Valentina TereschkowaDie Kosmonautin, die für Putin kämpft

Die erste Frau im All ist heute Abgeordnete für die Partei Einiges Russland. Schon Valentina Tereschkowas Weltraumflug 1963 diente der Kreml-Propaganda. von 

Valentina Tereschkowa

Valentina Tereschkowa  |  © Hulton Archive/Getty Images

Die Möwe ist in Anton Tschechows gleichnamigem Drama ein Freiheitssymbol. Sie wird im zweiten Akt erschossen. Tschaika, "Möwe", das ist auch die Funkkennung, die Valentina Tereschkowa sich aussucht, die erste Frau im Weltall. Doch mit Freiheit hat Tereschkowas Einsatz wenig zu tun: Tereschkowa ist nur die Marionette in einer Propagandaaktion.

Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow hat die Idee, auch die erste Frau im Kosmos müsse Russin sein – nachdem die Sowjetunion 1957 schon den ersten Satelliten, Sputnik, im selben Jahr die erste Hündin, Laika, und 1961 den ersten Mann, Juri Gagarin, in die Erdumlaufbahn geschossen hat. Chruschtschow wünscht sich eine einfache Arbeiterin als erste Kosmonautin. Das soll zeigen: Im Arbeiter- und Bauernstaat stehen jedem alle Wege offen – sogar der Weg ins All.

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Die am 6. März 1937 bei Jaroslawl an der Wolga geborene Valentina Wladimirowna Tereschkowa passt perfekt. Walja, wie ihre Freundinnen sie nennen, ist die Tochter eines Traktoristen, der sein Leben im Zweiten Weltkrieg gelassen hat. Sie selbst ist Zuschneiderin und Büglerin im Jaroslawler Spinnerei-Kombinat, macht nebenbei an der Abendschule das Diplom als Spinnerei-Technikerin. Im Kombinat arbeitet Valentina als Sekretärin des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol und überredet Kolleginnen zu freiwilliger Sonntagsarbeit: eine vorbildliche Genossin.

Die Fallschirmspringerin meldet sich fürs Kosmonautenprogramm

Tereschkowas Hobby ist das Fallschirmspringen. Sie hat 126 Sprünge hinter sich, als Gagarin ins All fliegt. Nun will sie Kosmonautin werden, liest sich durch die einschlägige Literatur und bewirbt sich bei der Raumfahrtbehörde. Die sucht offiziell Frauen für eine Weltraummission, weil sie die Wirkung der Schwerelosigkeit auf das weibliche Geschlecht erforschen will.

Für die fünf auserwählten Frauen beginnt Anfang 1962 das Training. Acht Monate lang werden sie in Zentrifugen mit zwölffacher Erdbeschleunigung herumgewirbelt, auf Rüttelapparaturen heftigen Vibrationen ausgesetzt und in Isolationszellen für Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Tereschkowa machen besonders die Raketentechnik und die Bedienung der Steuerelemente zu schaffen: Weder hat sie wie die männlichen Kosmonauten eine Pilotenausbildung, noch ist sie Akademikerin wie die vier weiblichen Konkurrentinnen.

Trotzdem bekommt die Arbeiterin den Vortritt. Am 16. Juni 1963, mittags um halb eins Moskauer Zeit, startet Tereschkowa mit dem Raumschiff Wostok 6 ins All. Zwei Tage zuvor ist Wostok 5 mit Oberstleutnant Waleri Bykowski im kasachischen Kosmodrom in Baikonur abgeflogen. Tereschkowa und Bykowski plaudern per Funk miteinander, und öffentlichkeitswirksam mit Chruschtschow.

Doch der Flug der Möwe verläuft nicht planmäßig. Kurz nach dem Start meldet Tereschkowa noch, alles funktioniere bestens, sie fühle sich hervorragend. Was dann passiert, lässt sich nur bruchstückhaft ermitteln: Die Kosmonautin sei mehrfach eingenickt, heißt es, habe sich übergeben müssen. Letzteres räumt sie später ein und gibt falschem Essen die Schuld. Auch soll sie Weisungen nicht ausgeführt und sich über den schmerzhaft drückenden Helm beklagt haben, den sie die drei Tage lang nicht absetzen darf.

Leserkommentare
    • zorano
    • 06. März 2012 16:21 Uhr

    Der schmerzhaft drückende Helm, den das auf jeden Fall unglaublich tapfere Mädel angeblich drei Tage lang nicht absetzen dürfte ist auf dem Foto ziemlich offen, oder hat sie wirklich drei Tage lang nichts gegessen und getrunken?!

  1. Wenn ich bei meinem Motorradhelm das Visier öffne, um etwas zu trinken, dann setze ich noch lange nicht den Helm ab.

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