Karl StülpnerDer Robin Hood des Erzgebirges

Was den Engländern Robin Hood, ist den Sachsen Karl Stülpner: Der vor 250 Jahren geborene Wilderer soll Reiche beraubt und Arme beschützt haben. Wer war er? von 

Ein rechtes Großmaul soll er gewesen sein, der Stülpner Karl: "Mich schießt keiner tot", ist so ein Ausspruch, der ihm zugeschrieben wird, und angeblich hielten ihn manche Zeitgenossen für unverwundbar, für kugelsicher. Immerhin: Er stirbt 1841 eines natürlichen Todes und wird beachtliche 79 Jahre alt. Trotz seines gefährlichen Lebens.

In Stülpners Heimat, dem Erzgebirge, herrscht Hunger und Armut. Die Erzvorkommen sind erschöpft. Marodierende preußische Husaren terrorisieren im Siebenjährigen Krieg die Zivilbevölkerung. Anfang der 1770er Jahre flüchten Tausende aus ihrer gebirgigen Heimat.

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Auch Stülpner, am 30. September 1762 in Scharfenstein bei Chemnitz geboren, wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein Tagelöhner, stirbt früh, der Hunger ist steter Gast bei den acht Geschwistern. Von einem Forstaufseher lernt Stülpner das Jagen und bringt frisches Fleisch auf den Tisch. Doch das Wild ist dem Adel vorbehalten. Wer dieses Privileg bricht, muss mit drastischen Strafen rechnen.

Erinnerung

Stülpner wird heute als regionaler Volksheld verehrt. Auf seiner Grabstätte in Großolbersdorf liegen häufig Blumen. In Scharfenstein markiert ein Gedenkstein die Geburtsstätte des Volkshelden, auch nahe der ehemaligen sächsisch-böhmischen, heute tschechischen Grenze, gibt es bei bei Böhmisch-Reitzenhain (später Pohraniční) eine Stülpner-Gedenkstätte. Im mittleren Erzgebirge heißen viele Straßen nach dem Wilderer. Seit 2000 trägt auch ein Planetoid den Namen Stülpner.

Stülpner wird schon mit 16 Jahren Soldat. Er kommt zur Königlich-Sächsischen Infanterie in Chemnitz, im Volksmund wegen ihrer weißen Uniformen "Mehlsäcke" genannt. Weil er ein so exzellenter Schütze ist, lassen ihn seine Offiziere jagen: Auch sie essen gern Wildbret. Legal ist auch das nicht, Stülpner wird als Wilderer gesucht und muss fliehen.

Er gerät nach Böhmen, Österreich, Baden, Hessen und Hannover, wo er in ein Dragonerregiment zwangsrekrutiert wird. Später muss er mit preußischer Infanterie im Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich kämpfen. Als er 1794 erneut desertiert und in die Heimat zurückkehrt, tritt er in Scharfenstein, das versteckt in einem engen Talkessel an der Zschopau liegt, als weit gereister Abenteurer und munterer Geschichtenerzähler auf.

Mit Wilderern zeigt er sich solidarisch

Aus der Zeit bis etwa 1800 dürften die meisten der Legenden um Stülpner stammen. Er sammelt in den Wäldern des Erzgebirges eine Bande von Wilderern und Schmugglern um sich. Mit den Scharfensteinern arrangiert er sich: Er versorgt sie mit Fleisch und Schmugglerware, dafür liefern sie ihn nicht der Justiz aus, die ihn per Streckbrief sucht.

Mal mehr, mal weniger gut belegbar sind die Anekdoten, die sich um den Wilderer ranken. Zu den bekanntesten zählt, Stülpner habe im Alleingang die Burg Scharfenstein belagert. Der Stülpner-Experte Roland Unger erzählt, der Wilderer habe "eigentlich nichts anderes gemacht, als sich vor die Tür gestellt und gewartet bis einer rauskommt. Dann hat er einen Schuss abgegeben und der andere ist verschreckt wieder rein."

Mit gewöhnlichen Räubern hat der Rebell nichts am Hut. Zwischen Marienberg und Lengefeld verhindert er einen Überfall auf eine Postkutsche. Eine Leinweberfrau, die gerade ihr Tuch verkauft hat, bewahrt er vor Wegelagerern, die ihr den Erlös abknöpfen wollen. Mit anderen Wilderern dagegen zeigt er sich solidarisch: Sieben königlich-sächsische Jäger, die gerade einigen Wildschützen die Beute abgenommen haben, zwingt er, die schweren Tiere bis zur böhmischen Grenze zu schleppen.

Leserkommentare
  1. Bin ich falsch orientiert oder meinten Sie Friedrich Schiller nicht F. Schuller?

    Wenn Sie schon dabei sind, zweiter Absatz: Armut und Hunger herrschEN.

    Danke.

  2. Kann man denn nicht mal einfach über einen Rechtschreibfehler hinweglesen - muss man sich immer wieder damit profilieren, dass man weiß wie man ein simples deutsches Verb buchstabiert?
    Schöne Geschichte auf jeden Fall. Schreibt mal auch von den anderen beiden Helden aus dem letzten Absatz!

  3. Leider findet meine Suchfunktion
    'Schiller' oder 'Schuller' nicht im Text;
    sondern nur im Kommentar 1.

    Was sollten auch 'Die Räuber' mit dem obigen Text
    zu tun haben ?

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    das ist in dem zusatzinfokästchen ^^

  4. " Der Hiasl gilt als ein Vorbild für Friedrich Schullers Karl Moor in die Räuber."

    du liebe Guethe ...

    ;-)

  5. das ist in dem zusatzinfokästchen ^^

    Antwort auf "nicht gefunden ..."
  6. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • bernd64
    • 30. September 2012 19:13 Uhr

    ist im Erzgebirge sehr bekannt, aber kein Robin Hood, da ihm die soziale Komponente fehlt. Er war in den Legenden vorallem der Wildschütz. In Sachsen kommt einen Robin Hood vermutlich der Johannes Karasek am nächsten. Sein Revier war um Seifhennersdorf und hier gibt es auch einen sozialen Bezug.
    Nicht alle Räuber waren Helden, viele waren einfach grausam und gefürchtet wie die Bande des dürren Schneiders, die ihren eigenen Hauptman tötete. Alle diese Geschichten sind interessant, da sie einen Einblick in das Leben der armen Menschen geben. Wie auch die des Jagdgehilfen, der mit einem Wildbret angetroffen wird, dass er nicht erlegen darf. Daraufhin nach Böhmen flieht (die nahe Grenze ist dafür ideal) und in Böhmen inhaftiert wird. Nachdem der sächsische Hof nicht für seine "Unterbringung" an Böhmen zahlen will, wird er freigelassen und kehrt nach 12 Jahren wieder nach Hause zurück.
    Ich hätte mir von einem Artikel über den Stülpner Karl mehr liebe zum Datail und den Menschen desErzgebirges damals und heute gewünscht.

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    Redaktion

    Liebe Leser,

    wir haben den Text um zwei Absätze ergänzt, die versehentlich während der Überarbeitung des Artikels entfernt worden waren. Nun ist der Text hier in seiner vollständigen Fassung veröffentlicht.

    Grüße aus der Redaktion

  7. Redaktion

    Liebe Leser,

    wir haben den Text um zwei Absätze ergänzt, die versehentlich während der Überarbeitung des Artikels entfernt worden waren. Nun ist der Text hier in seiner vollständigen Fassung veröffentlicht.

    Grüße aus der Redaktion

    Antwort auf "D'r Stülpner Karl"

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