NSDAP-ÜbernahmeAls das Volk für Hitler die Demokratie abwählte

Hitlers Machtergreifung war nicht nur passiv. Am 31. Juli 1932 wählt die Mehrheit der Deutschen keine demokratische Partei. Die NSDAP wird stärkste Kraft im Reichstag. von 

"Machtergreifung" ist ein gängiger Begriff für den Prozess, an dessen Ende Adolf Hitler 1933 Reichskanzler ist. Ganz so, als hätten die Deutschen mit dem gescheiterten Kunstmaler aus Österreich wenig zu tun. Ganz so, als sei er unverhofft aus Braunau am Inn herangezogen wie ein Gewitter und habe die Macht mal eben ergriffen, um Europa ins Unglück zu stürzen.

Am 31. Juli 1932 geben 37,3 Prozent der Deutschen in freien Wahlen ihre Stimme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), mehr als ein Drittel also. Spätestens jetzt ist Hitler nicht mehr nur ein Hinterzimmer-Schwadroneur, der es mit dem Antisemitismus ein wenig übertreibt. Er ist noch nicht der "Führer", aber er führt schon die stärkste Fraktion im Reichstag.

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Noch fataler allerdings ist, wen die Deutschen nicht gewählt haben: demokratische Parteien. Die SPD (21,6) hat Stimmen verloren, weil sie die nationalkonservative Regierung von Reichskanzler Heinrich Brüning toleriert. Das katholische Zentrum (12,4 Prozent), die nationalliberale DVP (1,2) und die einst linksliberale, aber nach rechts gerückte DstP (die frühere DDP, 1 Prozent) stehen zur Verfassung, die Bayerische Volkspartei (3,2 Prozent) größtenteils auch, trotz eines starken rechten Rands. Sie alle sind geschrumpft.

Gewachsen sind dagegen die Kommunisten (KPD, 14,3 Prozent), die eine Diktatur der Arbeiterklasse nach marxistischer Doktrin anstreben. Undemokratisch ist auch die Deutschnationale Volkspartei (DNVP, 5,9 Prozent): Sie will ihren Kaiser Wilhelm wieder haben, hat sich aber der NSDAP angenähert.

Rekordkreise

Die höchsten Anteile erzielt die NSDAP 1932 in Mittelfranken, früher Hochburg der deutschnationalen DNVP. In Rothenburg ob der Tauber geben 75,7, in Uffenheim 72,9  Prozent ihre Stimmen der NSDAP, auch Neustadt an der Aisch (68,4), Ansbach (66,2), Gunzenhausen (64,9) und Dinkelsbühl (62,2 Prozent) gehören zu den zehn stärksten Wahlkreisen. Ein zweiter Schwerpunkt liegt in Hessen mit Schotten (70), Alsfeld (66,3 Prozent) und Lauterbach (65,7), daneben das niedersächsische Westerstede (66,2 Prozent).
 

Diaspora

Am schwächsten schneidet die NSDAP in einigen ländlichen Hochburgen der katholischen Parteien Zentrum und BVP ab. Die wenigsten wählen sie in Hümmling im Emsland (5,1 Prozent), Büren (6,5), Olpe (8,2) und Bocholt (8,6) in Nordrhein-Westfalen, Landau in der Pfalz (7,3), Vechta in Niedersachsen (7,6) und Bogen in Niederbayern  (8,5). Aschaffenburg (7,3) und Obernburg (8,4) liegen nahe den mittelfränkischen, Fulda (8,3) liegt nahe den hessischen Hochburgen, sind aber anders als diese katholisch geprägt.

Klientel

Wer wählt 1932 die NSDAP, die mit dem Versprechen von "Arbeit und Brot" um die Klientel der KPD und der SPD wirbt? Sie bekommt in der Tat viele Stimmen von Arbeitern, aber vermutlich, wie der Parteienforscher Jürgen Falter analysiert hat, nicht zu Lasten der Linken, sondern aus Reihen vormaliger Nichtwähler und Anhänger von Kleinparteien. Auch die Mittelschicht aus Handwerkern, Gewerbetreibenden und Landwirten entscheidet sich häufig für die NSDAP, etwas weniger stark die Angestellten und Beamten.

Die Gegner der Demokratie können jede Koalition blockieren: "Weimarer Verhältnisse", wie die Reichsverfassung von 1919 sie immer wieder hervorbringt. Sie enthält keine Sperrklausel wie die Fünf-Prozent-Hürde der Bundesrepublik; die Wahl vom Juli 1932 bringt 14 Parteien in den 608 Sitze starken Reichstag. Und sie enthält keine Handhabe gegen verfassungsfeindliche Parteien.

Die Sturmabteilung der NSDAP, die Prügeltruppe in braunen Hemden, hat die Regierung Brüning im April 1932 immerhin verboten. Doch Reichspräsident Paul von Hindenburg lässt den Kanzler, der ohne Parlamentsmehrheit nur per Notverordnung regieren kann, im Mai fallen und beauftragt Franz von Papen mit der Bildung einer Regierung unter Duldung der NSDAP. Die erreicht als Bedingung ein Ende des SA-Verbot.

Von Papens Kabinett regiert nur vier Junitage, dann setzt von Hindenburg Neuwahlen an. Der kurze Wahlkampf ist von einer Brutalität, die mit Demokratie wenig zu tun hat. NSDAP-Schläger, der Rotfrontkämpferbund der KPD und das vor allem sozialdemokratische Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold liefern sich Saal- und Straßenschlachten, sogar Schießereien. Am Altonaer Blutsonntag, dem 17. Juli, kommen bei Hamburg 18 Menschen zu Tode. Allein in Preußen sterben im Juni und im Juli 1932 mehr als 100 Menschen in Folge politischer Gewalt.

Leserkommentare
  1. Die Weimarer Republik war bereits ab 1930 schon keine Demokratie mehr, sondern eine präsidiale Diktatur, verniedlicht als sogenanntes "Präsidialkabinett".

    (Präsidialdiktatur in Deutschland 1930–1933)
    http://de.wikipedia.org/w...

    Demokratie gab es hier schon 3 Jahre vor Hitler nicht mehr.

    Diesen Kommentar haben wir wiederhergestellt. Danke, die Redaktion/ds

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    • joG
    • 31. Juli 2012 8:44 Uhr

    .....Versagen. Nur ist die Lösung im Grundgesetz in ihrer Weise genau so gefährlich, gibt die fehlende Trennung von Legislativen und Exekutiven zumal sie und die Judikative vom Personal der Administration dominiert werden, der Politik eine Schlagseite, die zu unhaltbaren Ungleichgewichten führte.

    an der Aussage dieses Artikels und ihrem Wahrheitsgehalt?

    Keine Notverordnung beraubte die Deutschen ihrer freien Wahlentscheidung, und sie haben ihr Kreuzchen da gemacht, wo sie's für richtig hielten, und das war nicht bei den demokratischen Parteien. Was im Übrigen nicht nur die NSDAP voran gebracht hat, sondern auch die ganze antidemokratische Notverordnungsregiererei an sich.

    Keine Apologetik und keine theoretische Begriffsdeutelei der Welt kann die Tatsache beseitigen, dass die Deutschen aufgerufen waren, ihr Kreuz für oder gegen die Demokratie zu machen. Sie haben ihr Kreuz gemacht und der NSDAP haben sie die meisten Stimmen zukommen lassen. Das ist nachträglich sehr peinlich (mir auch, ich bin ja von hier). Aber deshalb ist es doch nicht abzustreiten.

  2. ...als Hindenburg zum Präsidenten gewählt wurde.
    Das ist auch der Hauptgrund warum in Deutschland der Präsident nicht vom Volk gewählt wird.

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    Der Bundespräsident hat bei weitem nicht die Machtbefugnisse wie die damaligen Reichspräsidenten. Daher kann er auch gerne vom Volk gewählt werden. Besser noch: Dieses Amt abschaffen. Und das mit den Unterschriften zu den Gesetzen: Dies kann doch gleich der Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts machen, oder auch nicht. Und repräsentieren kann auch der Bundestagspräsident.

    Zum Thema: Das wahre Unglück damals war doch die allgemeine Demokratieunkenntnis der Normalbevölkerung und die fehlende 5% Hürde

    Ich denke, der sogenannte Staatsrat wäre die bessere Alternativ zum Bundespräsidenten gewesen. Der Minderheitenvorschlag (von der SPD) im Parlamentarischen Rat sah vor, ein dreiköpfiges Staatsoberhaupt bestehend aus Bundeskanzler, Bundestagspräsident und Bundesratspräsident (bzw. Senatspräsident) einzuführen, die die Aufgaben des heutigen Bundespräsidenten kollgial durchgeführt hätten.

    P.S. der Senat anstelle des Bundesrats war ein weitere Minderheitenvorschlag. Die Länder wären proportional vertreten wurden durch Senatoren, die von den Landesparlamenten nach Proporz gewählt wurden wären. Eine Institution also, wie sie heute in den Niederlanden als Senat und in Österreich als Bundesrat gibt.

  3. Hier ist das Thema kurz erläutert:

    "In der Politischen Theorie und der Verfassungstheorie kann ein Diktator, der durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen ist, durch eine formal korrekte Begründung seiner Macht wieder legitim werden (Übergangsdiktatur, so General Charles de Gaulle in Frankreich 1958).

    Auch eine Demokratie kann sich zur Diktatur wandeln, wenn eine demokratisch gewählte Regierung ihre verfassungsmäßigen Grundlagen auf legalem Weg aushöhlt oder beseitigt (Präsidialdiktatur in Deutschland 1930–1933), oder wenn das Parlament nicht mehr gewählt wird, sondern seine Mitglieder z. B. vom Militär bestimmt werden (Türkei mehrfach nach 1945)."
    http://de.wikipedia.org/w...

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    ...die Juristen, das Volk idR nicht.

    denn zur Zeit wird von der herrschenden Klasse das Vermögen der bürger und vielleicht auch deren Kinder verbraten. Das war übrigens die Situation, die zur Wahl der NSDAP führte. Im übrigen sei angemerkt, daß die Bevölkerung sehr wohl hinter Hitler stand, auch wenn es heute keiner mehr wahrhaben will, weder die Deutsch, Österreicher oder Tschechen.

    • ddde
    • 31. Juli 2012 11:43 Uhr

    in denen Sie sich vermeintlich auskennen. In der Türkei hat nie das Militär Politiker ernannt. Das Militär hat die Macht zeitweise an sich genommen, als Sie festgestellt hat, dass die verfassungsmäßige Ordnung in der Republik gefährdet war.

  4. Das lag ja auch nur daran, dass das Volk überwiegend undemokratische Parteien gewählt hat. Es war damals eben noch dümmer, als es heute ist. Btw: Das Volk hat wiederum den Nicht-Demokraten Hindenburg gewählt.

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    Das damalige deutsche Volk als "dumm" zu bezeichnen finde ich ziemlich anmaßend von Ihnen, zeugt es doch von mangelnder Geschichtskenntnis. Von der Demokratie und der "Schwatzbude" Reichstag war man bis dato nur enttäuscht worden. Man sah nur, dass sich die Herren Abgeordneten nicht auf Mehrheiten einigen konnten und die wichtigen Alltagsfragen, die die Menschen bewegten, unbeantwortet blieben. Deshalb war "Demokrat" damals auch eher ein Schimpfwort. Man wünschte sich eine starke Führerpersönlichkeit zurück, die "anpackt". Diese Stimmung haben die Nazis erkannt und sich zu nutze gemacht.

    Glauben Sie tatsächlich, der gemeine NSDAP-Wähler (und ich rede hier nicht vom überzeugten Nazi!) hätte damals auch nur annähernd ahnen können, wie die Geschichte verläuft, wo man selbst heute noch die unglaublichen Konsequenzen vom Januar ´33 kaum mit dem Verstand fassbar sind?

    Die meisten Menschen machen wie Sie den Fehler, die Geschichte von Rückwärts zu beurteilen, sprich aus der gemütlichen Sesselposition mit all dem Wissen, das man über die gesamte Zeit ´33-´45 hat. Dabei wird vergessen, dass die Menschen von damals dieses Wissen natürlich nicht hatten. Glauben Sie ernsthaft, dass die Nazis dann eine Chance gehabt hätten?

    Ich sage es nochmal: eine solche Sicht auf die Geschichte ist einfach nur arrogant!

    Vorweg, es steht Ihnen nicht zu, pauschal von einem "dummen Volk" zu sprechen. Um zu beurteilen, welche Verhältnisse damals herrschten, sollten Sie sich etwas kundig machen. Ausschnittweise sei dazu gesagt, dass die heute bekannten Medien größtenteils nicht vorhanden waren und Zeitungen mit konkreten vergleichenden substantiellen Informationen kaum erhältlich. Das Radio vermittelte Berichte ohne profunde Kommentierungen. Eine Meinungsbildung bildete sich für den Normalbürger durch Flugblätter, Ansprachen, Versammlungen und dergleichen.
    Der verlorene Krieg, der Versailler Vertrag, Reparationen, Weltwirtschaftskrise und galoppierende Inflation sind Verhältnisse, die unsere Generation nicht einmal annähernd nachvollziehen kann.
    Ein Volk, das in Hoffnungslosigkeit erstarrt, ist geneigt, nach Jahren zerstrittener Parlamentskultur einem Verführer seine Versprechungen zu glauben.
    Diese Zeilen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dazu sollte man einschlägige Literatur verwenden.

    ... gibt es auch heute und die Presse unterstützt dies. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der großzügigsten Sozialsysteme, sehr guter Gesundheitsfürsorge, sehr niedriger Kriminalität, niedriger Korruption, verhältnismäßig niedriger Arbeitslosigkeit etc. etc. Trotzdem tun alle so als wäre die schwarz-gelbe Regierung unter Merkel eine Katastrophe ... ebenso wie alle über rot-grün unter Schröder gemeckert haben. Nur mit der großen Koalition waren wohl alle recht zufrieden. Die großen Parteien wurden aber für ihre gute Arbeit nicht vom Wähler belohnt; die populistischen Versprechungen der FDP, der Grünen und der Linken kamen beim jeweiligen Klientel wesentlich besser an. Derzeit erstarkt die Piratenpartei mit einem - gelinde gesagt - (derzeit noch) völlig idiotischen und widersprüchlichen Programm. Ich möchte nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, was passiert, wenn es den Deutschen einmal wieder wirtschaftlich richtig schlecht gehen sollte.

    • Psy03
    • 31. Juli 2012 14:00 Uhr

    undemokratische Parteien gewählt hat".
    "Es war damals eben noch dümmer, als es heute ist".

    Wirklich?
    Welche demokratischen Entscheidungen treffen denn Volk und Parteien heutzutage?
    Das Volk hat lediglich das Recht die Farbe zu Wählen, die dann Banken und Konzerne vertritt.
    Ich seh da keinen Unterschied zur damaligen Zeit.

    Dümmlich, die Deutschen damals als dumm zu bezeichnen, denn sie haben sich so verhalten, wie alle Menschen sich überall auf der Welt verhalten: Funktioniert die Demokratie nicht, gibt es Not und Terror, werden Leute gewählt, denen man zutraut, den Sauladen auszumisten. Und genau der war Hitler. Was Hitler später dann alles anstellte, wusste niemand und hat damit nichts zu tun (das ist strenggenommen nicht einmal Angelegenheit der Deutschen, denn schon kurz nach der Wahl im März war die extrem aggressive, effektive und dynamische nationalsozialistische Bewegung nicht mehr von innen heraus zu besiegen, spätestens 1938 war es nur noch von außen möglich und somit Angelegenheit und Verpflichtung der Weltöffentlichkeit, den Faschismus mittels Angriffskrieg aus Deutschland zu vertreiben - so, wie es heute für die Husseins, Gaddafis und Assads gilt).

    Theorien wie die von der Kollektivschuld sind "völkisch" und stehen dem Objekt der Betrachtung näher, als die Urheber der Theorien das meinen.

  5. Einen solchen Beitrag zu schreiben, ohne auch nur einmal "Versailles" zu erwähnen ist ein schwerer Kunstfehler. Herausragende französische und amerikanische Politiker hatten schon die dunklen Konsequenzen der unzumutbaren Versailler Verträge vorausgesagt.

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    Die Verträge von Versailles sind natürlich erwähnenswert um die Hintergründe dieser Vorgänge zu erhellen.
    Nur wo wollen Sie anfangen und wo enden?
    Der Artikel kann weder den Geschichtsunterricht ersetzten, noch jemanden dazu bringen, in den größeren zeitlichen Einheiten zu denken, die Geschichte erst lehrreich machen.

    • ludna
    • 31. Juli 2012 10:46 Uhr

    was natürlich auch mit Versaille zusammenhing.

    Der Artikel schweigt auch über die Frage, warum die "demokratischen" Parteien nicht gewählt wurden. Demkratisch=gut, so einfach ist die Welt nicht, siehe auch die aktuelle Parteienpolitik. Dort erweisen sich auch selbsternannte Demokraten gern als autoritäre Figuren. Gebremst werden diese Leute nicht dadurch, dass sie Demokraten sind, sondern durch die Gewaltenteilung. Aber an der feilt man im Moment auch schon, der Unterschied zwischen Legaslative und Exekutive verschwindet immer mehr.

    Inakzeptabel ist es auch „Versailles“ zu erwähnen und dann zu glauben, es hätte sich mit der Eigenverantwortlichkeit erledigt.
    Inakzeptabel ist es ganz zu glauben, man könne das Scheitern der Weimarer Republik auf einen einzigen Umstand zurückführen.

    Die Gründe lässt der Artikel im Dunkeln, und das ist nicht nur inakzeptabel, sondern auch gefährlich.

    Oder gibt es Gründe, warum Zeitonline die Gründe im Dunkeln lässt?

    Die Medien hatten an Hitler entscheidenden Anteil. Die Krise 1929 wurde hochgespielt als Krise des "Finanzkapitalismus", insbesondere des "jüdischen Finanzkapitalismus".

    Hitler selbst hatte es zum wichtigsten Programmpunkt immer wieder herausgeschrien: "Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkt des Kampfes der deutschen Nation um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und Freiheit geworden".

    Es ist aber auch unakzeptabel, von dem "Versailles" des 20. Jahhunderts zu reden, und dabei das "Versailles" des 19. Jahhunderts zu verschweigen.

    Die meisten Deutschen wissen nur, das nach dem deutsch-französischen Krieg das deutsche Kaiserrecih in Versailles gegründet wurde. Welch immense Reparationen Frankreich damals zahlen musste, wird gerne nicht beachtet. Diese haben Frankreich ruiniert und in Deutschland den Gründerzeitboom ermöglicht. Eine Tatsache, die man mir in der Schule vorenthalten hatte.

    http://de.wikipedia.org/w...
    http://de.wikipedia.org/w...

    Der Mensch ist lernfähig, aber in letzter Konsequenz unberechenbar. Die Siegermächte von 1918 wurden von Kindern des 19. Jahrhunderts regiert. Heute ist die Aufklärung durchgreifender, weil in den seither vergangenen Jahrzehnten durch die leidvollen Erfahrungen der unzähligen Kriege vielleicht gefestigter; aber nur vielleicht. Bei der Machtübergabe an Hitler durch den Wähler spielte die triste Wirtschaftslage und die von ihm gemachten Versprechungen ein grosse Rolle. Genau diese Risiken sind, wenn auch in anderer Form, latent noch immer, oder schon wieder, vorhanden. Was bleibt ist die Hoffnung auf eine stabilie Demokratie, auch in wirtschaftlicher Schlechtwetterlage.

    Der Artikel erfordert keine Erwähnung der Versailler Verträge.

    Dem Autor geht es mit diesem Artikel erkennbar nur darum aufzuzeigen, dass die gemeinhin übliche Bezeichnung Machtergreifung eigentlich nicht korrekt ist, weil die NSDAP / Hitler die Macht nicht an sich gerissen hat, z.B. durch einen Staatsstreich, sondern wesentlich dadurch an die Macht gelangte, dass sie durch Wahlen von den Deutschen zur stärksten Partei gemacht wurde.

    Es ist deutlich erkennbar nicht das Thema des Artikels, warum die Deutschen damals so gewählt haben, wie sie gewählt haben, sondern das Thema ist, dass die Bezeichnung des Wählerverhaltens und seiner Folgen als Machtergreifung durch die Gewählten unstimmig ist.

    Wenn etwas inakzeptabel ist, dann wenn einem Autor vorgeworfen wird, dass er in seinem Artikel nicht auf Sachen eingegangen ist, die mit dem Thema seines Artikels gar nichts zu tun haben.

  6. Die Verträge von Versailles sind natürlich erwähnenswert um die Hintergründe dieser Vorgänge zu erhellen.
    Nur wo wollen Sie anfangen und wo enden?
    Der Artikel kann weder den Geschichtsunterricht ersetzten, noch jemanden dazu bringen, in den größeren zeitlichen Einheiten zu denken, die Geschichte erst lehrreich machen.

  7. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Relativierungen. Danke, die Redaktion/ds

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    ...nachdem die Sozialdemokratie den „linken Flügel des Faschismus“ darstelle und vorrangig zu bekämpfen sei, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen. Man weiß es nicht. Die Kommunisten hätten sich ja auch an Regierungen beteiligen können (unter Zurückstelleung des Endziels eines deutschen Sowjetstaates). Ihre Strategie war aber eine andere.

    ...37% reichen aus um zu regieren, wenn alle anderen Parteien unter "ferner liefen" rangieren. Sie kann dann eine Minderheitsregierung versuchen, genau das tat Hitler auch, Zitat:

    "Der bildete zunächst eine Minderheitsregierung (NSDAP und DNVP hatten bei den Reichstagswahlen im November 1932 lediglich 43 Prozent der Stimmen erhalten) mit dem Zugeständnis, am 1.2.1933 den Reichstag aufzulösen und Neuwahlen für den 5.3.1933 anzusetzen."
    http://www.geschichte-pir...

    Zu freien Neuwahlen kam es nie (Zitat selbe Quelle):
    "Aber die NSDAP setzte nun auf rücksichtsloses Vorgehen gegen alle Linkskräfte. Sie gelangte rasch in den Besitz aller staatlichen Machtmittel, mobilisierte ihre Bürgerkriegsgarde- SA im Wahlkampf, für den maßgebende Kreise der Industrie großzügig finanzielle Mittel bereitstellten. Am 3.2. versicherte sich Hitler der stillschweigenden Unterstützung der Reichswehr. Am 4.2. schränkte eine Notverordnung Presse- und Versammlungsfreiheit ein. Am 27.2.1933 brannte der Reichstag. Das war Auslöser für eine zügellose Kommunistenverfolgung. Eine Verordnung des Reichspräsidenten „Zum Schutze von Volk und Staat“, erlassen am 28.2., setzte die entscheidenden Freiheitsrechte der Verfassung außer Kraft.[4] Diese „Reichstagsbrandverordnung“ wurde bis 1945 nicht aufgehoben."

    Apropro: in den letzten 3 Wahlen erhielt keine Partei in der BRD mehr als 40% der Stimmen. Selbst die akt. Koalition hat nur 48,4%
    http://de.wikipedia.org/w...

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/au.

  8. 8. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und unangebrachte Vergleiche. Die Redaktion/mak

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    Entfernt. Tragen Sie zum Thema des Artikels bei. Die Redaktion/mak

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und themenfremde Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Einerseits heißt es immer, daß man aus der Geschichte lernen soll, den Anfängen wehren, bla bla.

    Andererseits ist jeder Vergleich mit Machenschaften heutiger Politiker der herrschenden Parteien mit denen der Nazis strengstens verboten und wird reflexartig wegzensiert, da Nazis nach herrschender Doktrin die im Wortsinne unvergleichlich Bösen sind und heutige Blockparteienpolitiker qua Amt (und Lippenbekenntnis) gute Demokraten.

    Schon das eigentlich treffende Wort "Ermächtigungsgesetz" für die unwiderrufliche Abgabe von Parlamentsrechten an demokratisch nicht kontrollierte sonstige Gremien darf für unsere Musterdemokraten heutzutage nicht mehr verwendet werden -- sonst bekommt man es mit der "Moderation" zu tun.

    Es gilt augenscheinlich: Das "aus der Geschichte lernen" soll sich in Folklore erschöpfen -- oder, wie hier, bedarfsweise als Rechtfertigung für weniger Demokratie dienen: Das Volk sei zu doof, irgendwas zu entscheiden.

    Als ob die künftige Gefahr für die Demokratie nun unbedingt wieder von Nazis ausgehen würde und nicht (was viel plausibler ist) aus der Mitte unserer heutigen Eliten, die selbstverständlich die demokratische Folklore als Fassade und in Sonntagsreden ausgehölt weiterpflegen, und sich daher jedwede noch so treffenden Vergleiche mit ihren Vorgängern der 1930er Jahre verbitten.

    Der hier wegzensierte zugespitzte Hinweis auf die Linke als (zumindest in EU-Angelegenheiten) letzte Demokraten war also durchaus treffend.

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  • Schlagworte Adolf Hitler | Demokratie | NSDAP | KPD | Paul von Hindenburg | SPD
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