NSDAP-Übernahme : Als das Volk für Hitler die Demokratie abwählte

Hitlers Machtergreifung war nicht nur passiv. Am 31. Juli 1932 wählt die Mehrheit der Deutschen keine demokratische Partei. Die NSDAP wird stärkste Kraft im Reichstag.

"Machtergreifung" ist ein gängiger Begriff für den Prozess, an dessen Ende Adolf Hitler 1933 Reichskanzler ist. Ganz so, als hätten die Deutschen mit dem gescheiterten Kunstmaler aus Österreich wenig zu tun. Ganz so, als sei er unverhofft aus Braunau am Inn herangezogen wie ein Gewitter und habe die Macht mal eben ergriffen, um Europa ins Unglück zu stürzen.

Am 31. Juli 1932 geben 37,3 Prozent der Deutschen in freien Wahlen ihre Stimme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), mehr als ein Drittel also. Spätestens jetzt ist Hitler nicht mehr nur ein Hinterzimmer-Schwadroneur, der es mit dem Antisemitismus ein wenig übertreibt. Er ist noch nicht der "Führer", aber er führt schon die stärkste Fraktion im Reichstag.

Noch fataler allerdings ist, wen die Deutschen nicht gewählt haben: demokratische Parteien. Die SPD (21,6) hat Stimmen verloren, weil sie die nationalkonservative Regierung von Reichskanzler Heinrich Brüning toleriert. Das katholische Zentrum (12,4 Prozent), die nationalliberale DVP (1,2) und die einst linksliberale, aber nach rechts gerückte DstP (die frühere DDP, 1 Prozent) stehen zur Verfassung, die Bayerische Volkspartei (3,2 Prozent) größtenteils auch, trotz eines starken rechten Rands. Sie alle sind geschrumpft.

Gewachsen sind dagegen die Kommunisten (KPD, 14,3 Prozent), die eine Diktatur der Arbeiterklasse nach marxistischer Doktrin anstreben. Undemokratisch ist auch die Deutschnationale Volkspartei (DNVP, 5,9 Prozent): Sie will ihren Kaiser Wilhelm wieder haben, hat sich aber der NSDAP angenähert.

Die Gegner der Demokratie können jede Koalition blockieren: "Weimarer Verhältnisse", wie die Reichsverfassung von 1919 sie immer wieder hervorbringt. Sie enthält keine Sperrklausel wie die Fünf-Prozent-Hürde der Bundesrepublik; die Wahl vom Juli 1932 bringt 14 Parteien in den 608 Sitze starken Reichstag. Und sie enthält keine Handhabe gegen verfassungsfeindliche Parteien.

Die Sturmabteilung der NSDAP, die Prügeltruppe in braunen Hemden, hat die Regierung Brüning im April 1932 immerhin verboten. Doch Reichspräsident Paul von Hindenburg lässt den Kanzler, der ohne Parlamentsmehrheit nur per Notverordnung regieren kann, im Mai fallen und beauftragt Franz von Papen mit der Bildung einer Regierung unter Duldung der NSDAP. Die erreicht als Bedingung ein Ende des SA-Verbot.

Von Papens Kabinett regiert nur vier Junitage, dann setzt von Hindenburg Neuwahlen an. Der kurze Wahlkampf ist von einer Brutalität, die mit Demokratie wenig zu tun hat. NSDAP-Schläger, der Rotfrontkämpferbund der KPD und das vor allem sozialdemokratische Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold liefern sich Saal- und Straßenschlachten, sogar Schießereien. Am Altonaer Blutsonntag, dem 17. Juli, kommen bei Hamburg 18 Menschen zu Tode. Allein in Preußen sterben im Juni und im Juli 1932 mehr als 100 Menschen in Folge politischer Gewalt.

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Kommentare

352 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Was ändern die Notverordnungen.....

an der Aussage dieses Artikels und ihrem Wahrheitsgehalt?

Keine Notverordnung beraubte die Deutschen ihrer freien Wahlentscheidung, und sie haben ihr Kreuzchen da gemacht, wo sie's für richtig hielten, und das war nicht bei den demokratischen Parteien. Was im Übrigen nicht nur die NSDAP voran gebracht hat, sondern auch die ganze antidemokratische Notverordnungsregiererei an sich.

Keine Apologetik und keine theoretische Begriffsdeutelei der Welt kann die Tatsache beseitigen, dass die Deutschen aufgerufen waren, ihr Kreuz für oder gegen die Demokratie zu machen. Sie haben ihr Kreuz gemacht und der NSDAP haben sie die meisten Stimmen zukommen lassen. Das ist nachträglich sehr peinlich (mir auch, ich bin ja von hier). Aber deshalb ist es doch nicht abzustreiten.

Nein!

Der Bundespräsident hat bei weitem nicht die Machtbefugnisse wie die damaligen Reichspräsidenten. Daher kann er auch gerne vom Volk gewählt werden. Besser noch: Dieses Amt abschaffen. Und das mit den Unterschriften zu den Gesetzen: Dies kann doch gleich der Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts machen, oder auch nicht. Und repräsentieren kann auch der Bundestagspräsident.

Zum Thema: Das wahre Unglück damals war doch die allgemeine Demokratieunkenntnis der Normalbevölkerung und die fehlende 5% Hürde

Nein, nicht nur...

"Zum Thema: Das wahre Unglück damals war doch die allgemeine Demokratieunkenntnis der Normalbevölkerung und die fehlende 5% Hürde"

Eher die fehlende Demokratie. Schon damals war es nicht möglich über Sachfragen abzustimmen, während die Parteien ein populistisches und verlogenes Showprogramm durchzogen, um an die Macht und die vollen Töpfe zu gelangen. Es ist nicht viel anders als heute. Den Sinn der 5% Hürde und ihre "jetzt ist alles besser"-Alibi-Funktion, habe ich nie richtig verstanden.

Staatsoberhaupt

Ich denke, der sogenannte Staatsrat wäre die bessere Alternativ zum Bundespräsidenten gewesen. Der Minderheitenvorschlag (von der SPD) im Parlamentarischen Rat sah vor, ein dreiköpfiges Staatsoberhaupt bestehend aus Bundeskanzler, Bundestagspräsident und Bundesratspräsident (bzw. Senatspräsident) einzuführen, die die Aufgaben des heutigen Bundespräsidenten kollgial durchgeführt hätten.

P.S. der Senat anstelle des Bundesrats war ein weitere Minderheitenvorschlag. Die Länder wären proportional vertreten wurden durch Senatoren, die von den Landesparlamenten nach Proporz gewählt wurden wären. Eine Institution also, wie sie heute in den Niederlanden als Senat und in Österreich als Bundesrat gibt.

Das Verhältnis von Präsident und Parlament

Der institutionelle Hauptfehler war die Stellung des Präsidenten. Der Präsident konnte mit Notverordnungen die Legislative ersetzen und die Regierungen einsetzen. Der Rt spielte hauptsächlich eine negative Rolle, in dem Regierungen absetzte. Der Rt war nicht "gezwungen" Mehrheiten durch Koalitionen zu bilden.
Sie haben recht, das Amt des Bundespräsidenten wäre verzichtbar.

Eine Direktwahl des Präsidenten würde de jure seine Stellung nicht stärken. Doch Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit sind nicht immer dasselbe. Natürlich wäre seine Stellung gestärkt. Der Bundespräsident soll nur eine Art oberster Notar des Staates sein. Im Gegensatz zum Kanzler ist er nicht auf die Erhaltung einer Parlamentsmehrheit angewiesen.

Was hätte die 5% Hürde an dem Erfolg der NSDAP geändert?
Nichts, nachdem diese schon mehr als 5% hatte. Antiderpublikanische und teilweise Antidemokratische Kräfte wie die DNVP waren von Anfang an relativ stark im Parlament vertreten, dadran hätte die 5% Hürde nichts gändert.

Die 5% Hürde vereinfacht lediglich die Bildungen von Mehrheiten, zu dem Preis das Parlamentsmehrheiten oft keine Stimmmehrheiten sind. Schwarzgelb hatte 48% der Stimmen. Ohne 5% Hürde wäre es eher zu einer Koalition gekommen, die eine wirkliche Mehrheit gehabt hätte, also Schwarzrot, Jamaica oder Ampel. Das wäre nicht weniger, sondern mehr Demokratie gewesen. Denn wirkliche Mehrheiten kann es meistens nur für Kompromisse geben.

Leider...

...gibts "die Bevölkerung" nicht. Die Wahlergebnisse bestätigen deine Aussage auch nicht unbedingt.

Natürlich sorgte die Propaganda und die tatsächliche Eröffnung von Perspektiven für die Normalbürger, sowie eine anfängliche Normalisierung der Wirtschaftsverhältnisse für Rückenwind bei den Nazis. Man hatte sich ja eine starke Führung gewünscht, weil die Parteien und insbesondere Brüning die Lage permanent verschlechtert hatten.

Dieser Bonus begann dann wohl erst ernsthaft zu bröckeln, als die ersten Särge zurückkamen. Verlässliche Daten dazu gibts natürlich nicht, das liegt in der Natur der Diktatur, die normalerweise weder Umfragen noch Wahlen macht und auch sonst wenig transparent agiert ;-)

Anmaßend

Das damalige deutsche Volk als "dumm" zu bezeichnen finde ich ziemlich anmaßend von Ihnen, zeugt es doch von mangelnder Geschichtskenntnis. Von der Demokratie und der "Schwatzbude" Reichstag war man bis dato nur enttäuscht worden. Man sah nur, dass sich die Herren Abgeordneten nicht auf Mehrheiten einigen konnten und die wichtigen Alltagsfragen, die die Menschen bewegten, unbeantwortet blieben. Deshalb war "Demokrat" damals auch eher ein Schimpfwort. Man wünschte sich eine starke Führerpersönlichkeit zurück, die "anpackt". Diese Stimmung haben die Nazis erkannt und sich zu nutze gemacht.

Glauben Sie tatsächlich, der gemeine NSDAP-Wähler (und ich rede hier nicht vom überzeugten Nazi!) hätte damals auch nur annähernd ahnen können, wie die Geschichte verläuft, wo man selbst heute noch die unglaublichen Konsequenzen vom Januar ´33 kaum mit dem Verstand fassbar sind?

Die meisten Menschen machen wie Sie den Fehler, die Geschichte von Rückwärts zu beurteilen, sprich aus der gemütlichen Sesselposition mit all dem Wissen, das man über die gesamte Zeit ´33-´45 hat. Dabei wird vergessen, dass die Menschen von damals dieses Wissen natürlich nicht hatten. Glauben Sie ernsthaft, dass die Nazis dann eine Chance gehabt hätten?

Ich sage es nochmal: eine solche Sicht auf die Geschichte ist einfach nur arrogant!

Gewisse Tendenzen etablierte Parteien zu beschimpfen...

... gibt es auch heute und die Presse unterstützt dies. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der großzügigsten Sozialsysteme, sehr guter Gesundheitsfürsorge, sehr niedriger Kriminalität, niedriger Korruption, verhältnismäßig niedriger Arbeitslosigkeit etc. etc. Trotzdem tun alle so als wäre die schwarz-gelbe Regierung unter Merkel eine Katastrophe ... ebenso wie alle über rot-grün unter Schröder gemeckert haben. Nur mit der großen Koalition waren wohl alle recht zufrieden. Die großen Parteien wurden aber für ihre gute Arbeit nicht vom Wähler belohnt; die populistischen Versprechungen der FDP, der Grünen und der Linken kamen beim jeweiligen Klientel wesentlich besser an. Derzeit erstarkt die Piratenpartei mit einem - gelinde gesagt - (derzeit noch) völlig idiotischen und widersprüchlichen Programm. Ich möchte nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, was passiert, wenn es den Deutschen einmal wieder wirtschaftlich richtig schlecht gehen sollte.

@ zu Kommentar Nr. 38 "Die Geschichte ..."

Absolute Zustimmung! Die vielen Kommentare zu diesem Beitrag beschäftigen sich überwiegend sehr klug mit der Ausgangslage und den (vermutlichen) Ursachen. Aber eines fehlt: Den Deutschen ging es damals sehr (!!!) schlecht und sie sehnten sich nach Besserung und "Erlösung" von ganz profanen Dingen: Arbeitslosigkeit und Hunger. Wenn es die heutige Politkaste schafft, Deutschland in ihrem Eurowahn quasi als "Generalschuldner" zu opfern, dann braucht es nur wenige Jahre und wir sind wieder "bei Weimar" angekommen. Dann ist wieder alles möglich!

Ja wir meckern alle nur...

...wirkliche Kritikpunkte gibts kaum, uns gehts ganz toll.

Deshalb stecken wir ja auch in der größten Krise seit der ersten Weltwirtschaftskrise, der Euro droht auseinanderzubrechen, wir sind in mehreren "bewaffneten Konflikten" aktiv, und die Vermögensverteilung erreicht feudalistisches Niveau, während gleichzeitig eine Zwei-Klassen-Medizin entsteht und unser überbordendes Sozialsystem dafür sorgt, dass 200k Menschen der Strom abgedreht wird:
http://www.welt.de/newsti...

etwa 2 Mio Kinder in Armut leben:
http://www.spiegel.de/pol...

Aber sicher findet sich ein Land, indem es trotz hervorragenden Voraussetzungen noch viel schlechter steht, na dann ist ja alles in Butter.

Und apropro Korruption: der Fisch stinkt immer vom Kopf her, was im übrigen einer der Hauptgründe für den Vertrauensverlust in die Politik ist.

Latente Grundstimmung in der Gesellschaft

"Dumm" ist tatsächlich das Mildeste, was man über diese Entscheidung berichten kann. Angesichts dessen, wie lange Hitler und die Nazis bereits vor 1933 ihre Thesen verkündeten, darf bezweifelt werden, dass die Wahl der NSDAP nur aus Naivität geschah. Die breite Beteiligung an den Kriegsverbrechen sind auch belastbare Argumente dagegen. Für das, was getan wurde, musste es eine mindestens latente Grundstimmung in der Gesellschaft gegeben haben. Das kann und darf nicht geleugnet werden.

@66 ormaetxe: Propagande und Wissen

Sie schreiben:"'Mein Kampf' war schon damals ..."

Wann ist "damals"?

Sie schreiben: ".. ein Bestseller."

Belege? Zahlen? Fakten?

So lange er gekauft werden musste, ganz sicher nicht.

Sie schreiben: "Sie wussten... genug."

Nochmals: Belege? Fakten? Zahlen?

Tatsache ist

- vor 1930 gabe es keine flächendeckende Rundfunksendungen oder gar Rundfunkempfang. Das änderte sich erst mit dem Volksempfänger nach 1933. Dieser allerdings wurde gezielt und aussschließlich zu Desinforamtion und Propaganda genützt.

- Auch die Verbreitung von Informationen über Zeitungen war nicht im Entferntesten vergleichbar mit heute. Als 'informiert' in den mittleren und unteren Gesellschaftsschichten kann man die Mitglieder und Sympathisanten von SPD (und vielleicht auf KPD) bezeichnen, die Parteizeitungen abonniert hatten.

- Vor allem der Film und Wochenschauen wurden gezielt als Progandainstrumente genützt mit größtenteil hervorragender Qualität. Viele fallen ja heute noch auf die Jubelsequenzen in diversen Dokumentationen herein und vergessen, dass dies alles Propagandamaterial war und nach wie vor ist - hervorragend gemacht.

- Das Abhören ausl. Radiosendungen war unter Strafe verboten.

Es ist richtig, dass man dennoch manches wusste und vieles ahnte, weshalb viele Deutsche von der Anfangsbegeisterung 'geheilt' wurden, sich vom Regime abwandten und sogar aktiv gegen das Regime arbeiteten: in den KZ' waren auch 800 000 Deutsche inhaftiert. Über sie spricht man nicht.

Das bessere ist immer Feind des Guten...

Nennen Sie mir aber eine Gesellschaft, die dem Durchschnittsbürger deutlich mehr Wohlstand und mehr soziale Sicherheit, höhrere Lebenserwartung, mehr Freiheit und mehr Frieden bietet als die deutsche. Und bitte kein Rosinenpicken (z.B. in der DDR war die Butter billiger). Auf das Gesamtpaket kommt es an!

Allerfalls Norwegen und die Schweiz bieten vielleicht noch bessere Bedingungen. Die einen haben aber Öl, die anderen ein Bankensystem, dass jahrzehntelang von deutschen Steuerhinterziehern profitiert hat. Wer in Deutschland seinen Strom nicht bezahlen kann, der bekommt ihn früher oder später vom Sozialamt finanziert. Die Stromanbieter unterliegen sogar einem Kontrahierungszwang.

Antwort

"Hitler had made about 1.2 million Reichsmarks from the income of his book in 1933, when the average annual income of a teacher was about 4,800 Mark"

Quellen: BBC u. Mythos Ladenhütter (Spiegel online)
http://en.wikipedia.org/w...

Wenn Sie 'Mein Kampf' gelesen haben, werden Sie eine Ahnung haben, was unter 'genug' gemeint wird.

"Es ist richtig, dass man dennoch manches wusste und vieles ahnte, weshalb viele Deutsche von der Anfangsbegeisterung 'geheilt' wurden, sich vom Regime abwandten und sogar aktiv gegen das Regime arbeiteten: in den KZ' waren auch 800 000 Deutsche inhaftiert. Über sie spricht man nicht."
Gerade deshalb, weil sehr viele deutsche nicht mitgemacht haben, und viele andere sogar Widerstandskämpfer waren, ist das Prinzip der kollektiven Schuld falsch und ungerecht. Aber die Nazi Wähler von 1932 gehörten in der Regel ( es gibt immer Ausnahmen! ) nicht dazu.

@100 ormaetxe: Gekauft - geschenkt = gelesen?

Sie schreiben: "Wenn Sie 'Mein Kampf' gelesen haben, werden Sie eine Ahnung haben, was unter 'genug' gemeint wird."

Habe ich. "Mein Kampf" zu lesen ist allerdings eine Qual.Ich vermute, es ging den meisten so, die ihn seit 1933 gekauft oder 'geschenkt' bekamen, weshalb die Zahl der Leser und Besitzer erheblich voneinander abweichen dürfte. Welches eines Politikers der heutigen Zeit haben z. B. sie selbst gelesen?

"Mein Kampf" gab*s als Geschenk zu allen möglichen Gelegenheiten - von der Hochzeit bis zum Betriebsjubiläum.

BBC spricht nach ihrer Quelle von "obook in 1933" - da waren die Nazis schon an der Macht.

Im übrigen bitte ich darum, wenn Quellenhinweise, dann deutsche oder in Übersetzung. Das scheint mir in solchen Diskussionen ein Gebot der Höflichkeit. Ich z. B. kann kein Englisch.

Mein Kampf wurde nicht oft gelesen

Die Frage, ob auch alle mein Kampf gelesen haben. Es ist ein unglaublich schlecht geschriebenes Buch. Hitler konnte "Reden" halten, also gut hetzen. Vernünftig schreiben konnte er nicht (na gut, er hat es auch nicht geschrieben, sondern frei diktiert, auch das merkt man).

Für alle, die den Text nicht kennen, empfehle ich die Lesung von Serder Somuncu. Der liest xpliziete Stellen vor, aber auch solche, bei denen ich das Buch vorher schon aus dem Fenster geworfen hätte.

http://www.youtube.com/wa...

Völkische Theorien

Dümmlich, die Deutschen damals als dumm zu bezeichnen, denn sie haben sich so verhalten, wie alle Menschen sich überall auf der Welt verhalten: Funktioniert die Demokratie nicht, gibt es Not und Terror, werden Leute gewählt, denen man zutraut, den Sauladen auszumisten. Und genau der war Hitler. Was Hitler später dann alles anstellte, wusste niemand und hat damit nichts zu tun (das ist strenggenommen nicht einmal Angelegenheit der Deutschen, denn schon kurz nach der Wahl im März war die extrem aggressive, effektive und dynamische nationalsozialistische Bewegung nicht mehr von innen heraus zu besiegen, spätestens 1938 war es nur noch von außen möglich und somit Angelegenheit und Verpflichtung der Weltöffentlichkeit, den Faschismus mittels Angriffskrieg aus Deutschland zu vertreiben - so, wie es heute für die Husseins, Gaddafis und Assads gilt).

Theorien wie die von der Kollektivschuld sind "völkisch" und stehen dem Objekt der Betrachtung näher, als die Urheber der Theorien das meinen.

Schuldverleugnung der seltsamen Art

"Theorien wie die von der Kollektivschuld sind "völkisch"..."

Das ist ja jetzt mal eine recht seltsame Form der Verteidigung. Es gibt sicher keine kollektive Schuld am Morden selbst. Aber an allem, was vorher passierte. Denn es geschah ja direkt vor aller Augen.

Und nicht wenige Deutsche haben direkt davon profitiert, dass die Juden verschwanden. Der Profit reichte von der Beförderung auf die Stelle des jüdischen Deportationsopfers über die vielen Schnäppchen, die man bei den tausenden, allerorts gut besuchten Auktionen von Gegenständen aus "nichtarischen Besitz" machen konnte, bis hin zur Babymilch für die Kleinsten, eingekauft in der Schweiz und bezahlt mit Zahngold aus dem Vernichtungslager Auschwitz.

Zitat eines Experten:
"Wie ausgeprägt dieser Antisemitismus war, sieht man besonders bei jenen Akten, die die Versteigerungen auf dem Dorf betreffen, wo der Vorgang ja nicht anonym war. (...) die Möbel wurden auf die Straße gestellt, die Wohnung leer geräumt. Alles wurde vom Gerichtsvollzieher versteigert. Und es kamen dann wirklich die Nachbarn, um die Habe der kurz vorher Deportierten billig zu kaufen, bis hin zu den Einmachgläsern mit Inhalt.(...)Ich habe bei einem Dorf mal abgeglichen, die Anzahl der Bewohner und der Käufer damals, um zu sehen, wie viele Leute da nicht mitgemacht haben. Aber es hatten so gut wie alle mitgemacht."
(http://www.taz.de/!61924/)

Hier sieht man eine solche Versteigerung:
http://collections.yadvas...

au weia

klingt arg nach dem exkulpatorischen konstrukt vom deutschen volk als dem 'ersten opfer hitlers'.

>>Was Hitler später dann alles anstellte, wusste niemand..<<

wer's wissen wollte, konnte es wissen. und die meisten wussten es. denn aus den schriften und öffentlichen reden hitlers und seiner getreuen gingen die verbrecherischen ziele der nazis nun wirklich klar und deutlich hervor.

>>schon kurz nach der Wahl im März war die extrem aggressive, effektive und dynamische nationalsozialistische Bewegung nicht mehr von innen heraus zu besiegen..<<

dass es eine allgemeine bestrebung dieser art gegeben hätte, ist ebenfalls eine lüge der notorischen schuldentlaster. tatsächlich wuchs die zustimmung der deutschen zur politik der nazis nach dem machtantritt kontinuierlich an und nahm erst mit dem beginnenden militärischen niedergang graduell ab - ohne dass allerdings die loyalität mit dem regime je gänzlich brach: die deutschen waren bereit, mit ihrem führer unterzugehen.

>>Theorien wie die von der Kollektivschuld sind "völkisch" und stehen dem Objekt der Betrachtung näher, als blabla..<<

der kollektivschuld-vorwurf ist ein phantasma der radikalen rechten. die kollektivschuld-these hat politisch und juristisch nie eine rolle gespielt.
dass jedoch die nazi-barbarei nicht das werk einzelner ("hitlers und seiner helfer") war, sondern ein gesellschaftsverbrechen darstellt, ist keine theorie (schon gar keine 'völkische' - was soll der blödsinn!), sondern eine historische tatsache!

Die Gewalt der Bilder

Sie operieren ja anscheinend sehr gerne mit der Gewalt der Bilder.

Fotos sind aber fragwürdige „Beweise“. Hier noch einmal die von Ihnen verlinkten Dokumente:

http://collections.yadvas...

http://einestages.spiegel...

Das eine Bild zeigt Hanauer, die einer Versteigerung von enteignetem jüdischen Besitz beiwohnen. (Ob sie sich beteiligen, ist nicht zu erkennen, aber meinetwegen auch das). Man sieht vielleicht 20-50 Menschen. Hanau hat aber 90.000 Einwohner!
Und wenn irgendein Deutschenhasser behauptet, „alle“ (bzw. der Glaubwürdigkeit halber: „fast alle“) hätten mitgemacht, beweist das erstmal gar nichts! Es ist ein Zeitzeugendokument unter vielen, das es kritisch zur Kenntnis zu nehmen gilt.

Ähnliche „Beweiskraft“ haben die Fotos, die eine Hitler zujubelnde Menschenmenge zeigen. Diese Bilder entstammen meist der NS-Propaganda und sollen genau dies suggerieren: breite Unterstützung aus dem Volk. Aber bitte nicht all jene Deutschen vergessen, die zuhause geblieben sind statt zu jubeln. Deren Zahl geht nämlich auch in die Zigmillionen.

Die Gewalt der Bilder (2)

Das zweite Foto zeigt Zitat: „Juden mit einem Strick um den Hals, die man in ein Minenfeld jagte”. Ja, natürlich, es ist abscheulich. Aber meiner Meinung nach sagt das Bild weniger über einen imaginären deutschen Volkscharakter aus, sondern zeigt einmal mehr, wie sehr Menschen im Krieg eben verrohen. Bestialische Kriegsverbrechen sind auch aus den Balkankriegen der 90er Jahre überliefert, aus dem Irak-Krieg, Syrien, dem Sudan, Ruanda... Angeblich sollen selbst US-amerikanische, britische und französische Soldaten Kriegsverbrechen begangen haben. Im Vietnamkrieg oder Indochinakrieg oder Algerienkrieg zum Beispiel. Oder im Zweiten Weltkrieg! Nur paßt das natürlich nicht in das übersichtliche Schema, nach dem dort die Guten gegen die Bösen gekämpft haben.

Üble Geschichtsbetrachtungen - Teil I

@ 226

> Das ist ja jetzt mal eine recht seltsame Form
> der Verteidigung. Es gibt sicher keine kollektive
> Schuld am Morden selbst. Aber an allem, was vorher
> passierte. Denn es geschah ja direkt vor
> aller Augen.

Da lässt einer versehentlich die Katze aus dem Sack: "Verteidigung" sei es, wenn jemand eine objektive Geschichtsbetrachtung betreibt ohne das ideologisch-verfälschende Anklagekonstrukt. Genau darum geht es: Um Anklage. Geschichtsbetrachtung jedoch hat sich einer wertenden Komponente zu enthalten, weil sie sonst lügt. Und natürlich sind die zitierten Ausführungen gelogen, denn nichts "geschah vor aller Augen", vor allem nicht die Verbrechen, für die der Nationalsozialismus steht: Weltkrieg und Auschwitz, denn beides gab es in der im Artikel beschriebenen Periode nicht. Bis dato war die NSDAP nichts anderes als die übliche Wir-räumen-auf-Partei - in dem Chaos der Weimarer Republik schlicht eine Selbstverständlichkeit, den ganz normalen, weltweit salonfähigen Antisemitismus transportierend.

@ 229

> klingt arg nach dem exkulpatorischen konstrukt
> vom deutschen volk als dem 'ersten opfer hitlers'.

>> Was Hitler später dann alles anstellte, wusste niemand

> wer's wissen wollte, konnte es wissen. und die meisten
> wussten es. denn aus den schriften und öffentlichen reden
> hitlers und seiner getreuen gingen die verbrecherischen
> ziele der nazis nun wirklich klar und deutlich hervor.

Hier dasselbe: Wer nicht...

Üble Geschichtsbetrachtungen - Teil II

...anklagt, wolle "exkulpieren". Das ist Parteibuch-Geschichtsbetrachtung, sich selbst entlarvende Geschichtsfälschung.

Und dann die Formulierung "Wer's wissen wollte, konnte es wissen" - also haben sie es nun gewusst oder hätten sie es nur wissen können, wenn sie gewusst hätten, was sie nach Ansicht heutiger Geschichtsforscher hätten wissen wollen müssen? Schlichter Schwachsinn. Ach ja: Weil der Autor dieser Zeilen den Schwachsinn ahnt, schiebt er nonchalant und sicherheitshalber die Aussage hinterher "und die meisten wussten es". Also hätten sie oder taten sie? Und die "öffentlichen Reden" waren völlig unbedeutend, denn so haben damals viele geredet und es weiß eigentlich schon ein Kind, dass das "Reden" der Menschen kaum als Beleg für zukünftiges Handeln genommen werden kann, noch am allerwenigsten von wahlkämpfenden Politikern.

Es zeigt sich immer wieder, dass bei den Vertretern der geschichtsfälschenden völkischen Kollektivschuldindustrie Interessen im Vordergrund stehen, üble Interessen, dass der Holocaust benutzt wird, um ein Anklagespielchen zu spielen. Die Entweihung des Holocaust für politisch-antideutsche Motiven ist ein moralisches Armageddon und ist DER Humus schlechthin für den revisionistischen und auschwitzleugnenden Rechtsextremismus.

Es geht nicht die Bestimmung eines "Volkscharakters"

"Aber meiner Meinung nach sagt das Bild weniger über einen imaginären deutschen Volkscharakter aus, ..."

Von einem "deutschen Volkscharakter" hat doch niemand gesprochen. Wovon ich sprach sind die bis in die jüngere Zeit verbreiteten Legenden von der "sauberen" Wehrmacht und der "anständigen Bevölkerung", die in Mehrheit dem Regime kritisch gegenüberstand. Das war erst spät der Fall.

Die Forschungen zu diesem Thema sind in den letzten Jahren in Gang gekommen. In Hessen zum Beispiel:
""Es wurden Tausende vertrieben, alles sprach dafür, dass sie nie mehr zurückkehren würden", doch Zweifel, weshalb die Opfer, die angeblich nur in die sogenannten "Ostgebiete" umgesiedelt werden sollten, keinerlei Möbel, Gebrauchsgegenstände oder Wäsche mehr brauchten, seien in der Finanzverwaltung offensichtlich nicht aufgekommen. Stattdessen habe sie die Einziehung und Verwertung von Vermögen der Deportierten "reibungslos und ohne jede Skrupel" administriert. Große Nachfrage aus der Bevölkerung verzeichnen die Dokumente auch nach dem gerade erst beschlagnahmten Besitz der Deportierten. Bei den öffentlichen Versteigerungen ihrer letzten Habseligkeiten sei der Zulauf "außerordentlich groß" gewesen. Für Karl Starzacher ergab sich aus den Dokumenten: "Sehr viele haben gewusst oder haben wissen können, was tatsächlich vor sich ging. Und nicht wenige haben von der Vertreibung der Juden profitiert.""

http://www.hr-online.de/w...

@294 eras: Deutsche, aber nicht die Deutschen

Sie schreiben: "Von einem "deutschen Volkscharakter" hat doch niemand gesprochen.

In ihrem Beitrag @226 schrieben sie:

"Es gibt sicher keine kollektive Schuld am Morden selbst. Aber an allem, was vorher passierte."

Schon vergessen? Also doch Kollektivschuld? Worin liegt die begründet? Doch im Volkscharakter?

Sie schreiben: "Legenden von der "sauberen" Wehrmacht und der "anständigen Bevölkerung"

In welchem Beitrag wurde den hier von der "sauberen" Wehrmacht und der "anständigen Bevölkerung" gesprochen? In welchem Beitrag wurde derlei gar verteidigt? Wogegen diskutieren sie hier an? Gegen die Gespenster von vorgestern?

Sie schreiben: "Für Karl Starzacher ergab sich aus den Dokumenten: "Sehr viele haben gewusst oder haben wissen können, was tatsächlich vor sich ging. Und nicht wenige haben von der Vertreibung der Juden profitiert."

Wie viele sind "sehr viele"? Wie viele sind "nicht wenige"?

Das Elend in solchen Diskussionen wie jetzt mit ihnen besteht darin, dass sie zunächst alles im Ungefähren lassen. Am Ende aber bleibt nur Schwarz oder Weiß. Alles wird auf einen einfachen Nenner hin gebogen: die Deutschen, so wie ja auch in der Zwischenüberschrift des Artikels:

"Die Deutschen machen ihr Kreuz für die Hitlerbewegung

Selbstverständlich gab es das alles, was sie in Erinnerung rufen. Es waren Deutsche, die diese Verbrechen im Namen Deutschlands begangen haben.
.
Es waren nicht die Deutschen.

Objektive Geschichtsbetrachtung - Teil I

> Von einem "deutschen Volkscharakter" hat
> doch niemand gesprochen. Wovon ich sprach
> sind die bis in die jüngere Zeit verbreiteten
> Legenden von der "sauberen" Wehrmacht und
> der "anständigen Bevölkerung", die in Mehrheit
> dem Regime kritisch gegenüberstand. Das war
> erst spät der Fall.

Vielleicht haben Sie nicht davon gesprochen, aber die völkische Kollektivschuldgeschichtsbetrachtung ist Realität. Nicht zuletzt Goldhagen meint, der Totschlag sei im Charakter des deutschen Volkes angelegt und die Aussage, es hätten damals alle gewusst, was geschieht, ist geradezu linker Stammtisch. Und Sie sagen auch nicht die Wahrheit, wenn Sie meinen, die Wehrmacht werde als "sauber" dargestellt oder es werde ein Volk von Widerständlern konstruiert. Das ist einfach eine historische Falschdarstellung, deren Motive man sich an den fünf Fingern abzählen kann: NIEMAND außerhalb der Kreise greiser Ehemaliger oder Neonazis behauptet, die Wehrmacht sei ohne Fehl und Tadel aus dem Krieg herausgegangen - es ist eben nur so, dass eine objektive Geschichtsbetrachtung zum Leidwesen der Agitation kaum ergeben kann, dass die Wehrmacht insgesamt und zu hundert Prozent aus Verbrechern bestand. Und NIEMAND hat je aus dem deutschen Volk ein Volk von Widerständlern gemacht.

Sie müssen sich einfach daran gewöhnen, dass die Zeit der Geschichtsagitation langsam vorbei ist, dass man die Geschichte des Dritten Reiches darstellt, wie sie ist, ohne

Objektive Geschichtsbetrachtung - Teil II

...dabei den mahnenden Zeigefinger zu erheben, dass man langsam mit genügend zeitlichem Abstand zum Geschehen mal die jedem halbwüchsigen Gymnasiasten geläufige Regel der Geschichtswissenschaft - des Verbots der wertenden Ex-Post-Betrachtung - einhält und dass die Machtübergabe an eine radikale Partei einfach nur der Versuch war, das Land und das Volk zu stabilisieren, völlig normal auch heute noch, wo man aller Orten der Auffassung ist, "wo gehobelt wird, fallen Späne".

Und wenn man das dann mal objektiv betrachtet, stellt sich ganz automatisch die Frage, was denn nach den blendenden Erfolgen der Nationalsozialisten im In- und im Ausland, was angesichts all der höchst kunstvollen Lightshows, des Tschingderassabumm und des ganzen Parteitags-Rock'n-Roll, der sogar das Ausland begeisterte (siehe z.B. Leni Riefenstahl) das deutsche Volk anderes hätte tun können, als begeistert zu sein und die Unrechtsmethoden des Regimes als eine Art notwendiges Übel zu betrachten, das immer noch weniger schlimm ist als der Bürgerkrieg der Weimarer Republik. Wenn man das mal so betrachtet, bleibt nicht mehr viel von einer "deutschen Schuld". Und jedes Kind kennt ja nun auch die Lehre aus Auschwitz, die nicht etwa lautet "Die Deutschen sind schuld" sondern die lautet "Nie mehr wieder, nirgendwo".

Objektiv einfach nur grob daneben...

"...dass die Machtübergabe an eine radikale Partei einfach nur der Versuch war, das Land und das Volk zu stabilisieren, völlig normal auch heute noch, wo man aller Orten der Auffassung ist, "wo gehobelt wird, fallen Späne"."

Das braucht man eigentlich nicht mehr kommentieren. Insbesondere die offene Verhöhnung der Opfer im letzten Satz ist einfach nur noch verabscheuungswürdig.

"...blendenden Erfolgen der Nationalsozialisten im In- und im Ausland, ....der sogar das Ausland begeisterte ... das deutsche Volk anderes hätte tun können, als begeistert zu sein und die Unrechtsmethoden des Regimes als eine Art notwendiges Übel zu betrachten... Wenn man das mal so betrachtet, bleibt nicht mehr viel von einer "deutschen Schuld".

Demnach gab es auch in Ruanda keine Schuldigen, weil die Schlächter dort so eine tolle Radioshow und Freimacheten im Angebot hatten. Die nahezu vollständige Abwesenheit von Menschlichkeit und Anstand wird erklärbar, weil die Wirtschaft doch wieder lief und die Fackelmärsche so romantisch waren...insbesondere im Licht der brennenden Synagogen...

Und jedes Kind kennt ja nun auch die Lehre aus Auschwitz, die nicht etwa lautet "Die Deutschen sind schuld" sondern die lautet "Nie mehr wieder, nirgendwo"."

"Nie mehr wieder, nirgendwo" ist demnach der verklausulierte Ausdruck von "die Deutschen sind ja gar nicht schuld"? Gehts noch?

Beschämend - Teil I

> Objektiv einfach nur grob daneben, dass die Machtübergabe
> an eine radikale Partei einfach nur der Versuch war,
> das Land und das Volk zu stabilisieren, völlig normal
> auch heute noch, wo man aller Orten der Auffassung ist,
> "wo gehobelt wird, fallen Späne"."

> Das braucht man eigentlich nicht mehr kommentieren.
> Insbesondere die offene Verhöhnung der Opfer im letzten
> Satz ist einfach nur noch verabscheuungswürdig.

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass derart primitive Hetze, die der Geschichtsfälschung dient (es sei denn, man kann auch im Sinne einer objektiven Geschichtsbetrachtung "hetzen"), in der Zeit stehen bleiben kann. Mit keinem Wort habe ich irgendeine Folge des Nationalsozialismus verharmlost oder relativiert und Opfer "verhöhnt". Das ist schlichter Nazi- und Kommunismus-Speach, der mit brutaler...

Beschämend - Teil II

...Gewalt die nicht partei- oder ideologiekonforme Geschichtsbetrachtung verhindern will.

>> ...blendenden Erfolgen der Nationalsozialisten im In-
>> und im Ausland, ....der sogar das Ausland begeisterte
>> ... das deutsche Volk anderes hätte tun können, als
>> begeistert zu sein und die Unrechtsmethoden des
>> Regimes als eine Art notwendiges Übel zu betrach-
>> ten... Wenn man das mal so betrachtet, bleibt nicht
>> mehr viel von einer "deutschen Schuld".

> Demnach gab es auch in Ruanda keine Schuldigen, weil die
> Schlächter dort so eine tolle Radioshow und Freimacheten
> im Angebot hatten.

Sie müssen Ihre primitiven Invektiven belegen, denn wenn die Menschen in Ruanda tatsächlich durch "Radioshows" verführt wurden, sind sie nicht schuld. Das ist geradezu naturrechtliches Kindereinmaleins.

> Die nahezu vollständige Abwesenheit
> von Menschlichkeit und Anstand wird erklärbar, weil
> die Wirtschaft doch wieder lief und die Fackelmärsche
> so romantisch waren...insbesondere im Licht der
> brennenden Synagogen...

Auch das ist faschistische...

Beschämend - Teil III

...Prosa, denn sie entmenschlicht ein ganzes Volk, wenn gesagt wird, die damaligen Deutschen hätten sich offensichtlich trotz "nahezu vollständiger Abwesenheit von Menschlichkeit" dazu bequemt, weiterzuleben. Genau das ist die auf Schlagworte fixierte, eitel durch den zusammenhanglosen Gebrauch bestimmter Reizworte oder Pauschalurteile Zustimmung erheischende Masche der Fälscher. Hartes Brot. Die Deutschen haben damals nicht eine Regierung gewählt, damit sie Auschwitz und einen Weltkrieg veranstalte, sondern weil die Leute Ordnung und Arbeit haben wollten, vielleicht auch, weil sie nichts dagegen hatten, dass Druck auf die Juden ausgeübt wurde (womit sie aber, wie gesagt, kaum eine Sonderrolle in der Welt einnahmen).

>> Und jedes Kind kennt ja nun auch die Lehre aus
>> Auschwitz, die nicht etwa lautet "Die Deutschen
>> sind schuld" sondern die lautet "Nie mehr wieder,
>> nirgendwo"."

> "Nie mehr wieder, nirgendwo" ist demnach der
> verklausulierte Ausdruck von "die Deutschen
> sind ja gar nicht schuld"? Gehts noch?

Nein, es geht nicht mehr, denn die "Lehre aus Auschwitz" heißt nicht "Klagt Deutsche an" sondern "Verhindert Derartiges - nicht nur in Deutschland". Es ist beschämend, dies klarstellen zu müssen.