VietnamkriegDie Enthüllung der Pentagon-Papiere hat die Presse gestärkt

1971 enthüllte die Presse US-Regierungsinterna zur Planung des Vietnamkriegs. Erst jetzt sind die Pentagon-Papiere öffentlich. Die Geschichtsschreibung ändert das nicht. von dpa

Daniel Ellsberg Pentagon-Papiere Vietnamkrieg USA

Daniel Ellsberg auf einer Pressekonferent in den Siebzigern. 1971 wurden Teile aus den Pentagon-Papieren öffentlich, die er der Presse zugespielt hatte.  |  © Hulton Archive/Getty Images

Genau 40 Jahre nach ihrer spektakulären Erstveröffentlichung in der Presse sind die "Pentagon-Papiere" der US-Regierung zum Vietnamkrieg am Montag offiziell freigegeben worden. Seither kann jeder sich die Papiere auf den Webseiten des Nationalarchivs herunterladen. Außerdem sind die vollständigen Dokumente nun im Nationalarchiv in College Park im US-Bundesstaat Maryland sowie in drei Präsidentenbibliotheken einsehbar.

Die Pentagon-Papiere mit dem offiziellen Titel United States – Vietnam Relations, 1945-1967: A Study Prepared by the Department of Defense waren 1967 vom damaligen Verteidigungsminister Robert McNamara in Auftrag gegeben worden. In den insgesamt mehr als 7.000 Seiten umfassenden Papieren hatten das Pentagon und das US-Außenministerium die Vorgeschichte des Vietnamkrieges und Washingtoner Entscheidungsprozesse dokumentiert. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass der Krieg von langer Hand vorbereitet worden war. Ein Teil der Papiere war der New York Times zugespielt worden, die am 13. Juni 1971 mit der Veröffentlichung begann.

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Überraschendes erwarten Historiker von der jetzt vollständigen Veröffentlichung der Papiere kaum. Allerdings lenken sie die Aufmerksamkeit wieder einmal auf die scharfe Geheimhaltungspolitik der USA, die sich auch unter Präsident Barack Obama nicht verändert hat. Das zeigt vor allem das harte Vorgehen gegen den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. Er wird des Hochverrats beschuldigt und sitzt nach Monaten in Einzelhaft nun im Hochsicherheitsgefängnis Fort Leavenworth in Kansas. Als Mitglied einer Aufklärungseinheit in Bagdad soll der Gefreite mehr als 250.000 zum Teil als geheim eingestufte Regierungs- und Armeedokumente an die Internet-Enthüllungsplattform weitergeleitet haben.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere hat sich auch dessen Enthüller Daniel Ellsberg in einer öffentlichen Kampagne zusammen mit anderen Aktivisten für den in Untersuchungshaft sitzenden Soldaten eingesetzt. "Wenn Bradley Manning getan hat, was ihm zur Last gelegt wird, ist er für mich ein Held", sagte Ellsberg in einer Presseerklärung. "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass unsere Regierung sich bei der Behandlung von Informanten in den vergangenen 40 Jahren weiterentwickelt hätte", sagte der Ökonom. Stattdessen werde in einer beispiellosen Kampagne sehr hart gegen Staatsdiener vorgegangen, die Dinge aufdecken, von denen der Kongress und die amerikanischen Bürger das Recht hätten, sie zu erfahren.

Ellsberg hatte im Jahr 1971 einem Reporter der New York Times Kopien der Papiere zugesteckt. Er war damals Mitarbeiter der US-Denkfabrik Rand Corporation, die Zugang zu den Akten hatte, und handelte unter dem Eindruck der zwei Jahre, die er als US-Botschaftsmitarbeiter in Vietnam verbracht hatte. Er entwarf Ausstiegsszenarien und hatte Kontakt zu Friedensaktivisten. Bereits 1969 hatte er begonnen, die Papiere nach und nach aus dem Safe seines Arbeitgebers zu entwenden und über Nacht an einem Kopierer in einer Werbeagentur in Hollywood zu vervielfältigen. 

Leserkommentare
  1. Bloß weil es irgendwo in der Welt Journalisten gibt, die ihren Job noch ernst nehmen, gilt das sicher nicht für 95% dieser Zunft. Die meisten schreiben einfach nur Regierungs-PR.

    Lustig ist auch, wenn Zeitungen automatisch Agenturmeldungen übernehmen, wie diese:

    http://www.google.de/sear...

    Anm.: Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

  2. heute undenkbar. Damals waren die Washington Post und die New York Times bereit für die Veröffentlichung zu kämpfen und der Suprime Court gab den beiden Zeitungen Recht. Würde sich ein ähnlicher Fall vierzig Jahre später (also heute) abspielen, dann würde die Öffentlichkeit davon nur über Umwege erfahren. Die Presse würde vorrauseilendem Gehorsam Selbstzensur betreiben. In der Presselandschaft fehlen eben Persönlichkeiten wie der alte Augstein oder Woodward und Bernstein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Presse | Barack Obama | Daniel Ellsberg | Hollywood | Post | Pressefreiheit
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