Raumfahrtgeschichte : Die tierischen Helden der Raumfahrt

Im April jährt sich der erste bemannte Raumflug zum 50. Mal. Vor Juri Gagarin kreisten andere Säugetiere um die Erde. Zu Ehren der tierischen Kosmo- und Astronauten.
Hündin im Weltall: Die Hündin Laika war das erste Lebewesen, das in einer Kapsel ins All geschossen wurde © OFF/AFP/Getty Images

Weltraumpioniere, das sind Juri Gagarin, Alan Shepard und John Glenn, Neil Armstrong und Walentina Tereschkowa. Doch wer erinnert sich an Laika, Ptscholka und Muschka, die Hündinnen, die ihr Leben für die Wissenschaft ließen? Was ist mit Belka, Strelka und Tschernuschka, die aus dem All zurückkehrten, ehe Gagarin die Reise wagte? Wer ehrt Swjosdotschka, seine unmittelbare Vorgängerin? Oder die US-Affen Gordo, Able, Baker, Ham und Enos?

Von den ungetauften Fruchtfliegen ganz zu schweigen, die am 20. Februar 1947 als erste Tiere ins All fliegen. Der suborbitale, also die Umlaufbahn nicht erreichende Hüpfer einer V2-Rakete dauert gute drei Minuten und kratzt mit 109 Kilometern Höhe gerade mal an der Grenze zum Weltall. Das Experiment soll die Wirkung der Strahlung in großer Höhe untersuchen. Die Fliegen kommen lebend zurück.

Albert II. hat nicht so viel Glück. Der Rhesusaffe, das erste Säugetier im Weltall, wird im Juni 1949 mit einer V2 in eine Höhe von gut 130 Kilometern geschossen. Bei der Rückkehr geht der Fallschirm nicht auf; Albert II. stirbt. Sein Schicksal teilen viele der zahlreichen Affen, die US-Weltraumforscher in den fünfziger und sechziger Jahren ins All schießen. Gordo etwa, ein Totenkopfäffchen wie Herr Nilsson aus den Pippi-Langstrumpf-Filmen: In seinem Raumanzug überlebt er 1958 den Start und acht Minuten Schwerelosigkeit ebenso wie die 40-fache Erdanziehungskraft, die beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auf ihn wirkt – doch dann versagt der Fallschirm, Kapsel und Affe versinken im Meer.

Ham fliegt ins All, der erste Schimpanse im Weltraum

Able und Miss Baker, ein Rhesus- und ein Totenkopfaffe, überleben 1959 als erste Primaten einen Raumflug. Dann werden die Schimpansen Ham und Enos dafür trainiert, während des Fluges auf Lichtsignale hin Hebel zu bedienen. Ham wird 1961 der erste Schimpanse im All und damit der Wegbereiter des ersten US-Raumflugs von Alan Shepard, Enos der erste Schimpanse im Orbit, Vorgänger des ersten Amerikaners in einer Umlaufbahn, John Glenn.

Die größte Pionier-Ehre aber gebührt der Hündin Laika, dem ersten Tier in der Umlaufbahn der Erde. Sie ist von proletarischer Herkunft: Laika ("Kläffer" auf Russisch) streunt bis zu etwa ihrem dritten Lebensjahr herrchenlos durch Moskau, bevor die sowjetische Raumfahrtbehörde sie engagiert – mit anderen Worten: einfängt. Der Mischling – wohl Sibirischer Husky mit Spuren von Terrier, Spitz oder auch Beagle – wird an enge Käfige gewöhnt, in Zentrifugen gesteckt, Lärm und Vibrationen ausgesetzt.

In einem verkabelten Korsett startet Laika im zweiten Satelliten, den die Sowjets in den Orbit bringen, Sputnik 2, am 3. November 1957 vom Weltraumhafen Baikonur. Ihr Herz schlägt dreimal so schnell wie normal. Nach sieben Stunden Flugzeit kommen keine Lebenszeichen mehr: Laika stirbt an Überhitzung, vermutlich wegen eines Defekts in der Wärmeisolierung, und an ihrer Angst.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

je nach dem

Je nach Behandlung der Tiere und ihrer vorherigen vorsichtigen Gewöhnung an Lärm und Beschleunigung muss das Ganze nicht einmal notwendigerweise Tierquälerei sein. Es gibt Hunde, die fliegen gern Flugzeug, warum sollten sie also nicht lernen, Raketen zu ertragen? Alles eine Frage dessen, wie Hundegerecht eine solche Fahrt ausgestattet wird.

Dass das damals Tierquälerei war, würde ich im Übrigen nicht einmal unterschreiben. Leika wurde - möglicherweise nicht ausreichend, aber das lässt sich im Nachhinein kaumn noch feststellen - an die Bedingungen während des Tests gewöhnt. Ihr Puls beruhigte sich im Weltall wieder, was für eine Abnahme des Stressniveaus gegenüber dem Start spricht. Ihr qualvoller Hitzetod war keineswegs eingeplant, sie sollte im Gegenteil nach einigen Tagen schnell und schmerzlos sterben. Vor dem Hintergrund dessen, das vorher noch nie ein Wesen im Weltall war, halte ich da einen Tierversuch für angebracht, bevor man Menschen hochschickt. Noch dazu, wo die Raumfahrt angesichts dessen, dass wir die Erde verseuchen, möglicherweise einmal die einzige Rettung für Mensch und Tier sein wird. Es wurde darauf geachtet, sie so wenig wie möglich zu quälen und sie schmerzlos zu töten. Das ist mMn nicht weniger verwerflich als artgerechte Nutztierhaltung mit anschließender Verspeisung (und kommen Sie mir ja nicht mit der Vegetarier-Keule! Die Nutztiere würde es alle nicht geben, wenn sie nicht gegessen würden).

Artgerechte Nutztierhaltung vergleichen Sie...

...mit Tieren, die in den Weltraum fliegen? Ich wüsste gerne, was Sie unter "artgerechter Nutztierhaltung" verstehen. Die grobe Richtung ist mir allerdings klar. Zunächst einmal können Tiere nicht artgerecht gehalten werden, denn ihren Arten wird eine Gefangenschaft niemals gerecht. Nutztiere ist im Übrigen ein ziemlich grausames Wort. Ihre Haltung der Artikelüberschrift gegenüber überrascht daher wenig. Traurig.

Empathie

... ist wohl nicht Ihre Stärke, kiskil lilla?

Wenn ich mir vorstelle, was man diesen Tieren alles angetan hat, allein nur, um sie an die zu erwartenden Bedingungen zu gewöhnen, dann werde ich traurig und wütend.

Wie wäre es, statt ins Weltall zu fliegen mit der illusionären Vorstellung, die Menschen könnten auf einen anderen Planeten gelangen, wenn wir die Erde NICHT zerstören würden?

Ein großer Baustein zur Rettung der Erde wäre die Abstinenz von Fleisch und anderen Tierprodukten.
Die artgerechte Haltung von "Nutztieren" macht nur einen winzigen Teil der Nutztierhaltung in Deutschland, Europa, den USA und zunehemend auch im übrigen Teil der Welt aus. Ganz überwiegend werden die Tiere eben NICHT artgerecht gehalten, ganz abgesehen davon, dass ALLEN diesen Tieren ein schreckliches Ende zuteil wird.

Tiere empfinden wie wir.
Wir sollten das endlich akzeptieren.