Flucht aus der DDR: Wie ein Maulwurf in die Freiheit
Seit 1961 flohen mehr als 250 Ostdeutsche durch Tunnel aus der DDR. Fast genauso viele scheiterten. Hellmuth Vensky über berühmte und vergessene Tunnelbauer
Im Mai 1962 merkt die Untermieterin des Ehepaars Thomas, dass etwas nicht stimmt: Das Rentnerpaar ist verschwunden. Sie erstattet Anzeige. Im Hühnerstall des Hauses in der Oranienburger Chaussee finden Beamte der Staatssicherheit den Eingang eines Tunnels. Konsterniert stellen sie fest: Der 81-jährige Max Thomas und seine Frau sind in den Westen geflohen.
Schon wieder eine Tunnelflucht, wettern die Stasi-Offiziere. Stollen werden im Frühsommer 1962 zum bevorzugten Fluchtweg. Die Grenze ist seit der Absperrung im August 1961 immer undurchlässiger geworden, die Mauer wächst. Schnitten Flüchtlinge zunächst noch Zäune auf, schlichen durch Abwasserkanäle oder sprangen an schlecht gesicherten Gebäuden aus dem Fenster, bleibt ihnen nun nur noch der Weg des Maulwurfs.
Den Anfang dieser Tunnel-Fluchtwelle machen im September 1961 ausgerechnet zwei Westberliner, die sich nach Osten vorwagen. Die jungen Männer wollen ihre Freundinnen zu sich in den Westen holen und graben dazu einen 25 Meter langen unterirdischen Gang von einem Schuppen aus bis unter den Friedhof Pankow. Der Plan geht auf. In der Folge fliehen mehr als 20 Menschen auf diesem Wege. Als Trauernde getarnt verschwinden sie scheinbar in den Gräbern. Erst als eine Ostberlinerin auf der Flucht einen Kinderwagen auf dem Friedhof stehen lässt, werden Volkspolizisten stutzig und der Tunnel wird entdeckt.
Vier Monate später fangen die Zwillingsbrüder Günter und Bruno Becker in Glienecke unter ihrem Haus an, ein Loch zu graben. Sie sollen zwangsumgesiedelt werden; ihr Haus in der Oranienburger Chaussee liegt zu nah an der Grenze. Und so entschließen sie sich zur Flucht. "Na, wir brauchen uns ja bloß vom Keller aus durchzugraben", habe Bruno Becker gesagt, erzählt sein Bruder 50 Jahre später. Doch die Kellermauer erweist sich als zäh: "Wir wollten schon aufgeben, weil die Klinker hart wie Granit waren." Sechs Tage lang buddeln die Brüder, während ihre Schwester Gerda am Fenster Schmiere steht.
Robbend schaffen es die Flüchtlinge in den Westen
28 Menschen fliehen am 24. Januar 1962 durch den Becker-Tunnel nach Frohnau. Das Ehepaar Thomas aus der Nachbarschaft darf nicht mit: Die Beckers fürchten, die älteren Herrschaften seien zu schwach, könnten das Projekt gefährden. Der Tunnel misst nur 80 Zentimeter im Durchmesser, die Flüchtlinge müssen kriechen. Doch Max Thomas will raus aus dem Arbeiter-und-Bauern-Paradies: "Ich wollte meinen Lebensabend in Freiheit beschließen. Nicht einmal begraben möchte ich drüben sein", sagt er kurz nach seiner Flucht einem Reporter.
- Die Helfer: Girrmann, Herschel, Wagner
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Die Studentengruppe um Detlef Girrmann von der Freien Universität Berlin wird als Unternehmen Reisebüro bekannt, nachdem sie ihre Geschichte unter diesem Titel an den Spiegel verkauft. Zwischen 1961 und 1965 verhelfen sie vor allem jungen Menschen zur Flucht, die zur Volksarmee eingezogen werden sollen oder von der Stasi beobachtet werden. Neben Tunneln arbeiten sie mit West-Pässen von Menschen, die den Flüchtlingen ähnlich sehen, sie schleusen DDR-Bürger durch die Kanalisation und über Skandinavien.
Der 1935 geborene Hasso Herschel sitzt nach der Teilnahme am Aufstand des 17. Juni 1953 fünf Jahre im Arbeitslager, wird dann wegen Schmuggels zu weiteren sechs Jahren verurteilt. Nach der Haftentlassung geht er in den Westen. Weil er seine Schwester nachholen will, baut er im Frühjahr 1962 mit den Italienern Domenico Sesta und Luigi Spina und Helfern einen als "Tunnel 29" bekannt gewordenen Stollen aus der Bernauer in die Schönholzer Straße, durch den 29 Menschen fliehen. Er arbeitet danach als professioneller Fluchthelfer.
Fritz Wagner, genannt "der Dicke", ist Metzger und Kioskbesitzer in Berlin. Er ist auch als Fluchthelfer offenbar in erster Linie Geschäftsmann, nimmt von Anfang an Geld von den Flüchtlingen und verkauft Bilder seiner Tunnel an Medien wie die Bild-Zeitung. Nach dem Scheitern mehrerer Tunnel-Projekte schmuggelt er Flüchtlinge in umgebauten Autos aus der DDR. Er setzt Helfer ein, die nicht wissen, dass sie Menschen in ihren Fahrzeugen verstecken.
- Fuchs, Wohlfahrt und Furrer
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Der gelernte Optiker Wolfgang Fuchs aus Jena flieht 1957 aus der DDR und arbeitet in Westberlin. Seine beiden Töchter sind am Tag des Mauerbaus im Osten, seine Frau Selina kehrt zu ihnen in die DDR zurück. Im März 1962 verhilft Fuchs ihnen zur Flucht: Einige Helfer lenken Grenzer mit Brandsätzen ab, damit die Familie mit einer Leiter die Mauer überwinden kann. Danach engagiert Fuchs sich als Fluchthelfer. Unter anderem ist er am Tunnel 57 beteiligt.
Dieter Wohlfahrt wächst in der DDR auf, zog aber zum Studieren zu einer Tante nach West-Berlin. Weil er einen österreichischen Pass hat, kann er sich frei zwischen beiden Teilen der Stadt bewegen. Damit ist er ein willkommener Unterstützer für die studentische Fluchthilfe. Er ist an Fluchtversuchen durch die Kanalisation beteiligt und schneidet an abgelegenen Orten Löcher in den Grenzzaun. Bei einer der Aktionen gerät Wohlfahrt in einen Hinterhalt von Grenzsoldaten und wird erschossen.
Der aus Österreich stammende Reinhard Furrer studiert in Berlin Physik und beteiligt sich an Fluchthilfeaktionen. Vor allem baut er Technik wie ein Mikrofon, das vor Schritten am Tunneleingang warnt, und kann mit Messinstrumenten umgehen. Er konstruiert auch den Wagen, mit dem beim Bau des Tunnels 57 die Erde abtransportiert wird. Später fliegt Furrer als Wissenschaftsastronaut mit dem Spaceshuttle Challenger ins Weltall. Er stirbt 1995 bei einem Flugzeugabsturz auf einer Flugshow.
Sein "Rentnertunnel“ ist komfortabler als der Stollen der Beckers: bis zu 1,75 Meter hoch, 80 Zentimeter breit – der einzige Berliner Stollen, der die Republikflucht in aufrechter Haltung erlaubt. Thomas' männliche Mitflüchtlinge sind, bis auf den 18-jährigen Detlef Schauer, allesamt älter als 55 Jahre, die Frauen zwischen 46 und 68.
16 Tage lang schuften die Gräber täglich zehn bis 14 Stunden. Als ein Grenzsoldat vor der Haustür steht, erschrecken sie fast zu Tode: "Da haben wir gedacht, jetzt sind wir aufgeflogen“, erzählt Schauer später – doch der Soldat will nur die Krankenschwester besuchen, die im Hause Thomas wohnt, jene Untermieterin, die später die Flucht entdeckt.
Eine weitere Tunnelflucht gehört in die Glienicker Reihe: Niels-Martin Aagaard und sein Freund Hans Willner graben im März 1963 einen Stollen, durch den 13 Menschen aus Glienicke-Nordbahn nach Hermsdorf robben. Der Brandenburger Archäologe Torsten Dressler gräbt den dank solider Abstützung gut erhaltenen Tunnel im Frühjahr 2011 aus.






auf Stalins Vorschlag eingegangen, wäre keine Mauer gebaut worden.
Stimmt, auf Stalin war ja Verlass. Außerdem hätte es ohne die Mauer ja Krieg gegeben (natürlich bei rein westlicher Aggression).
Sarkasmus aus.
...nicht mit Adenauer, denn für den Begann Sibirien schon direkt hinter der Elbe.Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb, war die Meinung des Kanzlers der Alliierten,wie Kurt Schumacher einmal bemerkte.
Was an den Stalin Noten so verwerflich war um diese Vorschläge abzulehen, erschließt sich mir nicht.
http://www.digam.net/expo...
Wie sehr konnte man Stalin vertrauen?
Wie hoch wäre die chance gewesen, dass am Ende der Westen "freiwillig" zum kommunismuss hätte wechseln müssen?
Ich beneide Adenauer nicht um diese Entscheidung
p.s. Stalin wollte die Mauer nicht - es war Honecker, da zu viele aus dem "Kommunistischen Paradies" flüchteten
Stimmt, auf Stalin war ja Verlass. Außerdem hätte es ohne die Mauer ja Krieg gegeben (natürlich bei rein westlicher Aggression).
Sarkasmus aus.
...nicht mit Adenauer, denn für den Begann Sibirien schon direkt hinter der Elbe.Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb, war die Meinung des Kanzlers der Alliierten,wie Kurt Schumacher einmal bemerkte.
Was an den Stalin Noten so verwerflich war um diese Vorschläge abzulehen, erschließt sich mir nicht.
http://www.digam.net/expo...
Wie sehr konnte man Stalin vertrauen?
Wie hoch wäre die chance gewesen, dass am Ende der Westen "freiwillig" zum kommunismuss hätte wechseln müssen?
Ich beneide Adenauer nicht um diese Entscheidung
p.s. Stalin wollte die Mauer nicht - es war Honecker, da zu viele aus dem "Kommunistischen Paradies" flüchteten
Stimmt, auf Stalin war ja Verlass. Außerdem hätte es ohne die Mauer ja Krieg gegeben (natürlich bei rein westlicher Aggression).
Sarkasmus aus.
...erging an alle Angehörigen der NATO-Verbände in Europa der Befehl zur Alarmbereitschaft!Der Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte,Bundeswehrgeneral Speidel, inspizierte am 10. August die NATO-Verbände entlang der DDR-Staatsgrenze und erklärte ihre volle Einsatzbereitschaft. Die "Mauer" wurde am 13. August errichtet.
...erging an alle Angehörigen der NATO-Verbände in Europa der Befehl zur Alarmbereitschaft!Der Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte,Bundeswehrgeneral Speidel, inspizierte am 10. August die NATO-Verbände entlang der DDR-Staatsgrenze und erklärte ihre volle Einsatzbereitschaft. Die "Mauer" wurde am 13. August errichtet.
...nicht mit Adenauer, denn für den Begann Sibirien schon direkt hinter der Elbe.Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb, war die Meinung des Kanzlers der Alliierten,wie Kurt Schumacher einmal bemerkte.
Was an den Stalin Noten so verwerflich war um diese Vorschläge abzulehen, erschließt sich mir nicht.
http://www.digam.net/expo...
...erging an alle Angehörigen der NATO-Verbände in Europa der Befehl zur Alarmbereitschaft!Der Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte,Bundeswehrgeneral Speidel, inspizierte am 10. August die NATO-Verbände entlang der DDR-Staatsgrenze und erklärte ihre volle Einsatzbereitschaft. Die "Mauer" wurde am 13. August errichtet.
wenn man lange genug die Tatsachen verdreht hat die CIA und der BND die Mauer gebaut. Ich habe mich mein ganzes Leben lang unter dem Schutzschild der Nato wohl gefühlt. Und: wenn ich zwischen den USA und der UdSSR wählen hätte müsse, wäre ich in die USA gegangen. Wäre ja möglich gewesen. Stand ja keine Mauer ...
haben diese Personnen die rueber gingen irgendwelche Vorteile gehabt? ich meine genau haben sie z.B. schnell die Staatsbuergerschaft bekommen? schnell die residence?
Natürlich, diese Leute waren laut Grundgesetz deutsche Staatsbürger.
am anfang der Mauer kann ich es verstehen, aber ging es genau so auch in den 80er jahre?
ich moechte nur einiges in meinen Kopf vergleichen
Danke fuer die Antwort
Natürlich, diese Leute waren laut Grundgesetz deutsche Staatsbürger.
am anfang der Mauer kann ich es verstehen, aber ging es genau so auch in den 80er jahre?
ich moechte nur einiges in meinen Kopf vergleichen
Danke fuer die Antwort
das funktioniert? schnell einen Job bekommen? Wohnung?
Wie sehr konnte man Stalin vertrauen?
Wie hoch wäre die chance gewesen, dass am Ende der Westen "freiwillig" zum kommunismuss hätte wechseln müssen?
Ich beneide Adenauer nicht um diese Entscheidung
p.s. Stalin wollte die Mauer nicht - es war Honecker, da zu viele aus dem "Kommunistischen Paradies" flüchteten
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