Historische Tonaufnahme Bismarcks Stimme aus der Vergangenheit

Nach mehr als 100 Jahren wiederentdeckt: Zwischen Rauschen und Knistern haben Forscher auf alten Tonaufnahmen die Stimme des ehemaligen Reichskanzlers herausgehört.

Im Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds steht auch eine Nachbildung Otto von Bismarcks.

Im Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds steht auch eine Nachbildung Otto von Bismarcks.

"In good old colony times,/When we lived under the King …" Ein Mann rezitiert die ersten Zeilen eines im 19. Jahrhundert in den USA populären Volksliedes mit unverkennbar deutschem Akzent. Die Stimme gehört dem 74-jährigen Otto von Bismarck, Kanzler des Deutschen Reiches. Es ist die einzige Tonaufnahme Bismarcks. Eine historische Sensation, sagt der Berliner Restaurator Stephan Puille, Laboringenieur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Entstanden ist die Aufzeichnung 1889 mit dem Phonographen des amerikanischen Erfinders Thomas Edison. Betätigt hat das Gerät Theo Wangemann, ein deutschstämmiger Mitarbeiter Edisons, der 1889/90 durch Europa reiste, um den Phonographen öffentlich vorzuführen – und Aufnahmen prominenter Stimmen zu machen.

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Weit mehr als 100 Jahre lang waren diese Aufnahmen vergessen, die Wachswalzen aus Edisons Phongraphen galten als verschollen. Doch jetzt hat die Stiftung, die Edisons Nachlass verwaltet, die Tondokumente teilweise veröffentlicht – begleitet von der schier unglaublichen Geschichte ihrer Wiederentdeckung und ihrer Entstehung.

Eine hölzerne Kiste mit Phonographenwalzen hatten Mitarbeiter des Edison-Museums in seinem ehemaligen Labor in West Orange, New Jersey, schon 1957 gefunden. Doch erst 2005 wurde die Kiste erneut untersucht, ihre mögliche Bedeutung erkannt. Äußerlich war den Walzen aus einem wachsähnlichen Material nicht anzusehen, was auf ihnen aufgezeichnet ist, sagt Stephan Puille. Es gelang den Forschern des Edison-Archivs, zwölf der insgesamt 17 Tonträger abzuspielen und sie in digitale Audiofiles umzuwandeln.

Schnell wird klar, dass hier ein Schatz zu heben ist. Johannes Brahms spielt seinen Ungarischen Tanz Nr. 1, der Kölner Musikologe, Komponist und Pianist Otto Neitzel spielt Auszüge des 3. Satzes des Klavierkonzertes Nr. 2 in f-moll von Frédéric Chopin, die erste überlieferte Aufnahme eines Chopin-Stücks.

Bismarck rezitiert Lieder und Gedichte

Doch vieles blieb den amerikanischen Experten unverständlich, nicht nur wegen der schlechten Aufnahmequalität, des Knisterns und Rauschens, die der Phonograph erzeugt. Unidentifizierbares Tondokument, wahrscheinlich deutsche Stimmen – mit dieser Anfrage wendet sich im Frühjahr 2011 ein beteiligter Medienhistoriker an den Berliner Restaurator Stephan Puille, einen international bekannten Experten für frühe Tonaufnahmen.

"Friedrichsruh am 7. Oktober 1889", knarzt eine männliche Stimme auf dem Audiofile, das sich Puille immer wieder vorspielt. Friedrichsruh, der Familiensitz der Bismarcks bei Hamburg. Für den historisch bewanderten Puille ist das ein Zeichen, an das er anknüpfen kann. Dass Bismarck dort 1889 Tonaufnahmen mit Edisons Phonographen gemacht hat, war den Zeitgenossen bekannt. Wie aus einem Forschungsbericht Puilles hervorgeht, schrieben unter anderem die Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg und die New York Times darüber. Die Berichte der Zeitungen deckten sich mit dem, was der Berliner Experte nach und nach heraushören, dechiffrieren konnte.

Nach dem englischsprachigen Volkslied spricht Bismarck einige Verse auf Deutsch aus der Heldenballade Schwäbische Kunde von Ludwig Uhland: "Als Kaiser Rotbart lobesam/Zum heil’gen Land gezogen kam …" Ebenso flüssig und zugleich getragen rezitiert Bismarck danach das alte Studentenlied Gaudeamus igitur. Weiter spricht er auf Französisch die ersten Zeilen der Marseillaise, der französischen Nationalhymne. Die Rezitation des Reichsgrafen endet mit dem "Rat eines Vaters an seinen Sohn", Arbeit, Essen und Trinken "in Maßen und Sittlichkeit" zu treiben.

Ein merkwürdiges Sammelsurium kurzer Liedzeilen und Verse, willkürlich als eine Art Testaufnahme in den neuartigen Phonographen des fernen amerikanischen Erfinders gesprochen? Stephan Puille erklärt die teils banale, teils provokative Textauswahl aus der Zeit und dem Umständen der Aufnahme. Wangemann habe erwartet, dass Bismarck sich mit einer Botschaft an die Deutschen diesseits und jenseits des Atlantiks wenden würde. Ein solcher Text sei offenbar auch schon vorbereitet gewesen. Doch dann habe sich Bismarck doch nicht dezidiert politisch äußern wollen. So entschied er sich für unverfänglichere Zitate. "In Good Old Colony Times" etwa sei als Gruß an Edison zu verstehen. Der Rat des Vaters richtete sich wohl an einen Sohn Bismarcks.

Doch warum die Marseillaise? "Bismarck war ein sehr, sehr witziger Mensch", zitiert die New York Times vom Dienstag Jonathan Steinberg, Bismarck-Biograf und Historiker an der Universität von Pennsylvania. Es werde den Drahtzieher des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 gereizt haben, die Marseillaise gewissermaßen vor aller Welt zu rezitieren.

Der Phonograph

Bismarcks Stimme wurde 1889 mit einem Phonographen aufgezeichnet. Dabei handelte es sich um das weltweit erste Gerät, das Klänge aufnehmen und später wiedergeben konnte.

Die Erfindung war das Ergebnis der Arbeit vieler: 1857 baute Leon Scott einen sogenannten Phonautographen: Am Ende eines Aufnahmetrichters befand sich eine Membran, an der eine Schweinsborste befestigt war. Diese übertrug die schallbedingten Schwingungen auf ein rußgeschwärztes Papier, das per Handkurbel unter der Borste entlang geführt wurde. Zum erneuten Abspielen war die Maschine nicht gedacht, sie sollte nur die Geräusche sichtbar machen. Gleichwohl gelang es unlängst Wissenschaftlern, die alten Zitterlinien mithilfe eines Computers in Töne zurückzuübersetzen.

Alexander Graham Bell konstruierte 1874 ein ähnliches Gerät, für das Teile des Ohres einer menschlichen Leiche verwendet wurden.

1877 schließlich kündigte der Franzose Charles Cros ein neues Verfahren an, das Töne sowohl aufnehmen als auch abspielen konnte.

Edisons Weiterentwicklung

Der Amerikaner Thomas Alva Edison war schneller und erfolgreicher. Im gleichen Jahr stellte er seinen Phonographen vor und meldete ihn zum Patent an.

Die Maschine bestand ebenfalls aus einem Empfangstrichter mit einer Membran. Am anderen Ende war eine dünne Nadel angebracht, die vom Schall mehr oder weniger stark ausgelenkt wurde. Während dieser Schwingung wurde eine Zinnfolie, die auf einen Zylinder gewickelt war, vorbeigeführt. Die Nadel drang entsprechend tief in das weiche Zinn ein – die Töne waren archiviert. Die Furchen waren jedoch nach wenigen Malen Abspielen "ausgebügelt", die Aufnahme gelöscht.

In den folgenden Jahren widmete sich Edison vorrangig der Glühlampe. Bell und zwei weitere Erfinder tüftelten weiter am Phonographen und ersetzten die Zinnfolie durch eine Wachsschicht.

Edison wollte nicht kooperieren und brachte bald eine eigene Wachswalze auf den Markt. Die Zusammensetzung war geheim und wurde später durch Materialforscher entschlüsselt, berichtet Stephan Puille von der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin. Es war ein Wachs, dem Metalle wie Natrium und Aluminium hinzugefügt worden waren.

Zudem wurde die Abtastvorrichtung für den Lautsprecher-Teil verbessert. Statt einer spitzen Nadel, die die filigranen Wachsstrukturen rasch zerkratzen würde, wurde eine kleine Kugel verwendet, die durch die Furche glitt und die Höheninformationen in Klänge übersetzte. Die Wachswalzen-Technik war bis ins 20. Jahrhundert hinein weit verbreitet.

Das Grammophon

Das 1887 erfundene Grammophon, das Schellackplatten abspielte, wurde jedoch zunehmend zur Konkurrenz. Laut Thomas Schleußner-Schwarz, Experte für historische Tonträger bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, wurden die Wachswalzen gemessen an ihren Verkaufszahlen im Jahr 1905 von den Schellackplatten überholt.

Für beide Tonträger war, zumindest auf europäischer Ebene, das Deutsche Reich bis zum Ersten Weltkrieg führend in der Produktion, sagt Schleußner-Schwarz.

Quelle: Ralf Nestler, Tagesspiegel

Kann das alles wahr sein, ist auszuschließen, dass es sich bei den Tondokumenten um Fälschungen handelt? "Die Aufnahmen sind auf jeden Fall authentisch", sagt Puille. Zwar habe er die Walzen mit der Bismarck-Aufzeichnung und anderen von ihm analysierten Aufnahmen nicht selber untersuchen können, sie seien zu zerbrechlich für den Transport. Doch die Auffindungsgeschichte sei ebenso plausibel wie die völlig ergebnisoffene Anfrage aus den USA an ihn. Alles passe in das historische Puzzle, das sich mit zahlreichen anderen zeitgenössischen Quellen vervollständigen lasse.

"Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die jetzt vorgestellten Funde gefälscht sind", sagt auch Thomas Schleußner-Schwarz, Experte für historische Tonträger bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Anhand der Zusammensetzung des Wachses lasse sich rasch klären, zu welcher Zeit und wo die Rollen gefertigt wurden. Um nicht gleich aufzufliegen, hätte man Originalmaterial aus dieser Zeit besorgen und daraus die Walzen herstellen müssen. "Bei diesem Aufwand müsste man schon fragen: wozu?", argumentiert Schleußner-Schwarz.

Forscher halten eine Fälschung für sehr unwahrscheinlich

Theo Wangemanns Reise durch Europa jedenfalls ist gut dokumentiert. Der Sohn eines Berliner Papierwaren-Fabrikanten war 1879 in die USA emigriert, wird im Frühjahr 1888 von Edisons Labor eingestellt, um an der Entwicklung des Phonographen mitzuarbeiten. Ein gutes Jahr später bricht Wangemann an Bord eines Viermasters nach Europa auf. Er soll zunächst den Phonographen auf der Pariser Weltausstellung warten und Personal zu seiner Bedienung schulen. Doch bald wird Wangemann nach Berlin gesandt, dort soll er gemeinsam mit dem inzwischen angereisten Edison den Phonographen Werner von Siemens vorführen. In Berlin macht der Phonograph Furore, etwa als Wangemann und Edison ihn erstmals deutschen Wissenschaftlern, darunter der berühmte Physiologe Emil Heinrich du Bois-Reymond, vorführen. Bei einer zweiten Reise nach Berlin können die Erfinder den Plan realisieren, den Phonographen auch an höchster Stelle vorzuführen. Am Abend des 23. Septembers 1889 sind Edison und Wangemann ins Neue Palais in Potsdam eingeladen.

Kaiser Wilhelm II. lässt sich das Gerät genau erklären, lauscht interessiert den Konzertaufnahmen. Bei einem zweiten Treffen zwei Tage später hoffen die Amerikaner, den Kaiser aufnehmen zu können. Doch der lehnt ab, lässt nur den siebenjährigen Kronprinzen Wilhelm und seine jüngeren Brüder Eitel Friedrich und Adalbert sprechen. In Aussicht gestellt wird auch eine Begegnung mit dem russischen Zaren, Alexander III. Am 12. Oktober ist es so weit, spät abends in der Russischen Botschaft, wie Stephan Puille rekonstruiert hat. Der Zar soll wenig beeindruckt gewesen sein – und nicht bereit, eine Walze zu besprechen.

Erfolg hatte Wangemann dagegen bei dem greisen Feldmarschall Graf Helmuth Moltke, den er Ende Oktober auf seinem Familiensitz in Kreisau besuchte. Es entstanden "die einzigen Aufnahmen eines im 18. Jahrhundert Geborenen, die heute noch hörbar sind", schreibt Puille. Moltke zollt dem Wunderding Respekt: "Diese neueste Erfindung des Herrn Edison ist in der Tat staunenswert." Sie ermögliche, "dass ein Mann der schon im Grabe liegt, noch einmal seine Stimme erhebt und die Gegenwart begrüßt."

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. als die meldung kahm witzelten wir hier ob er wohl zusammen mit moltke besoffen die internationale oder die marseillaise gegröhlt hatt
    und dann kahm der text :D
    regionaler humor scheint doch irgendwie gleich zu bleiben

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    zu Christians völlig zutreffendem Fazit:

    "Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann."
    (Wulff anno 2000 zur Flugaffäre des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau)

    Möge nun fortan dieses werthaltige Tondokument dem deutschen Vaterlande anno 2012 moralischen Trost, entschlossenen Mut und neue Hoffnung verleihen:

    "Treibe alles in Maßen und Sittlichkeit, namentlich das Arbeiten, dann aber auch das Essen,
    und im Übrigen gerade auch das Trinken.
    Rat eines Vaters an seinen Sohn."

    "Allons enfants de la Patrie
    Le jour de gloire est arrivé ..."

    (Mit der Bitte um Weiterleitung ans Schloss Bellevue!)

    zu Christians völlig zutreffendem Fazit:

    "Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann."
    (Wulff anno 2000 zur Flugaffäre des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau)

    Möge nun fortan dieses werthaltige Tondokument dem deutschen Vaterlande anno 2012 moralischen Trost, entschlossenen Mut und neue Hoffnung verleihen:

    "Treibe alles in Maßen und Sittlichkeit, namentlich das Arbeiten, dann aber auch das Essen,
    und im Übrigen gerade auch das Trinken.
    Rat eines Vaters an seinen Sohn."

    "Allons enfants de la Patrie
    Le jour de gloire est arrivé ..."

    (Mit der Bitte um Weiterleitung ans Schloss Bellevue!)

  2. vom Grafen Moltke:)

  3. und wer möchte die Stimme des Kriegstreibers Bismark schon hören, der viele Menschen sinnlos in den Tod getrieben hat ? Die Folge war ein militaristisches Kaiserreich, das in der Katastrophe es 1. Weltkriegs unterging mitsamt dem unverantwortlichen Wilhelm 2.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Gleich mehrere Fehler:

    1. In einer Betrachtung die die damaligen Gegebenheiten mit einbezieht war Bismarck kein Kriegstreiber, sondern schlicht einer von vielen Politiker, damals galt Clausewitz Wort.

    2. Ein "militaristisches Kaiserreich" war das Deutsche Reich schlicht nicht, vergleichen sie doch mal mit Frankreich und England und sehen sie sich mal an wieviele Kriege diese beiden führten und wieviele Deutschland im Vergleichszeitraum, ausserdem betrachten sie mal das Armee Budget der drei Staaten nebeneinander....

    3. Ja es ging unter bedauerlicherweise.

    Was hat denn der Fund dieses historischen Dokuments mit den Taten und Leistungen Bismarcks zu tun?

    Sollten wir etwa auch die Urkunden Karls des Großen und die Büsten Caesars vernichten? Wer möchte schon das Antlitz des Diktators sehen, der zahlreiche Menschen sinnlos in den Tod schickte? Damnatio memoriae - ist das etwa Ihre Vorstellung von Geschichtswissenschaft?

    Bitte sagen Sie jetzt nicht, Sie seien Wissenschaftler oder gar Lehrer!

    Aber bei den meisten zeigt sich die Halbbildung darin, dass sie wegen der paar preußischen Kriege wer weiß wie herumjammern und die damaligen Anführer, egal ob nun Friedrich den Großen oder Bismarck, als Kriegstreiber und mediokre Figuren darstellen.

    Auf der anderen Seite aber ständig ausgerechnet die Länder und deren Anführer als Vorbild loben, die ständig Kriege geführt und die halbe Welt unterjocht haben.

    • ludna
    • 01.02.2012 um 10:00 Uhr

    Wir haben nicht mehr 1968, wo alles was preussisch-deutsch war, automatisch militaristisch war ?

    Bismarcks Politik war immer darauf ausgerichtet, genau einen Kieg wie den 1. WK zu vermeiden (Zweifrontenkrieg) . Er sah die Gefahr: ein riesiges Gebilde was halb Europa einnahm (Schauen Sie mal auf die Landkarte von 1871-1914)zerstörte das gesamte Machtgefüge, welches seit 1815, oder eigentlich seit dem 14. Jahrhundert in Europa herrschte.

    Seine Kriege waren alle politische Kriege, kurz aber mit einem klaren politischen Ziel. Daher waren die Kriege auch kurz. Heute findete man dies moralisch verwerflich, aber die USA machen es heute noch so, ganz zu schweigen im 19 Jh. Das einzige was mir unverständlich erscheint, ist die unsinnige Bomardierung von Paris, vielleicht hing dies noch mit dem Hass und Revanche-Gedanken auf Frankreich/Napoleon zusammen.

    Nachdem das Deutsche Reich geschaffen war, sah Bismark dies als saturiert an. Keine Gebietsanprüche in Europa, kein Kolonialpolotik um Enkland, Russland aber auch Frankreich zu provozieren.

    Erst die Clique um Wilhelm II verlor dieses Mass und das Ergebnis kennen wir.

    zu Platz 3. Da haben Ihren Troll-Kommentar ja zeitig platziert und können sich über die Resonanz freuen. Ja, Sie werden wahrgenommen!

    Ich persönlich finde die Entdeckung des Tondokuments sensationell, hoch erfreulich und absolut überraschend. Endlich mal was anderes als Katastrophenmeldungen und Politik-Kleinklein! Eine echte Stimme aus einer versunkenen Welt... So hat man also damals gesprochen.

    Falls es Sie interessiert: Innenpolitisch habe ich gegenüber Bismarck auch einige Vorbehalte, aber außenpolitisch er hat für Deutschland durchaus eine Menge erreicht. Und was den Ersten Weltkrieg angeht, wäre es doch eine arg germanozentrische Weltsicht bzw. deutsche Selbstüberschätzung, zu meinen, Deutschland hätte in Europa die Zügel in der Hand gehalten und sei quasi alleinverantwortlich für den Lauf der europäischen Geschichte. Ich könnte jetzt die jeweiligen Kriegsinteressen der anderen Weltkriegs-Beteiligten näher ausführen oder auch darauf hinweisen, daß Bismarck beim Kriegsausbruch zu Zeiten von Wilhelm Zwo schon seit 25 Jahren politisch nichts mehr zu sagen hatte, aber das sind Sie mir nicht wert.

    Gleich mehrere Fehler:

    1. In einer Betrachtung die die damaligen Gegebenheiten mit einbezieht war Bismarck kein Kriegstreiber, sondern schlicht einer von vielen Politiker, damals galt Clausewitz Wort.

    2. Ein "militaristisches Kaiserreich" war das Deutsche Reich schlicht nicht, vergleichen sie doch mal mit Frankreich und England und sehen sie sich mal an wieviele Kriege diese beiden führten und wieviele Deutschland im Vergleichszeitraum, ausserdem betrachten sie mal das Armee Budget der drei Staaten nebeneinander....

    3. Ja es ging unter bedauerlicherweise.

    Was hat denn der Fund dieses historischen Dokuments mit den Taten und Leistungen Bismarcks zu tun?

    Sollten wir etwa auch die Urkunden Karls des Großen und die Büsten Caesars vernichten? Wer möchte schon das Antlitz des Diktators sehen, der zahlreiche Menschen sinnlos in den Tod schickte? Damnatio memoriae - ist das etwa Ihre Vorstellung von Geschichtswissenschaft?

    Bitte sagen Sie jetzt nicht, Sie seien Wissenschaftler oder gar Lehrer!

    Aber bei den meisten zeigt sich die Halbbildung darin, dass sie wegen der paar preußischen Kriege wer weiß wie herumjammern und die damaligen Anführer, egal ob nun Friedrich den Großen oder Bismarck, als Kriegstreiber und mediokre Figuren darstellen.

    Auf der anderen Seite aber ständig ausgerechnet die Länder und deren Anführer als Vorbild loben, die ständig Kriege geführt und die halbe Welt unterjocht haben.

    • ludna
    • 01.02.2012 um 10:00 Uhr

    Wir haben nicht mehr 1968, wo alles was preussisch-deutsch war, automatisch militaristisch war ?

    Bismarcks Politik war immer darauf ausgerichtet, genau einen Kieg wie den 1. WK zu vermeiden (Zweifrontenkrieg) . Er sah die Gefahr: ein riesiges Gebilde was halb Europa einnahm (Schauen Sie mal auf die Landkarte von 1871-1914)zerstörte das gesamte Machtgefüge, welches seit 1815, oder eigentlich seit dem 14. Jahrhundert in Europa herrschte.

    Seine Kriege waren alle politische Kriege, kurz aber mit einem klaren politischen Ziel. Daher waren die Kriege auch kurz. Heute findete man dies moralisch verwerflich, aber die USA machen es heute noch so, ganz zu schweigen im 19 Jh. Das einzige was mir unverständlich erscheint, ist die unsinnige Bomardierung von Paris, vielleicht hing dies noch mit dem Hass und Revanche-Gedanken auf Frankreich/Napoleon zusammen.

    Nachdem das Deutsche Reich geschaffen war, sah Bismark dies als saturiert an. Keine Gebietsanprüche in Europa, kein Kolonialpolotik um Enkland, Russland aber auch Frankreich zu provozieren.

    Erst die Clique um Wilhelm II verlor dieses Mass und das Ergebnis kennen wir.

    zu Platz 3. Da haben Ihren Troll-Kommentar ja zeitig platziert und können sich über die Resonanz freuen. Ja, Sie werden wahrgenommen!

    Ich persönlich finde die Entdeckung des Tondokuments sensationell, hoch erfreulich und absolut überraschend. Endlich mal was anderes als Katastrophenmeldungen und Politik-Kleinklein! Eine echte Stimme aus einer versunkenen Welt... So hat man also damals gesprochen.

    Falls es Sie interessiert: Innenpolitisch habe ich gegenüber Bismarck auch einige Vorbehalte, aber außenpolitisch er hat für Deutschland durchaus eine Menge erreicht. Und was den Ersten Weltkrieg angeht, wäre es doch eine arg germanozentrische Weltsicht bzw. deutsche Selbstüberschätzung, zu meinen, Deutschland hätte in Europa die Zügel in der Hand gehalten und sei quasi alleinverantwortlich für den Lauf der europäischen Geschichte. Ich könnte jetzt die jeweiligen Kriegsinteressen der anderen Weltkriegs-Beteiligten näher ausführen oder auch darauf hinweisen, daß Bismarck beim Kriegsausbruch zu Zeiten von Wilhelm Zwo schon seit 25 Jahren politisch nichts mehr zu sagen hatte, aber das sind Sie mir nicht wert.

  4. Kriegstreiber? Das war damals etwas völlig legitimes, sonst hätte eben jemand anders Krieg geführt. Dieser Mann hat das Deutsche Reich begründet und so das Land geschaffen das heute existiert, Deutschland. [...]

    Wirklich sehr faszinierend so etwas zu hören, wenn man überlegt das es jetzt bereits über 120 Jahre her ist das diese Menschen gelebt und gesprochen haben. Geschichte ist schon etwas sehr spannendes....

    Gekürzt. Verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen. Die Redaktion/mak

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    Kriegstreiberei damit zu legitimieren, dass es damals halt Ok war, ist irgendwie völlig daneben. Dann kann man allen möglichen Mördern und Psychopathen die Schuld absprechen, da sie einfach nur die Hand des Zeitgeistes waren. Gewisse Dinge sind zeitlos und ein mieser Charakter bleibt ein mieser Charakter.

    Kriegstreiberei damit zu legitimieren, dass es damals halt Ok war, ist irgendwie völlig daneben. Dann kann man allen möglichen Mördern und Psychopathen die Schuld absprechen, da sie einfach nur die Hand des Zeitgeistes waren. Gewisse Dinge sind zeitlos und ein mieser Charakter bleibt ein mieser Charakter.

  5. Gleich mehrere Fehler:

    1. In einer Betrachtung die die damaligen Gegebenheiten mit einbezieht war Bismarck kein Kriegstreiber, sondern schlicht einer von vielen Politiker, damals galt Clausewitz Wort.

    2. Ein "militaristisches Kaiserreich" war das Deutsche Reich schlicht nicht, vergleichen sie doch mal mit Frankreich und England und sehen sie sich mal an wieviele Kriege diese beiden führten und wieviele Deutschland im Vergleichszeitraum, ausserdem betrachten sie mal das Armee Budget der drei Staaten nebeneinander....

    3. Ja es ging unter bedauerlicherweise.

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    ...häufig vergessen wird...unter Bismarcks Führung wäre es wahrscheinlich niemals zum WW I (auf jeden Fall in dieser Form nicht) gekommen.
    Er erklärte das DR für "saturiert", was er auch ernst gemeint hat. Dazu erschuf Bismarck ein Bündnissystem, was kombiniert mit der militärischen und wirtschaftlichen Stärke und der geographischen Stellung in Zentraleuropa einen europaweiten Krieg quasi ausschloss.
    Mit allen Großmächten (abgesehen von "Erzfeind" Frankreich) hatte man sich arrangiert.
    Erst in der Zeit nach Bismarck (der übrigens grade wg dieser angeblichen "Bremsung" des DR entmachtet wurde) zerstörten seine Nachfolger die exzellente politische Lage und brachten das DR erst in die gefärliche "politische Defensive", die später mit zum WW I führte.

    ...häufig vergessen wird...unter Bismarcks Führung wäre es wahrscheinlich niemals zum WW I (auf jeden Fall in dieser Form nicht) gekommen.
    Er erklärte das DR für "saturiert", was er auch ernst gemeint hat. Dazu erschuf Bismarck ein Bündnissystem, was kombiniert mit der militärischen und wirtschaftlichen Stärke und der geographischen Stellung in Zentraleuropa einen europaweiten Krieg quasi ausschloss.
    Mit allen Großmächten (abgesehen von "Erzfeind" Frankreich) hatte man sich arrangiert.
    Erst in der Zeit nach Bismarck (der übrigens grade wg dieser angeblichen "Bremsung" des DR entmachtet wurde) zerstörten seine Nachfolger die exzellente politische Lage und brachten das DR erst in die gefärliche "politische Defensive", die später mit zum WW I führte.

  6. Was hat denn der Fund dieses historischen Dokuments mit den Taten und Leistungen Bismarcks zu tun?

    Sollten wir etwa auch die Urkunden Karls des Großen und die Büsten Caesars vernichten? Wer möchte schon das Antlitz des Diktators sehen, der zahlreiche Menschen sinnlos in den Tod schickte? Damnatio memoriae - ist das etwa Ihre Vorstellung von Geschichtswissenschaft?

    Bitte sagen Sie jetzt nicht, Sie seien Wissenschaftler oder gar Lehrer!

    11 Leser-Empfehlungen
  7. Ach ja, bevor es hier zu Unterstellungen kommt:

    Von Statements des Schlages "Bedauerlicherweise ging das Kaiserreich unter" und Bismarck- bzw. Wilhelm-Apologie möchte ich mich ausdrücklich distanzieren.

    Mein Interesse gilt lediglich einer differenzierten und wissenschaftlichen Beurteilung.

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    ... läuft doch im heutigen Deutschland stets nur darauf hinaus, dass an unseren Staaten und Anführern aufgrund der "Objektivität" unserer Professoren genug Dreck hängen bleibt, während sich andere, die eher mit ihrer Geschichte bis zum 19. Jahrhundert kritisch umgehen sollten, sich die Hände reiben können.

    ... läuft doch im heutigen Deutschland stets nur darauf hinaus, dass an unseren Staaten und Anführern aufgrund der "Objektivität" unserer Professoren genug Dreck hängen bleibt, während sich andere, die eher mit ihrer Geschichte bis zum 19. Jahrhundert kritisch umgehen sollten, sich die Hände reiben können.

  8. Sensationell? Bei den meisten Politikern wäre man froh, wenn man nichts von ihnen hören müßte ...

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    Man soll auf Politiker nicht hören, sondern auf sie achten.

    (Dieter Hildebrandt)

    Man soll auf Politiker nicht hören, sondern auf sie achten.

    (Dieter Hildebrandt)

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