Kahle Bäume, in deren Ästen Gehenkte baumeln, zehn, zwölf pro Baum. Balken, an denen Menschen aufgeknüpft wurden. Wehrmachtslastwagen, beladen mit Leichen. Es sind sehr drastische Bilder unter den 50 Fotos, die vor einem Jahr anonym beim Amtsgericht Eschweiler eingingen. Zwei der harmlosesten haben die für NS-Verbrechen zuständige Dortmunder Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen jetzt veröffentlicht. Sie erhoffen sich davon Hinweise auf den Tatort, die genaue Tatzeit – und womöglich die Täter.

"Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit", sagt Staatsanwalt Andreas Brendel, hätten sich die Ermittler dafür entschieden, nur zwei der weniger brutalen Bilder zu zeigen. Aus dem gleichen Grund fiel nach einiger Diskussion der Beschluss, nicht nur die dargestellten Opfer, sondern auch die Wehrmachtssoldaten unkenntlich zu machen: "Noch wissen wir ja nicht, wem was angelastet werden kann." Auch wollten die Behörden vermeiden, dass die Bilder von Rechtsextremen zur Verharmlosung oder von militanten Antifaschisten für Jagdaufrufe missbraucht werden können.

In erster Linie sucht Brendel, der im vergangenen Jahr die Leitung der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft übernahm, nach dem Hinweisgeber, der die Bilder im Januar 2010 in einem Umschlag beim Amtsgericht Eschweiler abgegeben hatte. Bei den Fotos lag eine Notiz: Sie seien in den sechziger Jahren bei Renovierungsarbeiten eines Hauses in der Altstadt von Eschweiler aufgetaucht. Jetzt, schrieb der Unbekannte, wolle er, dass die Gräueltaten bestraft würden.

So drastische Bilder sind mir noch nicht untergekommen
Ulrich Maaß, ehemaliger Leiter der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft

Seit die Bilder an die zuständige Staatsanwaltschaft gelangten, sucht sie nach Hinweisen auf ihre Herkunft – bislang vergeblich. Wissenschaftler des Militärhistorischen Forschungsamtes in Potsdam schließen aus Gebäuden, Fahrzeugen und Uniformen, dass die Fotos wohl kurz nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 entstanden sind, zwischen dem Beginn von Unternehmen Barbarossa am 22. Juni und dem November desselben Jahres.

Die beteiligte Wehrmachtseinheit konnten jedoch weder die Ermittler noch Historiker identifizieren. Ein Teil eines Fahrzeug-Kennzeichens, das auf einem Bild zu erkennen ist, reicht nicht aus, um es einer Einheit zuordnen zu können: Außer dem WH für Wehrmacht Heer ist nur eine Ziffer zu sehen.

"Die Bilder haben mich auch emotional stark berührt", sagt Staatsanwalt Brendel. Auch seinem Vorgänger, dem langjährigen Leiter Ulrich Maaß, seien "so drastische Bilder noch nicht untergekommen". Hinrichtungen und brutale Schikane gegen Juden, russische Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung seien zu sehen. Wobei meist nicht genau zu erkennen ist, wer die Opfer sind. So ist der fünfzackige Stern, den einige Gefangene auf dem Rücken tragen, kein Davidstern – der hat sechs Spitzen. Auf Fotos von anderen Orten ist er Experten zufolge aber dennoch mit der Aufschrift "Jude" kombiniert bei Häftlingen zu sehen. Der Grauwert im schwarz-weißen Foto deutet zudem darauf hin, dass der Stern gelb ist wie jenes Abzeichen, das Juden tragen mussten.