Das Attentat am 13. Mai 1981: Der Papst Johannes Paul II. in seinem Fahrzeug auf dem Petersplatz in Rom, kurz nachdem ihn eine Kugel getroffen hat. © Tommy W. Andersen/Keystone/Getty Images

Der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca scheint von Johannes Paul II. nicht loszukommen. Sein Anwalt sagte kürzlich der Nachrichtenagentur AFP, Ali Agca wolle zum 30. Jahrestag seines Anschlags auf den Papst erst den portugiesischen Marien-Wallfahrtsort Fatima besuchen und anschließend am Grab von Johannes Paul II. im Petersdom Blumen niederlegen. Der 53-Jährige habe aber keine Antwort auf seine Visa-Anträge erhalten.

In Fatima soll Hirtenkindern am 13. Mai 1917 die Gottesmutter Maria erschienen sein, auf den Tag genau 64 Jahre, bevor am 13. Mai 1981 um 17.17 Uhr drei Schüsse aus Ali Agcas halbautomatischer Browning-Pistole den Papst trafen, der auf dem Weg zur Generalaudienz war. Mit Höchstgeschwindigkeit wurde der damals 60-jährige Papst vom Petersplatz in die Gemelli-Klinik gebracht.

Mehr als fünf Stunden lang wurde er dort operiert. Eine der Kugeln war in den Bauchraum eingeschlagen. Doch der Papst hatte Glück gehabt – oder den Beistand der Gottesmutter: Die Kugel hatte außer dem Darm kein wichtiges Organ und keine großen Blutgefäße getroffen und auch die Wirbelsäule verfehlt. Ein Abschnitt des Darms musste entfernt werden.

Die Legendenbildung begann umgehend. "Nackt wie Christus am Kreuz" habe Johannes Paul II. auf dem OP-Tisch gelegen, sagte am Morgen nach dem Attentat der vom Vatikan als Augenzeuge benannte Bischof Fiorenzo Angelini. Ende 1984 besuchte der Papst Ali Agca im Hochsicherheitsgefängnis Rebibbia. Sein Privatsekretär Stanislaw Dziwisz schrieb später, der Attentäter habe den Papst nach der "mächtigen Göttin von Fatima" gefragt, die ihn beschützt habe. Johannes Paul II. war sicher: Eine "mütterliche Hand hat die Flugbahn der Kugel geleitet".

Der Papst hatte die Heilige Maria, ganz in der Tradition seiner polnischen Heimat, stets besonders verehrt. Ihr Initial M führte er seit seinem Amtsantritt 1978 in seinem Wappen. Ein Jahr nach dem Anschlag bedankte er sich mit einer Wallfahrt nach Fatima bei seiner Beschützerin – und einem Geschenk: Er hatte die Kugel, die ihn beinahe getötet hätte, vergolden lassen. Die Madonnenstatue trägt sie bis heute in einer Krone auf ihrem Haupt.

Im Jahr 2000 veröffentlichte Johannes Paul II. die dritte Botschaft der Marienerscheinung von Fatima. Eines der Kinder, die die Gottesmutter 1917 gesehen haben wollten, hatte sie in einen verschlossenen Umschlag gesteckt. Für Johannes Paul war klar, dass der reichlich wirre Text über die Tötung eines "in Weiß gekleideten Bischofs" das Attentat auf ihn vorhersagte.

Dass der Papst seinem Attentäter noch auf dem Krankenbett verzieh und ihn später bei seinem Besuch im Gefängnis sogar umarmte, half, jenen übermenschlichen Nimbus auszubilden, der dazu führte, dass nach dem Tod Johannes Pauls II. am 2. April 2005 die Menge auf dem Petersplatz mit dem Ruf "Santo subito" die rasche Heiligsprechung forderte. Am 1. Mai hat sein Nachfolger, Benedikt XVI., ihn selig gesprochen. Das ist nach den Regeln der katholischen Kirche die Voraussetzung, um heilig gesprochen zu werden.

Zu den Gründen für die Bewunderung, die viele Katholiken dem als Karol Wojtyla bei Krakau geborenen Papst entgegenbringen, gehört dessen hartnäckige Kritik an den Regimes des Ostblocks und die Unterstützung für die Solidarnosc-Bewegung in Polen. Genau die soll der Grund für das Attentat gewesen sein, glaubt man der gängigsten der vielen Theorien, die ganze Regalmeter füllen. Das Opfer hielt Ali Agca nicht für einen Einzeltäter, er vermutete Hintermänner hinter dem Anschlag. Der Verdacht fiel auf Moskau und seine Verbündeten.