AntarktisexpeditionJapans Held im Rennen zum Südpol

Im Wettlauf zum Südpol wurden Roald Amundsen und Robert Scott berühmt. Den Dritten kennt kaum jemand: Nobu Shirase. Vor 100 Jahren traf er auf Amundsens Schiff. von 

Am 16. Januar 1912 segelt die Kainan Maru, zu Deutsch Pionier des Südens, am Ross-Schelfeis entlang. Bis zu 50 Meter hoch ragt die Eisplatte aus dem Wasser, die das Ross-Meer bedeckt, eine riesige Bucht an der Neuseeland zugewandten Küste der Antarktis. Nobu Shirase sucht eine Stelle, an der sein Schiff landen kann. Der Japaner will von hier aus zum Südpol vorstoßen.

Als Shirase ein anderes Schiff entdeckt, fürchtet er Piraten. Doch es ist die Fram, der Schoner Roald Amundsens, der auf die Rückkehr des Norwegers von seinem Vorstoß zum Südpol wartet. Mit den Norwegern an Bord können sich die Japaner kaum verständigen. Weder die Männer auf der Fram noch Shirase wissen, dass Amundsen den Pol am 14. Dezember 1911 erreicht hat. Dessen britischer Rivale Robert Scott steht am 17. Januar auf dem südlichsten Punkt der Erde. Er kommt nie zurück.

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Shirase schlief stets in unbeheizten Räumen – als Training für die Expedition

Nobu Shirase, Jahrgang 1861, hat schon als Junge davon geträumt, Polarforscher zu werden. Sein Leben lang hat er trainiert, auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, in unbeheizten Räumen geschlafen. 1893 leitet er eine Expedition auf die Kurilen nördlich von Japan. Eigentlich will er zum Nordpol, aber wie Amundsen ändert er seine Pläne, als der Amerikaner Robert Peary 1909 behauptet, ihn erreicht zu haben. Jetzt ist der Südpol sein Ziel. Lange versucht der unscheinbare Leutnant der Reserve, Japans Politiker und Wissenschaftler von einer Antarktis-Expedition zu überzeugen. Erst als Ex-Premier Shigenobu Okuma sich auf seine Seite schlägt, bekommt er ein kleines Budget. Wissenschaftler kann Shirase nicht zur Reise überreden.

Ende November 1910 segelt Shirase los. Mit gut zwei Dutzend Männern und 28 sibirischen Schlittenhunden will er im Februar 1911, im antarktischen Sommer, den Kontinent erreichen, in einem Basislager überwintern und im September zum Pol aufbrechen. Doch Geldmangel und schlechtes Wetter verzögern die Expedition. Als sie endlich in Neuseeland ankommt, staunen die örtlichen Reporter: Die Kainan Maru ist ein winziger Dreimaster mit schwachbrüstigem Hilfsmotor, halb so groß wie Amundsens Fram und ein Drittel so groß wie Scotts Terra Nova. Amundsen und Scott sind da schon in der Antarktis und bereiten sich auf den Winter vor.

Neuseelands Zeitungen machen sich lustig über die Japaner mit ihren "Spielzeugschlitten" aus Bambus, ihrem Proviant aus Reis, eingelegten Bohnen und getrocknetem Tintenfisch und der Hundemeute, die nur zur Hälfte die Reise überlebt hat. Nicht mal eine ordentliche Karte habe Shirase dabei, schreiben sie.

Leserkommentare
    • TomFynn
    • 16. Januar 2012 18:52 Uhr

    ist der gute Mann nun ein Dilettant, welcher mit völlig unzureichenden Mitteln ein Unternehmen gestartet hat, welches man nur als völligen Wahnsinn bezeichnen kann

    oder

    ein begeisterter Amateur, welcher sich durch nichts davon abhält für seinen Traum zu kämpfen und diesen gegen alle Widerstände zu verwirklichen?

    Vielleicht ist das bei allen Helden so...

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  • Schlagworte Japan | Neuseeland | Antarktis | China | Flagge | Russland
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