Geschichte ÖsterreichsSisi, die gemobbte Kaiserin
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Kaiserin im Schönheitswahn

Nur mit ihrem Äußeren kann die "schönste Frau Europas", wie Zeitgenossen sie nennen, punkten. Sie tut viel dafür: Die vierfache Mutter – 1868 kommt Marie Valerie zur Welt – lässt Turngeräte in allen Residenzen installieren. Einige davon sind heute in der Hofburg zu besichtigen. Sisi macht radikale Fastenkuren und stundenlange Gewaltmärsche. Erste Falten versteckt die Kaiserin hinter Schleiern und Fächern. Malen lässt sie sich irgendwann gar nicht mehr. Deshalb gibt es nur Bilder der jungen Kaiserin, darunter das berühmte von Franz Xaver Winterhalter im rosa Tüllkleid mit Juwelensternen im Haar.

Im Alter lässt sich Sisi nicht malen

Und wie ist das mit der angeblichen Natürlichkeit? Zwar schminkt Sisi sich kaum und mag die üblichen starken Parfums ihrer Zeit nicht. Trotzdem treibt sie um ihre Schönheit großen Aufwand, von der in ein Korsett gezwängten Wespentaille bis zum Haar. Ihre Friseurin, am Wiener Burgtheater abgeworben, wäscht Sisis Mähne stundenlang mit selbstgemischten Shampoos aus Cognac, Ei und anderen Zutaten.

Doch Sisi hat ihren Kopf nicht nur zum Frisieren. Sie hegt Sympathien für die Idee der Republik, liebt den rebellischen Heinrich Heine und schreibt selbst Gedichte. Auch für Wissenschaft und Philosophie interessiert sie sich – noch so eine "Spinnerei", über die man in Wien die Nase rümpft. In Griechenland lässt sich die Kaiserin mit 51 Jahren einen Anker auf die Schulter tätowieren, zum Entsetzen ihres Mannes.

Aus der Landpomeranze ist eine emanzipierte Frau geworden. Schon ab 1885 fördert sie die Liebschaft des Kaisers zur Schauspielerin Katharina Schratt, um in Ruhe reisen zu können. Spätestens jetzt ist Sisi nicht mehr das unschuldige Mädchen, als das Romy Schneider sie in den fünfziger Jahren spielen muss, um die Nachkriegssehnsucht nach heiler Welt zu stillen.

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Leserkommentare
  1. außerdem noch viele andere mehr

    http://commons.wikimedia....

    Das im Artikel verlinkte funzt nicht.

  2. eher eine emanzipierte Hochadelige mit absolutem Schönheitswahn.

    Als Vorbild für normalsterbliche Frauen nicht geeignet, schon allein deshalb, weil sie ja erstochen wurde.

    • Baradin
    • 24. Dezember 2012 12:56 Uhr
    3. Links

    Die im Artikel enthaltenen Links funktionieren größtenteils nicht. Bitte überprüfen (der Link zum Bild sowie der Link zum 'Anker auf der Schulter')

  3. Redaktion

    Liebe/r Baradin,

    vielen Hinweis, da hat es ein technisches Problem gegeben. Wir haben die betreffenden Links aus dem Text entfernt.

    Bestes vom News Desk,

    Christian Bangel

  4. Sissi war vielleicht auch eine der ersten berühmten Persönlichkeiten, die vermutlich an Magersucht gelitten hat. Bei einer Obduktion waren bekanntlich Hungerödeme entdeckt worden. Übrigens kann man heute noch im Schloss Schönbrunn ihren Mann hören, wie er wohl im hohen Alter sinngemäß gesagt hat: "Wieeeee habe ich sie geliebt" Alles Show oder wahre Liebe?

    • Setna
    • 24. Dezember 2012 20:25 Uhr

    Wenigstens in der ZEIT sollte - zumal in der Rubrik Wissen - den Namen der Dame richtig geschrieben sein: Sisi und nicht Sissi.

    • Setna
    • 24. Dezember 2012 20:28 Uhr

    Doppelpost. Die Redaktion/se

  5. Nennt man berühmte Namen, wird auch der Ihre genannt. Nun, so frage ich: Was fällt Ihnen bei dem Begriff Habsburger Monarchie und Wittelsbacher ein?
    Ihr Leben war nicht ohne Schatten, aber Sisi war eine hervorragende Reiterin und die Liebe Ungarns.
    Extravagant, wie ihr Cousin Ludwig II., aber Genie und Wahnsinn, Liebe und Hass wohnen dicht beieinander.

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    Wo bitte ist das Genie?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Geschichte | Heinrich Heine | Cognac | Romy Schneider | Ungarn | Zwangsheirat
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