Auguste LumièreDer Kino-Erfinder machte Arzneien aus Fotolabor-Chemikalien

Auguste Lumière präsentiert mit seinem Bruder bewegte Bilder im Pariser Grand Café. Lieber als an seinem Projektor dokterte er an Menschen herum. von 

Auguste Lumière im Krankenhaus in Lyon (undatiert)

Auguste Lumière im Krankenhaus in Lyon (undatiert)  |  CC BY-SA 3.0

Sie verströmen einen eigentümlichen Zauber, diese ersten Filme der Kinogeschichte: Hutträger spielen Karten, ein Baby wird gefüttert, eine Mauer abgerissen. Der erste Slapstick: ein Gärtner wässert die Blumen, ein anderer stellt sich auf den Schlauch, gibt das Wasser frei, als der andere verwundert in die Röhre schaut. Der erste Trickfilm: eine Tänzerin, das Kleid mühsam Einzelbild für Einzelbild handkoloriert, in magisch changierenden Farben. Und der allererste öffentlich für Geld gezeigte Film: Arbeiter, die aus den Fabrikhallen der Société Lumière kommen, mit diesen immer etwas zu schnellen, zappelnden Bewegungen.

Société Lumière, "Licht-Gesellschaft": Hinter dem poetischen Namen, der so gut passt zur leuchtenden Zauberkraft des Kinos, verbirgt sich Ende des 19. Jahrhunderts ein gewöhnlicher Industriebetrieb in Lyon. Der Name ist ganz prosaisch der des Gründers, Claude Antoine Lumière. Der Stadtteil Hollywood in Los Angeles war gerade erst im Entstehen.

Anzeige

Lumières Söhne, Auguste und Louis, erfinden an einem Samstag kurz nach Weihnachten das Kino. Im Indischen Salon des Grand Café in Paris präsentieren sie am 28. Dezember 1895 erstmals erfolgreich bewegte Bilder vor zahlendem Publikum. Auguste Lumière wird zum ersten Filmstar: Einer der ersten Filme zeigt, wie er und seine Frau ihr Baby füttern. Beim Abriss einer Mauer führt er quasi Regie, dirigiert die Arbeiter an ihre Plätze.

Vor 150 Jahren wurde Auguste Lumière geboren

Vater Claude Antoine Lumière ist Maler in Besançon. Er erkennt schnell die Möglichkeiten der Fotografie. Als er sich auf das neue Medium verlegt, kann er seinen sechs Kindern Privatschulen und Hauslehrer bezahlen. Was zumindest bei Auguste, der am 19. Oktober 1862 das Licht der Welt erblickt, auch nötig ist; den Unterricht an der staatlichen Schule findet er furchtbar.

1870 zieht die Familie nach Lyon. Der Vater gründet ein Unternehmen, das fotografische Platten herstellt, doch sein Geschäftssinn hält sich in Grenzen. Zwar entwickelt Louis eine neue Emulsion aus Silberbromid in Gelatine, die der Firma hilft. Doch Vater Lumière verspekuliert sich, zieht sich 1892 aus der Société Lumière zurück.

Die Söhne übernehmen. Louis ist für die Technik zuständig, Auguste mehr für die ökonomische Seite. Seinen Memoiren zufolge sieht er in einem Kaufhaus das von der Firma Edison entwickelte Kinetoskop, eine Art Guckkasten, in dem eine Endlos-Filmschleife läuft – und erkennt, wie viel lukrativer es wäre, die bewegten Bilder einer zahlenden Menge zu zeigen.

Leserkommentare
    • Wesker
    • 19. Oktober 2012 15:18 Uhr

    Herr Vensky, meinen Sie das ernst mit dem Link? Was soll ich damit anfangen, als nicht französisch Sprechende?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • postit
    • 21. Oktober 2012 11:46 Uhr

    bitte nicht so streng sein; vielleicht hat Herr Vensky Sie ja gar nicht persönlich gemeint. Es gibt ziemlich viele Menschen, die französisch richtig gelernt haben... Es ist übrigens eine sehr schöne Sprache - fangen Sie einfach mal an damit ;-).

    Schönen Sonntag noch
    postit

  1. Kino

    • 1893 präsentierte Thomas Alva Edison an der Weltausstellung in Chicago das von seinem Chefingenieur William Kennedy Laurie Dickson entwickelte Kinetoskop – einen Schaukasten, in dem jeweils eine Person kurze Filme betrachten konnte. Die Erfindung verbreitete sich in den Vereinigten Staaten, bevor der Cinématographe der Lumière-Gesellschaft die USA erreichte.

    • Die erste öffentliche Filmvorführung fand am 5. Februar 1894 in Manhattan statt und wurde von Jean-Aimé LeRoy veranstaltet.

    • Die erste nachgewiesen öffentliche Filmvorführung vor einem zahlenden Publikum fand am 1. November 1895 im Berliner „Wintergarten“ durch die Brüder Skladanowsky statt.

    • Am 28. Dezember 1895 veranstaltete die Familie Lumière im „Grand Café“ in Paris die erste öffentliche Vorstellung gegen Eintrittsgeld in Frankreich.

    • postit
    • 21. Oktober 2012 11:46 Uhr

    bitte nicht so streng sein; vielleicht hat Herr Vensky Sie ja gar nicht persönlich gemeint. Es gibt ziemlich viele Menschen, die französisch richtig gelernt haben... Es ist übrigens eine sehr schöne Sprache - fangen Sie einfach mal an damit ;-).

    Schönen Sonntag noch
    postit

    Antwort auf "Vichy-Regime Link"
  2. ... die Lumières auf Banknoten zu drucken, wurden die ünzen vernichtet. Alles klar?!?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fotografie | Baby | Hollywood | Kino | Notenbank | Schmerzmittel
Service