Deutsche Geschichte Mit dem Zug unter Volldampf über die DDR-Grenze

Vor 50 Jahren kappte die DDR die Zugverbindung Berlin-Hamburg. Einen Tag davor war 25 Menschen in einem Zug die Flucht über die Grenze gelungen.

Eine Lok aus der Baureihe 78 – ähnlich wie diese – durchbrach am 5. Dezember 1961 die Absperrung an der Grenze der DDR zum Westen.

Eine Lok aus der Baureihe 78 – ähnlich wie diese – durchbrach am 5. Dezember 1961 die Absperrung an der Grenze der DDR zum Westen.

Ein Ausflug zur Tante – so hatten es die Eltern dem kleinen Manfred und seinen drei Brüdern gesagt. Seltsam nur, dass die Familie abends aufbrach und er seinen Ranzen mitnehmen sollte. Der war nicht mit Schulfibel und Schreibtafel, sondern frischer Wäsche gefüllt, doch das wusste er nicht.

Manfred Deterling (57), Zollbeamter aus Singen, an der Grenze zur Schweiz eingesetzt, erinnert sich noch gut an den 5. Dezember 1961, die Flucht seiner Familie in den Westen, eine der spektakulärsten in der Geschichte der deutschen Teilung, die auch verfilmt wurde: In einem von seinem Vater Harry Deterling und dem Heizer Hartmut Lichy gesteuerten Zug hatten 25 Menschen bei Spandau die Sperren durchbrochen.

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Einen Tag nach der Flucht, am 6. Dezember, kappte die DDR die alte Strecke Berlin–Hamburg, zerstörte die Gleise nahe des Bahnhofs Albrechtshof, ließ nun die Züge auf der leichter zu kontrollierenden Trasse über Potsdam-Griebnitzsee fahren. Erst 1995 wurde die Lücke wieder geschlossen.

Multimedia: Mauerfall
Nach monatelangen Massenprotesten fiel 1989 die Mauer. Die Stationen des Umbruchs in einer Multimedia-Zeitleiste.

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Die Familie lebte in Oranienburg. Harry Deterling arbeitete bei der Reichsbahn in Pankow. Er hatte sich geweigert, eine Erklärung zu unterschreiben, dass er der Grenzschließung zustimme. Als er dem Druck nicht nachgab, sollte er ab Januar 1962 zwecks "politischer Umerziehung" in der Ziegelei Zehdenick arbeiten, für eine Mark pro Tag, wie sein Sohn erzählt. Der Heizer hatte ähnliche Probleme, sollte zum Militär, sträubte sich aber gegen den Dienst an der Waffe.

Beide waren auf der Strecke Oranienburg–Potsdam eingesetzt, durch einen Zufall erfuhr Deterling, dass die Interzonenstrecke bei Albrechtshof, zwischen Falkensee und Spandau, geschlossen werden sollte. Bei Albrechtshof, so wusste er, gab es Zäune und ein Tor, aber keine Weichen. Und die Grenze lag nur einen Kilometer hinter dem letzten Bahnhof. Der Fluchtplan war geboren. Deterling weihte den Heizer, Freunde, Verwandte ein – und täuschte den Vorgesetzten vor, einlenken zu wollen. Zum Zeichen des guten Willens wolle er eine unbezahlte Sonderschicht fahren – auf der Strecke nach Albrechtshof.

In Falkensee stiegen noch Freunde zu, die im Taxi hinterhergerast waren

Am Abend des 5. Dezember 1961 war es so weit: Er stand auf dem Dienstplan, sein Heizer aber nicht, das konnten sie noch ändern. Um 19.33 Uhr startete ihr Zug in Oranienburg, in den acht Waggons saßen Deterlings Familie, die der Schwester, die Mutter – und beim letzten Halt in Falkensee stiegen noch Freunde zu, die im Taxi hinterhergerast waren.

Nun ging es ganz schnell: Ab Albrechtshof Volldampf, der Lokführer ließ die Pfeife aufheulen, um die Bahnbediensteten im Westen zu warnen, zog sich mit dem Heizer in den Kohletender zurück, falls geschossen würde. Auch die Flüchtlinge in den Waggons legten sich auf den Boden. Die Mutter habe noch Koffer als provisorischen Schutz an den Seiten aufgebaut, erinnert sich Manfred Deterling. Die Notbremse in den Waggons hatte sein Vater stillgelegt, der Zugführer und ein mitreisender Bahnpolizist waren machtlos.

Um 21.03 Uhr flog krachend das Grenztor zur Seite, die Flüchtlinge waren im Westen. Der Zug hielt auf freier Strecke, mit der Mutter liefen die Kinder zu einen nahen Haus, wenig später kam Polizei und brachte sie ins Lager Marienfelde. Der Zug wurde später zurückgeschoben, sieben an der Flucht unbeteiligte Personen waren schon zu Fuß zurückgelaufen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Und wieviel der sieben Personen die zurückgelaufen sind haben das später bereut?

  2. 2. Soso.

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    • Mailer
    • 06.12.2011 um 23:30 Uhr

    Und schließlich muß sie niemand lesen. Also was beschweren Sie sich?

    wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?
    lebten sie selbst in der ddr?
    oder in einem anderen autoritären staat?
    hat es ihnen persönlich spass gemacht?

    sie könnten doch einen leserartikel schreiben, über ihre abneigung dem freiheitswillen anderer menschen gegenüber. vielleicht unter dem titel: auch wir grenzsoldaten waren menschen. oder vielleicht: die selbstschussanlage und deren vielfältige verwendung in haus und garten.

    • Mailer
    • 06.12.2011 um 23:30 Uhr

    Und schließlich muß sie niemand lesen. Also was beschweren Sie sich?

    wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?
    lebten sie selbst in der ddr?
    oder in einem anderen autoritären staat?
    hat es ihnen persönlich spass gemacht?

    sie könnten doch einen leserartikel schreiben, über ihre abneigung dem freiheitswillen anderer menschen gegenüber. vielleicht unter dem titel: auch wir grenzsoldaten waren menschen. oder vielleicht: die selbstschussanlage und deren vielfältige verwendung in haus und garten.

    • Mailer
    • 06.12.2011 um 23:30 Uhr

    Und schließlich muß sie niemand lesen. Also was beschweren Sie sich?

    Antwort auf "Soso."
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    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Die Richtlinien der Moderation entnehmen Sie bitte der Netiquette. Danke, die Redaktion/mo.

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  3. die Leute, die für die Freiheit ihr Leben riskierten.

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  4. wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?
    lebten sie selbst in der ddr?
    oder in einem anderen autoritären staat?
    hat es ihnen persönlich spass gemacht?

    sie könnten doch einen leserartikel schreiben, über ihre abneigung dem freiheitswillen anderer menschen gegenüber. vielleicht unter dem titel: auch wir grenzsoldaten waren menschen. oder vielleicht: die selbstschussanlage und deren vielfältige verwendung in haus und garten.

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    Antwort auf "Soso."
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    "wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?"

    Tut mir leid, immer, wenn ich was begründen will, wird es wieder gelöscht. Tja. So ist unsere Zeit.

    "wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?"

    Tut mir leid, immer, wenn ich was begründen will, wird es wieder gelöscht. Tja. So ist unsere Zeit.

  5. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Die Richtlinien der Moderation entnehmen Sie bitte der Netiquette. Danke, die Redaktion/mo.

    Antwort auf "Ich finde sie gut"
  6. 7. Sorry

    "wieso nervt es sie? begründen sie dass doch bitte mal?"

    Tut mir leid, immer, wenn ich was begründen will, wird es wieder gelöscht. Tja. So ist unsere Zeit.

    Antwort auf "wieso bitte?"

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