Checkpoint CharlieNur Sekunden und Meter vom Krieg entfernt

Vor 50 Jahren schrammte die Welt um wenige Meter an einem Atomkrieg vorbei, weil ein US-General die Muskeln spielen und am Checkpoint Charlie Panzer auffahren ließ. von 

Edwin Allan Lightner, stellvertretender Chef der US-Mission in Berlin, trägt Zivil am 22. Oktober 1961. Es ist ein Sonntag, Lightner und seine Frau wollen im Ostteil der Stadt die Aufführung einer Theatertruppe aus der Tschechoslowakei besuchen. Das ist nichts Ungewöhnliches: Die Vertreter der Alliierten genießen auch nach dem Mauerbau vom 13. August Bewegungsfreiheit in der ganzen Stadt.

Doch als das Ehepaar Lightner in der Friedrichstraße am einzigen Übergang zwischen den beiden Stadthälften vorfährt, wollen DDR-Grenzsoldaten die Ausweise sehen. Das steht ihnen nicht zu: Berlin unterliegt der Hoheit der vier Besatzungsmächte, nicht der der DDR.

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US-Diplomat Lightner ist sich dessen bewusst und weigert sich, seinen Pass einem DDR-Volkspolizisten zu zeigen. Er fragt nach einem sowjetischen Offizier, doch die Grenzer bleiben stur. Lightner auch – er ruft die Militärpolizei. Acht bewaffnete MPs eskortieren ihn über die Sektorengrenze. Lightner erinnert sich später: "Hätten sie auf einen von uns geschossen, wir hätten sie alle töten müssen."

Checkpoint Charlie

Aus Sicht der DDR liegt zwischen dem sowjetischen Sektor Berlins und den Westsektoren in der Friedrichstraße eine "Grenzübergangsstelle (GÜSt)".

Westalliierte und Bundesrepublik erkennen die "Grenze" jedoch nicht an, deshalb heißt der Übergang bei ihnen "Checkpoint", Kontrollstelle.

Die drei Kontrollstellen auf dem Weg von Westen nach Osten sind nach dem Nato-Alphabet benannt: Der Übergang aus der Bundesrepublik auf DDR-Gebiet bei Helmstedt heißt Checkpoint Alpha, der von der DDR nach West-Berlin bei Drewitz ist Checkpoint Bravo, und in den Ostsektor führt Checkpoint Charlie.

Der Konflikt fängt damit erst an. Der amerikanische Präsident John F. Kennedy hat zu Beginn der Berlin-Krise General Lucius D. Clay reaktiviert, den ehemaligen Militärgouverneur in Westdeutschland. Als persönlicher Vertreter Kennedys in Berlin erweist Clay sich als unberechenbarer Hardliner, der bei den anderen Westalliierten, Briten und Franzosen, zunehmend auf Unverständnis stößt. "Die Russen", glaubt Clay, "verstehen nur eine Sprache, und das ist Gewalt."

SED-Chef Ulbricht will die Souveränität der DDR durchsetzen

Allerdings sind die Russen diesmal gar nicht sein Gesprächspartner. Moskaus Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow rührt nicht am Vier-Mächte-Status. SED-Chef Walter Ulbricht ist es, der mit den Passkontrollen die Souveränität der DDR über Berlin durchsetzen will, das doch Hauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates sein soll. Chruschtschow kann aber Ulbricht nicht offen bremsen, wie sein Außenminister Andrej Gromyko es verlangt – das würde dem Ansehen der DDR schaden.

Amerikanische Militäreskorten erzwingen in den folgenden Tagen mehrfach den Zugang zum Ost-Sektor. Das DDR-Innenministerium hält jedoch seinen Erlass aufrecht, dass US-Militärs in Zivil zu kontrollieren sind. Deshalb lässt General Clay am 25. Oktober am Checkpoint Charlie, dem US-Kontrollpunkt am Übergang Friedrichstraße, Panzer auffahren. Auch die britischen Alliierten bringen in ihrem Sektor, im Tiergarten, Panzer in Stellung.

Um die brenzlige Lage zu entspannen, fährt der amerikanische Stadtkommandant Albert Watson zu Gesprächen mit seinem sowjetischen Widerpart Andrej Solowjew in den Ost-Sektor. Als Ergebnis werden die Panzer abgezogen – doch nicht für lange: Als die DDR-Grenzpolizisten am Nachmittag des 26. Oktober einen US-Major in Zivil nicht passieren lassen, wiederholt sich die Drohgebärde.

Leserkommentare
    • TDU
    • 27. Oktober 2011 10:37 Uhr

    M. E. lag die Konfrontation lag schon im eigenmächtigen Handeln der DDR. Die harte Haltung des Amerikaners wars, die den Nutzen gebracht hat. Hätte er nachgegeben, wären die Kanäle nicht gewesen, sondern man hätte sie, natürlich unter Kotau und Zugeständnissen, erst graben müssen.

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    • Puh
    • 27. Oktober 2011 11:52 Uhr

    der Artikel ist wirklich seltsam einseitig, sehr meinungslastig, dabei sehr antimaerikanisch und eher schwach recherchiert. Man hätte da vieleicht doch noch einmal Egon Bahr lesen oder befragen sollen.

  1. auch nach 1990 keinen Zugang zu ehemaligem DDR-Territorium haben sollte, war ja eigentlich Bestandteil des 2+4 Vertrags gewesen - immerhin erfreulich, dass die Russen keine Panzer nach Leipzig geschickt haben, als die Präsenz am dortigen Flughafen eingerichtet wurde

    • Puh
    • 27. Oktober 2011 11:52 Uhr

    der Artikel ist wirklich seltsam einseitig, sehr meinungslastig, dabei sehr antimaerikanisch und eher schwach recherchiert. Man hätte da vieleicht doch noch einmal Egon Bahr lesen oder befragen sollen.

    Antwort auf "Konfrontation"
  2. Der Status sah also vor, dass US-Militärs unkontrolliert die Grenzen zu überqueren haben. Wie erkennt man aber einen US-Militär in Zivil, wenn er seinen Ausweis nicht zweigen will. Ich meine, da hätten doch komplett die Insassen der Klapsmühle von der Bonhoeffer-Nervenklinik anrücken können und meinen, sie müssten jetzt über die Grenze, Verzeihung, den Kontrollpunkt, weil amerikanisches Besatzungsmilitär.

    Scheint mir so, als wäre der Ami schlicht beleidigt gewesen, dass ihn nicht jeder Straßenköter gleich erkannt hat. Ich hätte ihn ja passieren lassen und auf der Ostseite irgendwann weggefangen - meinetwegen im Theater - und dann nach Hohenschönhausen gebracht. Irgendwann wäre seine Identität halt festgestellt worden...

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    Mister Lightner war nicht beleidigt. Er hat einfach nicht eingesehen, warum er als Besatzer sich gegenüber dem Besetzten ausweisen soll. Der schlicht und einfach in dieser Situation nicht das Recht hat, dies zu fordern. Im Artikel steht, dass Lightner gezielt nach einem sowjetischen Offizier gefragt hat. Diesem gegenüber hätte er sich wohl ausgewiesen.

  3. Die unnachgiebige Haltung Clays war es in Berlin schon mal zu verdanken, dass russische Drohgebärden ins Leere gelaufen sind. Als Befehlshaber während der Luftbrücke schaffte sich Clay den Status eines Verteidigers der Freiheit und dies gab ihm letztlich recht in der Annahme, dass der Sowjetsektor nur die Sprache der harten Hand versteht.

    Lucius D. Clay hat bei beiden Malen in denen die Souveränität Berlins auf der Kippe stand hart aber besonnen reagiert und der Freiheit damit einen großen Dienst erwiesen.

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    das ist ja der Witz des Tages! Mann, die Stadt war gleich von vier Mächten besetzt und hatte vier Stadtkommandanten, vier Sektoren, vier Geheimdienste, Postkontrollstellen u.s.w.

  4. das ist ja der Witz des Tages! Mann, die Stadt war gleich von vier Mächten besetzt und hatte vier Stadtkommandanten, vier Sektoren, vier Geheimdienste, Postkontrollstellen u.s.w.

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    Souverän ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber zumindest waren die Personen in den drei Westsektoren in ihrer Bewegung frei und durften lesen und hören was sie wollten. Diese Freiheit hat Clay eben verteidigt, zu unser aller Wohl.

  5. Mister Lightner war nicht beleidigt. Er hat einfach nicht eingesehen, warum er als Besatzer sich gegenüber dem Besetzten ausweisen soll. Der schlicht und einfach in dieser Situation nicht das Recht hat, dies zu fordern. Im Artikel steht, dass Lightner gezielt nach einem sowjetischen Offizier gefragt hat. Diesem gegenüber hätte er sich wohl ausgewiesen.

    Antwort auf "Unlogisch."
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    Also wenn Sie schon in die Muster Besatzer und Besetzter verfallen sollten Sie bedenken, dass der Volkspolizist nicht von dem Vertreter der USA besetzt war, sondern von der Sowjetunion.
    Und wie Sie richtig erkannt haben hätte er sich in Zivil vor einem sowjetischen Offizier ausgewiesen, wie es eben üblich gewesen ist, genauso, wie sich ein Sowjet auch nicht vor einem Westberliner Stadtpolizisten ausgewiesen hätte, sondern nur vor einem Militärpolizisten der vier Besatzungsmächte.

  6. Also wenn Sie schon in die Muster Besatzer und Besetzter verfallen sollten Sie bedenken, dass der Volkspolizist nicht von dem Vertreter der USA besetzt war, sondern von der Sowjetunion.
    Und wie Sie richtig erkannt haben hätte er sich in Zivil vor einem sowjetischen Offizier ausgewiesen, wie es eben üblich gewesen ist, genauso, wie sich ein Sowjet auch nicht vor einem Westberliner Stadtpolizisten ausgewiesen hätte, sondern nur vor einem Militärpolizisten der vier Besatzungsmächte.

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    Und wie Sie richtig erkannt haben hätte er sich in Zivil vor einem sowjetischen Offizier ausgewiesen, wie es eben üblich gewesen ist, genauso, wie sich ein Sowjet auch nicht vor einem Westberliner Stadtpolizisten ausgewiesen hätte, sondern nur vor einem Militärpolizisten der vier Besatzungsmächte.

    However, today...

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