederlage der US-Kavallerie im Freiheitskampf der Ureinwohner gegen die europäischen Eindringlinge. Sitting Bull war noch geschwächt. Er hatte sich beim Sonnentanz verausgabt.

Eine Woche vor dem 100. Geburtstag der USA rieben seine Krieger die Soldaten Custers auf. Der talentierte, aber hoffnungslos arrogante Oberstleutnant scheiterte an Selbstüberschätzung. Trotz ihrer chaotischen Führung siegten die Indianer. Ein letztes Mal.

Sitting Bull war einer der einflussreichsten Anführer der amerikanischen Ureinwohner der Geschichte. Während der vom Schriftsteller Karl May erdachte Winnetou als edler Häuptling mit seinem stolzen Stamm durch grüne Täler ritt, sah die Welt des Sitting Bull in der Prärie anders aus: Krieg, Verrat und Vertreibung, Hunger und Kälte.

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Geboren wurde er als "Springender Biber" in South Dakota vermutlich im Jahr 1831 – so genau wusste er das selbst nicht. Er war der Sohn eines Häuptlings der Lakota, zusammen mit den Dakota und den Nakota gehörten sie zu den Sioux. Mit zehn jagte er seinen ersten Bison und mit 14 kämpfte er mit seinem Stamm gegen die Crow. Wegen seines Mutes erhielt er einen der Ehrennamen seines Vaters: "Sich setzender Bulle", "Sitting Bull". Später führte er die Krieger der Crow an. Häuptling wurde er nie. Als sein Vater 1859 starb war der Stamm längst zerrissen.

Die Kultur der Prärie-Indianer, die viele von Karl May kennen, war nur ein kurzes Kapitel im Geschichtsbuch der Ureinwohner. Die einwandernden Europäer drängten die Stämme gewaltsam zurück. Die Regierung der noch jungen Vereinigten Staaten in Washington wollte im Westen Land erschließen. Wenn Ureinwohner nicht freiwillig wichen, wurden sie von der Armee überrannt. Innerhalb eines Jahrhunderts erlebten die Prärie-Indianern nicht nur ihre höchste Blüte sondern auch ihren Niedergang.

Einige der Lakota fügten sich in den 1860er Jahren der Übermacht der Europäer. Sie zogen in kleine unwirtliche Reservate, die man ihnen zuteilte. Viele Indianerführer lebten schon seit Jahren in solchen Gebieten. Sitting Bull rebellierte und führte eine Gruppe seines Stammes in den Widerstand. "Er lehnte jeglichen Verzicht auf Land und Freiheit ab", schreibt der Historiker Rudolf Oeser in seinem Buch 500 Indianerbiografien Nordamerikas .

Nach der Schlacht am Little Bighorn floh Sitting Bull mit seinen Männern nach Kanada, 1880 Jahre zog er doch in ein Reservat. Die Weißen behandelten ihn mit Respekt und nahmen ihn auf Vortragstouren mit. Der Weltruhm kam mit William Cody, der als Buffalo Bill mit seiner Wildwestshow der Welt das Geschrei mit der auf den Mund klopfenden Hand als Kriegsgeheul der Indianer verkaufte. Cody behandelte Sitting Bull fair und bezahlte ihn ordentlich, schreibt Oeser. Auf der Europatournee war er aber nicht dabei.

Zurück im Reservat blieb Sitting Bull ein Rebell. Als die Behörden hörten, dass der Indianerführer sich angeblich am Geistertanz beteiligte, schritten sie ein. Der religiöse Krisenkult der Ureinwohner diente einem friedlichen Widerstand gegen die Unterdrückung. Sitting Bull sollte festgenommen werden. Am 15. Dezember 1890 umstellten indianische Polizisten seine Hütte. Einer von Sitting Bulls Leuten schoss. Nach ein paar Minuten waren 15 Menschen tot. Mit seinem 17- jährigen Sohn starb auch Sitting Bull.

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Leserkommentare
  1. "Custer" nicht Cluster!
    Tatsache ist, was aber nicht gern Publik gemacht wird dass die US Army, mit dem Pccken Virus infizierte Taschentücher an die Indianer verschenken liess was diese enorm dezimierte.
    Kein Stoff für Heldengeschichten.

  2. "Der talentierte, aber hoffnungslos arrogante Oberstleutnant scheiterte an Selbstüberschätzung."

    Sicher, Custers Selbstüberschätzung war der taktische Hauptgrund für die Niederlage, aber die strategischen Fehler, die zu dieser Niederlage führten lagen in Washington. Von der falschen Idianerpolitik bis zur mangelhaften Ausrüstung der US-Streitkräfte in den Indianerkriegen.
    Da Custer sich nicht mehr verteidigen konnte, war er als Sündenbock prädestiniert.

    MfG
    AoM

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    Der Heldenstatus von Gen Custer, wird erst seit wenigen Jahren realistisch hinterfragt. Doch Ihre Meinung ist zutreffend.

  3. Jener Sitting Bull, dem der Sieg über die 7. US Kavallerie zugeschrieben wird. War nur der geistige Führer der Lakota Nation. An der Schlacht am Little Big Horn, waren auch die Cheyennes beteiligt. Das jedoch war nur eine Nutz und Notallianz. Denn tatsächlich konnten sich beide Stämme nicht ausstehen.
    George Armstrong Custer, war in Westpoint der Jahrgangs schlechteste. Doch im Bürgerkrieg, war er tapfer und mutig. Was immer das auch sein mag. Nach dem "Civil War" wurde er, der Brigadegeneral im Salär auf den Rang eines Oberstleutnants zurück gestuft. Hätte er die Planung von General Sherman (Nur ein toter Indianer, ist ein guter Indianer) nicht ignoriert, wäre er wahrscheinlich älter geworden. Denn er hatte neben seiner Gattin auch einige Indianerinen als Mätresen. Doch der Kampfwert seiner Truppen, war nur gering. Auch die Ausrüstung und Bewaffnung war sehr mangelhaft.

  4. 4. Custer

    Der Heldenstatus von Gen Custer, wird erst seit wenigen Jahren realistisch hinterfragt. Doch Ihre Meinung ist zutreffend.

    Antwort auf "Custer als Sündenbock"

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Karl May | Buffalo | Kanada | MIT | USA | Vertreibung
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