Weltraum-TourismusTicket ins All – für 35 Millionen Dollar

2001 flog Dennis Tito als erster Weltraumtourist zur ISS. Andere Multimillionäre folgten – oder haben einen Flug gebucht. Die Visionen der Raumfahrt-Reisebüros von 

SpaceShipTwo Virgin Galactic Weltraumtourismus

Die erste Raumfähre für Privatpersonen ist das SpaceShipTwo der Firma Virgin Galactic  |  © Robyn Beck/AFP/Getty Images

Nasa ISS Weltraumtourismus Weltall Ägypten

Fensterplatz für Touristen. Aus der Internationalen Weltraumstation ISS ist Ägypten gut zu erkennen.  |  © Nasa Johnson Space Center

spacetourism.de ist vergeben. Dort wirbt die deutsche Vertretung für "Rocketship-XCOR-Suborbital-Spaceflights". Die Flüge sollen 2013 starten, das Training kann schon jetzt im Mai beginnen. Der Preis: schlappe 95.000 US-Dollar. Billiger und schneller anzutreten sind Flüge in MIG-Kampfjets oder Parabelflüge, aber was ist schon ein bisschen Überschall oder Schwerelosigkeit gegen einen Weltraumflug.

Die Webadresse

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Weltraumtourismus ist noch kein Massenphänomen, aber immerhin waren schon sieben Menschen als zahlende Gäste auf der Internationalen Raumstation ISS – dabei ist es erst zehn Jahre her, dass Dennis Tito die Station im April 2001 als erster Weltraumtourist überhaupt besuchte. Der gelernte Ingenieur und zeitweilige Wissenschaftler der US-Weltraumagentur Nasa hatte mit seiner Investment- und Consulting-Firma Wilshire Associates so viel Geld verdient, dass er sich einen Ausflug ins All gönnen konnte.

Eigentlich wollte Tito die russische Raumstation Mir besuchen, die nach dem Ende der Sowjetunion zeitweise in der Obhut einer privaten Firma namens MirCorp war. Als bekannt wurde, dass Tito als erster Citizen Explorer (etwa: Bürgerforscher) ins All fliegen würde,  wurde von seinem früheren Arbeitgeber, der Nasa, scharf dafür kritisiert – unter anderem, weil eine wiederbelebte Mir den Plänen für eine gemeinsame Station von Russen und Amerikanern im Weg gestanden hätte.

Weltraumtouristen nach Tito

Der südafrikanische Software- und Internet-Unternehmer Mark Shuttleworth und der US-Geschäftsmann und Physikprofessor Gregory Olsen, dessen Unternehmen optoelektronische Geräte an die Nasa lieferte, waren 2002 und 2005 die ISS-Touristen Nummer zwei und drei.

Shuttleworth, der unter anderem die Linux-Variante Ubuntu mit anstieß, ist der erste Afrikaner im Weltraum (der Astronaut Patrick Baudry, der 1985 im Space-Shuttle mitflog, war zwar gebürtiger Kameruner, aber französischer Staatsbürger).

Anousheh Ansari

2006 flog die iranisch-amerikanische Unternehmerin und Ingenieurin Anousheh Ansari zur ISS. Gemeinsam mit ihrem Schwager stiftete sie mehrere Millionen Dollar für den Ansari-X-Preis: zehn Millionen Dollar für das erste private bemannte Raumschiff.

Mit SpaceShipOne gewann die Firma Scaled Composites 2004 den Preis. Dessen Nachfolger, SpaceShipTwo, soll im Auftrag der Firma Virgin Galactic in diesem Jahr Weltraumtouristen auf All-Ausflüge mitnehmen.

Daisuke Enomoto

Der japanische Internet-Unternehmer Daisuke Enomoto wurde zum verhinderten Weltraumtouristen: Mitten im Training im Sternenstädtchen bei Moskau teilte die russische Raumfahrtagentur mit, Enomoto sei aus medizinischen Gründen ungeeignet. Anousheh Ansari nahm seinen Startplatz ein.

Weil Enomoto auf Rückerstattung der Kosten klagte, weiß die Welt mittlerweile zum einen, dass Nierensteine ein Reisehindernis für Weltraumtouristen sind und zum anderen, dass er bereits 21 Millionen US-Dollar für den Flug bezahlt hatte. Enomoto verlor den Prozess.

Simonyi und Garriott

Gleich zweimal, 2007 und 2009, leistete sich der ungarisch-amerikanische Ex-Microsoft-Manager Charles Simonyi den Trip zur ISS.

Computerspiel-Guru Richard Allen Garriott (auch bekannt als Lord British in den Spielen seiner Ultima-Reihe und als General British in Tabula Rasa) hätte schon 2001 an Dennis Titos Stelle erster Privatastronaut sein sollen, war aber damals nach dem Platzen der Internet-Blase an den Finanzmärkten nicht ganz flüssig. Er reiste erst 2008.

Guy Laliberté

Der bislang letzte zahlende Gast auf der ISS war Guy Laliberté, der kanadische Gründer des Cirque du Soleil und Profi-Pokerspieler. Er widmete seiner Reise der von ihm gegründeten One Drop Foundation, die zum Ziel hat, allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Für ISS-Besuche haben als Kunden von Space Adventures auch schon der Finanzjongleur Nik Halik, die IT-Journalistin Esther Dyson und die frühere US-Diplomatin Barbara Barrett trainiert, kamen aber dann nicht zum Zuge.

Als die marode Mir dann doch aus dem Orbit geholt wurde, hatte Tito schon mit dem Training begonnen. Jetzt wollte er auf den Mir-Nachfolger, die ISS. Die russische Weltraumagentur war mit Titos Plänen einverstanden, weil sie dessen Geld – es heißt, er habe 20 Millionen Dollar bezahlt – gut gebrauchen konnte. Die Nasa war immer noch dagegen. Als Tito im Johnson Space Center für die US-Module der ISS trainieren wollte, schickte die Behörde ihn nach Hause.

Die 1998 gegründete Firma Space Adventures schaffte es dann gegen alle Widerstände, Tito zur ISS zu bringen. Am 18. April 2001 flog er in einer Sojus-Kapsel zur Station, verbrachte sieben Tage, 22 Stunden und vier Minuten im All und umkreiste die Erde 128 Mal. Es heißt, die Nasa habe exorbitante Schadenersatzforderungen angedroht, falls Tito an Bord der Station etwas beschädigen würde – und sei es die Moral der Mannschaft. Er führte auch Experimente durch, nach eigenen Angaben zum Nutzen seiner Firma. Genau genommen war er also kein Tourist, sondern Geschäftsreisender. Ob er die Kosten in seiner Steuererklärung angegeben hat, ist nicht überliefert.

Eine Dienstreise ins All gab es schon früher: Der Fernsehjournalist Toyohiro Akiyama besuchte 1990 im Auftrag seines Senders TBS die Mir und wurde so der erste Japaner im All. Im Gegenzug für die 28 Millionen US-Dollar, die TBS für den Flug zahlte, sendete Akiyama täglich zehn Minuten für das Fernsehen und 20 Minuten für das Radio.

Leserkommentare
    • tuo
    • 28. April 2011 15:05 Uhr

    Was sind "Provatpersonen"? ;)

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    • Afa81
    • 28. April 2011 15:09 Uhr

    Ich glaube das sind Leute, die dem Vatikan positiv gegenüber stehen...

    • Afa81
    • 28. April 2011 15:09 Uhr

    Ich glaube das sind Leute, die dem Vatikan positiv gegenüber stehen...

    Antwort auf "Bilderunterschrift:"
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    Redaktion

    Der Fehler in der Bildunterschrift wurde korrigiert.

    • _bla_
    • 28. April 2011 16:24 Uhr

    Vor allem ist das Ganze eine gigantische Energieverschwendung. Daher: Weltraumtourismus, bitte nicht!

    • Razor2
    • 28. April 2011 16:38 Uhr

    Das ist typisch Deutschland: Das erste was hier als Kommentar steht: Umweltverschmutzung...ja Braunkohlekraftwerke die sind in Ordnung aber Unternehmen die Jobs zu Tausenden schaffen und die Technologie mit riesen Schritten vorantreiben sind böse Umweltverschmutzer...

    Oh...und lesen bildet: Das SpaceShip Two (was auch als Illustration genutzt wurde) startet huckepack unter einem fast gewöhnlichem Düsenflugzeug...

  1. Wie kommt man denn bitte darauf, dass jemand für Braunkohle ist, wenn er sich gegen Weltraumtourismus ausspricht? Ich sehe das auch eher kritisch, schließlich ist schon der "normale" Tourismus nicht eben gut für die Umwelt und meist auch für die besuchten Länder. Immerhin gibt es beim Weltraumtourismus keine Bevölkerung, die man ausnutzen kann.

  2. Redaktion

    Der Fehler in der Bildunterschrift wurde korrigiert.

    Antwort auf "Provatpersonen"
  3. Ich trete durch meien Haustür ins Freie und sehe jeden Tag neues, sogar die Sterne. Nie werde ich hier alles gesehen haben. Was will ich im All???

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    • PGMN
    • 28. April 2011 19:02 Uhr

    Und trotzdem haben Sie den Antrieb, ins freie zu gehen. Auch in Ihrem Haus könnten Sie Ihr ganzes Leben verbringen, ohne jemals alles gesehen zu haben, Sie müssen nur genau genug hinsehen...

    • PGMN
    • 28. April 2011 19:02 Uhr
    8. Aha...

    Und trotzdem haben Sie den Antrieb, ins freie zu gehen. Auch in Ihrem Haus könnten Sie Ihr ganzes Leben verbringen, ohne jemals alles gesehen zu haben, Sie müssen nur genau genug hinsehen...

    Antwort auf "Tür auf"

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