AuktionGoebbels' Liebesbriefe empören Holocaust-Überlebende

Liebestrunken und schlicht, so wirkt der spätere NS-Propagandaminister in seinen frühen Schriften, die nun in den USA versteigert werden. Kritiker nennen das unmoralisch. von dapd

NS-Propagandaminister Joseph Goebbels bei einer Rede in München

NS-Propagandaminister Joseph Goebbels bei einer Rede in München  |  © dpa

Überlebende des Holocaust haben die geplante Versteigerung von Liebesbriefen des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels kritisiert. Sie warfen dem Aktionshaus in den USA vor, Profit mit Nazi-Memorabilia zu machen.

Die Unterlagen gehörten zur historischen Forschung in ein Archiv, forderte der Präsident der Amerikanischen Vereinigung Jüdischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen, Menachem Rosensaft. Er befürchtet, dass die Schriften bei der Auktion in die falschen Hände geraten könnten.

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Die Briefe und zahlreiche weitere Dokumente aus Goebbels' Nachlass , darunter seine Doktorarbeit und mehrere Gedichte, sollen am kommenden Donnerstag in Stamford im US-Staat Connecticut verkauft werden, teilte das Auktionshaus Alexander Historical Auctions mit. Der Leiter des Auktionshauses, Bill Panagopulos, wies Rosensafts Kritik zurück. Neonazis würden solches Material nicht sammeln, Museen seien oft auf Spenden von Ausstellungsstücken angewiesen, die aus solchen Versteigerungen stammten, sagte Panagopulos.

Briefe zeigen frühe Radikalisierung

Die Schriftstücke seien von unschätzbarem historischem Wert, denn sie zeigten, wie sich der eher schlichte, schüchterne und liebestrunkene Student Goebbels radikalisiert habe, sagte Panagopulos. "Darin sind die prägenden Jahre der Nummer zwei im Dritten Reich komprimiert. Des Mannes, der dafür verantwortlich war, die Massen zur bedingungslosen Unterstützung Hitlers zu verleiten", erklärte der Leiter des Auktionshauses.

Die Sammlung umfasst Schriften aus der Jugend des 1897 geborenen Goebbels bis kurz vor seinem Eintritt in die NSDAP im Jahr 1924. Darunter finden sich mehr als 100 Briefe aus der Korrespondenz mit Anka Stalherm, seiner ersten großen Liebe.

Der Psychiater Peter Gathmann hat in seinem Buch über den Narziss Goebbels aus diesen Liebesbriefen zitiert. Nachdem ihn Anka 1920 verlassen hatte, offenbarte sich der schwülstige und extreme Zug des späteren Propagandaprofis. In seinem letzten Brief an Anka schreibt er: "Wenn ich Dich jetzt bei mir hätte, ich würde Dich packen und zwingen mich zu lieben, und wenn nur für einen Augenblick, und dann machte ich Dich tot."

Goebbels und seine Frau Magda töteten 1945 am Tag nach Hitlers Selbstmord im Führerbunker ihre sechs Kinder und dann sich selbst. "Man bekommt ein Gefühl dafür, was in seinem Kopf vorging", sagt Auktionator Panagopulos.

Leserkommentare
  1. sowas gehört in keine Privatsammlung.

    Göbbels wird sicherlich teilweise heute noch unterschätzt, den man redet mehr über Hitler als über den Master of Propaganda.

  2. "Er befürchtet, dass die Schriften bei der Auktion in die falschen Hände geraten könnten."

    In welche? In die eines nationalsozialistischen Romancier?
    Mein gott, es geht hier um Leibesbriefe, nicht um Unterlagen über verschleppte Juden, oder Schlachtpläne des Kursker Bogens. Es sind persönliche Liebesbriefe, und sowas gehört nicht in ein Museum, sonnst wären die Museen sicher schon voll mit Hitlers Lieblingsbleistift, Görings Schaukelpferd oder Himmlers Deutschklasur aus der 4. Klasse.

    Die USA sind das Land mit den meisten Sammlern von Nazi-Devotionalien, warum auch nicht, wenn man bedenkt das die Original Hakenkreuz-Fahne des Reichtstages 240.000 Dollar bringt, Hitlers Luger sogar 400.000, na denn ist das sicher nicht falsch, restlichen Kitsch zu verkaufen, wer es braucht.

  3. ... makes the world go around, the world go around, the world go around ...

  4. Verlust für die Wissenschaft, wirklich.
    - Nicht auszudenken, wenn auch Hitlers Gummiente und Görings Strumpfhalter versteigert würden! Ich bin empört.

    • Sirisee
    • 24. September 2012 22:03 Uhr
    5. [...]

    [...]

    Ansonsten erinnert mich das sehr an die Frage, ob Hitler malen konnte. Konnte er ohne Abitur fraglos besser als der durchschnittliche Abiturient nach 13 Jahren staatliche Schule mit sog. Kunstunterricht. War - was nicht viele wissen - übrigens (wenn auch kurz) an einer kirchlichen Schule im Stift Lambach. Auch das nützte nichts. Deshalb sind beide auch Beispiel, wie sehr Bildung überschätzt wird.

    Teil entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/lv

  5. Wozu soll denn das Liebesgedöns von Goebbels einen Beitrag leisten? Soll sich doch irgendein US-Nazi den Quatsch in den Tresor legen und des Nachts als W....vorlage nutzen. Wen interessiert der Schmonzes denn noch? Wird wahrscheinlich auch noch mehrmals verkloppt; genug Deppen wird's geben, die interessiert sind; wie in dem herrlichen Film Schtonk, als im Abspann der einzigartige "Fuhrer's hat" verkloppt wurde, gleich hunderte mal ...

    Antwort auf
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    Allein für sich stehend dürften diese Briefe sicherlich völlig belanglos sein. Als Puzzleteile bezüglich der Analyse der Persönlichkeit "Goebbels" sollte man sie jedoch nicht unterschätzen. Vielleicht kommt ja in der Tat mal ein Wissenschaftler, der mit einer neuen Fragestellung und/oder Methoden zu neuen Erkenntnissen kommt. Aus diesem Grunde sollten die Briefe zumindest der Wissenschaft zugänglich bleiben.

    Um einen Einblick in Göbbel´s Psyche zu geben, sind solche Dokument natürlich wertvoll. Zum Glück gibt es genug "Deppen", die die nötige Intelligenz besitzen, das richtig einzuordnen. Aber das ist halt nicht jedem gegeben. Da macht man dann lieber unqualifizierte und beleidigende Kommentare, nicht wahr?

    Ansonsten schließe ich mich der Meinung von wmetro an und hoffe ebenfalls, dass die Stücke nicht unzugänglich in einer Sammlung verschwinden, sondern auch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

    ZITAT: "Die Schriftstücke seien von unschätzbarem historischem Wert, denn sie zeigten, wie sich der eher schlichte, schüchterne und liebestrunkene Student Goebbels radikalisiert habe, sagte Panagopulos. "Darin sind die prägenden Jahre der Nummer zwei im Dritten Reich komprimiert. Des Mannes, der dafür verantwortlich war, die Massen zur bedingungslosen Unterstützung Hitlers zu verleiten", erklärte der Leiter des Auktionshauses."

    Entfernt. Setzen Sie sich bitte mit dem Thema des Artikels auseinander. Die Redaktion/mak

  6. Wo sind wir denn jetzt? Da erklärt und deutet ein Verkäufer J. Goebbels!? Das ist schlecht recherchiert. Bei einer so wichtigen historischen Figur hätten dapd und ZON sich mal die Mühe machen sollen, jemanden Kompetentes zu befragen! Diesen "Liebesbrief" von seinem Ende her erklären ist tumb und fahrlässig. Das einfach so durchzuwinken mindestens schlampig.

  7. Allein für sich stehend dürften diese Briefe sicherlich völlig belanglos sein. Als Puzzleteile bezüglich der Analyse der Persönlichkeit "Goebbels" sollte man sie jedoch nicht unterschätzen. Vielleicht kommt ja in der Tat mal ein Wissenschaftler, der mit einer neuen Fragestellung und/oder Methoden zu neuen Erkenntnissen kommt. Aus diesem Grunde sollten die Briefe zumindest der Wissenschaft zugänglich bleiben.

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    "Aus diesem Grunde sollten die Briefe zumindest der Wissenschaft zugänglich bleiben."

    Warum, Goebbels ist tot, hat existiert, und war ein guter Redner, mehr aber auch nicht.
    Da muss man nichts mehr wissenschaftlich deuten, er hatten den Zeitgeist erfasst, wusste es wie man die Menge verführt, und nutzte das für die kranke Ideologie der Nazi-Eliten.
    Es gab schon viele wie Goebbels (nur eben nicht mit dem nationalsozialistischen Einschlag), Lenin war auch ein großer Demagoge, Che Guevara und so weiter.
    Alle konnten gut reden, und wussten was die Leute hören wollen.

    Das ist normale Gruppendynamik, man hätte auch eine X-Belibige Person aus der Menge auf das Podest stellen können, gut ausleuchten, und ins Mikrophon sämtlichen Antisemitismus brüllen lassen. Goebbels hat auch nicht alle seine Reden geschrieben, er war eben nur der "Reichs-Ansager", ein besserer Marktschreier.

    Er war auch ein bekennender Freund Russlands, allerdings war er wie alle, ein Laufbursche Hitlers, und hat getan was er will.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd
  • Schlagworte Joseph Goebbels | NSDAP | Antisemitismus | Auktion | Auktionshaus | Brief
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