Anthroposophie: Erfolgreich mit Karma, Ausdruckstanz und Scheinmedizin
Von Waldorfpädagogik bis Demeter-Landbau: Die esoterischen Ideen Rudolf Steiners sind bis heute erfolgreich. Vor 100 Jahren taten sich die ersten Anthroposophen zusammen.
In Rinderhörner gestopfter und gequirlter Kuhmist als Dünger, inhaltsfreie Zuckerkügelchen als Medizin und Tanzen in wallenden Gewändern als Unterrichtsfach: So würden die Kritiker der Anthroposophie wohl zusammenfassen, was diese vermeintliche Lehre hervorgebracht hat. Die Ideen Rudolf Steiners sind nicht totzukriegen. Im Gegenteil: Demeter-Landwirtschaft, anthroposophische Heilkunde und Waldorfpädagogik sind präsenter denn je.
Kein Wunder, würde Steiner sagen: Sie sind ja auch auf "geisteswissenschaftliche" Weise erarbeitet. Damit meint der am 27. Februar 1861 an der damaligen Grenze Österreichs zu Ungarn im heutigen Kroatien geborene Doktor allerdings so ziemlich das Gegenteil dessen, was man sonst unter Wissenschaft versteht. Seine Erkenntnisse erlangte er nach eigenen Angaben in übersinnlichen Erfahrungen.
Dabei hat Steiner lange mit radikalen Denkern wie Friedrich Nietzsche und Max Stirner sympathisiert und wenig von Gott, Jenseits oder Wiedergeburt gehalten. Weggefährten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts beschreiben ihn als Anarchisten, Materialisten und Atheisten. Steiner lehrt fünf Jahre lang an der vom Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht begründeten Arbeiter-Bildungsschule in Berlin.
Doch damit und als Herausgeber unter anderem der naturwissenschaftlichen Schriften Johann Wolfgang Goethes kommt Steiner finanziell auf keinen grünen Zweig. Da trifft es sich gut, dass er als Nietzsche-Kenner gilt und nach dessen Tod 1900 als Vortragsredner gefragt ist. Im September spricht er in der Theosophischen Bibliothek des Grafen Cay von Brockdorff in Berlin über den Philosophen und kurz darauf über ein Märchen Goethes. Steiner kommt an: Die Theosophen verpflichten ihn umgehend zu einer ganzen Vortragsreihe.
Jesus, asiatische Einflüsse, Karma und Reinkarnation
Die Theosophie ist eine zur Jahrhundertwende moderne esoterische Bewegung, die das okkulte Gedankengut von Freimaurern, Rosenkreuzern und anderen westlichen Geheimbünden mit buddhistischen und hinduistischen Ideen vermählt. Der Hauptprotagonistin Helena Petrovna Blavatsky werfen Zeitgenossen betrügerische Machenschaften und Plagiate vor.
Blavatskys 1875 in New York gegründete Theosophische Gesellschaft streut Ableger in alle Welt. Jener Cay von Brockdorff, der Steiner zum Vortrag einlädt, ist 1894 einer der Mitbegründer der Deutschen Theosophischen Gesellschaft. Sie geht 1902 in der Deutschen Sektion der theosophischen Gesellschaft auf. Die theosophischen Logen in Deutschland sind untereinander zerstritten wie linke Hochschulgruppen nach 1968. So erklärt sich wohl, dass ausgerechnet der Theosophie-Neuling Steiner 1902 erster Generalsekretär der neuen Gesellschaft wird: Er ist unbelastet von diesen Konflikten.
Steiner hat nun zwar einen Job, aber so ganz will er sich mit der Lehre Blavatskys nicht anfreunden. Er denkt individualistischer, hält an einer Sonderrolle von Jesus Christus über alle anderen "Meister" fest und will sich stärker an europäischen Wurzeln orientieren. Trotzdem übernimmt auch er asiatische Versatzstücke, die Lehre vom Karma und der Reinkarnation etwa. 1911 beginnt die internationale Theosophische Gesellschaft, den Teenager Jiddu Krishnamurti als Weltlehrer Maitreya zu verehren, als Wiederkunft Buddhas oder Inkarnation Christi. Die meisten deutschen Theosophen lehnen den Kult ab, es kommt zum Schisma: Am 28. Dezember 1912 gründet sich in Köln die Anthroposophische Gesellschaft.







ich bin kein Anthroposoph, Steiner zu lesen war für mich fast unmöglich und ich habe aufgegeben. Als Naturwissenschaftler sind viele Thesen in diesem Themenbreich die Steiner beschrieben hat, einfach so von den wissentschaftlichen Erkenntnissen abgehoben, das ich vielleicht nur zu dumm bin sie zu verstehen.
Aber Waldorfpädagogik in Form von fächerübergreifenden Epochen inkusive den künstlerischen Elementen sowie den Versuch der Lehrer die Kinder als ganzen Menschen zu sehen und nicht nur aus der Sicht der Wissensanhäufung, ist positiv.
Gleiches gilt für den medizinischen Bereich, Klinik in Herdecke zum Beispiel, wo sich die Schulmedizin bestens mit der anthroposophischen Sicht den Menschen ganzheitlich wahrzunehmen - mit Körper und Geist - vereint.
Beispiel Landwirtschaft: Demeter Produkte haben seit Entstehen den heutigen hypeartigen BIO Trend schon immer konsequent verfolgt. Kann das so falsch gewesen sein?
Man muss Steiner sicher sehr kritisch gegenüberstehen, aber sollte nicht vergessen, das nur die eigene Erfahrung weiterhilft, dass eine oder andere positive für sein Leben anzuwenden.
in so einem Artikel sollte Steiners Auffassung zum Judentum nicht unerwähnt bleiben:
"[Das Judentum] hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte." http://www.welt.de/welt_p...
Und selbst heute noch vermeiden seine Anhänger eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den häßlichen Seiten von Steiners Lehre. Der Guru ist unantastbar.
Steiner war erwiesenermaßen kein Antisemit (ich erspare uns jetzt leicht mögliche Zitate), doch er war auch ein Kind seiner Zeit und nicht ganz unbeeinflusst vom Zeitgeist.
Der Bund der Waldorfschulen hat sich schon vor Jahren deutlich von Steines missverständlichen oder sogar nicht nachvollziehbaren seltenen Äußerung in dem Kontext distanziert.
Eine unabhängige Kommission in Holland forschte nach und kam zu dem Ergebnis,dass Steiner kein Rassist gewesen war.
Notiz am Rande: Die einzigen Schulen im Südafrika der Apartheid ohne Rassentrennung waren die Waldorfschulen!
Weitere Randnotiz: Bei einer befreundeten jüdischen Arztfamilie in Wien musste Steiner sich um den heilpädagogischen Sohn kümmern, den die Wissenschaft aufgegeben hatte. Auf 40 Minuten Unterricht bereitete er sich 4-5 Stunden vor und entwickelte so nebenbei die anthroposophische Heilpädagogik.
Der Knabe der jüdischen Familie wurde gesund, machte sein Abitur und studierte erfolgreich Medizin.
Steiner war erwiesenermaßen kein Antisemit (ich erspare uns jetzt leicht mögliche Zitate), doch er war auch ein Kind seiner Zeit und nicht ganz unbeeinflusst vom Zeitgeist.
Der Bund der Waldorfschulen hat sich schon vor Jahren deutlich von Steines missverständlichen oder sogar nicht nachvollziehbaren seltenen Äußerung in dem Kontext distanziert.
Eine unabhängige Kommission in Holland forschte nach und kam zu dem Ergebnis,dass Steiner kein Rassist gewesen war.
Notiz am Rande: Die einzigen Schulen im Südafrika der Apartheid ohne Rassentrennung waren die Waldorfschulen!
Weitere Randnotiz: Bei einer befreundeten jüdischen Arztfamilie in Wien musste Steiner sich um den heilpädagogischen Sohn kümmern, den die Wissenschaft aufgegeben hatte. Auf 40 Minuten Unterricht bereitete er sich 4-5 Stunden vor und entwickelte so nebenbei die anthroposophische Heilpädagogik.
Der Knabe der jüdischen Familie wurde gesund, machte sein Abitur und studierte erfolgreich Medizin.
Steiner war erwiesenermaßen kein Antisemit (ich erspare uns jetzt leicht mögliche Zitate), doch er war auch ein Kind seiner Zeit und nicht ganz unbeeinflusst vom Zeitgeist.
Der Bund der Waldorfschulen hat sich schon vor Jahren deutlich von Steines missverständlichen oder sogar nicht nachvollziehbaren seltenen Äußerung in dem Kontext distanziert.
Eine unabhängige Kommission in Holland forschte nach und kam zu dem Ergebnis,dass Steiner kein Rassist gewesen war.
Notiz am Rande: Die einzigen Schulen im Südafrika der Apartheid ohne Rassentrennung waren die Waldorfschulen!
Weitere Randnotiz: Bei einer befreundeten jüdischen Arztfamilie in Wien musste Steiner sich um den heilpädagogischen Sohn kümmern, den die Wissenschaft aufgegeben hatte. Auf 40 Minuten Unterricht bereitete er sich 4-5 Stunden vor und entwickelte so nebenbei die anthroposophische Heilpädagogik.
Der Knabe der jüdischen Familie wurde gesund, machte sein Abitur und studierte erfolgreich Medizin.
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