Ein Fußknochen des Frühmenschen "Australopithecus afarensis" © AAAS

Und sie taten es doch! Lucy und ihre Artgenossen gingen vor 3,2 Millionen Jahren aufrecht. Das schließen US-Forscher aus dem Fund eines Mittelfußknochens in Äthiopien. Er zeige eine Anatomie, die typisch für die Fußknochen des modernen Menschen sei, schreiben Forscher im Wissenschaftsjournal Science .

Seit Jahren streiten die Forscher: Kletterte der Urmensch Australopithecus afarensis – zu dem auch Lucy gehörte – noch auf Bäume und bewegte sich vierbeinig fort wie ein Schimpanse? Oder ging er aufrecht wie wir? Der Fund eines vierten Mittelfußknochens könnte die Sache endgültig klären, berichten Carol Ward von der Universität von Missouri und ihre Kollegen von der Universität von Arizona . Der Fuß, den die Forscher untersucht haben, stammt aus Hadar im Afrikanischen Grabenbruch, eine Fundgrube für Paläoanthropologen.

Der aufrechte Gang gilt als besonders wichtiger Schritt in der Evolution des Menschen. Um den Fuß abzurollen und die Schritte zu dämpfen, ist die Form der Mittelfußknochen, die die Zehen führen, von entscheidender Bedeutung. Und das Fundstück mit der Nummer AL 333-160 ist der erste, vollständig erhaltene vierte Mittelfußknochen eines A. afarensis , der jemals entdeckt wurde, schreiben die Forscher. Er gebe Hinweise auf die Bogenform des Fußes.

"Die Entwicklung von gebogenen Füßen war ein fundamentaler Wandel in der Evolution des Menschen", sagt Ward von der Missouri-Universität . Sie zeigten, dass unsere Vorfahren das Leben auf Bäumen hinter sich ließen und fortan ein Leben auf der Erde bevorzugten. Viele Menschen mit zu flachen Füßen hätten heute Schwierigkeiten mit ihrem Bewegungssystem. "Bögen in den Füßen sind für unsere Vorfahren genauso wichtig wie für uns."

A. afarensis hat vor 3,7 bis 2,9 Millionen Jahren gelebt. Sein berühmtester Vertreter ist Lucy – benannt nach John Lennons Lucy in the Sky With Diamonds . Sie wurde 1974 in Äthiopien entdeckt und galt mit ihren drei Millionen Jahren lange als der älteste Vormensch.

Viele Forscher nehmen an, dass Lucy bereits aufrecht ging. Doch das Skelett, das von ihr gefunden wurde, war unvollständig. Es gab also keinen Beweis, der den aufrechten Gang belegte. Das tut nun der Fußknochen.