Sacagawea : Das traurige Ende der Vogelfrau
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Heldin der Suffragetten

Sacagawea zeigt den Weißen essbare Pflanzen, Beeren, Wurzeln und Nüsse, vitaminreiche Kost für die anstrengende Expedition. Als in den Bergen Talgkerzen der letzte Proviant sind, gräbt sie die Zwiebeln von Prärielilien aus und kocht sie. Und weil Lewis und Clark unbedingt einem Eingeborenen seinen Otterpelz abkaufen wollen, opfert sie sogar ihren Perlengürtel als Tauschgut. Da sind die Reisenden bereits am Pazifik angelangt, in der Nähe der Mündung des Columbia River.

Vielleicht am wichtigsten aber ist, dass die Anwesenheit einer Frau und eines kleinen Kindes in der Gruppe die Eingeborenen von deren friedlicher Absicht überzeugt. Die Squaw wird so sehr zu einem Teil der Expedition, dass sie sogar bei der Entscheidung über ein Winterquartier mit abstimmen darf – 100 Jahre bevor Frauen in den USA das Wahlrecht erhalten. Nach ihrem Tod wird Sacagawea zur Heldin der Bewegung für ein Frauenwahlrecht in den USA, der Suffragetten.

Im Sommer 1806 begibt sich die Gruppe auf den Rückweg. In Fort Mandan trennen sich Charbonneau und seine Frau von der Expedition und leben wieder bei den Hidatsa. 1809 siedeln sie auf Einladung Clarks zeitweise nach St. Louis über. Der zum Regierungsvertreter für "Indianerangelegenheiten" im Louisiana-Gebiet aufgestiegene Offizier hat schon auf der Expedition einen Narren an ihrem Sohn Jean-Baptiste gefressen und zahlt für seine Ausbildung.

"Pompy" bleibt in St. Louis; Charbonneau und Sacagawea wechseln mehrfach den Wohnort. Bald nach der Geburt ihrer Tochter Lizette stirbt Sacagawea in der Handelsstation Fort Manuel Lisa am Missouri im heutigen North Dakota. Ein Schreiber des Forts nimmt ihren Tod am 20. Dezember 1812 zu den Akten.

In der mündliche Überlieferung einiger Stämme heißt es, Sacagawea habe ihren weißen Ehemann verlassen und einen Komantschen geheiratet. Später sei sie zu den Schoschonen zurückgekehrt und erst 1884 gestorben. Der Arzt Charles Eastman, ein Sioux aus Dakota, erforscht in den zwanziger Jahren diese Erzählungen, sie finden in viele Romane Eingang. Aber selbst falls Sacagawea, eine Heldin auch für weiße Amerikaner, es zurück ins Tal des Lemhi River geschafft und weitere Nachkommen gehabt haben sollte: Sie leben dort nicht mehr. Die Lemhi-Schoschonen wurden 1907 zwangsweise umgesiedelt.

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