Projekt "Gedächtnis der Nation"Geschichte konservieren im YouTube-Stil

Ein Internetportal soll das kulturelle Gedächtnis der Deutschen mit Videointerviews unsterblich machen. Jeder kann teilnehmen, solange er nicht hetzt oder verfälscht. von 

Das Porträt einer betagten Frau, das auch auf dem Jahrhundertbus zu sehen ist, begrüßt einen auf der Website.

Das Porträt einer betagten Frau, das auch auf dem Jahrhundertbus zu sehen ist, begrüßt einen auf der Website.  |  © Gedächtnis der Nation

Die alljährlich wiederholte Geschichtsdoku 100 Jahre – Der Countdown gehört zum Jahreswechsel fast schon so sehr dazu wie der TV-Sketch Dinner for one . Der ZDF-Journalist Guido Knopp hat eingefangen, was die Welt im 20. Jahrhundert bewegt und verändert hat. Dass Deutschland ein Teil dieser Weltgeschichte ist, zeigen viele Beiträge: Aufnahmen von Kaiser Wilhelm II., Hitler, der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der Mauerbau und das Ende der DDR untermalt von dem Ruf "Wir sind das Volk!".

An der Geschichte Deutschlands hat sich seit der Erstausstrahlung von 100 Jahre an Silvester 1999 nichts geändert. Doch die Ereignisse lassen sich nun neu kennen lernen: Das digitale Videoarchiv Unsere Geschichte. Gedächtnis der Nation zeigt seit Donnerstag Zeitzeugenberichte aus mehr als 100 Jahren deutscher Geschichte. Und bietet die Möglichkeit, die Historie des Landes nach der Jahrtausendwende fortzuschreiben, mit dem Ziel, sie für immer im kulturellen Gedächtnis zu verankern.

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Ein Projekt, bei dem Guido Knopp nicht fehlen darf. Der Chef der Zeitgeschichte-Redaktion des ZDF präsentierte es am Donnerstag gemeinsam mit seinem Mitstreiter Hans-Ulrich Jörges, dem Leiter des Hauptstadtbüros des Magazins stern . Der Bundespräsident, unter dessen Schirmherrschaft das Projekt steht, grüßte mit einem Videobeitrag während der Vorstellung in der Bundespressekonferenz. "Nichts macht Geschichte so lebendig wie die Erinnerungen von Zeitzeugen", sagte er.

Weitere Mediengrößen waren gekommen, etwa der Vorstandvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, und Googles Vize-Zentraleuropachef Philipp Schindler. Letzterer hat eine besondere Rolle. Sein Unternehmen stellt die Technologie, heißt es immer wieder während der Veranstaltung. Nicht verwundern darf da die Spekulation, dass das aus zwei Sprechblasen bestehende "g" des Kampagnenlogos etwas an das zweite "g" in Google erinnert.

Orientieren an Steven Spielberg

Der ganze Medienrummel lenkt ein wenig davon ab, dass sich hinter Gedächtnis der Nation (GdN) ein durchdachtes Geschichtsprojekt versteckt: Ziel des digitalen Videoarchivs ist es, Erinnerungen von Zeitzeugen per Videointerview dauerhaft zu bewahren. Dieses umfassende Bild der deutschen Geschichte könnte irgendwann einmal Schulen und sogar Universitäten nützen, hofft die illustre Runde in der Bundespressekonferenz. Orientieren wollen sich die Initiatoren an Steven Spielberg: Der sammelte nach der Produktion seines Films Schindlers Liste mit der Shoah Foundation mehr als 50.000 Zeitzeugenberichte zum Holocaust, filmte sie und stellte sie ins Netz.

Die deutsche Variante besteht im Wesentlichen aus einer Website mit dem Zeitzeugenarchiv, die bereits rund 1.600 Interviews aus den Beständen des ZDF enthält. Hier kann sich der Besucher entscheiden, ob er die Beiträge in chronologischer oder themenbezogener Ordnung aufrufen möchte. Auch nach prominenten Zeitzeugen lässt sich suchen. Die Oberfläche erinnert anschließend stark an die Übersicht von YouTube – kein Wunder, denn die Google-Tochter ist für das Hosting der Seite zuständig.

Ein YouTube-Channel , auf dem praktisch jeder ein Video hochladen kann, ergänzt die Mutterseite. Als Schutz vor Geschichtsfälschung und Hetze prüfe eine Redaktion jeden Beitrag, der auf die Seiten geladen wird, sagt Initiator Jörges. Ein Mitmachkanal, der das jugendliche Interesse an Geschichte fernab einer schulischen Autorität befeuern soll, sei dadurch entstanden. Fünf Jahre waren die Initiatoren auf der Suche nach Förderern, bis die Kosten für die Aufbaujahre gedeckt waren. Diese belaufen sich auf zwei Millionen Euro für die ersten vier Jahre.

Leserkommentare
  1. Der Knopp'sche Historismus genügt den Anforderungen der objektiven und seriösen Historiographie nur sehr bedingt.

    2 Leserempfehlungen
    • s-m-n-n
    • 07. Oktober 2011 13:53 Uhr

    Bevor nun Für und Wider des Projekts diskutiert werden, scheint doch die entscheidende Frage zu sein "ob diese subjektiven Erinnerungen quellenkritisch und reflexiv analysiert werden, anstatt den Zeitzeugen mit ihrer Autorität der Dabeigewesenen unumschränkte Glaubwürdigkeit zu attestieren."
    Hier sind dann also Dozenten, Lehrer etc. in der Pflicht, diese Interviews mit Schülern gemeinsam zu dekonstruieren.

    Die Autoren und Initiatioren- wie schon zu erwarten- verzichten einmal mehr auf solch direkte Hinweise. Und: einmal mehr schade ist, dass die Fragen des Interviewers wieder nicht mitgzeigt werden, obgleich Suggestivfragen und dergleichen mehr enormes Beeinflussungspotenzial auf die Zeitzeugen besitzen!

    Dennoch: Das Projekt spiegelt die Renaissance historischen Interesses und eröffnet neue Spielräume, Geschichte lebendig zu machen ...

    4 Leserempfehlungen
  2. Die sind ja höchst interessant. Nur wer nicht hetzt oder verfälscht, darf teilnehmen.
    Dann wäre unsere "offizielle" Geschichtsschreibung ja ausgeschlossen.

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    • rvn
    • 07. Oktober 2011 14:29 Uhr

    verfälscht und hetzt unsere offizielle Geschichtsschreibung denn? Bitte Nachweise zu Ihren Anschuldigungen hinzufügen.

  3. Das kann man dann irgendwann als Videoquellensammlung zur Interpretation nutzen.
    Mehr jedoch nicht. Mit Geschichtswissenschaft hat das jedenfalls herzlich wenig zu tun, abgesehen eben davon, dass es eine Ressource für angemessene Interpretationen darstellt, die man dann in den Kontext wissenschaftlicher Arbeit stellen kann.

    • rvn
    • 07. Oktober 2011 14:29 Uhr

    verfälscht und hetzt unsere offizielle Geschichtsschreibung denn? Bitte Nachweise zu Ihren Anschuldigungen hinzufügen.

    Antwort auf "Teilnahmebedingungen"
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    Ich will nur ein Beispiel nennen: Friedrich Ebert. Für die offizielle, 400-seitige Ausgabe der BPB war er der Held der 20er-Jahre, der die neue, Weimarer Republik souverän anführte und sich um ein Gleichgewicht zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern einsetzte bzw. zwischen Arbeitern und Bessergestellten. Das ganze Kapitel über die Novemberrevolution und die frühe Weimarer Republik ist eine einzige Lobeshymne auf Ebert.

    Wer ist er für mich? Ein quasi-Nachfolger von Wilhelm. Immerhin hat seine Partei dem 1. Weltkrieg zugestimmt (was heute übrigens auch gern vergessen wird) bzw. ihn nicht zu verhindern versucht. Er ließ gefangene, anfangs noch unbewaffnete Spartakisten erschiessen, rief zur Ermordung von Luxemburg und Liebknecht auf und unternahm alles, einen wirklich demokratischen Sozialismus nach Liebknecht und Luxemburg zu verhindern - wodurch der Spartakusbund über die Jahre zur KPD verkam.

    So kann sich die Wahrheit also unterscheiden.

    Denn Sie wollen sicherlich belege einschlägiger "Historiker" haben aber genau da liegt da Umstand, den ich anspreche. Wenn man sich nicht einseitig informiert, kann man wissen, was ich meine. Auf einen wegen Verschwörungstheorien oder nicht erwünschter Links gelöschten Kommentar habe ich keine Lust.
    Ich bin kein Anhänger dieser, aber das, was hier zu diesem Thema vorgelegt wird, ist einseitig und an plumper Fehlinformation nicht mehr zu überbieten.
    Einen schönen Freitag wünsche ich.

    - Dresden 1945
    - Zionismus im Allgemeinen
    - 9/11, besonders WTC Gebäude 7
    - Finanzierung des WK II
    - Morde an RAF "Terroristen"
    - Barschel in der Badewanne
    Und falls Sie immer noch Guido Knopp Fan sein sollten, schauen Sie sich einfach einmal nachts N24 an - da erfahren Sie mehr über Adolf Hitler, als Sie je wissen wollten. Oder interssiert es Sie tatsächlich, wie Eva Braun ihren herzallerliebsten Vegetarier wahrgenommen hat? Oder wieso er seinen Hund so sehr geliebt hat?
    Herr Knopp scheint allmählich zum Hofberichterstatter des Adolf Hitler zu werden - wie kann ein solcher Mensch sich allen Ernstes als "Historiker" bezeichnen?

  4. und besonders perverser Schritt, um unsere Gesellschaft gänzlich kybernetisch zu machen - bald brauchen wir Menschen für gar nichts mehr, wir haben ja schließlich ihre Videos im Internet.
    Wer sich zur Kybernetik informieren möchte, und vorallem, wer sich über die Risiken und Nebenwirkungen dieser Entwicklung bewusst machen will, der lese: Tiqqun: Kybernetik und Revolte, ISBN: 978-3-03734-002-8

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    man glaubt, daß was früher in Bücher erschienen ist unbedingt ins Internet stellen zu müssen.

    Alle sind eifrig dabei, dies zu tun und nun also ein neues Profjekt.

    Warum kann der Bus nicht einfach herumfahren, Leute in eine Schreibstube einladen und wer möchte schreibt seine Erinnerungen auf?

    Da käme dann auch einiges zusammen. Es könnte gedruckt werden oder digital gelagert werden, falls man meint die digitale Lagerung sei ewiger als die Lagerung in Papierform. Falls der Strom ausfällt, ist das Lagern in Büchern gut, falls es brennt gibt es ja dann noch die digitale Lagerung.

    Filme und Videos sind eine populärere Form. Im Internett gibt es immer mehr Film als schrift.

    Ich wünsche allen Beteiligten viel Spaß bei dem Projekt, auch wenn ich altmodisch bin und die Schrift eindeutig vorziehe. Die Schrift fordert den Schreiber zu Präzision auf, und das kann für das Quellenstudium nur förderlich sein.

    Außerdem ist die Schrift auch intimer. Das kann ein Vorteil sein, auch wenn es natürlich einfacher ist im schriftlichen Medium sich selbst zu zensieren.

    Vielen Dank, Sie schreiben mir aus der Seele. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass die beste Art Geschichte zu konservieren, die orale Tradierung ist.
    Dazu müssten wir allerdings wieder miteinander reden, ganz besonders mit unseren Großeltern, anstatt uns medialer Dauerhypnose zu unterwerfen.

  5. Ich will nur ein Beispiel nennen: Friedrich Ebert. Für die offizielle, 400-seitige Ausgabe der BPB war er der Held der 20er-Jahre, der die neue, Weimarer Republik souverän anführte und sich um ein Gleichgewicht zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern einsetzte bzw. zwischen Arbeitern und Bessergestellten. Das ganze Kapitel über die Novemberrevolution und die frühe Weimarer Republik ist eine einzige Lobeshymne auf Ebert.

    Wer ist er für mich? Ein quasi-Nachfolger von Wilhelm. Immerhin hat seine Partei dem 1. Weltkrieg zugestimmt (was heute übrigens auch gern vergessen wird) bzw. ihn nicht zu verhindern versucht. Er ließ gefangene, anfangs noch unbewaffnete Spartakisten erschiessen, rief zur Ermordung von Luxemburg und Liebknecht auf und unternahm alles, einen wirklich demokratischen Sozialismus nach Liebknecht und Luxemburg zu verhindern - wodurch der Spartakusbund über die Jahre zur KPD verkam.

    So kann sich die Wahrheit also unterscheiden.

    Antwort auf "Wo genau"
  6. Denn Sie wollen sicherlich belege einschlägiger "Historiker" haben aber genau da liegt da Umstand, den ich anspreche. Wenn man sich nicht einseitig informiert, kann man wissen, was ich meine. Auf einen wegen Verschwörungstheorien oder nicht erwünschter Links gelöschten Kommentar habe ich keine Lust.
    Ich bin kein Anhänger dieser, aber das, was hier zu diesem Thema vorgelegt wird, ist einseitig und an plumper Fehlinformation nicht mehr zu überbieten.
    Einen schönen Freitag wünsche ich.

    Antwort auf "Wo genau"

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