SchifffahrtDie ersten und letzten Tage der "Titanic"

Im Nordatlantik endete vor 100 Jahren die Jungfernfahrt des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt in der Katastrophe. Eine Chronologie des Unglücks, das Legende wurde. von 

Schiffsunglück
Die ersten und letzten Tage der "Titanic"
10. April 1912, kurz nach 12 Uhr
RMS Titanic
RMS Titanic

Die "RMS Titanic"   |  © Central Press/Getty Images

Die RMS Titanic startet im Hafen von Southampton ihre Jungfernfahrt unter Kapitän Edward John Smith. Zuerst steuert sie Cherbourg in Frankreich und Queenstown in Irland an, um noch ein paar Passagiere aufzunehmen. Rund 1.300 Fahrgäste und 900 Besatzungsmitglieder sind an Bord, damit ist das 269 Meter lange Schiff nur zu zwei Dritteln ausgebucht. Die Hoffnung, dass die Auszeichnung "größtes Schiff der Welt" mehr Fahrgäste anziehen würde, erweist sich als falsch. Zu ähnlich war die Titanic wahrscheinlich ihrem Schwesterschiff Olympic, das im Vorjahr zu seiner Jungfernfahrt aufgebrochen war.

11. April 1912, 13.30 Uhr
Ein Nachbau der großen Treppe auf der "Titanic"

Ein Nachbau der großen Treppe auf der "Titanic"  |  © David Paul Morris/Getty Images

Von Irland aus beginnt die Fahrt über den Atlantik. Für die Unterhaltung der Reichen unter den Reisenden bietet die Titanic mehr als jedes Schiff vor ihr: ein beheiztes Schwimmbecken, eine Squashanlage und ein Restaurant, in dem Gäste à la carte speisen können. Der größte Teil des Raums an Bord ist für die Passagiere der ersten Klasse reserviert. Doch auch die Passagiere in der dritten Klasse haben mehr Komfort als üblich. Statt Massenschlafsälen gibt es für sie Kabinen mit drei oder vier Stockbetten und Waschgelegenheit. Etagenklos und einige Badewannen stehen zur allgemeinen Verfügung.

14. April 1912, 23:40 Uhr
Der Eisberg, den die "Titanic" mutmaßlich rammte.

Der Eisberg, den die "Titanic" mutmaßlich rammte.  |  © US Coast Guard/Wikimedia Commons

Bis heute ist unklar, warum Kapitän Smith das Schiff mit der Höchstgeschwindigkeit von 39 Kilometern pro Stunde durch die Nacht fahren ließ. Den ganzen Tag über hatten andere Schiffe Eiswarnungen gefunkt. Ausguck Frederik Fleet läutet um 23.40 dreimal die Glocke: Eisberg voraus. Der wachhabende Offizier William Murdoch muss die Gefahr schon bemerkt haben, denn die Titanic wendet bereits Richtung backbord. Doch es ist zu spät. Das Kreuzfahrtschiff rammt einen 300.000 Tonnen schweren Eisberg, etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland, Kanada.

14. April, 1912 kurz vor Mitternacht
Titanic Chronik Telegramm
Titanic SOS Telegramm

Die zu weit entfernte "Olympic" sendete den Notruf der "Titanic" weiter.  |  © Matt Campbell/AFP/Getty Images

Obwohl die Gesamtfläche der Lecks nur 1,2 Quadratmeter misst, ist der Schaden fatal. Offizier Murdoch lässt Schotten schließen, was den Untergang aber nur noch verzögern kann. Als eines der ersten Schiffe in der Geschichte sendet die Titanic den neu vereinbarten Notruf SOS, Leuchtraketen werden gezündet. Die Californian liegt nur etwa 20 Seemeilen entfernt. Doch ihr Funker schläft schon, Kapitän Stanley Lord befiehlt, mit Morselampen zu antworten. Als von der Titanic keine Reaktion kommt, unternimmt er nichts weiter. Die Carpathia reagiert auf den Notruf. Doch sie wird rund vier Stunden brauchen.

15. April 1912, 00:15 Uhr
Edward John Smith, Kapitän der Titanic

Edward John Smith, Kapitän der "Titanic"  |  © Topical Press Agency/Getty Images

Kapitän Smith ordnet die Evakuierung der Titanic an. Anfangs bitten die Stewards und Offiziere die Reisenden höflich zu einem Bootsmanöver, um eine Panik zu verhindern. Dem Kapitän ist klar, dass die Rettungsboote höchstens für die Hälfte der Menschen reichen. Er gibt den Befehl, sie erst mit Frauen und Kindern zu füllen. Der Offizier an der Steuerbordseite nimmt die Weisung zu genau und lässt Boote ins Wasser, die nicht voll besetzt sind, weil sich nicht mehr Frauen hinein trauen. Überhaupt verläuft die Evakuierung chaotisch, die ersten Boote bleiben halb leer, in die letzten drängen sich zu viele.

15. April 1912, 00:40 bis kurz vor 2 Uhr
Filmszene vom Untergang

Filmszene vom Untergang   |  © Merie Wallace/AFP/Getty Images

Bis zu 25.000 Tonnen Wasser sind inzwischen in das Schiff geströmt. Es neigt sich um fünf Grad. Die Maschinisten halten die Stromversorgung aufrecht, um Wasser abzupumpen. Auf dem Deck spielt die Schiffskapelle, um die Angst der Passagiere zu mindern. Vielleicht wähnen sich manche deshalb aber auch zu sicher. Um 01:40 Uhr geraten Bullaugen und Lüftungsschächte unter Wasser, das Schiff sinkt schneller. Um kurz nach zwei wird das letzte Rettungsboot zu Wasser gelassen. Der Reeder der Titanic, Ismay, erhascht noch einen Platz darin, Kapitän Smith bleibt an Bord und geht mit seinem Schiff unter.

15. April 1912, kurz nach vier
Überlebende werden von der "Carpathia" gerettet. Der Pfeil zeigt auf den Reeder der "Titanic", Bruce Ismay.

Überlebende werden von der "Carpathia" gerettet. Der Pfeil zeigt auf den Reeder der "Titanic", Bruce Ismay.  |  © General Photographic Agency/Getty Images

Die Carpathia erreicht den Unglücksort und nimmt 715 Überlebende auf. Für mehr als 1.500 Menschen kommt die Rettung zu spät. Der Großteil der Opfer sind Männer aus der zweiten und dritten Klasse. Die höchste Überlebenschance hatten Frauen aus der ersten und zweiten Klasse. Passagiere der dritten Klasse hatten vom Sinken der Titanic lange Zeit nichts mitbekommen: das Deck war während der Fahrt reicheren Gästen vorbehalten. Zudem waren nur wenige Crewmitglieder für sie zuständig und warnten sie.

18. April bis Mitte Mai 1912
Schlagzeile nach der Katastrophe

Schlagzeile nach der Katastrophe  |  © Topical Press Agency/Getty Images

Am Abend des 18. Aprils läuft die Carpathia mit den Überlebenden des Unglücks in New York ein. Zehntausende Menschen erwarten sie dort, Verwandte, Freunde, Schaulustige und Presse. Einige der Überlebenden fahren gleich wieder zurück in ihre Heimatorte in England oder Frankreich. In den USA und in Großbritannien werden Untersuchungskommissionen eingerichtet, um herauszufinden, warum die Titanic mit dem Eisberg kollidierte. Als Reaktion auf die Katastrophe wird eine Konferenz einberufen, auf der im November 1913 erstmals internationale Sicherheitsstandards für die Schifffahrt erarbeitet werden.

1. September 1985

Fast 70 Jahre lang bleiben die Überreste der Titanic verschollen auf dem Grund des Atlantik. 1985 unternehmen der Ingenieur Jean-Louis Michel und der Unterwasser-Archäologe Robert Ballard eine Expedition. An einem Verbindungskabel schleppen sie ein unbemanntes U-Boot mit Sonartechnik und Kameras über den Atlantikboden – und finden in 3.800 Metern Tiefe das Wrack der Titanic, etwa 13,5 Meilen ostsüdöstlich der im Notruf angegebenen Position. Heute können Touristen Tauchfahrten zum Wrack machen, für 30.000 bis 60.000 Euro.

1912-2012: Die "Titanic" im Film
Kate Winslet auf der Premiere der 3D-Version des Films "Titanic"

Kate Winslet auf der Premiere der 3D-Version des Films "Titanic"  |  © CARL COURT/AFP/Getty Images

Das Drama auf dem Atlantik inspirierte Schriftsteller und Drehbuchautoren. Im Nationalsozialismus wird ein Propagandafilm namens Titanic gedreht, in dem die historischen Ereignisse verfälscht werden. Der Kapitän versucht, einen neuen Rekord bei der Atlantiküberquerung aufzustellen. Nur ein deutscher Offizier erkennt die Gefahr, seine Warnungen werden ignoriert. Der Film wird nie ausgestrahlt. 1997 dreht James Cameron die teuerste und erfolgreichste Verfilmung des Unglücks, die elf Oscars erhält. Zum 100. Jahrestag taucht Cameron zum Wrack, sein Film kehrt in 3D zurück in die Kinos.

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Leserkommentare
  1. Die Titanic war nicht das erste Schiff, das den neuen SOS-Code funkte. Bereits für 1909 gibt es einen überlieferten Fall von SOS, wenn auch von einem deutlich unbekannteren Schiff.

    http://www.snopes.com/his...

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    Redaktion

    Lieber PatrickDamidaux,

    Danke für den Hinweis und den Link. Wir prüfen es nun noch einmal nach und haben es in der Chronik geändert. Dort heißt es nun, in jedem Fall richtig: "Eines der ersten Schiffe".

    Grüße aus der Redaktion.

  2. Redaktion

    Lieber PatrickDamidaux,

    Danke für den Hinweis und den Link. Wir prüfen es nun noch einmal nach und haben es in der Chronik geändert. Dort heißt es nun, in jedem Fall richtig: "Eines der ersten Schiffe".

    Grüße aus der Redaktion.

    Antwort auf "SOS - Recherchefehler"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte James Cameron | Schifffahrt | National Geographic | Kanada | Europa
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