Nobelpreisträgerin Marie Curie Als Ikone vermarktet, aber der Forschung verschrieben

Vor 100 Jahren bekam die Physikerin Marie Curie ihren Zweiten Nobelpreis. Sie gilt bis heute als ein Vorbild für Frauen in der Forschung – und wollte es doch nie sein.

Marie Curie arbeitet 1925 in ihrem Labor an der Pariser Universität.

Marie Curie arbeitet 1925 in ihrem Labor an der Pariser Universität.

"Wir haben hier eine vollkommen unabhängige Chemie […], welche wir die Chemie des Unberechenbaren nennen könnten." Mit diesen Worten nahm die damals 44-jährige Marie Curie den Chemienobelpreis von 1911 entgegen. Noch 100 Jahre nach der Auszeichnung gilt Curie als Vorbild für Frauen in der Wissenschaft schlechthin. Dabei war ihr diese Rolle zu Lebzeiten selbst mehr ein unausweichliches Übel im Dienste der Forschung, als ein persönliches Bedürfnis.

Die amerikanische Journalistin Marie Meloney hatte maßgeblich dazu beigetragen das Bild einer liebevollen Mutter und zugleich erfolgreichen Karrierefrau zu prägen. Ihre Entdeckungen führten Marie Curie indes nicht zu grenzenloser Anerkennung und Reichtum, sondern verlangten körperliche und materielle Opfer – ein Leben lang.

Die Forscherkarriere der gebürtigen Polin begann bereits mit dem Abschluss ihres Physikstudiums an der Sorbonne. Curie war die Beste ihres Jahrgangs, bekam daraufhin ein Stipendium für ein Mathematikstudium. Den Grundstein für ihren dauerhaften Erfolg jedoch legte sie mit ihrer Doktorarbeit im Jahr 1897.

Gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie, den sie 1895 geheiratet hatte – ganz pragmatisch in einem marineblauen Kleid, das vielseitig genug war, um es später auch im Labor zu tragen – widmete sie sich den Untersuchungen über radioaktive Substanzen. "Curie hatte sich voll und ganz der Wissenschaft verschrieben", sagt der Wissenschaftshistoriker Horst Kant. Von früh bis spät ackerten die Eheleute in ihrem Labor, das eher einem baufälligen Schuppen glich: ein undichtes Dach, unzureichende Geräte, schlechte Luft und wenig Platz.

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Trotz Nobelpreis galt sie eher als Assistentin

"Das alles machte Curie aber nichts aus. Im Gegenteil: Sie sprach von den 'glücklichsten Jahren ihres Lebens'. Das ist beeindruckend", sagt Julie des Jardins, Professorin für Neue Amerikanische Geschichte in New York. Sie hat nicht nur Radium entdeckt, sondern es auch isoliert und seine atomare Masse bestimmt. Das Phänomen der Radioaktivität war kein Geheimnis mehr – und doch schien eine formale akademische Anerkennung weiterhin unerreichbar zu sein."

So durfte Curie nach dem Tod ihres Mannes zwar dessen Vorlesung übernehmen, bekleidete jedoch keine Stelle als Professorin. "Sie galt eher als Assistentin", sagt des Jardins. Und dass, obwohl die Frau mit den aschblonden, krausen Haaren drei Jahre zuvor gemeinsam mit Pierre sowie dem Physiker Antoine Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik erhalten hatte.

Marie Curie

Maria Sklodowska wird am 7. November 1867 in Warschau geboren. Nachdem sie drei Jahre lang als Hauslehrerin Geld verdient hat, um das Studium ihrer Schwester zu finanzieren, beginnt sie 1891 selbst ein Studium in Paris. Marie, wie sie von nun an heißt, hat sich für das Fach Physik an der Sorbonne Universität entschieden. Eine gute Wahl: Nur zwei Jahre später schließt sie es als Beste ab, studiert danach Mathematik.

1897 beginnt sie schließlich mit ihrer Doktorarbeit zum Thema Recherches sur les substances radioactives (deutsch: Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen) – und wird später die erste Frau in Frankreich, gar in Europa sein, die einen Doktortitel in den Naturwissenschaften bekommt.

Nobelpreise

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie entdeckt sie im Rahmen ihrer Forschung die radioaktiven Atome Polonium, benannt nach der Heimat Maries, und Radium. 1903 erhalten die Curies zusammen mit dem Physiker Antoine Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik. 1911 bekommt Marie Curie erneut die hochdotierte Auszeichnung, dieses Mal für Chemie. Bis heute wurden nur vier Wissenschaftler zwei Mal mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. Marie Curie ist die einzige Frau.

Quelle: nobelprize.org/Marie Curie – Die Entdeckung der Radioaktivität

War der Preis auch eine erfreuliche Überraschung, die Aufmerksamkeit, die den Curies dadurch aber zuteil wurde, war der Forscherin ein Graus. "Immer der gleiche Rummel", wird sie im Buch Marie Curie – die Entdeckung der Radioaktivität zitiert. "Die Leute hindern uns an der Arbeit, so viel sie nur können." 1911 nahm der Aufruhr noch zu: Curie erhielt den Nobelpreis für Chemie. Laut den "Autobiografischen Notizen", gab sie bei der Preisverleihung vor, krank zu sein, und nahm den Preis später ohne viel Aufheben entgegen. Und doch avancierte sie in der amerikanischen Presse zu einer Prominenten und tourte durch die USA. 

Der Grund für den Sinneswandel ist geradezu banal: "Sie brauchte das Geld", sagt die Historikerin des Jardins. In ihrem 2010 erschienenen Buch The Madame Curie Complex: The Hidden History of Women in Science arbeitet sie auf, wie die Forscherin von der amerikanischen Journalistin Marie Meloney zu dem gemacht wurde, was sie noch heute ist: Ein Vorbild für Frauen in der Wissenschaft.

Leser-Kommentare
    • Varech
    • 02.10.2011 um 10:49 Uhr

    ...könnte man Marie Curie vielleicht auch noch vergleichen. Der hatte bis zum Schluss auch "nicht wahrhaben wollen", was er da eigentlich entdeckt hat.

    Eine Leser-Empfehlung
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    [...] Ich vermute, Sie sind wieder ein missionarischer Atomkraftgegner, der nicht den Unterschied zwischen Forschung und Anwendung versteht.

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    [...] Ich vermute, Sie sind wieder ein missionarischer Atomkraftgegner, der nicht den Unterschied zwischen Forschung und Anwendung versteht.

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  1. [...] Ich vermute, Sie sind wieder ein missionarischer Atomkraftgegner, der nicht den Unterschied zwischen Forschung und Anwendung versteht.

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    Antwort auf "Mit Columbus...."
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    • Varech
    • 02.10.2011 um 20:10 Uhr

    ... vermutet und weiss gleich alles. Nicht eben ein Forscher. Nie wollte ich mir anmassen, Gegner einer tatsächlich existierenden Kraft zu sein. Was ihre Nutzung allerdings betrifft ...

    Ganz ohne Zweifel war Marie Curie eine hervorragende Wissenschaftlerin. Ihr Leben endete aber tragisch als das erste bekannte "Strahlenopfer" der Geschichte.

    • Varech
    • 02.10.2011 um 20:10 Uhr

    ... vermutet und weiss gleich alles. Nicht eben ein Forscher. Nie wollte ich mir anmassen, Gegner einer tatsächlich existierenden Kraft zu sein. Was ihre Nutzung allerdings betrifft ...

    Ganz ohne Zweifel war Marie Curie eine hervorragende Wissenschaftlerin. Ihr Leben endete aber tragisch als das erste bekannte "Strahlenopfer" der Geschichte.

  2. Eine brilliante Wissenschaftlerin war sie wohl ohne Frage.

  3. Ein Vorbild, das fuer die allermeisten Frauen und Maenner unerreichbar ist. Aber als "strebsam" wuerde ich sie nun wiederum nicht bezeichnen: besessen, genial, mit Leib und Seele ihrer Forschung zugewandt - das stimmt schon eher.

  4. ...ist wie auch viele anderen nicht unbedingt die, die von Frauen besetzt wurden/werden. Marie Curie hat eine hervorragende Leistung erbracht im Hintergrund Ihres Mannes und wie es, die Gesellschaft es von Ihre erwartet hat. Nichts schlimmes bei dieser Frau denn, viel schlimmer wäre es, wenn sie nicht ausreichente soziale Kompetenzen gehabt hätte und sich inszeniert hätte.

  5. "Marie hatte in allen ihren Unternehmen Erfolg", schreibt ihre Tochter Eve in der von ihr 1937 veröffentlichten Biografie ihrer Mutter, auch in ihrer Ehe. Wissenschaft und eine intensive Zusammenarbeit in der Forschung hatten Marie Sklodovska und Pierre Curie zusammengeführt, Respekt und Liebe bis zu Pierres frühem Tod zusammengehalten.

    Um seiner Frau den Beweis der Liebe zu erbringen, zwang sich Pierre sogar, die polnische Sprache zu erlernen, "diese schwierigste aller Sprachen und -da es die Sprache eines abgeschafften Landes ist- eine der nutzlosesten."

    Ihr Leben war ein endloses Geben. Kriegsverwundeten widmete sie Hingabe und Arbeit zur Gesundung, der Familie auf beiden Seiten Liebe und Loyalität und ihren Schülern und künftigen Wissenschaftlern, die sich aus aller Welt um sie scharten, Rat und Weisheit. Um Ruhm und Reichtum ging es ihr nie.

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    • Varech
    • 02.10.2011 um 20:10 Uhr

    ... vermutet und weiss gleich alles. Nicht eben ein Forscher. Nie wollte ich mir anmassen, Gegner einer tatsächlich existierenden Kraft zu sein. Was ihre Nutzung allerdings betrifft ...

    Ganz ohne Zweifel war Marie Curie eine hervorragende Wissenschaftlerin. Ihr Leben endete aber tragisch als das erste bekannte "Strahlenopfer" der Geschichte.

    Antwort auf "@ Varech"

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