Geschichte des Mauerbaus "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"
Es begann mit einer Lüge. DDR-Staatsratschef Walter Ulbricht versicherte am 15. Juni 1961, es werde keine Mauer gebaut. Fast 30 Jahre lang sollte sie Deutschland trennen.
© Keystone/Getty Images

Anfang der Sechziger in Berlin: Schaulustige klettern auf einen Bus, um einen Blick über die gerade errichtete Mauer zu werfen.
Nach einer Mauer hat Annamarie Doherr gar nicht gefragt. Bei der Pressekonferenz, zu der der DDR-Staatsrat sie und 300 andere Journalisten aus aller Welt am 15. Juni 1961 eingeladen hat, soll es um die Vorschläge der Sowjetunion und der DDR für den Status Berlins gehen, und da ist viel die Rede von Frieden und Freiheit – nicht von Mauern.
Das Memorandum, das der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow am 4. Juni 1961 dem neuen US-Präsidenten John F. Kennedy bei ihrem ersten Treffen in Wien übergibt, klingt wie ein faires Angebot: "Die Sowjetregierung schlägt vor, schon jetzt ohne jede Verzögerung eine Friedenskonferenz einzuberufen, einen Friedensvertrag abzuschließen und auf dieser Grundlage die Frage Westberlins als einer freien Stadt zu lösen."
Doch die Details entsprechen dem für die Westalliierten unannehmbaren Drei-Staaten-Konzept, das die UdSSR schon länger verfolgt: Der Westen Berlins soll eine "Freie Stadt" bilden, eine neutrale Einheit neben Bundesrepublik und DDR. Amerikaner, Briten und Franzosen sollen ihre Truppen abziehen, und die DDR soll alle Verkehrswege nach Berlin kontrollieren. Der Westen der Stadt würde zur Insel.
- Viermächtestatus
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Bei der Konferenz von Jalta 1945 beschlossen die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs die Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und Berlins in vier Sektoren.
Sie setzten eine Alliierte Kommandatur in Berlin ein, in der Vertreter aller vier Besatzungsmächte einstimmige Entscheidungen fällten.
Die Einführung der Deutschen Mark – auch in Berlin 1948 – sieht die Sowjetunion als Provokation. Sie zieht ihren Vertreter aus der Kommandatur ab und reagiert mit der Berlin-Blockade. Die Westalliierten versorgen die Stadt per Luftbrücke.
- Sonderstatus in Ost-Berlin
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Die Sowjetunion setzte sich in ihrem Sektor nach und nach über den Viermächtestatus hinweg. Schon 1953 wurde der "Behelfsmäßige Personalausweis" für Berliner abgeschafft.
Nach dem Mauerbau wurde auch in Berlin die Wehrpflicht eingeführt, während Bundesbürger sich durch einen Umzug nach Berlin (West) dem Kriegsdienst entziehen konnten. Seit 1976 wurden auch die Ost-Berliner Abgeordneten bei Volkskammerwahlen direkt gewählt, und 1977 entfielen Kontrollen an der Stadtgrenze zwischen Ost-Berlin und DDR.
- Erbe der vier Mächte
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Bis zur Wiedervereinigung gab es Restbestände des Viermächtestatus, auch unter Mitwirkung der Sowjetunion. So betrieben die vier Besatzungsmächte gemeinsam das Kriegsverbrechergefängnis in Spandau bis zum Suizid des letzten Insassen Rudolf Heß 1987.
Militärpatrouillen konnten sich auch in den Sektoren der jeweils anderen Besatzungsmächte frei bewegen. Aus Respekt vor dem Sonderstatus Berlins hatte das Verteidigungsministerium der DDR seinen Sitz außerhalb der Stadt in Strausberg.
Moskau hat dem Westen 1958 schon einmal mit Krieg gedroht, wenn Bundesrepublik und westliche Alliierte der "Freien Stadt" nicht binnen sechs Monaten zustimmten und ihre Truppen abzögen. Doch auch die USA stellen klar, dass sie den Status Berlins und den freien Zugang zum Westteil notfalls militärisch verteidigen würden. Das Ultimatum verstreicht ohne Folgen.
Aber der Handlungsdruck auf Moskau und Berlin (Ost) wächst, denn dem Arbeiter- und Bauernstaat gehen die Arbeiter und Bauern von der Hammer-und-Zirkel-Fahne. Zwischen September 1949 und August 1961 fliehen zweieinhalb Millionen DDR-Bürger in den Westen – die meisten über Berlin, denn die Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik wird bereits seit 1952 scharf bewacht. In Berlin kostet "Republikflucht" nur so viel wie eine S-Bahn-Fahrkarte aus dem sowjetischen Sektor in einen der drei Westsektoren.
Also kommt es 1961 zur Neuauflage der Berlin-Krise von 1958. Machtpolitisch scheint die Lage günstig für die Sowjets: Die USA haben sich im April mit der gescheiterten Invasion in der kubanischen Schweinebucht eine blutige Nase geholt, die Sowjetunion dagegen hat gerade den ersten Menschen ins All geschossen und den Gegner im Wettstreit der Systeme damit zusätzlich gedemütigt.
Vor diesem Hintergrund ist das Interesse an der "bedeutsamen Pressekonferenz" vom 15. Juni groß, wie der DDR-Rundfunk seine Aufzeichnung ankündigt. Der Kommentator macht es spannend: "Jetzt betritt der Vorsitzende des Staatsrates, Genosse Walter Ulbricht, den Saal. Die Pressekonferenz beginnt. Meine Damen und Herren! Auf der Tagesordnung des Jahres 1961 steht – das weiß heute jeder – der Friedensvertrag mit Deutschland und die Lösung des Westberlinproblems."
- Datum 15.06.2011 - 13:37 Uhr
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immer aktuell und nun bereits bei 1961 angekommen.
Wie wäre es mal mit einem Bericht über den Mauerbau und die Toten an der Texas-Mauer?
Nur zu blöd, dass diese Mauer illegale Einwanderer abhalten soll. Wer legal einreisen möchte, hat die Möglichkeit.
Bei der Berliner Mauer war dies nicht der Fall.
Bin gespannt, wann hier der nächste mit der israelischen Mauer aufkreuzt
Lieber Leser,
danke für den Hinweis. Selbstverständlich beschäftigt sich ZEIT ONLINE auch mit dem von Ihnen genannten Thema. Hier ein neuerer Artikel dazu:
http://www.zeit.de/gesell...
Den Artikel zum Mauerbau haben wir heute im Ressort Geschichte unter anderem gebracht, weil sich Walter Ulbrichts berühmter Ausspruch vor der Presse heute zum 50. Mal jährt.
Für die deutsche Geschichte ist jener Tag aus unserer Sicht so wichtig, dass man durchaus auch wiederholt darüber berichten sollte.
Und es dürfte eine ganze Reihe jüngerer Leser geben, denen nicht alles geläufig ist, was 1961 in Berlin passiert ist - und die es deshalb gerne einmal zusammengefasst lesen.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Nur zu blöd, dass diese Mauer illegale Einwanderer abhalten soll. Wer legal einreisen möchte, hat die Möglichkeit.
Bei der Berliner Mauer war dies nicht der Fall.
Bin gespannt, wann hier der nächste mit der israelischen Mauer aufkreuzt
Lieber Leser,
danke für den Hinweis. Selbstverständlich beschäftigt sich ZEIT ONLINE auch mit dem von Ihnen genannten Thema. Hier ein neuerer Artikel dazu:
http://www.zeit.de/gesell...
Den Artikel zum Mauerbau haben wir heute im Ressort Geschichte unter anderem gebracht, weil sich Walter Ulbrichts berühmter Ausspruch vor der Presse heute zum 50. Mal jährt.
Für die deutsche Geschichte ist jener Tag aus unserer Sicht so wichtig, dass man durchaus auch wiederholt darüber berichten sollte.
Und es dürfte eine ganze Reihe jüngerer Leser geben, denen nicht alles geläufig ist, was 1961 in Berlin passiert ist - und die es deshalb gerne einmal zusammengefasst lesen.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Nur zu blöd, dass diese Mauer illegale Einwanderer abhalten soll. Wer legal einreisen möchte, hat die Möglichkeit.
Bei der Berliner Mauer war dies nicht der Fall.
Bin gespannt, wann hier der nächste mit der israelischen Mauer aufkreuzt
"Hammer-und-Zirkel-Fahne"
Ist das nicht Hammer und Sichel.
es muesste heisen:
"hammer-zirkel-aehrenkranz" - siehe ddr-fahne
"hammer-sichel" - siehe udssr-flagge
es muesste heisen:
"hammer-zirkel-aehrenkranz" - siehe ddr-fahne
"hammer-sichel" - siehe udssr-flagge
es muesste heisen:
"hammer-zirkel-aehrenkranz" - siehe ddr-fahne
"hammer-sichel" - siehe udssr-flagge
...wissen will, kann sie im Internet recherchieren.
Allerdings sollte dann fairerweise auch die Seite der DDR gehört werden.
Fairniss und Wahrheit scheinen aber in diesem Land nicht erst mit der Krise den Bach runter gegangen zu sein.
Klären Sie uns auf: was waren denn die "wahren" Gründe für den Mauerbau?
Klären Sie uns auf: was waren denn die "wahren" Gründe für den Mauerbau?
beginnt auch jede politische Initiative mit einer Lüge: Irak I+II, Afghanistan, Libyen, Vietnam ... usw. den Kleinkram spar ich mir - kennt ja eh jeder, oder?
... ach ja, der Aufschwung ist gerade eine beliebte Lüge und die aktuelle "Demokratie" als ganzes betrachtet - hab ich was wichtiges vergessen? Natürlich : Atomkfaft ist sicher und Schweine können fliegen ....
Lieber Leser,
danke für den Hinweis. Selbstverständlich beschäftigt sich ZEIT ONLINE auch mit dem von Ihnen genannten Thema. Hier ein neuerer Artikel dazu:
http://www.zeit.de/gesell...
Den Artikel zum Mauerbau haben wir heute im Ressort Geschichte unter anderem gebracht, weil sich Walter Ulbrichts berühmter Ausspruch vor der Presse heute zum 50. Mal jährt.
Für die deutsche Geschichte ist jener Tag aus unserer Sicht so wichtig, dass man durchaus auch wiederholt darüber berichten sollte.
Und es dürfte eine ganze Reihe jüngerer Leser geben, denen nicht alles geläufig ist, was 1961 in Berlin passiert ist - und die es deshalb gerne einmal zusammengefasst lesen.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Ein Freudscher Versprecher war das mit Sicherheit nicht. Genau den Satz habe ich im Juni 1961 aus Ulbrichts Mund im DDR-Radio gehört. Wäre ja nicht nötig gewesen.
Und eine Lüge war das für jemand der DDR-Sprech versteht, auch nicht. Für mich hiess das klar und deutlich, dass eine Mauer gebaut wird.
Der Stacheldraht aus der Bundesrepublik müsste ja auch schon bestellt gewesen sein.
Die Mauer als ost-westliches Gemeinschaftswerk wäre vielleicht ein Thema zum 60. Jahrestag. Bitte nicht später, denn ich möchte es noch erleben.
Ein Freudscher Versprecher war das mit Sicherheit nicht. Genau den Satz habe ich im Juni 1961 aus Ulbrichts Mund im DDR-Radio gehört. Wäre ja nicht nötig gewesen.
Und eine Lüge war das für jemand der DDR-Sprech versteht, auch nicht. Für mich hiess das klar und deutlich, dass eine Mauer gebaut wird.
Der Stacheldraht aus der Bundesrepublik müsste ja auch schon bestellt gewesen sein.
Die Mauer als ost-westliches Gemeinschaftswerk wäre vielleicht ein Thema zum 60. Jahrestag. Bitte nicht später, denn ich möchte es noch erleben.
Die Glaubwürdigkeit von Herrn Ulbricht ähnelt der von Frau Merkel. "Wir verlängern der die Laufzeiten der AKWs" aber tatsächlich werden die AKWs bis 2022 abgeschaltet. Wo ist da der Unterschied an Glaubwürdigkeit. Die Union wird dafür noch schwer büssen. Im übrigen haben unsere Politiker ebenso solche Vertrauensbrüche begangen wie seinerzeit Ulbricht. Wo ist da der Unterschied.
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