Chiles Ex-PräsidentDie Akte Allende ist geschlossen – endgültig?

Nach fast 40 Jahren ist es offiziell: Der chilenische Präsident Salvador Allende tötete sich während des Putsches 1973 selbst. Ein Experte zweifelt. von 

Im Präsidentenpalast: Leibwächter beschützen während des Putsches am 11. September 1973 den damaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende.

Im Präsidentenpalast: Leibwächter beschützen während des Putsches am 11. September 1973 den damaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende.  |  © Luis Orlando Lagos Vázquez/Keystone/Getty Images

Für Isabel Allende war es eine Gewissheit, die sie immer wieder öffentlich aussprach: Ihr Vater Salvador Allende, Chiles erster sozialistischer Präsident, entschied sich während des Putsches 1973 für den Freitod, um sich Demütigungen und Schlimmeres zu ersparen.

Die Politikerin der Sozialistischen Partei Chiles sieht sich nun bestätigt: Zwei Monate nach der Exhumierung des Leichnams Allendes kommt nun auch ein Team nationaler und ausländischer Rechtsmediziner zu dem Schluss, dass der Präsident sich selbst erschoss.

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Dann sah ich, wie sein Körper durch den Schuss aus einer Maschinenpistole hochgerissen wurde

Patricio Guijón, Allendes Leibarzt

Zu Lebzeiten war Allende ein Hoffnungsträger der Linken. Mit seiner aufrechten Haltung am 11. September 1973 verwandelte er sich schließlich in einen Mythos, der auch politisch  Desinteressierten etwas sagt. Um 11.00 Uhr vormittags griffen von Armeechef Augusto Pinochet ausgesandte Bomber den Präsidentenpalast La Moneda im Zentrum von Santiago an und setzten Teile des Gebäudes in Brand. Allende zog sich inmitten des Chaos allein in einen Salon zurück. Im Palast hielten sich noch 40 Weggefährten auf, hauptsächlich Sicherheitsbeamte und Ärzte. Die übrigen Angestellten hatte der Präsident nach Hause geschickt.

Was dann folgte, beschrieb Allendes Leibarzt Patricio Guijón Jahre später so: "Ich sah Licht (in dem Salon). Ein Mann saß auf einem Stuhl, etwa fünf bis acht Meter entfernt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es der Präsident war. Dann sah ich, wie sein Körper durch den Schuss aus einer Maschinenpistole hochgerissen wurde. Ich rannte hin, stellte aber fest, dass nichts mehr zu machen war."

Eine von Pinochet noch am Todestag in Auftrag gegebene Autopsie deckt sich mit der Aussage Guijóns. Der Militärstaatsanwalt kam zu dem Schluss, der Präsident habe sich mit seiner Kalaschnikow AK-47 erschossen. Die Waffe ist auch auf dem wohl berühmtesten Foto von Allende zu sehen, das den Präsidenten während des Angriffs umringt von Leibwächtern zeigt.

Zweifel am Selbstmord

Fidel Castro hatte das Sturmgewehr seinem Freund Allende bei einem vierwöchigen Besuch in Chile 1971 geschenkt. Der kubanische Revolutionsführer war dann auch einer der ersten, die öffentlich die Ansichten vertraten, die Putschisten hätten Allende umgebracht. Die Hypothese erhielt 2008 neuen Auftrieb, als der chilenische Gerichtsmediziner Luis Ravanal die offizielle Autopsie mit Fotografien vom Tatort und einem Polizeibericht verglich und dabei Widersprüche feststellte.

Weil die Zweifel nicht verstummten, beauftragte die chilenische Justiz das staatliche Amt für Rechtsmedizin, den Leichnam Allendes zu exhumieren und seine Todesursache neu aufzurollen. Die Nachkommen Allendes gaben nach langem Widerstand schließlich einer erneuten Exhumierung ihren Segen. Die fand am 23. Mai statt. Am vergangenen Dienstag stellten die Gutachter ihre Ergebnisse vor.

Die letzten Sekunden im Leben Allendes spielten sich demnach so ab: Der Präsident saß in einem Sessel, hielt die AK-47 zwischen den Beinen und drückte ab. Das tödliche Projektil trat durch das Kinn ein und am Hinterkopf wieder aus. Allende habe noch einen weiteren Schuss abgegeben, weil die Waffe auf Automatikmodus eingestellt gewesen sei, sagte der britische Ballistikexperte David Pryor. Das zweite Geschoss wurde allerdings nie gefunden. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Dritte beteiligt gewesen seien, betonte Pryor.

Leserkommentare
  1. Eigentlich ist es völlig egal wie Allende umkam. Wirklich interessant ist, wie sich das Land danach entwickelt hat und wer davon profitiert hat.

    Ist mal wieder typisch, dass die Rolle der USA noch nichtmal erwähnt wird.

    http://de.wikipedia.org/w...

    9 Leserempfehlungen
  2. um die USA; ich kann mich noch sehr deutlich daran erinnern, daß am Tag nach dem Putsch in der FAZ ein Artikel erschien mit der Überschrift: Chile - jetzt investieren!.
    Es wird Zeit, daß der Militärputsch und die Rolle der USA dabei aufgearbeitet wird; und bei der Gelegenheit sollte man auch die Rolle der USA, speziell der CIA, bei anderen Militärputschen untersuchen, schon um der Wahrheit willen.
    Ich fürchte aber, daß wird nicht umfassend passieren; selbst Barack Obama dürfte daran kein Interesse haben.
    Es ist aber zu begrüßen, daß jetzt offensichtlich chilenische Politiker selbst dabei helfen wollen, das Schicksal der Vermissten und Toten aufzuklären; selbst wenn keine Gerechtigkeit mehr zu erwarten ist - die Täter dürften vermutlich nicht mehr verurteilt werden, wenn sie überhaupt festgestellt werden können. Immerhin wäre es für die Bevölkerung hilfreich, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten.

    5 Leserempfehlungen
  3. erfolgreichen und nicht erfolgreichen Putschversuchen in Verbindung mit der CIA reden:

    http://www.youtube.com/wa...

    Den Putsch gegen Allende hat jeder noch wahrgenommen, aber wer hat eigentlich den initierten Putsch gg Hugo Chavez, demokratisch gewählter Präsident von Venezuela, im Jahr 2002 wahr genommen?

    3 Leserempfehlungen
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    Alle die es interessiert haben es wahrgenommen. Unsere hiesigen Medien hat es nicht interessiert. Die hat auch der Putsch in Honduras vor kurzem nicht interessiert, der sogar noch von der FDP nahen Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützt wurde.

    Gerade in Süd- und Mittelamerika haben die USA (und auch europ. Staaten) soviele Leichen im Keller das einem schlecht wird. Auf die Aufarbeitung darf man dann hoffen wenn die Verantwortlichen tot sind. Das dürfte in den nächsten 5-10 Jahren der Fall sein.

    Und jetzt hat sich Südamerika einigermaßen emanzipiziert. Nun muss halt Afrika dran glauben.

    • Ersti
    • 11. September 2013 13:56 Uhr

    hat seinen eigenen Putsch ganz ohne Hilfe der CIA unternommen.

  4. Alle die es interessiert haben es wahrgenommen. Unsere hiesigen Medien hat es nicht interessiert. Die hat auch der Putsch in Honduras vor kurzem nicht interessiert, der sogar noch von der FDP nahen Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützt wurde.

    Gerade in Süd- und Mittelamerika haben die USA (und auch europ. Staaten) soviele Leichen im Keller das einem schlecht wird. Auf die Aufarbeitung darf man dann hoffen wenn die Verantwortlichen tot sind. Das dürfte in den nächsten 5-10 Jahren der Fall sein.

    Und jetzt hat sich Südamerika einigermaßen emanzipiziert. Nun muss halt Afrika dran glauben.

    6 Leserempfehlungen
    • isih
    • 22. Juli 2011 17:39 Uhr

    Salvador Allende war nicht Isabel Allendes Vater, sondern ihr Onkel zweiten Grades

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    Redaktion

    Sehr geehrter isih,

    Sie hätten Recht, wenn es im Artikel um die Schriftstellerin Isabel Allende ginge. Sie ist in der Tat nicht Salvador Allendes Tochter. Im Artikel ist jedoch die Rede von der sozialistischen Politikerin Isabel Allende, die wiederum die Tochter von Salvador ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franziska Kelch

    Würde man die offiziellen Namen der Personen benutzen, also hier die chilenische Form wie sie in den Geburtsurkunden gebraucht wird, dann gäbe es diese Problem nicht.
    - Isabel Allende Llona ist die Schriftstellerin und eine Nichte S.Allendes väterlicherseits.
    - Isabel Allende Bussi ist die Tochter S.Allendes und Mitglied der PS (Partido Socialista de Chile), einer von mehreren Mitte-Links-Parteien in Chile.

    Zum Artikel selbst: Es ist wichtig das man im Land die Vergangenheit aufarbeitet und dabei spielen die Jahre keine Rolle oder in wie weit die USA daran beteiligt waren. Man versucht hier einen Schlussstrich zu ziehen und das nicht erst seit dem akt. amtierenen Präsidenten (auch wenn es im Artikel so scheint). Die Verfolgung und Verurteilung von Paul Schäfer, einem Pinochet-Schergen, gehören ebenfalls zu diesem Puzzle und liegt weit vor Piñeras Amtsantritt.

  5. Redaktion

    Sehr geehrter isih,

    Sie hätten Recht, wenn es im Artikel um die Schriftstellerin Isabel Allende ginge. Sie ist in der Tat nicht Salvador Allendes Tochter. Im Artikel ist jedoch die Rede von der sozialistischen Politikerin Isabel Allende, die wiederum die Tochter von Salvador ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franziska Kelch

    Antwort auf "nicht der Vater"
  6. Würde man die offiziellen Namen der Personen benutzen, also hier die chilenische Form wie sie in den Geburtsurkunden gebraucht wird, dann gäbe es diese Problem nicht.
    - Isabel Allende Llona ist die Schriftstellerin und eine Nichte S.Allendes väterlicherseits.
    - Isabel Allende Bussi ist die Tochter S.Allendes und Mitglied der PS (Partido Socialista de Chile), einer von mehreren Mitte-Links-Parteien in Chile.

    Zum Artikel selbst: Es ist wichtig das man im Land die Vergangenheit aufarbeitet und dabei spielen die Jahre keine Rolle oder in wie weit die USA daran beteiligt waren. Man versucht hier einen Schlussstrich zu ziehen und das nicht erst seit dem akt. amtierenen Präsidenten (auch wenn es im Artikel so scheint). Die Verfolgung und Verurteilung von Paul Schäfer, einem Pinochet-Schergen, gehören ebenfalls zu diesem Puzzle und liegt weit vor Piñeras Amtsantritt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "nicht der Vater"
    • fauler
    • 23. Juli 2011 15:58 Uhr

    ...wenn die Redaktion auch mal beantworten würde, warum Geschehnisse auf der Welt von den Medien nur halb dargestellt werden?

    Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

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