Flucht aus der DDRWie ein Maulwurf in die Freiheit
Seite 2/2:

Die Flucht wird zum Geschäft

Zum Wiederholungsgräber wird der ehemalige Radrennfahrer Harry Seidel. Er hat schon seiner Frau und seinem Sohn durch eine Lücke im Grenzzaun zur Flucht verholfen und gräbt im Januar 1962 einen ersten Fluchttunnel, den ein Wassereinbruch unbrauchbar macht. Im März 1962 holen Seidel, Heinz Jercha und der bezahlte Schleuser Fritz Wagner mehrere Flüchtlinge durch einen Tunnel in der Heidelberger Straße. Dann verrät ein Spitzel das Projekt. Die Stasi will Seidel festnehmen, es kommt zu einer Schießerei, Jercha wird in die Brust getroffen. Seidel und Jercha schaffen es zurück in den Westen, doch Jercha stirbt – der erste von vier bekannten Tunneltoten.

Aus einer Kneipe im Osten in einen Westberliner Fotoladen

Seidel gibt nicht auf, gräbt immer wieder. Im Juni 1962 fliehen rund 55 Personen durch einen Stollen vom Keller der Treptower Gaststätte Heidelberger Krug in den Keller eines Fotogeschäfts, bevor die DDR-Sicherheitsorgane ihn entdecken. Im August 1962 verhaftet die Stasi rund 60 Fluchtwillige, weil sie von einem Tunnel Wind bekommen hat. Und im November 1962 gerät Seidel selbst in einen Hinterhalt, als er durch einen 70 Meter langen Tunnel in den Osten kriecht. Er sitzt im Zuchthaus, bis die Bundesrepublik ihn 1966 freikauft.

Die Flucht wird zum Geschäft, Parteien und Firmen bezahlen Schleuser im Westen Berlins, damit sie von dort aus Tunnel graben. Im Oktober 1964 etwa fliehen 57 Menschen durch den so als "Tunnel 57“ bekannt gewordenen längsten, tiefsten und teuersten Fluchttunnel. Eine große Spende kommt aus dem Umfeld der CDU, weitere Beträge stammen aus dem Verkauf von Film- und Bildrechten. Als der Tunnel entdeckt wird, fallen Schüsse; ein DDR-Grenzer stirbt.

Bis 1973 der letzte bekannte Tunnel gegraben wird, gelingt rund 250 Menschen die Flucht durch das Erdreich aus der DDR. Rund die Hälfte der knapp fünf Dutzend bekannten Projekte scheitert, mehr als 200 Menschen werden verhaftet. Die Reste der meisten Fluchttunnel sind im bauwütigen Berlin längst Baggerschaufeln zum Opfer gefallen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. auf Stalins Vorschlag eingegangen, wäre keine Mauer gebaut worden.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 18. Mai 2012 16:55 Uhr

    Stimmt, auf Stalin war ja Verlass. Außerdem hätte es ohne die Mauer ja Krieg gegeben (natürlich bei rein westlicher Aggression).

    Sarkasmus aus.

    ...nicht mit Adenauer, denn für den Begann Sibirien schon direkt hinter der Elbe.Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb, war die Meinung des Kanzlers der Alliierten,wie Kurt Schumacher einmal bemerkte.
    Was an den Stalin Noten so verwerflich war um diese Vorschläge abzulehen, erschließt sich mir nicht.
    http://www.digam.net/expo...

    • bugme
    • 18. Mai 2012 19:35 Uhr

    Wie sehr konnte man Stalin vertrauen?
    Wie hoch wäre die chance gewesen, dass am Ende der Westen "freiwillig" zum kommunismuss hätte wechseln müssen?

    Ich beneide Adenauer nicht um diese Entscheidung

    p.s. Stalin wollte die Mauer nicht - es war Honecker, da zu viele aus dem "Kommunistischen Paradies" flüchteten

    • Suryo
    • 18. Mai 2012 16:55 Uhr

    Stimmt, auf Stalin war ja Verlass. Außerdem hätte es ohne die Mauer ja Krieg gegeben (natürlich bei rein westlicher Aggression).

    Sarkasmus aus.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wäre Adenauer ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...erging an alle Angehörigen der NATO-Verbände in Europa der Befehl zur Alarmbereitschaft!Der Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte,Bundeswehrgeneral Speidel, inspizierte am 10. August die NATO-Verbände entlang der DDR-Staatsgrenze und erklärte ihre volle Einsatzbereitschaft. Die "Mauer" wurde am 13. August errichtet.

  2. ...nicht mit Adenauer, denn für den Begann Sibirien schon direkt hinter der Elbe.Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb, war die Meinung des Kanzlers der Alliierten,wie Kurt Schumacher einmal bemerkte.
    Was an den Stalin Noten so verwerflich war um diese Vorschläge abzulehen, erschließt sich mir nicht.
    http://www.digam.net/expo...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wäre Adenauer ..."
  3. ...erging an alle Angehörigen der NATO-Verbände in Europa der Befehl zur Alarmbereitschaft!Der Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte,Bundeswehrgeneral Speidel, inspizierte am 10. August die NATO-Verbände entlang der DDR-Staatsgrenze und erklärte ihre volle Einsatzbereitschaft. Die "Mauer" wurde am 13. August errichtet.

  4. wenn man lange genug die Tatsachen verdreht hat die CIA und der BND die Mauer gebaut. Ich habe mich mein ganzes Leben lang unter dem Schutzschild der Nato wohl gefühlt. Und: wenn ich zwischen den USA und der UdSSR wählen hätte müsse, wäre ich in die USA gegangen. Wäre ja möglich gewesen. Stand ja keine Mauer ...

    4 Leserempfehlungen
  5. 6. frage

    haben diese Personnen die rueber gingen irgendwelche Vorteile gehabt? ich meine genau haben sie z.B. schnell die Staatsbuergerschaft bekommen? schnell die residence?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 18. Mai 2012 20:55 Uhr

    Natürlich, diese Leute waren laut Grundgesetz deutsche Staatsbürger.

    am anfang der Mauer kann ich es verstehen, aber ging es genau so auch in den 80er jahre?
    ich moechte nur einiges in meinen Kopf vergleichen
    Danke fuer die Antwort

  6. das funktioniert? schnell einen Job bekommen? Wohnung?

    • bugme
    • 18. Mai 2012 19:35 Uhr

    Wie sehr konnte man Stalin vertrauen?
    Wie hoch wäre die chance gewesen, dass am Ende der Westen "freiwillig" zum kommunismuss hätte wechseln müssen?

    Ich beneide Adenauer nicht um diese Entscheidung

    p.s. Stalin wollte die Mauer nicht - es war Honecker, da zu viele aus dem "Kommunistischen Paradies" flüchteten

    Antwort auf "Wäre Adenauer ..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DDR | CDU | Flüchtling | Stasi | Tunnel | Berlin
Service