VietnamkriegDie Frauen vom Ho-Chi-Minh-Pfad

Am Steuer von Militärlastern versorgten Frauen im Vietnamkrieg seit 1968 Vietkong-Kämpfer und Soldaten an der Front. Ihr Einsatz war fast vergessen. von Peter Münder

Lange Zeit erzählte man sich von den 42 Vietnamesinnen von der Front nur wie von einer Legende. Zwischen 1967 und 1968 übernahmen sie eine extrem gefährliche Mission in den Wirren des Vietnamkriegs. Mit Militärlastern transportierten sie Waffen, Munition und Verpflegung für die Guerilla-Kämpfer des Vietkong und die Soldaten der Nordvietnamesischen Volksarmee in den Süden. In der Gegenrichtung brachten die Frauen Verwundete aus dem Kampfgebiet Richtung Norden in Sicherheit – nur mit Notbeleuchtung an ihren Lkw, um von den US-Bombern nicht entdeckt zu werden.

Ihr Weg führte durch das verzweigte Netz aus Straßen und Wegen des Ho-Chi-Minh-Pfades, zum Teil durch entlaubtes Gebiet, verseucht durch das Gift "Agent Orange", zum Teil durch die Nachbarländer Laos und Kambodscha .

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In der Zeit direkt nach der Tet-Offensive Ende Januar 1968 hatten die Amerikaner nach einem nächtlichen, 25 Minuten dauernden Luftangriff vier Lkw der Brigade in Brand geschossen. Dann warfen sie eine Zeitzünderbombe mit magnetischem Vibrationssensor direkt neben einem größeren Konvoi an einer Furt im Wasser ab. Einen längeren Stopp wollten die Frauen nicht riskieren. Bei Tagesanbruch wären sie den heftigen Luftschlägen ausgeliefert gewesen. Also musste die auf Fahr-und Motorgeräusche reagierende Bombe unschädlich gemacht werden.

Die Tet-Offensive

Was im Jahr 1968 mit dem Tet-Fest – dem vietnamesischen Neujahrsfest – begann, hat sich tief in das Gedächtnis der amerikanischen Nation eingebrannt.

In der Nacht zum 31. Januar rechneten die US-Truppen, damals mit rund 500.000 Männern in Vietnam, mit einer weitgehenden Waffenruhe. Viele Soldaten der Nordvietnamesischen Armee (NVA) hatten Urlaub bekommen, um in das neue Jahr, das Jahr des Affen, hineinzufeiern.

Zuletzt hatte die NVA den Marinestützpunkt in Khe Sanh angegriffen – viele Tausend US-Soldaten waren deshalb dorthin an den Rand der entmilitarisierten Zone verlegt worden. Ein Ablenkungsmanöver, wie sich herausstellte, als der Vietkong und einige Tausend NVA-Soldaten zum Tet-Fest plötzlich alle Großstädte im Süden, Dreiviertel aller Provinzhauptstädte und alle weiteren wichtigen Ziele angriffen. Etwa 80.000 Guerilla-Kämpfer waren dazu gleichzeitig im Einsatz.

Vielerorts mussten sich US-Soldaten zurückziehen. Über das Fernsehen gingen Bilder von fliehenden Amerikanern um die Welt. Die Tet-Offensive vertiefte den Eindruck in der Bevölkerung, dass der Krieg für die USA nicht zu gewinnen sei.

Saigon und Hue

Saigon wurde währen der Tet-Offensive in wenigen Stunden von rund 12.000 Kämpfern eingenommen, konnte aber schnell von den USA zurückerobert werden.

Die alte Kaiserstadt Hue blieb drei Wochen lang in der Hand der Vietnamesen. Tausende Einwohner wurden hingerichtet oder mit bis heute unbekanntem Schicksal verschleppt, darunter Polizeibeamte, Juristen, Lehrer, Journalisten.

Auch französische Priester und vier westdeutsche Mediziner waren unter den Opfern des Massakers. Sie wurden zu Tode geprügelt, erschossen, enthauptet oder lebendig begraben. Einige fand man in Gruppen von zehn bis 15, exekutiert vor Massengräbern. Die Täter gehörten hauptsächlich zu den ortsansässigen Vietkong.

 

Opfer beider Seiten

Die erschreckende Gesamtbilanz: 25.000 verwundete Zivilisten, 14.000 Tote, davon allein 6.000 in Saigon, 670.000 Obdachlose. (Quelle: Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums, Beck, München 2006)

"Schon beim ersten Vietnambesuch hatte ich den Eindruck, dass die Amerikaner diesen Krieg nie gewinnen konnten, trotz ihrer geballten Macht. Dieser Eindruck wurde noch enorm verstärkt während ihrer erfolgreichen Schlacht um Hue", schreibt der britische Kriegsfotograf Donald McCullin in seiner Autobiografie Unreasonable Behaviour, Vintage, London 1990.

"Das US-Militär und die gesamte amerikanische Politkaste unterschätzte aufgrund ihres falschen Optimismus die Tapferkeit, Stärke und Ausdauer der Vietnamesen. Sie befanden sich nicht nur im falschen Krieg, sondern auf dem falschen Planeten", schreibt der amerikanische Reporter, Buchautor und Pulitzer-Preisträger David Halberstam während eines Vietnambesuchs 1967 nach einem Gespräch mit dem damaligen US-Botschafter Ellsworth Bunker. (In: David Halberstam: The Best and the Brightest, Ballantine, New York 1992)

Ihr Anführer, der Generalmajor Nguyen Ba Tong erinnert sich 45 Jahre später noch, wie plötzlich eine Frauenstimme verkündete, das würde sie selbst übernehmen. Daraufhin steuerte sie ihren Lastwagen mit Vollgas in die Furt. Der ging mit der Bombe sofort hoch. Schwer verletzt wurde die Fahrerin zu einer Notfallstation transportiert. Der Konvoi konnte weiterfahren, ohne von der US-Luftwaffe entdeckt zu werden.

So jedenfalls beschreibt Nguyen Ba Tong die Geschichte in seinem Buch Valiant Women ( Tapfere Frauen ), das im Spätherbst erscheinen soll. Es dokumentiert diesen noch wenig bekannten Teil der Kriegsgeschichte seines Heimatlandes – subjektiv.

Eigentlich war das Fahren von Militärlastern Männern vorbehalten

Nur wenige Fotos belegen, dass es die nach einer Kriegsheldin Nguyen-Thi-Hanh-Brigade getaufte Truppe aus Freiwilligen überhaupt gab. Der ehemalige Präsident des Landes, Nguyen Minh Triet, hatte zwar 2008 bei einem Veteranen-Treffen an die Tapferkeit dieser Frauen erinnert, die "ihre Jugend für die Partei und die Revolution opferten, und den Kampfgeist der Soldaten anspornten." Aber seit diesem 40. Jahrestag des Aufbaus der Brigade hat offenbar kein Würdenträger oder hoher Partei-Funktionär die Fahrerinnen mehr erwähnt.

Da verwundert es wenig, dass amerikanische und europäische Historiker die Frauen-Brigade bisher nicht wahrnahmen oder sogar deren Existenz bezweifeln, wie etwa der deutsche Vietnamexperte Martin Großheim von der Uni Passau , der derzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin an einem Forschungsprojekt zur Entstehung des Vietnamkriegs mitarbeitet. Das Fahren von Militär-Lkw während des Krieges sei eigentlich eine Männer-Domäne gewesen, man hätte sie Frauen niemals überlassen.

Die vergessenen "Heldinnen am Steuer", wie die Leiterin des Frauenmuseums von Hanoi die Brigade nennt, sind also die Ausnahme gewesen. Nguyen Thi Bich will sie in Hanoi jetzt mit einer Ausstellung ehren. Es heißt, im Spätsommer soll Eröffnung sein.

Leserkommentare
    • Fackel
    • 19. Juli 2012 10:18 Uhr

    Traurig an der Sache ist dass beide Seiten ihre Leute "beschissen". Kann da keine Heldinen sehen, nur Propaganda gesteuerte junge Menschen, die für und gegen ein repressives Regime kämpften.

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    Traurig ist, dass Sie den Anfang des Vietnam-Kriegs, auch jetzt 50 JAhre später, gar nicht verstanden haben/wollen.

    Die Vietnamesen haben nicht für eine "repressive Regime" gekämpft, sondern gegen Aggressoren aus dem Westen, alle voran gegen die Franzosen und die Amerikaner.

    Den Ausmass der Zerstörung, die die USA hinterliess, kann man hier gar nicht beschrieben: und dass keiner der USA- Kriegsverbrecher für seine Taten verantworten mussten, überrascht nicht wirklich. ABER dass die USA hat nicht mal eine Entschuldigen oder Wiedergutmachung für das zerstörtes Land aufgebracht haben, dass ist nun wirklich traurig.

    Und die aktuellen Kriege beweisen leider, wie wenig die USA seitdem gelernt haben.

    • ThorHa
    • 19. Juli 2012 10:24 Uhr

    Ein völlig unkritischer, apologetischer Bericht über die Angehörigen einer Armee, die eine sinnlose Diktatur durch die nächste ersetzte, nur weil es Frauen sind? Einer Armee (Norvietnamesen/Vietcong), deren bevorzugte Kriegführung im Terrorisieren von wehrlosen Bauerndörfern bestand, wenn diese die "Befreier" nicht sofort bedingungslos unterstützte? "Kriegsheldinnen" eines Militärs, das für seine Rücksichslosigkeit, Grausamkeit und das Foltern von Kriegsgefangenen legendär war, den Vergleich mit den Taliban Afghanistans freihändig gewinnen würde? Kriegsheldinnen???

  1. Das kommt wohl immer auf die Meinung der Sieger an.
    Die Nordvietnamesen haben Südvietnam erobert mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln, haben Ihr Militär durch nicht am Krieg ( offiziell) beteiligte Länder geschleust und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung Südvietnams begangen, dies nur um ihre Ideologie als Wahrheit zu verbreiten.
    Ihre Gegner haben mit angezogener Handbremse zurückgeschlagen.Auch da waren die Menschenrecht keine Überlegung wert.
    Was ist der Unterschied bei einem Selbstmordattentat ?
    Terrorismus oder Held ? Beide sterben.
    Es liegt nur daran wer gewinnt und nicht an den Menschenrechten.

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    Vonwegen Helden. Es war nur Lüge der vietnamesischen Kommunisten, um die Weltöffentlichekeit zu täuschen, als ob sie allein gegen Amerika gekämpft hatten.

    China has admitted for the first time that it sent more than 300,000 combat troops to Vietnam to fight against U.S. forces and their South Vietnamese allies.

    http://news.google.com/newspapers?nid=1350&dat=19890516&id=HkRPAAAAIBAJ&...

    http://news.google.com/newspapers?nid=2519&dat=19790731&id=DPVdAAAAIBAJ&...

    The triumphant victory would not be possible without the support from the Soviet Union.

    http://english.pravda.ru/world/asia/13-05-2009/107547-vietnam-0/

    An ex-Soviet officer who claims to have shot down U.S. Senator John McCain's plane over Vietnam in 1967

    http://en.rian.ru/world/20081117/118360632.html

    N Korea admits Vietnam war role

    North Korea has made its first official confirmation that it sent jet fighter pilots into action against American forces during the Vietnam War.

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/1427367.stm

    North Korean Pilots in the Skies over Vietnam

    http://www.wilsoncenter.org/publication/nkidp-e-dossier-no-2-north-korea...

    http://www.wilsoncenter.org/sites/default/files/Pribbenow_edossier.pdf

    http://www.wilsoncenter.org/sites/default/files/Pribbenow_edossier.pdf

  2. Redaktion

    Lieber Leser,

    sind Sie wirklich der Ansicht, dass in dem Artikel nicht deutlich wird, dass die Sicht auf die Brigade als "Heldinnen" die vietnamesische Binnensicht ist, die dort auch nur zum Teil so besteht?

    Der Autor beschreibt doch recht deutlich, wie der General selbst sich an die Geschichte erinnert, natürlich subjektiv. Und am Ende äußert sich auch die Leiterin des Museums in Hanoi zum Heldenkult. Ich bin der Ansicht, dass der Artikel dazu die nötige Distanz wahrt.

    Kern des Artikels ist die bisher kaum beachtete Tatsache, dass Frauen den beschriebenen Einsatz durchführten. Bewertet wird das hier nicht.

    Beste Grüße.

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    ich mich als Leser durch Formulierungen, Wortwahl, etc. hier derart deutlich in den Kommentaren auf die Gegenseite der USA stelle werde ich normal binnen Minuten zensiert.
    Von daher ist das etwas ungewöhnlich, dennoch tut es diesen Frauen sicher kein Unrecht sie als Helden zu bezeichnen. Ob der Begriff des Heldentums heute allerdings noch so schön glänzt wie früher wage ich zu bezweifeln...

    "... für ein Leben in Freiheit (Man beachte: Freiheit a la Nordvietnam !). .... So hart und selbstlos sie auch versuchten die Maschinerie aufrecht zu erhalten. Der Ausgang des Krieges lag nicht in ihren Händen."

    Wenn ich das über irgendeine deutsche Truppe in der Endphase des 2.WK schreibe würde, dann würde da auch keiner kritische Distanz erkennen, sonder vielleicht eher tragisch umflortes Mitgefühl (nicht nur für den Satzbau) und Anerkennung.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

  3. fällt es doch nicht so sehr auf wenn beim Rückwärtseinparken eines Panzers etwas daneben geht. Solange nicht in die falsche Richtung geschossen wird geht das okee.

  4. ich mich als Leser durch Formulierungen, Wortwahl, etc. hier derart deutlich in den Kommentaren auf die Gegenseite der USA stelle werde ich normal binnen Minuten zensiert.
    Von daher ist das etwas ungewöhnlich, dennoch tut es diesen Frauen sicher kein Unrecht sie als Helden zu bezeichnen. Ob der Begriff des Heldentums heute allerdings noch so schön glänzt wie früher wage ich zu bezweifeln...

  5. wird die Aktion der Frauen bewertet. Was soll das Wort Held denn anderes ausdrücken als eine eindeutige Wertung.

    Der Verweis auf die interne Sichtweise setzt dem ganzen noch die Krone auf. Warum nicht gleich ein Lobgesang auf die helden der SS. Aus innenperspektive versteht sich

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    Redaktion

    Ich denke, das Hauptmissverständnis beruht darauf, dass der Begriff "Heldinnen" in der Überschrift stand. Ich habe es an der Stelle nun durch "Frauen" ersetzt.

    Im Artikel selbst wird sofort am Anfang deutlich als auch am Ende ausdrücklich gesagt, dass die Brigade nur eine kleine Fußnote der Geschichte ist und im großen Kontext des Krieges kaum eine Rolle spielte.

    Nach Ansicht der Redaktion ist der Aspekt aber hochinteressant. Die Forschung zum Vietnamkrieg ist ein sehr stark bearbeitetes Feld. Wie kann so ein Aspekt da untergehen?

    Auch dieser Satz macht die Distanz deutlich:
    "So jedenfalls beschreibt Nguyen Ba Tong die Geschichte in seinem Buch Valiant Women (Tapfere Frauen), das im Spätherbst erscheinen soll." An der Stelle habe ich nun, um es noch klarer zu machen, ergänzt, dass das natürlich absolut subjektiv ist.

    Meines Erachtens zeigt dieser Artikel, das Frauen für Kriegsdienste – natürlich mit aller Propaganda, die dazu gehörte – missbraucht wurden.

  6. ein Land schickt zeitweilig 500.000 Soldaten in ein anderes Land, stürzt dort Regierungen, setzt unbeliebte (und korrupte) Statthalter ein, wirft ein mehrfaches der Bomben des gesamten 2.ten Weltkrieges ab, vergiftet die Landschaft großflächig mit Dioxin, führt landesweit Folterungen durch ("Phoenix Program"), und tötet im Verlauf des Krie- der "Polizeiaktion" über *1 Million* Menschen, ach, und belügt die eigene Bevölkerung über Stand und Ziele der "Polizeiaktion".

    Und da sollen die Menschen, die dagegen ankämpft haben und ihr Leben ließen, *keine* Helden sein?

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Benzin | Brand | LKW | Kambodscha | Laos | Hanoi
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