Adolf Eichmann während des Prozess 1961 in Jerusalem © Getty Images

Aus Buenos Aires vom Mossad entführt, in Jersualem zum Tode verurteilt: Vor 50 Jahren wurde Adolf Eichmann der Prozess gemacht. Ein Jahr lang blickte die Welt auf den Mann im Glaskasten, der sich seit dem 11. April 1961 für seine Verbrechen während des Nationalsozialismus verantworten musste. Am 31. Mai 1962 wurde er gehängt. 

Dass Eichmann für sich ein reines Gewissen hatte, darauf deuten nicht nur seine Aufzeichnungen aus dem Gefängnis hin – ein Konvolut mit dem Titel Götzen, bereits 2006 von Israel veröffentlicht. Sondern auch neue Dokumente, die das Staatsarchiv in Jerusalem nun unter der Überschrift "Ein Blick hinter die Kulissen der Festnahme und des Prozesses gegen Adolf Eichmann" für die Öffentlichkeit freigegeben hat. 

Zu den Unterlagen gehören weitere Auszüge seiner handschriftlichen Memoiren und Aufzeichnungen von Gesprächen des NS-Verbrechers mit seinem deutschen Anwalt Robert Servatius. Wie all die anderen Dokumente findet man auch diese nun im Internet, allerdings überwiegend in hebräischer Sprache.

Themen der Gespräche sind unter anderem Eichmanns Haftbedingungen. Man behandele ihn "korrekt", heißt es in einem Protokoll vom 20. Dezember 1960. Das Essen in der Haft sei gut und sein Gesundheitszustand außer einigen "Herzattacken" befriedigend. Er habe nicht unter Folter zu leiden, wird Eichmann darin zitiert.

Servatius fragte Eichmann während eines anderen Gesprächs, ob er während der Herrschaft des Nationalsozialismus Gaskammern gesehen habe. Eichmann antwortete, er habe "einmal eine kleine Gaskammer besucht, aber keine großen Räume, die zur Vernichtung dienten". Er habe "einen Haufen von Leichen gesehen, die offenbar vergiftet wurden". Auch zu seiner eigenen Rolle im Holocaust äußerte sich der damals 55-Jährige. Auf die Frage, ob er seine Taten bereue, sagte Eichmann: "Mein Gewissen ist völlig rein." Er habe niemanden getötet und nur Anweisungen von oben befolgt.

Auch über Eichmanns Einschätzung von Hitler ist etwas zu erfahren. Er bezeichnete den "Führer" als "Marionettenpuppe" internationaler Finanzkreise. Er beschrieb ihn als "impulsiv" und "guten Agitator". Ein Staatsmann sei der "Führer" aber nicht gewesen, so Eichmann weiter. "Er hat sich bei Wutausbrüchen kaum selbst gezügelt", sagte er laut Protokoll. Hitler sei nicht von Beratern, sondern von Befehlsempfängern umgeben gewesen, die es nicht wagten, seinen Ideen zu widersprechen. Er selbst habe Respekt vor Hitler gehabt.

Zu den Umständen seiner Entführung in Argentinien sagte Eichmann laut Protokoll, er sei von dem israelischen Einsatz "beeindruckt" gewesen. Er sei sehr "sportlich" verlaufen und ausgezeichnet geplant gewesen. Die Agenten hätten "besonders darauf geachtet, seinen Körper nicht zu verletzten", sagte Eichmann seinem Anwalt.

Eichmann war am 11. Mai 1960 von Agenten des israelischen Geheimdienst Mossad in San Fernando, einem Vorort der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, entführt worden. Dort hielt sich der SS-Obersturmbannführer mit seiner Familie versteckt, er nannte sich Ricardo Klement. Akten des US-Geheimdienstes CIA belegen, dass der Aufenthaltsort Eichmanns dem BND, der westdeutschen Regierung und auch der CIA seit 1958 bekannt war.