Erster Tourist in China : "Im Ausland bin i scho a Hund"
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Hilfe für chinesische Arbeiter

Da passte es, dass er im Koffer zwischen Schinken und Zwieback Platz für ein paar Gastgeschenke für die höchsten Politiker und wichtige Einrichtungen des Landes gelassen hatte: Mit den drei Maßkrügen, den drei Halbekrügen mit Zinndeckel, den Tischwimpeln und dem Bayernwappen habe er ins Schwarze getroffen. "Im Ausland bin i scho a Hund", befand der Steinmetz.

Ein paar Schnäpse mit dem Konsul

In Peking setzt er sich – auf seine ganz eigene Art – sogar noch für die deutsch-deutsche Verständigung ein. "Weil ich gerade an der Botschaft der DDR vorbeikam, ließ ich meinen Fahrer halten und trank mit dem Konsul ein paar Schnäpschen. Ich habe da keine Hemmungen."

Höhepunkt seiner Reise aber war der Besuch im Steinbruch "Berg des Weißen Tigers", wo er menschenunwürdige Zustände vorfand. Ihr müsst aufstehen, habe er den Schmieden gesagt, die die Werkzeuge im Knien herstellten. "Ein Mensch muss stehend arbeiten. Jahrhundertelang habt ihr unter fremden Besatzern auf den Knien gelegen – und jetzt, wo ihr frei seid, kniet ihr immer noch?"

So sehr verstörte ihn dieser Besuch, dass er zu einem zweiten wiederkommen wollte – mit modernem Steinhauergerät im Gepäck. Dieses Versprechen sollte er im Jahr 1975 einlösen und den chinesischen Kollegen zeigen, wie die niederbayerischen Steinmetze ihren Granit bearbeiten.

Zunächst aber ging es zurück in die Heimat. Vom Passauer Bahnhof holte ihn sein Sohn für die letzten 25 Kilometer der 29.000 Kilometer langen Reise mit dem Wagen ab. Zuhause schliefen die Enkelkinder schon, aber Söldners Frau Lina war noch wach. "Na, bist du wieder da!", sagte sie.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich vermute mal,

dass es wirklich Neugier und Abenteuerlust war. Es war zu Zeiten Maos und auch danach relativ unmöglich, mal eben nach China zu reisen. Dazu muss man auch wissen, dass es in der chinesischen Geschichte bis auf wenige Zeiten üblich war, sich von den "fremden Teufeln" abzuschotten.

Von der reinen Entfernung her war es ja damals auch schon ein Abenteuer, quer durch Asien mit der Transsib zu fahren.

Die Bemerkung am Anfang des Artikel bzgl. Nixon als "erstem Chinareisenden" ist da ein kleiner Hinweis auf die Exotik dieses Unterfangens. Obwohl das so ja nun auch nicht ganz stimmt, da könnte man bei Marco Polo anfangen und bei Heinz Prieß aufhören

http://www.sinoperi.com/b...

Vom politischen Angehauchtsein wollen wir uns da mal nicht beeindrucken lassen, der Mann war strammer Kommunist.

So dramatisch?

@leirgulen:

"Es war zu Zeiten Maos und auch danach relativ unmöglich, mal eben nach China zu reisen. Dazu muss man auch wissen, dass es in der chinesischen Geschichte bis auf wenige Zeiten üblich war, sich von den "fremden Teufeln" abzuschotten."

Es ist sicher kein Türkeiurlaub, aber dennoch waren ab den 1970ern eine ganze Menge Langnasen dort drüben und 1979/80 sind noch einmal eine ganze Reihe von Hürden gefallen. Von "relativ unmöglich" (wie jetzt?) kann keine Rede sein.
Dass man sich bis auf wenige Zeiten von Fremden abgeschottet habe, ist schlicht Humbug. Umgekehrt vielleicht: In einigen Perioden hat China sich stark abgeschottet.

Nicht nur Nixon wurde eingeladen.

Es war nicht zuletzt eine Frage der politischen Prioritäten, und mit seinem zornigen "Ultimatum" traf Söldner/Wiggerl wohl einen Nerv. Nicht nur Nixon, auch amerikanische Normalverbraucher wurden im Zug der amerikanisch-chinesischen Annäherung eingeladen - in einem Fall agierte die Schauspielerin Shirley MacLaine dabei als Sub-Reiseagentin: sie suchte nach Aufforderung durch die chinesische Seite eine Reihe amerikanischer Frauen aus, die nach sozialer Klasse, "Rasse" usw. "repräsentativ für Amerika" sein sollten, und die dann zu ihrer "Delegation" gehörten.

Da nach damaligem chinesischen Protokoll "alle Nationen gleich" sein sollten, konnte man den westdeutschen Steinmetz nicht einfach versauern lassen.