Der Physiker Erwin Schrödinger 1933

Wenn Wissenschaftsfreaks Katzen halten, benennen sie sie gern nach Erwin Schrödinger. Nicht, weil der vor 125 Jahren geborene Mitbegründer der Quantenmechanik so ein Liebhaber anschmiegsamer Vierbeiner wäre. Der Wiener hat sich sogar ein Experiment ausgedacht, das für Katzen tödlich ausgehen kann – nur gut, dass es ein reines Gedankenspiel ist.

Aber von vorn, und erst einmal ohne Katze. Oder schleicht eine durch Schrödingers Elternhaus in Erdberg, einem der ältesten Stadtteile Wiens? Die Naturwissenschaft jedenfalls ist von Anfang an da: Vater Rudolf Schrödinger studiert Chemie beim Wiener Professor Alexander Bauer und heiratet dessen Tochter Georgina. Für Chemie, aber auch für Kunst und Botanik interessiert er sich mehr als für die geerbte Wachstuchfabrik, die der Familie einen hohen Lebensstandard sichert.

Erwin Schrödinger, geboren am 12. August 1887, studiert nach dem Abitur Mathematik und Physik. In Physik habilitiert er sich 1914. Selbst als Soldat im Ersten Weltkrieg findet er Zeit für wissenschaftliche Aufsätze.

Nach Kriegsende lehnt Schrödinger Stellen in Wien ab, weil er nicht genug verdient hätte, um seine Verlobte Annemarie Bertel zu heiraten. Das ermöglicht ihm erst eine Assistenz in Jena 1920. Schon bald allerdings geht Schrödinger nach Stuttgart und Breslau, übernimmt dann in Zürich jenen Lehrstuhl für Theoretische Physik, den vor ihm Albert Einstein und Max von Laue innehatten.

An Werner Heisenbergs als Matrizenmechanik bekanntem quantenmechanischem Modell missfallen Schrödinger die unerklärlichen Quantensprünge: Teilchen hüpfen ohne Übergang von einem Energieniveau auf ein anderes. Der Physiker stellt die Vorgänge im Atom nun als Bewegung schwingender Wellen dar. Dieses Modell wird zu einer der wichtigsten Grundlagen der Quantenmechanik. Den Nobelpreis bekommt 1932 trotzdem zuerst Heisenberg, Schrödinger teilt ihn sich ein Jahr später mit Paul Dirac, der die Ansätze Heisenbergs und Schrödingers zusammenführt.

Schrödingers originelle Ideen zeichnen ihn aus

Inzwischen sind in Deutschland die Nationalsozialisten an der Macht und wollen eine "Deutsche Physik" durchsetzen, ohne die "unarischen" Ideen der "Jünger Einsteins". Schrödinger, der seit 1927 in Berlin arbeitet, weicht zunächst nach Oxford aus, dann nach Graz. Nach dem "Anschluss" Österreichs geht er ins Exil nach Dublin. Ihm kommt zugute, dass seine Mutter halbe Britin war und im Hause Schrödinger auch Englisch gesprochen wurde.

1956 kehrt der Physiker nach Wien zurück, wo er sich nun vor allem mit der Allgemeinen Relativitätstheorie befasst und bis zu seinem Tuberkulose-Tod am 4. Januar 1961 lehrt. Im Tiroler Dorf Alpbach, dem Wohnort seines Lebensabends, ist er mit seiner Frau beigesetzt. Auf einer runden Tafel am Kreuz über dem Grab steht jene Schrödinger-Gleichung, die sein Wellenmodell beschreibt.

Die Formel ist zwar Schrödingers wichtigste Erkenntnis für die naturwissenschaftliche Praxis, weil sie ständig verwendet wird, zur Beschreibung von chemischen Reaktionen wie von subnuklearen Vorgängen. Aus der Reihe seiner Kollegen ragt der Physiker, der viel Zeit auf philosophische Lektüre verwendet, aber vor allem wegen seiner originellen Ideen aus Randbereichen der Physik heraus.