Mauerspechte bei der Arbeit: Männer hämmern am 10.11.1989 auf die Berliner Mauer ein. © dpa

"Artikelzustand: gebraucht", heißt es in der Beschreibung auf eBay. Das kann man wohl sagen. Der zu verkaufende Gegenstand hat einiges erlebt, weist Kratzer und Krater auf. Es handelt sich um ein Stück aus der Berliner Mauer. Ein ziemlich großes Stück: 3,60 mal 1,20 Meter rund 2,8 Tonnen schwer. Zum Sofortkauf-Preis von 4.500 Euro.

Solche Segmente sind auch heute noch – 50 Jahre nach dem Bau und 22 Jahre nach der Öffnung der Berliner Mauer – gar nicht so selten zu bekommen. Bis 1990 stand das Mauerteil, das heute in Glienicke bei Berlin lagert, am Potsdamer Platz. So steht es in der Artikelbeschreibung. Am 30. Mai zwischen sechs und zwölf Uhr wurde es dort abgeholt. "Verlängerte Ladezeit (Abbruch) an Staatsgrenze", verzeichnet ein Transportschein, als Entladestelle "Lagerplatz" und als Transportgut "Mauerteile" mit dem Hinweis "L-Teile".

Die ersten Mauerteile ließ die DDR-Regierung schon Mitte November 1989 entfernen, um nach der Grenzöffnung zusätzliche Übergänge zu schaffen. Viele Fernsehbilder von Kränen, die vor jubelnden Menschenmengen Segmente aus dem "antifaschistischen Schutzwall" heben, stammen aus diesen Tagen. Der eigentliche Abriss begann erst im Juni 1990. Bis dahin wurde die Mauer sogar bewacht – auf der Ostseite, versteht sich. Im Westen pickten hingegen schon die so genannten Mauerspechte am Betonwall.

Nicolas Sarkozy will einer der ersten gewesen sein

Einer der ersten will Nicolas Sarkozy gewesen sein: Der französische Präsident postete auf Facebook ein Bild, das ihn beim Hämmern an der Mauer zeigt – angeblich schon in der Nacht des 9. November 1989 und angeblich auf der Ostseite, obwohl das Foto ein dick mit Graffiti besprühtes Mauerstück zeigt. DDR-Grenzpolizisten waren nicht dafür bekannt, Sprayer gewähren zu lassen. Zweifel sind berechtigt.

1989 fiel die Berliner Mauer. Hintergründe, Videos, Kommentare und eine interaktive Zeitleiste ©  Gerard Malie/afp/Getty Images

In Wirklichkeit war es wohl ein unbekannter Westberliner, der als erster Hammer und Meißel schwang. Ob es ihm oder ihr darum ging, möglichst schnell den Slogan "die Mauer muss weg" in die Tat umzusetzen, ob künstlerischer Impetus oder vorausschauender Geschäftssinn der Antrieb war: In den folgenden Monaten entwickelte sich das Klopfen zu einer Art Volkssport. Die DDR-Grenzer reparierten die größten Löcher zunächst mit Betonplatten. Die Polizei im Westteil versuchte halbherzig, die Sachbeschädigung zu unterbinden.

Bald entwickelte sich ein schwunghafter Handel mit Mauerbrocken. Besonders begehrt waren Teile mit Graffiti-Resten – wohl auch, weil ein Stück Mauer sonst aussieht wie irgendein Zementklumpen. Selbstverfasste Zertifikate beteuerten die Echtheit der Stücke. Böse Zungen behaupten dennoch, aus den seit 1989 als Mauerstücke verkauften Betonbröseln ließe sich eine Grenzmauer um die ganze wiedervereinte Bundesrepublik bauen.