Geschichte Österreichs : Sisi, die gemobbte Kaiserin

Reifröcke wie Zuckertorten, Haare wie Hefezöpfe und die süße Liebe zu Franz? Oder doch Zwangsheirat, Betrug und Rebellion? Sisis echtes Leben lag irgendwo dazwischen.

Weihnachtszeit ist "Sisi"-Zeit. Gerade ist der Film Ludwig II. in den Kinos angelaufen, in dem Hannah Herzsprung die Märchenkaiserin gibt. Unser Bild der Elisabeth von Österreich-Ungarn, die ihren Spitznamen "Sisi" schrieb, prägen eine Operette, zwei Musicals und ein halbes Dutzend Filme. Allen voran die Trilogie aus den fünfziger Jahren mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die auch in diesem Jahr zu Weihnachten im Fernsehen läuft: Walzerseligkeit in pastellfarbenen Reifrockroben und prunkvollen Galauniformen.

Aber wie romantisch war die Ehe zwischen der Wittelsbacher-Prinzessin und ihrem Cousin, dem Kaiser von Österreich, in Wirklichkeit?

Liebe spielt in den arrangierten Verbindungen des Hochadels kaum eine Rolle. Die Mutter des Kaisers, Erzherzogin Sophie, sucht eifrig nach einer passenden Braut für ihren 23-jährigen Sohn. Eine Prinzessin soll es sein, aus Preußen oder Sachsen zum Beispiel, aber von dort hagelt es Absagen. Am Ende schreckt die Erzherzogin nicht einmal mehr davor zurück, die Töchter Helene (Néné) und Elisabeth (Sisi) ihrer eigenen Schwester, Herzogin Ludovika in Bayern, in die engere Wahl aufzunehmen. Die Wahl fällt auf Néné.

Bei dem arrangierten Treffen im August 1853 ist auch die erst 15-jährige Sisi dabei. Und anders als geplant verguckt sich der junge Monarch im Kurort Bad Ischl in sie statt in die Wunschkandidatin seiner Mutter. Aus höfischer Sicht keine gute Entscheidung, denn Sisi ist anders als Néné überhaupt nicht auf ihre Rolle als Gemahlin eines Kaisers vorbereitet. Auf ihrem unbedeutenden Hof in Possenhofen hat sie von der Etikette ihres Standes wenig mitbekommen. Sie schreibt später, sie sei "als 15-jähriges Kind verkauft" worden. Heute wäre das ein Fall für den Staatsanwalt.

Zwangsheirat mit 15

Mit 17 gebiert Sisi ihrem Kaiser das erste Kind – die Tochter Sophie Friederike. Im Jahr darauf folgt Gisela, zwei Jahre danach der Kronprinz Rudolf. Der Kaiser vergnügt sich schon in den ersten Ehejahren auch anderweitig, hat angeblich mehrere Geliebte. Die große Liebe zu Elisabeth? Naja.

Dass Sisi sich am Hof unwohl fühlt, wie es die Filme darstellen, dürfte stimmen. Die Prinzessin vom Lande ist zu jung und zu unbeschwert für das strenge und pompöse Zeremoniell in Wien. Die Hofschranzen amüsieren sich über ihren bayerischen Dialekt. Die gemobbte Kaiserin wird auch noch krank, muss wegen Lungenproblemen zur Kur in den Süden.

Auf Reisen sammelt sie Selbstvertrauen. Sisi lernt Sprachen, interessiert sich für Ungarn und für den Grafen Gyula Andrássy, 1848 einer der Anführer der ungarischen Revolte gegen die Habsburger. Ob sie ihm so nahe kommt, wie der Film Schicksalsjahre einer Kaiserin es darstellt, lässt sich nicht mehr klären. Jedenfalls gibt die Kaiserin Anregungen zum Ausgleich mit Ungarn, der 1867 zur Gründung der Doppelmonarchie führt.

Historisch belegbar ist der Konflikt zwischen Sisi und ihrer Schwiegermutter, der in Sissi – Die junge Kaiserin, dem zweiten Teil der Trilogie, eine große Rolle spielt. Erzherzogin Sophie hält die Kaiserin für zu jung, um ihre Kinder selbst zu erziehen. Sisi muss sich den Kontakt zu ihren Kindern erstreiten.

Beliebt bei ihren Untertanen ist Sisi nur im filmischen Märchen. In der Realität hat sie allenfalls in Ungarn Freunde. Am Hof in Österreich ist sie kaum präsent. Ihre Landsleute nehmen ihr die vielen Reisen durch Europas Kurorte übel. Häufig wird ihr zudem vorgeworfen, dass sie Ungarn bevorzuge.

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