Die Hindenburg verbrennt kurz nach einem missglückten Landemanöver in Lakehurst. © Central Press/Getty Images

Stürmisches Wetter tobt über der Ostküste der USA. Schon lange hätte die Hindenburg auf dem Marineflughafen von Lakehurst, New Jersey, landen sollen, doch der Wind ist zu stark an diesem 6. Mai. Das Luftschiff hat mehr als zwölf Stunden Verspätung. Die Ehrenrunde über dem nahen New York hat Zeit gekostet, auch wenn das Hupkonzert in den Straßen Manhattans die Mühe wert war. Doch um Mitternacht soll die Hindenburg wieder starten, um rechtzeitig zur Krönung des englischen Königs Georg VI. am 12. Mai zurück in Europa zu sein. Die Zeit wird knapp.

Endlich sieht Kapitän Max Pruss eine Möglichkeit zum Landen. Die 36 Passagiere kleben an den Fenstern, suchen unter den Wartenden und Neugierigen nach bekannten Gesichtern. Die 61 Besatzungsmitglieder gehen auf ihre Positionen, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen. Nur Werner Franz, der 14-jährige Schiffsjunge, räumt noch Geschirr weg. Die Katastrophe naht.

LZ 129 Hindenburg – das LZ steht für "Luftschiff Zeppelin" und numeriert die deutschen Luftschiffe seit LZ1, dem ersten Prototyp von Ferdinand Graf Zeppelin zu Beginn des Jahrhunderts – ist zusammen mit ihrem Schwesterschiff LZ 130, der Graf Zeppelin II, das größte je gebaute Flugobjekt. 245 Meter lang ist die Zigarre, hat einen Durchmesser von gut 41 Metern und einen Gasinhalt von 200.000 Kubikmetern. Sie ist das erste Passagierluftschiff, das für Transatlantikflüge taugt.

Ein fahrendes Luxushotel am Himmel

Als die Hindenburg am 3. Mai auf dem Frankfurter Flughafen zu der Reise aufbricht, die ihre letzte wird, hat sie den Atlantik schon mehr als 30-mal gekreuzt seit ihrem Jungfernflug am 4. Mai 1936. Einen großen Auftritt hat sie am 1. August 1936 zum Auftakt der Olympischen Spiele in Berlin, als sie sich über dem Stadion und vor Adolf Hitler verneigt. Damit sich die Bugnase mehrfach absenkt, müssen die Besatzungsmitglieder im zentralen Laufgang vor- und zurückrennen.

Graf Zeppelin hat seine ersten Modelle mithilfe von Spenden gebaut, heute würde man Crowdfunding dazu sagen. Auch die Renaissance der Himmelsgiganten nach dem Ersten Weltkrieg haben luftfahrtbegeisterte Durchschnittsdeutsche mit ihren Spargroschen bezahlt. Die Reise über den Atlantik mit der Hindenburg können sie sich nicht leisten – sie müssten sich mehrere Monatslöhne vom Munde absparen.

Die Hindenburg ist ein fliegendes – Luftschiffer bevorzugen "fahrendes" – Luxushotel. Die Passagiere sind nicht in einer Gondel untergebracht, sondern auf zwei Decks im Innern des Auftriebskörpers. Die Ausstattung ist modern, aber edel: Schlafkabinen mit fließend warmem Wasser, ein Speisesaal mit Menüs à la carte und eigens angefertigtem Porzellanservice, sogar einen Rauchsalon beherbergt der Zeppelin.

Ein Mitarbeiter der US Navy machte dieses Foto, kurz nachdem der Zeppelin "Hindenburg" Feuer gefangen hatte.

Und das, obwohl leicht brennbarer Wasserstoff die Hindenburg in der Luft hält. Helium wäre sicherer; das Edelgas brennt nicht. Doch die USA haben praktisch ein Monopol auf das Gas und liefern kein Helium ins Ausland – schon gar nicht für Luftschiffe, die unter dem Hakenkreuz segeln. Also bleibt es beim riskanten Wasserstoff, gebändigt in 16 Zellen, zwei Lagen Baumwolle, dazwischen ein Gelatine-Film.

In einer dieser Zellen scheint bei der Landung ein Leuchten auf: Feuer! Ein Ruck geht durch das Luftschiff, plötzlich schlagen Flammen über die Hindenburg. Die Nase stellt sich hoch. Die Tellerstapel, die Schiffsjunge Werner Franz gerade in den Schrank gestellt hat, scheppern auf den Boden. Werner stürzt zur Tür, reißt sie auf, prallt zurück: Ein Feuerball rollt auf ihn zu.