AltertumsforschungPharao Ramses III. wurde ermordet

Ramses III. ist durch die Hände seiner eigenen Familie gestorben. Eine neue Studie zeigt, dass dem Pharao bei einem Putschversuch die Kehle durchgeschnitten wurde. von dpa

Der Sarkophag von Ramses III. im Louvre in Paris

Der Sarkophag von Ramses III. im Louvre in Paris  |  © Regis Duvignau/Reuters

Tausende Jahre nach seinem Tod scheint das Schicksal von Pharao Ramses III. geklärt. Dem Herrscher wurde bei einem Putschversuch wahrscheinlich mit einem scharfen Messer die Kehle durchgeschnitten. Das belegen neue Untersuchungen des Instituts für Mumien und den Gletschermann an der Europäischen Akademie im italienischen Bozen (EURAC) . Die Forscher veröffentlichen ihre Studienergebnisse im British Medical Journal .

Die genaue Todesursache des Pharao, der als letzter großer Herrscher des Neuen Reichs gilt, war bisher unklar und unter Forschern viel diskutiert. Er sollte etwa 1155 vor Christus vom Thron gestoßen werden. Involviert in den Mordkomplott soll einer seiner Söhne, Prinz Pentawere, gewesen sein. Er ist dem Bericht zufolge erstmals von den Experten genetisch identifiziert worden.

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An der Verschwörung war neben dem Sohn auch eine der beiden Frauen des Pharao, Tiye, beteiligt, wie Institutsleiter Albert Zink mitteilte. Verschiedene Untersuchungen wie DNA-Tests und Computertomographien wurden dafür am gut erhaltenen mumifizierten Herrscher im ägyptischen Museum in Kairo vorgenommen.

"Unbekannter Mann E" als Prinz Pentawere identifiziert

Ramses III. regierte etwa von 1186 bis 1155 vor Christus. Bei einem Versuch, den Herrscherpalast zu stürmen und den Pharao vom Thron zu stürzen, soll es zum Mord gekommen sein.

Nicht eindeutig belegbar ist nach Angaben der Wissenschaftler allerdings, ob der Angriff sofort tödlich war. Ramses III. könnte auch erst an den Folgen seiner Verletzungen gestorben sein. Dass ihm die Wunden erst nach seinem Tod zugefügt wurden, scheint nach den neuen Untersuchungen an der Mumie sehr unwahrscheinlich. Ein Amulett, das der Mumie von Einbalsamierern beigefügt wurde und dem im Alten Ägypten heilende Kräfte zugeschrieben wurde, stützt diese These.

Im Gegensatz zur Mumie von Ramses III. wurden die sterblichen Überreste seines Sohnes, des Prinzen Pentawere, nie eindeutig identifiziert. Die neuen DNA-Untersuchungen weisen nun darauf hin, dass es sich bei dem sogenannten Unbekannten Mann E, der in einer Grabstätte der Pharaonen im ägyptischen Deir el-Bahari gefunden wurde, um den damals 18 bis 20 Jahre alten Prinzen handelt.

Pentawere wegen Mord an Ramses verurteilt

Ungewöhnlich ist die Form seiner Bestattung: Sein Körper wurde etwa nur mit Ziegenhaut eingehüllt, seine inneren Organe und sein Gehirn wurden nicht wie gewöhnlich entfernt. Diese nicht standesgemäße Mumifizierung könnte auf eine Bestrafung hinweisen wegen der Beteiligung am Mordkomplott gegen seinen Vater.

Bei einem Gerichtsprozess nach dem Komplott wurde Pentawere schuldig gesprochen, wie erhaltene Papyrusschriften belegen. Der Prinz soll sich nach dem Urteil selbst das Leben genommen haben, heißt es darin. Die italienischen Forscher rund um Zink glauben aber, dass es auch möglich sei, dass Pentawere stranguliert wurde. Die tatsächliche Todesursache bleibt aber weiterhin Spekulation.

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Leserkommentare
  1. Wie kann man einen Schnitt durch die Kehle überleben, zumal mit der ärztlichen Versorgung vor über 3.000 Jahren ?
    Ob der Sohn als Mittäter daraufhin Selbstmord begangen hat, ist allerdings auch von akadamischen Interesse und verliert sich in Spekulationen.

    Von Interesse ist, wie es eigentlich weitergegangen ist...?

    Eine Leserempfehlung
    • Gerry10
    • 18. Dezember 2012 9:10 Uhr

    ...schreibt eben doch die besten Drehbücher...

    Eine Leserempfehlung
    • vonDü
    • 18. Dezember 2012 11:04 Uhr

    macht ihrem Namen alle Ehre; sie schlägt ins Auge. Besonders in der Rubrik Altertumsforschung.

    Gewalttätige Scheidungen und "Korrekturen" in der Erbfolge, waren, sowohl in Ägypten, als auch bei uns, ein häufiges Merkmal in Herrscherdynastien. Der Mord ist nicht die Sensation, sondern seine Aufklärung.

    2 Leserempfehlungen
    • Lunedi
    • 18. Dezember 2012 11:41 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nein, nach deutschem Recht verjährt Mord nie. Lt. Wikipedia wird das Verfahren beim Tod des Täters (davon dürften wir ausgehen) vorläufig eingestellt um ggf. später Mittäter zu ermitteln.
    Ich erinnere mich, dass bei einem Skelettfund bei Ausschachtungsarbeiten im Keller eines ca. 120 Jahre alten Hauses zunächst die Mordkommision ermittelte, obwohl klar war das die Leiche seit dem Hausbau dort lag.

  2. 5. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/cv

    Anders ausgedrückt, halte ich es für unwahrscheinlich, dass auf Basis der dargestellten Indizienbeweise jemand vom Kaliber eines Bundesinnenminister Friedrich diese Mordtheorie akzeptieren würde.

    Sein Standard scheint da höher zu hängen, und er kennt sich da aus, also glaube ich das mal was er sagt. Einen Videobeweis, den er generel zu bevorzugen scheint gibt es nicht und wird es nicht geben - Das Jesusvideo war fiktiv, denke ich - also bleibt die Totesursache eine Mutmaßung.

    Verhindern hätte auch hier ein Video nichts.

    Also konstruktiver bekomm' ich das nicht mehr hin. Und ich habe noch einen Liereraturhinweis einfliesen lassen, also bitte - das ist doch schon fast was für die Bildungsseite.

  3. Nein, nach deutschem Recht verjährt Mord nie. Lt. Wikipedia wird das Verfahren beim Tod des Täters (davon dürften wir ausgehen) vorläufig eingestellt um ggf. später Mittäter zu ermitteln.
    Ich erinnere mich, dass bei einem Skelettfund bei Ausschachtungsarbeiten im Keller eines ca. 120 Jahre alten Hauses zunächst die Mordkommision ermittelte, obwohl klar war das die Leiche seit dem Hausbau dort lag.

  4. 7. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/cv

    Antwort auf "[...]"
  5. Anders ausgedrückt, halte ich es für unwahrscheinlich, dass auf Basis der dargestellten Indizienbeweise jemand vom Kaliber eines Bundesinnenminister Friedrich diese Mordtheorie akzeptieren würde.

    Sein Standard scheint da höher zu hängen, und er kennt sich da aus, also glaube ich das mal was er sagt. Einen Videobeweis, den er generel zu bevorzugen scheint gibt es nicht und wird es nicht geben - Das Jesusvideo war fiktiv, denke ich - also bleibt die Totesursache eine Mutmaßung.

    Verhindern hätte auch hier ein Video nichts.

    Also konstruktiver bekomm' ich das nicht mehr hin. Und ich habe noch einen Liereraturhinweis einfliesen lassen, also bitte - das ist doch schon fast was für die Bildungsseite.

    Antwort auf "[...]"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Amulett | Bestattung | Jesus | Mord | Mumifizierung | Alte
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