Queen Viktoria: Die "Witwe von Windsor" sichert das Empire
Ihren Ruhm ersaß sich die Monarchin, die länger herrschte als alle vor ihr. Vor 175 Jahren bestieg Viktoria den britischen Thron. Ihr Auftreten prägte ein Zeitalter.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist das britische Königshaus reichlich heruntergekommen. George III. hat seinen Lebensabend in geistiger Umnachtung verdämmert, seine beiden Nachfolger sind kaum königliche Figuren. Als der derbe Wilhelm IV. ("Matrosen-Bill") 1837 stirbt, hinterlässt er keine männlichen Nachkommen; die nächste in der Erbfolge ist seine Nichte Viktoria.
Sie wird Königin, und so endet auch die 123-jährige Personalunion zwischen England und dem Königreich Hannover: Dort sind Frauen von der Erbfolge ausgeschlossen, Viktorias Onkel Ernst August I. wird König.
Viktoria, 18 Jahre alt, war nicht als Thronerbin vorgesehen und ist nicht dafür ausgebildet. Sie vertraut auf den Rat des Premierministers William Lamb Viscount Melbourne und den ihres Onkels, des belgischen Königs Leopold I. Ihr wichtigster Berater wird bald ihr Cousin, Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, den sie 1840 aus Liebe heiratet.
Die nächsten 20 Jahre ist Viktoria damit beschäftigt, neun Kinder zur Welt zu bringen – dabei mag sie keine Babys und hasst es, schwanger zu sein. Später wird man sie "Großmutter Europas" nennen, weil viele ihrer 40 Enkel und 88 Urenkel auf den Thronen des Kontinents Platz nehmen.
Als Albert stirbt, wird Viktoria zur "Witwe von Windsor"
Die Amtsgeschäfte führt im Hintergrund Albert. Manche Untertanen sehen den Einfluss des "Deutschen", wie sie ihn nennen, mit Argwohn. Vom Stadtleben und Buckingham Palace hält das Paar wenig, es zieht nach Windsor Castle in Berkshire, kauft Osborne House auf der Isle of Wight und Schloss Balmoral in Schottland.
Die Monarchin hält Auseinandersetzungen auf Schlachtfeldern für unzivilisiert. Den blutigen Krim-Krieg gegen Russland kann sie nicht verhindern, aber sie regt Reformen im Militär an. Die sozialpolitischen Ideen Alberts fördert sie halbherzig.
Über ihren Mann schreibt Viktoria: "Er war für mich alles, mein Vater, mein Beschützer, mein Führer, mein Ratgeber in allen Angelegenheiten, fast möchte ich sagen, er war mir Mutter und Mann zugleich." Im Dezember 1861 stirbt Albert an Typhus. Von nun an trägt die Queen schwarz. Sie zieht sich zurück und bekommt den Beinamen "Witwe von Windsor".
Viktoria meidet London, lässt die Minister zu sich kommen. Die jährliche Rede zur Parlamentseröffnung hält sie nur siebenmal in ihren 40 Witwenjahren selbst. Ihren ältesten Sohn Edward lässt sie nicht an den Regierungsgeschäften teilhaben, denn sie gibt dem Thronfolger die Schuld am Tod ihres Mannes: Albert ist, obwohl schon krank, nach Cambridge gereist, um den Prinzen von Wales wegen einer Affäre mit einer Schauspielerin zur Rede zu stellen.







Im Text haben sich 2 Fehler eingeschlichen:
Queen Victoria ist nicht 1906, sondern 1901 gestorben.
Das Königshaus nennt sich Windsor-Mountbatten. Letzteres der Name des Gemahls von Queen Elizabeth II. Genauer gesagt ist auch dieser Name Deutschen Ursprungs, nämlich Battenberg. Die Engländer werden die Geister, die sie riefen partout nicht los :)
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Liebe(r) Atan,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Tatsächlich wurde das Todesjahr von Königin Viktoria im Text fälschlich um fünf Jahre nach hinten verschoben. Den Fehler haben wir korrigiert.
Was den Familiennamen des Königshauses angeht, liegen Sie nicht ganz richtig, soweit ich es in Erfahrung bringen konnte.
Als Haus Windsor bezeichnete sich das britische Königshaus ab 1917. Dann gab Königin Elizabeth II. 1960 bekannt, dass ihre und Prinz Philips Nachfahren den Familiennamen Mountbatten-Windsor tragen werden.
Grüße aus der Redaktion!
@Beit Zamani: Wie die Redaktion schon korrigiert hat, haben Sie mit dem Todesjahr völlig recht, blöder Tippfehler. Im Satz vorher ist ja noch vom Weihnachtsfest 1900 die Rede. Genauso richtig ist die Anmerkung, dass das Königshaus seit Elizabeth II. Windsor-Mountbatten heißt, sich aber zunächst nur in Windsor umbenannte.
@Atan und alle, die Kriege und Kolonialismus erwähnen: Victoria fand, Kriege zwischen europäischen Mächten seien unzivilisiert, ohne sie immer vermeiden zu können. Kolonialkriege dagegen hielt sie in zeittypisch ungehemmtem Rassismus für berechtigte Maßnahmen zur Verbreitung der Zivilisation und der Pax Britannica.
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Liebe(r) Atan,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Tatsächlich wurde das Todesjahr von Königin Viktoria im Text fälschlich um fünf Jahre nach hinten verschoben. Den Fehler haben wir korrigiert.
Was den Familiennamen des Königshauses angeht, liegen Sie nicht ganz richtig, soweit ich es in Erfahrung bringen konnte.
Als Haus Windsor bezeichnete sich das britische Königshaus ab 1917. Dann gab Königin Elizabeth II. 1960 bekannt, dass ihre und Prinz Philips Nachfahren den Familiennamen Mountbatten-Windsor tragen werden.
Grüße aus der Redaktion!
@Beit Zamani: Wie die Redaktion schon korrigiert hat, haben Sie mit dem Todesjahr völlig recht, blöder Tippfehler. Im Satz vorher ist ja noch vom Weihnachtsfest 1900 die Rede. Genauso richtig ist die Anmerkung, dass das Königshaus seit Elizabeth II. Windsor-Mountbatten heißt, sich aber zunächst nur in Windsor umbenannte.
@Atan und alle, die Kriege und Kolonialismus erwähnen: Victoria fand, Kriege zwischen europäischen Mächten seien unzivilisiert, ohne sie immer vermeiden zu können. Kolonialkriege dagegen hielt sie in zeittypisch ungehemmtem Rassismus für berechtigte Maßnahmen zur Verbreitung der Zivilisation und der Pax Britannica.
ein kleines bisschen genauer und kritischer hinzuschauen, dürfte allerdings in Bezug auf britische Historie insgesamt ganz interessant sein: unter ihren Vorgängern wurden bereits die Weichen für die Stellung und Entwicklung Britanniens in den folgenden 100 Jahren gestellt: Vorgänger "Sailor-Bill" war symptomatisch insofern, als er für den maßgeblichen Aufstieg britischer Seemacht und das Ende des "herrschenden" Königtums steht ("reigns, but does not rule", Kabinette stützten sich fortan auf das Unterhaus). Desweiteren wurden unter der Ägide Victorias dutzende Kriege und militärische Engagements geführt, mit Millionen von Toten, neben dem Krim-Krieg seien hier nur der "Indische Aufstand 1857" oder der Buren-Krieg erwähnt, geschweige denn die vielen weiteren Kriege gegen Zulu, Afghanen, Ashanti, Chinesen etc.
Ein richtig düsteres Kapitel dieses Empires.
Ein richtig düsteres Kapitel dieses Empires.
...viktorianischen Zeitalter klebt eine Menge Blut !
Auch die unwürdigen Zustände in denen die einheimische Arbeiterklasse lebte, sollen nicht vergessen sein.
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Liebe(r) Atan,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Tatsächlich wurde das Todesjahr von Königin Viktoria im Text fälschlich um fünf Jahre nach hinten verschoben. Den Fehler haben wir korrigiert.
Was den Familiennamen des Königshauses angeht, liegen Sie nicht ganz richtig, soweit ich es in Erfahrung bringen konnte.
Als Haus Windsor bezeichnete sich das britische Königshaus ab 1917. Dann gab Königin Elizabeth II. 1960 bekannt, dass ihre und Prinz Philips Nachfahren den Familiennamen Mountbatten-Windsor tragen werden.
Grüße aus der Redaktion!
möchte ich mir nicht anstecken, denn das korrekte Todesjahr stammt von User "Beit Zamani".
Ehre, wem Ehre gebührt.
Ansosnten erlaube ich mir noch einen kleinen Lesetip:
Byron Farwell, "Queen Victoria's little wars."
(u.a. leicht bei Amazon o.ä. zu finden)
Diese Art der Kriegführung, die im Heimatland ob der (bis zum Burenkrieg) relativ geringe britischen Verluste wenig Widerhall fanden, ist insofern bemerkenswert, weil sie eine gewisse Parallele zur modernen Kriegführung heute hat:
was uns wenig beunruhigt und interessiert, stellt das Leben ganzer Völker am Ende der Welt völlig auf den Kopf.
möchte ich mir nicht anstecken, denn das korrekte Todesjahr stammt von User "Beit Zamani".
Ehre, wem Ehre gebührt.
Ansosnten erlaube ich mir noch einen kleinen Lesetip:
Byron Farwell, "Queen Victoria's little wars."
(u.a. leicht bei Amazon o.ä. zu finden)
Diese Art der Kriegführung, die im Heimatland ob der (bis zum Burenkrieg) relativ geringe britischen Verluste wenig Widerhall fanden, ist insofern bemerkenswert, weil sie eine gewisse Parallele zur modernen Kriegführung heute hat:
was uns wenig beunruhigt und interessiert, stellt das Leben ganzer Völker am Ende der Welt völlig auf den Kopf.
Ein richtig düsteres Kapitel dieses Empires.
Mit dem Tod des Vorgängers von Viktoria, König Wilhelm IV., war die Personalunion zwischen Großbritannien und dem deutschen Königreich Hannover erloschen, welche seit 1714 bestanden hatte. Im Haus Hannover war nur die männliche Erbfolge möglich, und so konnte Viktoria nicht Königin von Hannover werden. Bis dahin hatte der englische König als König von Hannover dem Deutschen Bund angehört. Man stelle sich vor, die englischen Könige hätten auch nach 1837 dem Deutschen Bund angehört. Die deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert wäre wohl anders verlaufen. Otto von Bismarck hätte kaum die Vorherrschaft Preußens in Deutschland durchsetzen können. Auch die Weltgeschichte wäre vielleicht anders verlaufen!
"Man stelle sich vor, die englischen Könige hätten auch nach 1837 dem Deutschen Bund angehört. Die deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert wäre wohl anders verlaufen. Otto von Bismarck hätte kaum die Vorherrschaft Preußens in Deutschland durchsetzen können. Auch die Weltgeschichte wäre vielleicht anders verlaufen!"
Darf man fragen, wie und aus welchen Gründen Sie darauf kommen?
"Man stelle sich vor, die englischen Könige hätten auch nach 1837 dem Deutschen Bund angehört. Die deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert wäre wohl anders verlaufen. Otto von Bismarck hätte kaum die Vorherrschaft Preußens in Deutschland durchsetzen können. Auch die Weltgeschichte wäre vielleicht anders verlaufen!"
Darf man fragen, wie und aus welchen Gründen Sie darauf kommen?
möchte ich mir nicht anstecken, denn das korrekte Todesjahr stammt von User "Beit Zamani".
Ehre, wem Ehre gebührt.
Ansosnten erlaube ich mir noch einen kleinen Lesetip:
Byron Farwell, "Queen Victoria's little wars."
(u.a. leicht bei Amazon o.ä. zu finden)
Diese Art der Kriegführung, die im Heimatland ob der (bis zum Burenkrieg) relativ geringe britischen Verluste wenig Widerhall fanden, ist insofern bemerkenswert, weil sie eine gewisse Parallele zur modernen Kriegführung heute hat:
was uns wenig beunruhigt und interessiert, stellt das Leben ganzer Völker am Ende der Welt völlig auf den Kopf.
In diesem Zusammenhang wäre die Erwähnung der ältesten Tochter Queen Victorias, der späteren Kaiserin Friedrich und Mutter des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II, von Bedeutung. Sie wurde am 21 November 1840 im Buckingham-Palast geboren. Vicky, wie sie genannt wurde, war hoch intelligent und sprach von kleinauf englisch und französisch, während im Verkehr mit den Eltern deutsch gesprochen wurde. 1851 begegnete sie dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen zum ersten Mal. Er weilte zum Anlass der grossen Hydepark-Ausstellung als Gast im Königshaus. 1858 schlossen Vicky und Fritz in der königlichen Kapelle von St. James ihre Ehe, die tief glücklich werden sollte. Ausserordentlich tragisch ist es jedoch, dass Friedrich bereits wenige Wochen nach seiner Thronbesteigung als Kaiser Friedrich III an Kehlkopfkrebs starb und der Sohn von Vicky und Fritz als Kaiser Wilhem II die ins Verderben führende Regentschaft übernahm. Viele Historiker vertreten die Meinung, dass die Menschheit von dem 1. Weltkrieg verschont geblieben wäre, wenn dem, wie seine Frau, liberal geneigten Friedrich ein längeres Leben vergönnt gewesen wäre.
Als einsame Witwe schrieb Vicky Jahre später in einem Brief an Baron von Reischach u.a. "Die Menschen sind vergänglich, die Ideen aber nicht. Was Kaiser Friedrich gehofft und erstrebt hat, wird vielleicht auferstehen, aber noch lange, lange nicht. Vielleicht erst nach schweren Zeiten. Ich werde es nicht erleben!"
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