An­th­ro­po­so­phieErfolgreich mit Karma, Ausdruckstanz und Scheinmedizin
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Es gibt kaum ein Thema, zu dem Steiner nichts einfällt

Die Neugründung ist ganz auf Steiner zugeschnitten, auch wenn er kein Vorstandsamt innehat. Nicht nur stammt der Begriff Anthroposophie – sinngemäß: Weisheit vom Menschen – von ihm, er wird auch Ehrenpräsident. Stenografen schreiben jeden seiner rund 6.000 Vorträge mit. Ein großer Teil der Steinerschen Schriften besteht aus solchen von ihm nicht mehr bearbeiteten Protokollen.

Es gibt kaum ein Thema, zu dem der "Geisteswissenschaftler" nichts zu sagen hätte. Aus seinen Ideen entstehen der biologisch-dynamische Landbau, die anthroposophische Medizin, die Christengemeinschaft als religiöse Konfession. Steiner erfindet die Bewegungskunst Eurythmie, eine Art spiritueller Ausdruckstanz, und propagiert eine soziale Dreigliederung, die Trennung von Kultur, Staat und Wirtschaft. Auf Bitten von Emil Molt, Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart, entwickelt Steiner 1919 für die Arbeiterkinder die erste Waldorfschule. 1926 kommt dank der Initiative anderer Anthroposophen – Steiner ist 1925 gestorben – der erste Waldorfkindergarten hinzu. Heute gibt es weltweit mehr als 1.000 solcher Schulen und rund 2.000 Kindergärten.

Die Anthroposophische Gesellschaft

Dachverband der Anthroposophen in aller Welt ist heute die 1923 gegründete Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft in Dornach in der Schweiz, die nach eigenen Angaben rund 50.000 Mitglieder in 78 Ländern zählt. Ihr gehört auch die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland mit rund 20.000 Mitgliedern an. Sie ist damit die größte und am längsten kontinuierlich – vom Verbot in der NS-Zeit abgesehen – existierende esoterische Organisation der Bundesrepublik.

Rassismus

Zu den Ideen, die Steiner von Blavatsky übernimmt, gehören die "Wurzelrassen": In jeder Epoche bringe eine bestimmten Volksgruppe die Menschheit besonders voran. Zu Steiners Zeit sollen das die "Arier" sein, unter denen er allerdings anders als später die Nationalsozialisten "die gesamte Kulturmenschheit" versteht. "Rasse" und "Blut" hält er eigentlich für obsolet, aber seine Theorien enthalten rassistische Wertungen. Heutige Waldorfschulen distanzieren sich ausdrücklich von diesen Passagen.

Viele Gedanken Steiners bleiben skizzenhaft, andere verbergen sich hinter seiner verquasten Sprache. Diese Interpretationsfähigkeit zusammen mit dem für Gurus untypischen Appell Steiners an seine Anhänger, seine Thesen eigenständig weiterzuentwickeln, sind wohl das Geheimnis ihres Erfolges. Sie überleben die vielen Streitereien in der Anthroposophischen Gesellschaft ebenso wie deren Verbot durch die Nationalsozialisten. Nach den Lehren von Madame Blavatsky dagegen kräht heute kaum noch ein Hahn.

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Leserkommentare
  1. ist auf alle Fälle interessant, beim Stöbern zB im "Anthrowiki" muss der Leser doch auf alle Fälle öfters schmunzeln. Es sei denn er hat noch nie was von echten Naturwissenschaften etc. gehört.

    http://anthrowiki.at/Alte...

    Also das toppt noch bei weitem die Scienthology-Weltenstehung.

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    • hg2000
    • 28. Dezember 2012 19:28 Uhr

    in so einem Artikel sollte Steiners Auffassung zum Judentum nicht unerwähnt bleiben:

    "[Das Judentum] hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte." http://www.welt.de/welt_p...

    Und selbst heute noch vermeiden seine Anhänger eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den häßlichen Seiten von Steiners Lehre. Der Guru ist unantastbar.

    • cielo
    • 28. Dezember 2012 18:21 Uhr

    Steiners weiter entwickelt und nichts als fest oder gar Religion betrachtet, dann sind seine Lehren sicherlich sehr wichtig.
    Obwohl ich mich mit der Pädagogik weiterhin schwer tue, so bin ich doch Befürworter seiner Landwirtschaft. Sie ist nicht nur sehr umweltfreundlich und sozial (z.B. Bingenheimer Saatgut AG), sondern neben der Permakultur und einige anderen Biolandbauformen, die einzige Art die Böden vor dem sicheren Tod zu bewahren, in dem sie von der herkömmlichen Agraindustrie getrieben werden.

  2. Scheinbar existente Teilchen, oder doch besser Wellenstrukturen? Alle Jahre wieder nehmen sich Schreiber und Schreiberlinge den Steiner vor, dabei würden genauere Recherchen durchaus nennenswerte Erkenntnisse – auch für die sogenannte Wissenschaft ergeben.
    Natürlich ist die ein wenig verschwurbelte Sprache durchaus gewöhnungsbedürftig, mit ein wenig Übung geht’s durchaus – oder sind etwa alle durchs Abitur gerasselt, weil sie Latein nicht mehr beherrschen?
    Die Betrachtung der Nationalökonomie unter Steinerschen Gesichtspunkt wäre für heutige BWLer sehr lesenswert. Dort vor allem die Trennung von Geld und Sachwerten, heutige BWLer betrachten Geld wie eine Ware – davor hat Steiner immer gewarnt. Auch aus Besitz an Grund und Boden wie er es nennt, entspringt eine hohe Verantwortung – heutzutage ist diese Verantwortung kaum zu erkennen. In der Spekulation, wie sie in weitesten Kreisen üblich ist sieht er keinen Wert, er erkennt sie eher als Kinderspiel mit gefährlichen Tendenzen bis hin zum Mord und Selbstmord.
    Um Steiner in einen Kontext mit heutigen Textmodi zu bringen wären zweifellos Übersetzungen erforderlich – und beileibe nicht alles was Steiner sagte, schrieb oder sonstwie ausdrückte kann nachvollzogen werden. Doch viele seiner Betrachtungen sind auch heute – nach 100 Jahren äußerst aktuell.

    2 Leserempfehlungen
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    Machen sie es sich bitte nicht zu leicht.
    Steiner war ein Verehrer der Naturwissenschaften, sah diese als Grundlage des Handelns, wollte sie aber mit seiner Wissenschaft vom Geist erweitern. Bei dieser Erweiterung, die lt. Steiner jeder nachvollziehen kann, macht man sich selbst durch Meditation und Geistesschulung zum Erkenntnisinstrument- und da wird es natürlich schwierig für viele Zeitgenossen.
    Da "Hurra" oder "furchtbar" zu rufen, hilft nicht. Man kann sich nur selber auf den Weg begeben und die Erfahrung machen- oder eben nicht.
    Oder man beschränkt sich auf die Beobachtung der praktischen"Früchte" dieser Arbeit in den Waldorfschulen etc.

  3. Gegen eine Zunahme des Wohlbefindens von Patienten durch die Integration esoterischer (gesamtheitlicher) Praktiken ist sicher nichts einzuwenden wenn es in einigen Fällen eine schnellere Genesung verspricht. Aber was sind die Konsequenzen wenn wir zweifelsfrei unwissenschaftliche Methoden mit der klassischen Schulmedizin auf eine Stufe stellen? Wäre es nicht sinnvoller verstärkt Psychosomatik zu erforschen und nach Methoden zu suchen den Placeboeffekt unabhängig von der spezifischen Weltanschauung des Patienten nutzen zu können?

    Auch frage ich mich ob der BIO Wahn so eine gute Sache ist. Wenn es um Tierschutz geht ist die Sache recht klar. Aber müssen wir, um den Bedarf zu decken Bioprodukte zB aus Afrika importieren und die Bauern dadurch zB zwingen auf Malariaschutzmittel zu verzichten da diese mit unseren Bionormen nicht konform gehen?

    Gerade in der zunehmenden Akzeptanz von unwissenschaftlichen Methoden und dem Bio-Wahn sehe ich die Gefahr stetiger Ideologisierung auf Kosten des echten Fortschritts. Wenn beispielsweise alles abgelehnt wird, was sich entfernt in Zusammenhang mit dem "Gen"-Begriff bringen lässt, verzichten wir dann nicht auf potentiell enorm hilfreiche Entwicklungen wie beispielsweise Golden Rice?

    Antwort auf "Alles Humbug ?"
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    • cielo
    • 28. Dezember 2012 19:18 Uhr

    Ich verstehe die Vokabel nicht ganz (wie auch die Positivdiskriminierung "Gutmensch" nicht...)
    Da gibt es Ideologen die den, ich benutze hier mal absichtlich nicht das Wort Wahnsinn, herkömmlichen Landbau für Raubbau halten und etwas praktisch verändern, ich sehe Mesnchen die keine Lust auf Gifte im Essen haben und möglichst schadfreie Produkte kaufen, und ich sehe die üblichen Geschäftsgebarden, die eventuell zu Irritationen führen (Biogemüse aus aller Welt).

    Mir geht nicht in den Kopf, warum das ganze "Normale" nicht als Wahnsinn tituliert wird, warum, ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, alles was Geld bringt und uns krank macht angeblich kein Wahnsinn sein soll!?
    Dieses "Biowahn", "Gutmensch" etc. ist eine Positivdiskriminierung und ist scheinbar das letzte verbale Mittel einer zum Untergang geweihten Art und Weise zu Leben, eine Notwehr, ein Rundumschlag der Verzweifelung...
    Jedenfalls soll es provozieren und den Gesprächspartner in die Defensive zwingen, unschöne und unsinnige Form der Diskussion.

    Bauern sterben durch Verzicht auf Malariamittel? Spannendes Thema - ich wollte mehr wissen und bin auf folgenden Artikel gestoßen: http://www.treehugger.com...
    Dort wird alles ganz anders dargestellt: Keiner stirbt wegen Bioproduktion an Malaria.

  4. "Scheinbar existente Teilchen, oder doch besser Wellenstrukturen? "

    Vielleicht sollten Sie lieber Dinge kritisieren, die Sie auch verstehen. Ihr Rechner z.B. funktioniert nämlich auf Grund dieser scheinbaren Teilchen, oder doch besser Wellenstrukturen. Sie übrigens auch, rein physikalisch gesehen.

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    sind möglichweise eng miteinander verwandt. Wenn sich die Menschen unmittelbar eng an ein Wort klammern sind sie entweder beschränkt, oder zu weiteren Einsichten nicht fähig. Scheinbar existent drückt unmittelbar die Kontaktfläche zur Sinneswahrnehmung aus, ist etwas wahr nur weil es sichtbar ist? Verschieben sich die sichtbaren Flächen, Strukturen nur weil Hilfsmittel wie etwa Mikroskope benutzt werden. Gehen wir über die groben Betrachtung der Materie hinaus - was bleibt dann übrig? Das Higgsteilchen, oder hingebungsvoll Gottesteilchen genannt? Der Hochmut unserer derzeitigen Wissenschaft unbeschreibliche Zeiträume wie etwa Milliarden Lichtjahre überblicken zu wollen, oder sogar einen Urknall zu postulieren - ist das nicht etwa ein Wahngebilde irgendwelcher spielsüchtiger Physiker?

    • m_pi
    • 28. Dezember 2012 21:22 Uhr

    denn nur weil sich gewisse Funktionsweisen in unsere Umwelt mittels eines mathematischen physikalischen Modells vorhersagen lassen (unter gewissen Bedingungen), heißt es noch lange nicht, dass die Objekte im Modell auch real existieren. Man identifiziert für die Rechnung das reale Objekt mit dem mathematischen.
    Die verblüffende Genauigkeit des Modells aber (auch wenn nicht "vollständig") rechtfertigt natürlich die Modellannahme. Trotz allem könnte ich auch das mathematische Modell auf den rationalen Grundkörper reduzieren und würde keinen Unterschied messen können (Dichtheit von Q in R). Die Interpretation der Raum-Zeit wäre aber radikal anders. Nur mal so...

    • Jost.P.
    • 28. Dezember 2012 19:05 Uhr

    Wenn man viele nützliche und gute Dinge verbindet, kann durchaus etwas brauchbaren heraus kommen. Ein bisschen hier und ein bisschen dort zur Welt- und Lebensverbesserung gesammelt und schon ist das Erfolgsrezept fertig. Nur mit Jesus Christus kann man auf diese Weise nicht warm werden. Dazu steht das Evangelium zu sehr im Gegensatz zu jeder Selbsterlösung und esoterischen Rezeptur. Bei Jesus muss man sich klar entscheiden sonst geht das einzigartige Angebot nicht auf: Ewiges Leben.

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    • rotiz
    • 30. Dezember 2012 0:25 Uhr

    Das ist eine gewagte (oder sollte ich sagen unhaltbare) Behauptung. Schon mal was von Steiner gelesen - über "JESUS"?
    wie wär's mit "Von Jesus zu Christus"?

  5. sind möglichweise eng miteinander verwandt. Wenn sich die Menschen unmittelbar eng an ein Wort klammern sind sie entweder beschränkt, oder zu weiteren Einsichten nicht fähig. Scheinbar existent drückt unmittelbar die Kontaktfläche zur Sinneswahrnehmung aus, ist etwas wahr nur weil es sichtbar ist? Verschieben sich die sichtbaren Flächen, Strukturen nur weil Hilfsmittel wie etwa Mikroskope benutzt werden. Gehen wir über die groben Betrachtung der Materie hinaus - was bleibt dann übrig? Das Higgsteilchen, oder hingebungsvoll Gottesteilchen genannt? Der Hochmut unserer derzeitigen Wissenschaft unbeschreibliche Zeiträume wie etwa Milliarden Lichtjahre überblicken zu wollen, oder sogar einen Urknall zu postulieren - ist das nicht etwa ein Wahngebilde irgendwelcher spielsüchtiger Physiker?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Überschrift"
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    Manche Leute kann man doch sehr schnell ereifern. Gerade die, welche von Naturwissenschaft und Technik profitieren und nicht den blassesten Schimmer haben, wie sie funktioniert. Auf dem Rechner rumtippen und die ach so esoterischen Gründe dieser Technik kritisieren können sie aber.

    Hochmütigste Grüße :)

    vermag ich nicht zu erkennen, eher eine gewisse Unfähigkeit eines Menschen der sich Vasudeva nennt genau zu lesen. Ob und wie welche Elektronen sich von hier nach dort bewegen kann jeder Leser unschwer in diversen Onlinewerken nachlesen. Dort finden sich auch die Berechnungsmethoden, die auch ohne Studium der herkömmlichen Naturwissenschaften verständlich dargestellt werden. Selbst BWLer die im Finanzzirkus tätig sind könnten das verstehen. Nicht ohne Grund beschäftigen die Finanzakrobaten Mathematike, Physiker, Ingenieure um diesen Finanzirrsinn möglichst effektiv abzugrasen. Also auch dort in diesem banalen Geflecht der Finanzmärkte sind Begabungen gefragt um den Rahm abzuschöpfen. Unser, nach derzeitiger Wissenschaftskonvention aus zirkulierenden Energieströmen(Elektronen,Atomen) bestehender Leib will gefüttert werden - mit Brot, Wasser, Genußmitteln usw.. Steiner hat gewagt diesen Energiebeschreibungen noch Erläuterungen beizufügen, sodann zur Ertüchtigung von Leib und Seele die Demeterbewirtschaftung und die Eurythmie empfohlen - siehe da es funktioniert.
    Nur die ganz großen Fragen hat auch er nicht beantwortet - wo geht die Reise hin?

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