ArchäologieDer Werkzeugkasten der ersten Amerikaner

Wer war als Erstes in Amerika? Fundstücke eines Forscherteams heizen die Diskussion um die Besiedlungsgeschichte des Kontinents an. von 

Einige der über 15.000 Artefakte, die am "Debra L. Friedkin"-Grabungsort gefunden wurden

Einige der über 15.000 Artefakte, die am "Debra L. Friedkin"-Grabungsort gefunden wurden  |  © Michael R. Waters/privat

Weit und eisig kalt war der Weg für die ersten Siedler nach Nordamerika. Ehe die letzte Eiszeit auf der Erde zu Ende ging, wanderten Siedler von Asien über die Beringstraße nach Amerika. Die Meerenge verband damals beide Kontinente, heute ist sie bis zu achtzig Kilometer breit. Seit mehr als 80 Jahren mutmaßen Forscher, dass die ersten Menschen vor gut 11.000 Jahren nach Amerika kamen und die Clovis-Kultur entwickelten. Die Existenz der Kultur ist durch zahlreiche Artefakte belegt – aber die Clovis-Menschen waren wohl doch nicht die ersten Amerikaner . Neue Funde könnten die vorherrschende Lehrmeinung endgültig widerlegen.

Dafür sprechen über 15.000 Fundstücke, die der Archäologe Michael R. Waters von der Texas A&M University und ein Team aus Wissenschaftlern im US-Bundesstaat Texas ausgegraben haben. Ihre Ergebnisse, die nun im Science -Magazin veröffentlicht werden, scheinen weitere Zeugnisse für eine andere Siedlungstheorie zu sein.

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Denn die Artefakte aus dem "Debra L. Friedkin"-Grabungsort in der Nähe von Austin sind zwischen 13.200 und 15.500 Jahre alt – und damit mindestens 1000 Jahre älter als die Artefakte der Clovis-Kultur. Das Forscherteam fand sie in Sedimenten, die unter einer Erdschicht mit einer Ansammlung von Clovis-Relikten liegen.

Waters leitet die Grabungen bei Austin seit 2006. "Viele Funde sind nur Trümmerstückchen von der Herstellung oder dem Nachschärfen von Werkzeugen. Wir haben aber auch über 50 Werkzeuge gefunden", erzählt er. "Die meisten sind Messer, die wahrscheinlich zum Schneiden und Schaben verwendet wurden."

Für die Altersbestimmung der zwanzig Zentimeter dicken Erdschicht, nutzten die Forscher die sogenannte Luminzenzdatierung . Bei dieser relativ neuen Methode messen Forscher die Stärke des Leuchtens eines Gegenstandes. Das Leuchten ist eigentlich eine Rückstrahlung. In jedem elektrisch nichtleitenden Körper entsteht ein durch Radioaktivität verursachter Strahlenschaden. Der reichert sich im Körper so lange an, wie er kein Sonnenlicht erhält, etwa wenn er unter der Erde liegt. Belichten Forscher nun Proben etwa aus Bohrungen, können sie anhand der rückgestrahlten Menge Licht berechnen, wie alt sie sind.

Die Forscher untersuchten Proben aus über fünfzig Bohrungen und kamen immer wieder auf etwa das gleiche Alter. Trotzdem rechnet man bei dieser Datierungsmethode mit einer Ungenauigkeit von zehn Prozent, bei mehreren Messungen sind es noch drei bis vier Prozent.

Auch die Fundstücke selbst seien Indiz dafür, dass sie älter sind als die der Clovis-Kultur. Die Wissenschaftler halten die Clovis-Werkzeuge für eine Weiterentwicklung der jetzt gefundenen, und  nicht andersherum. Zu ihnen gehören auch Faustkeile und Axtklingen. Sie sind klein und aus Hornstein. Sie könnten für eine Art mobilen Werkzeugkasten gedient haben. Denn sie sind so konzipiert, dass die Menschen sie leicht hätten verpacken und mitnehmen können, etwa wenn sie zu einem neuen Standort weiterzogen. Die Faustkeile und die Form der Klingen ähneln teilweise denen der Clovis-Technik. Große Tiere hat man damit aber kaum zerlegen können.

Die Clovis-Menschen hingegen konnten mit ihren Werkzeugen große Säugetiere wie ein Mammut oder Bisson jagen. Die Werkzeuge und Wurfgeschosse hatten eine spezielle Form. Die Pfeilspitzen aus Stein waren flöten-, fast ovalförmig und hatten eine relativ kleine Spitze. Die Speerspitzen hatten außerdem eine typische Auskehlung für die Befestigung am Speerstab.

Leserkommentare
    • Kiira
    • 25. März 2011 7:46 Uhr

    ...hätten die Besiedler Amerikas schreiben können, wenn es damals schon eine Kommentarfunktion gegeben hätte.

    Was wohl in 10.000 oder 100.000 Jahren von unserer Alltagskultur übrigbleibt? Atomendlager? AKW-Ruinen?

    • eeee
    • 25. März 2011 12:24 Uhr

    Also jetzt waren sie es doch nicht? Spekulation als Lehre ... da freut sich der Student, z.B.
    Prüfungsfrage: Was glauben Sie, wie es gewesen sein könnte? ... --- ... Ja, gute Story, das gibt ne 1,7.

  1. Hallo Frau Kögler,

    vielen Dank für Ihren Artikel.

    In der Nähe von Barstow gibt es eine privat betriebene Ausgrabungsstätte (Calico Early Men Site). Mir wurde dort persönlich von Artefakten berichtet, welche auf ein Alter von ca. 200.000 Jahre datiert werden. Die Frage ist, inwiefern die in Ihrem Text genannten Funde wirklich die ältesten Zeugnisse der Besiedlung des amerikanischen Kontinentes sind.

    Mein persönlicher Bericht dazu hier:: http://www.ploync.de/reis...

    Hier der zugehörige Wiki Artikel:
    http://en.wikipedia.org/w...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Artikel geht wahrscheinlich von einer Besiedlung durch
    Homo Sapiens aus. Zu denen war es vor 200 000 Jahren noch ein
    weiter Weg.

  2. Hätten die "ersten Amerikaner" bereits so urdeutsche "Errungenschaften" wie den TÜV oder Berufsgenossenschaften gekannt, säßen deren Nachfahren vermutlich heute noch (wegen mangelnder Ergonomie der Werkzeuge und zu hoher Feinstaubbelastung) in der sprichwörtlichen Höhle.
    Große Fortschritte gelingen immer nur dann, wenn kein Staat besserwisserisch, regulierend und reglementierend im Wege steht.
    Eine Lehre, die uns mit unserem von der Wiege (oder besser: von der Vorbereitung der Zeugung) bis zur Bahre (oder besser: bis zum Ablauf der "Ruhezeit" auf dem Friedhof) durchorganisierten Leben durchaus zu denken geben kann und darf.

  3. _
    sollten einmal unsere Beiträge lesen.

    Dann bräuchten sie nicht noch einmal 2000 Jahre
    ´herumzueiern´!

  4. Der Artikel geht wahrscheinlich von einer Besiedlung durch
    Homo Sapiens aus. Zu denen war es vor 200 000 Jahren noch ein
    weiter Weg.

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  • Schlagworte USA | Strahlenschaden | Australien | Nordamerika | Südamerika | Afrika
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