Medizin der AntikeAugenarznei der alten Griechen entdeckt

In einem Schiffswrack haben Forscher wohl ein mehr als 2.000 Jahre altes Augenheilmittel entdeckt. Schon in der Antike dürften Apotheker damit Schmerzen gelindert haben. von 

Eine mehr als 2000 Jahre alte Tablette liegt in einer antiken Zinkdose.

Eine mehr als 2000 Jahre alte Tablette liegt in einer antiken Zinkdose.  |  © PNAS

Um 130 vor Christus geriet das Handelsschiff Relitto del Pozzino vor der Küste der Toskana in einen schweren Sturm und kenterte. Lampen, Weinkrüge und antike Behälter sanken auf den Meeresgrund. Rund 2.000 Jahre lang interessierte sich niemand für die Überreste der Fracht. Nun haben Forscher im Bauch des Schiffes ein Pillendöschen aus dem antiken Griechenland gefunden. Im Magazin PNAS berichtet das Team um die Chemikerin Erika Ribechini von der Universität Pisa, aus welchen Bestandteilen die Substanz darin zusammengesetzt sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass es sich um eine Augenarznei handelt. 

In einem Zinkgefäß fanden die Forscher ovale, graue Klümpchen, die etwa einen Zentimeter dick sind und vier im Durchmesser maßen. "Die Form erinnert an ein Auge und deutet daraufhin, dass die Tabletten am Auge angewendet wurden", heißt es in der Studie der Wissenschaftler. Auch die Analyse der chemischen Bestandteile ergab, dass es als Heilmittel gegen Augenleiden gedacht gewesen sein könnte. "In antiken Schriften wie De materia medica ist Zink als Wirkstoff gegen Augenkrankheiten vermerkt", sagt Ribechini. Das Werk De materia medica stammt von Pedanios Dioscurides, dem wohl berühmtesten Pharmokologen des römischen Reichs unter den Kaisern Claudius und Nero.

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Die Forscher nehmen an, dass die antiken Pastillen direkt auf die Augenlider aufgetragen wurden. Zink macht den überwiegenden Anteil des Gemisches aus. "Der Hauptbestandteil einer Arznei muss zwar nicht unbedingt deren Wirkstoff sein", schreiben die Chemiker. "Wir nehmen dennoch an, dass Zink der aktive Anteil des Medikamentes war." Zink war damals schon für seine heilende Wirkung bekannt. Es kann zum einen Bakterien abtöten, einige Viren hemmen und Entzündungen lindern. Zum anderen ist das Metall für die Aktivität von bestimmten Enzymen wichtig, die am Prozess der Wundheilung beteiligt sind.

Heilmethoden für die Neuzeit sind nicht zu erwarten

Die übergroßen Klumpen enthalten auch Stärke, Eisenoxid sowie Bienenwachs und Kiefernharz. Harze spielten in der Antike eine wichtige Rolle für die Medikamentenherstellung, weil sie nicht so schnell ranzig werden wie Öle und Bakterien daran hindern, sich zu vermehren. Auch Pollen fanden die Wissenschaftler in dem Medikament. Mehr als die Hälfte davon stammte von Pflanzen, die zuvor von Insekten bestäubt worden waren. Allerdings gelangte der Blütenstaub wohl über das Wachs eher zufällig in die Arznei und wurde nicht von Apothekern der Antike hineingemischt.

Das Augenmedikament ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Medizin im antiken Griechenland bereits gut entwickelt war. "Besonders berühmt war die medizinische Schule des Hippokrates auf der Insel Kos", sagt Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Universität Mainz. "Seine Viersäftelehre hatte in ganz Europa bis weit ins Mittelalter hinein große Bedeutung." Auch andere berühmte Mediziner der Antike, wie etwa Asklepios und der Chirurg Galenos kamen aus Griechenland. Ihre Erkenntnisse flossen teilweise in die medizinischen Lehren des römischen Reiches ein.

Efferth hält Untersuchungen wie die von Ribechini und ihren Mitarbeitern für bedeutsam. "Augenheilverfahren sind nicht in großem Detail aus der Antike überliefert", sagt er. Deshalb sei es interessant, Genaueres über die chemische Zusammensetzung antiker Augenmedikamente zu erfahren. Neue Heilmethoden für die heutige lassen sich aus den Erkenntnissen aber nicht ableiten. Zink ist heute ein typischer Inhaltsstoff entzündungshemmender Salben, die zum Beispiel Akne, Herpes oder chronische Hautausschläge lindern sollen.

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Leserkommentare
  1. Klingt eher wie eine Salbe.

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    dass eine Salbe wahrscheinlicher ist, vor allem wenn die Tablette vier cm lang sein soll... und Augenform hat, weshalb sie auf die Augen aufgelegt worden sein soll... Wir haben beim Studium immer Witze über Archäologen gemacht und uns vorgestellt, was die aus diesen Keramikaltaren die in jedem Haus stehen mal machen werden. Schade ,dass der Link nicht funktioniert, dann könnte man den Originalartikel nachlesen. Ich vermute, da finden sich noch ein paar mehr Infos.

    • hh59
    • 08. Januar 2013 14:16 Uhr

    Bei dem angegeben Namen des Handelschiffes fallen mir zwei Dinge auf:

    1. Es ist zumindest kurios, dass ein zur Zeit des Taufe wahrscheinlich recht seetuechtiges Schiff den Namen "Wrack von Pozzino" traegt.

    2. Der Name ist anscheinend italienisch, eine Sprache, die 130 v. Chr. noch nicht ueblich war.

    PS: der link zu PNAS funktoniert leider nicht.

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    Das Schiff wurde so genannt, nachdem das Wrack in der Nähe von Pozzino gefunden wurde (steht etwa auf Discovery News unter dem Titel "Ancient Medical Kit Held Veggie Pills"). Als es fuhr und sank hieß es natürlich nicht so, auch wenn der Artikel das zu behaupten scheint.

  2. Das Schiff wurde so genannt, nachdem das Wrack in der Nähe von Pozzino gefunden wurde (steht etwa auf Discovery News unter dem Titel "Ancient Medical Kit Held Veggie Pills"). Als es fuhr und sank hieß es natürlich nicht so, auch wenn der Artikel das zu behaupten scheint.

    Antwort auf "Das Wrack von Pozzino"
  3. dass eine Salbe wahrscheinlicher ist, vor allem wenn die Tablette vier cm lang sein soll... und Augenform hat, weshalb sie auf die Augen aufgelegt worden sein soll... Wir haben beim Studium immer Witze über Archäologen gemacht und uns vorgestellt, was die aus diesen Keramikaltaren die in jedem Haus stehen mal machen werden. Schade ,dass der Link nicht funktioniert, dann könnte man den Originalartikel nachlesen. Ich vermute, da finden sich noch ein paar mehr Infos.

    Antwort auf "Tablette?"
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    Redaktion

    Lieber Leser,

    der Link geht jetzt, danke.

  4. Redaktion

    Lieber Leser,

    der Link geht jetzt, danke.

    Antwort auf "Ich finde auch"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Medizin | Antike | Enzym | Griechenland | Medikament | Pollen
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