Ein Gemälde zeigt den Schriftsteller Denis Diderot aus dem 18. Jahrhundert

Die ersten Bände der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des Métiers erschienen im Jahr 1751 und trafen, wie alle Bände danach, auf ein immenses Interesse. Intellektuelle, Ingenieure, aufgeklärte Staatsdiener, Juristen, Ärzte und Manufakturkapitalisten in ganz Europa kauften das Werk des Aufklärers Denis Diderot. Denn es veränderte die Welt, die bis dahin aus Hörensagen, mündlicher Überlieferung, einzelnen aufklärerischen Schriften und kleineren Lexikon-Editionen bestanden hatte.

Diderots Encyclopédie schien den Kontinent zu erleuchten. Sie war ein Angriff auf das christliche Weltbild, das Primat der Kirche und die von Gott abgeleitete Macht der Könige. Denn sie stellte Vernunft, wissenschaftliche Methoden und die Empirie über den Glauben und gilt als das wichtigste Werk der Aufklärung.

Das blieb nicht ohne Kritik. Da Diderot seine Haltung auch in diversen Essays kundgetan hatte, war er noch vor Erscheinen der ersten Bände verhaftet worden und mehrere Monate lang inhaftiert gewesen. Danach wurde er vorsichtiger, publizierte weniger Schriften und versteckte seine radikalen Ansichten in der Encyclopédie oft in frechen Verweisen. So steht unter dem Eintrag über Menschenfresserei der Hinweis "siehe auch unter Eucharistie, Kommunion, Altar etc."

Mit diesem Lexikon bekam die Aufklärung einen Common Ground . Die gebildeten Menschen Europas bedienten sich nun aus demselben Wissensschatz. Und indem sie die Encyclopédie nutzten und zitierten und übersetzten und erweiterten, verständigten sie sich darüber, wie die Welt ist. Die Encyclopédie zeigte, was die Elite Europas jenseits persönlicher Vorlieben, religiöser Überzeugungen und politischer Haltungen gemeinsam über die Welt aussagen konnte.

Denis Diderot selbst schrieb in seinem lexikalischen Beitrag zum Stichwort "Enzyklopädie": Sie ziele "darauf ab, die auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln, und es den nach uns kommenden Menschen zu überliefern, damit die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei". Mit diesem Tun verband er die Hoffnung, dass "damit unsere Enkel nicht nur gebildeter, sondern gleichzeitig auch tugendhafter und glücklicher werden, und damit wir nicht sterben, ohne uns um die Menschheit verdient gemacht zu haben".

Denis Diderot und sein Freund und Kollege Jean Baptiste le Rond d'Alembert schrieben ihr Lexikon gemeinsam mit 142 sogenannten Enzyklopädisten. Wissenschaftler aus ganz Europa trugen dazu genauso bei wie die Intellektuellen der französischen Aufklärung und Revolution: der Staatstheoretiker und Philosoph Montesquieu; der Schriftsteller und politische Autor Voltaire; und nicht zuletzt Jean Jacques Rousseau.

Doch außer ihnen lud Diderot auch Handwerker ein, machte sie zu Autoren, stellte ihre Kenntnisse gleichberechtigt neben die von Künstlern und Philosophen. Ein Uhrmacher beschrieb die Mechanik eines Uhrwerks, ein Kartograph teilte sein Wissen über die Vermessung der Erde.

Diderot arbeitete fast zwanzig Jahre an dem Lexikon, ein Lebenswerk. Fertig wurde er nicht. Nach 17 Textbänden und einigen zugehörigen mit Tafeln und Bildern übergab er seinen Nachfolgern die Aufgabe, es zu beenden. Sie taten es mit Bravour, mehrten den Ruhm und den finanziellen Gewinn der Encyclopédie. 1780 erschien der letzte Band, Nummer 35.