Der 14. September 1961 ist ein Donnerstag; drei Tage später steht eine Bundestagswahl an. Die Berliner Mauer ist erst seit einem Monat im Bau, DDR-Grenzposten schießen täglich auf Fliehende. Sowjets und US-Amerikaner testen in Sibirien und Nevada Atombomben.

In dieser angespannten Lage verfliegen sich zwei Bundeswehr-Piloten mit ihren Maschinen vom Typ F-84 F "Thunderstreak" nach Berlin. Ausgerechnet: In der geteilten Stadt dürfen nicht einmal zivile westdeutsche Flugzeuge landen. Die drei Luftkorridore aus der Bundesrepublik im Westteil Berlins sind militärischen und zivilen Maschinen der Alliierten vorbehalten, die den Luftraum über Berlin gemeinsam verwalten. Fliegern, die den Korridor verlassen, droht der Abschuss.

Das Luftwaffen-Manöver namens "Checkmate" (Schachmatt), das die Nato im September 1961 in Europa fliegt, ist eine Machtdemonstration gegen den Warschauer Pakt. Geschwader aus Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark und der gerade mal fünf Jahre alten Luftwaffe der Bundeswehr kreuzen durch den Luftraum. Darunter auch das Jagdbomber-Geschwader 32 aus Lechfeld bei Augsburg.

Bis heute ist nicht ganz geklärt, wie Feldwebel Peter Pfefferkorn und Stabsunteroffizier Hans Eberl mit ihren Maschinen von ihrem Dreieckskurs zwischen Würzburg, Laon und Memmingen ab- und in den südlichen der drei Luftkorridore nach Berlin hineingeraten.

Das DDR-Parteiblatt Neues Deutschland höhnt nach dem Vorfall, die Bundeswehr-Maschinen müssten "fehlkonstruierte Vehikel" sein, die Piloten "bejammernswerte Schwachköpfe".

Eine Untersuchung der französischen Fliegergarnison in Berlin ergibt später, das Peilgerät des einen Jagdbombers sei, womöglich als Folge eines Gewitters, defekt gewesen, der Pilot des anderen habe mit seinem Kompass nicht umgehen können. Zudem ist der Westwind stärker, als die Meteorologen beim Briefing vor dem Flug vorhergesagt hatten.

Die Piloten verlieren die Orientierung, funken einander verwirrt zu: "Wo sind wir? Hast du das Funkfeuer?" Als Pfefferkorn den Notruf "Mayday" sendet, sind sie schon nördlich von Leipzig. Die Antwort vom nächsten Flughafen können die Piloten kaum glauben: "Was? Berlin?"