MittelalterEinst glänzte Mali im Überfluss der Macht

Mali droht als Staat zu scheitern. Seine Geschichte erzählt hingegen von einem Imperium. Im Mittelalter regierten Könige, die so reich waren wie niemand vor ihnen. von 

Malis friedliche und goldene Zeiten liegen lange zurück. Heute ist der Staat eines der ärmsten Länder der Welt und zersplittert. Frankreichs militärische Hilfe für die Regierung hat Malis Schicksal wieder in die Medien geholt. Malische und französische Truppen kämpfen gegen islamistische Gruppen, die den Norden des einst so mächtigen Landes kontrollieren. Nur die Griots, Westafrikas singende Geschichtenerzähler, berichten bis heute über eine Ära vor wenigen Jahrhunderten.

Im 13. und 14. Jahrhundert ist Mali Zentrum eines blühenden Imperiums. Sein Einflussgebiet reichte von der Sahara im Norden bis zu den Wäldern im Süden, von der Küste des Atlantiks bis weit in den Osten Afrikas hinein. Nur das Reich der Mongolen ist damals größer. Handel und Kultur entwickeln sich prächtig, moderne Großstädte entstehen, mangels Steinen und Holz aus Lehm gebaut. Die große Moschee von Djenné, bis heute erhalten, ist eines der größten Lehmgebäude der Welt. Die Universität von Timbuktu ist älter als die in Heidelberg.

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Der wohl wichtigste Grund für den Aufstieg des mittelalterlichen Mali sind seine Bodenschätze: Europas Goldminen sind damals nahezu erschöpft; ohne westafrikanisches Gold wären die Währungen der Zeit nicht denkbar. Auch Kupfer liegt hier im Boden und Eisen, aus dem Waffen und Werkzeuge entstehen. Ihre Qualität steht europäischer Erzeugnisse kaum nach. In den Böden lagert auch Erdöl, Bauxit und Uran, doch die braucht damals noch niemand.

Das historische Mali profitiert zudem von seiner geografischen Lage zwischen Wüste, Savanne und Wald. Der Handel mit Produkten, die in der jeweils anderen Zone fehlen, ist ein Motor der Wirtschaft. Große Karawanen bringen das Salz von der Küste und Kola-Nüsse aus den Wäldern im Süden bis ans Mittelmeer. Die Schalen von Kaurimuscheln und Goldstaub dienen als Währung, Nuggets sind dem König vorbehalten.

Mittelpunkt der Macht war Sundiata, der König der Könige

Der legendäre Reichsgründer Sundiata Keïta ist heute noch Teil der Gesänge der Griots. Er einigt im 13. Jahrhundert die Clans der Mandinke, einer Ethnie aus der Gruppe der Mandé. Die Griots schreiben seine Macht magischen Kräften zu – dabei ist es auch ihre Magie, die im Mittelalter zum Wachstum Malis beiträgt: Sie besingen die Überlegenheit der Mandé-Kultur. Die Propaganda wirkt. Bis heute prägen Mandinké Mali politisch, obwohl sie nur rund sechs Prozent der Bevölkerung stellen.

Sundiatas Zauberkräfte haben eine sehr reale Basis. Seine legendäre Hauptstadt Niani haben Archäologen jüngst am Fluss Sankarani im heutigen Ghana lokalisiert, in einer an Eisen und Gold reichen Gegend, am Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen. Seine Residenz umgeben Stadtviertel, die Schlüsselgewerben vorbehalten waren: Schmieden, Sattlern, Webern, Fischern.

Zu den weniger magischen Grundlagen seiner Macht zählt auch, dass Sundiata klare Strukturen einführt, um die Befugnisse von Clan-Führern zu regeln. Eine Versammlung der Clans, die Gbara, dient als eine Art Parlament. Ein Teil der Clans, die "Köcherträger", ist für militärische Fragen zuständig, ein anderer – darunter Sundiatas eigener Clan, die Keïta – für Führerschaft. Ein dritter Teil regelt Glaubensfragen und ein vierter wichtige Gewerbe. Sundiata selbst macht sich zum Mansa, zum "König der Könige".

Leserkommentare
  1. Der Imperialismus quälte und quält das Land seid Ewigkeiten.
    Wenn die Bevölkerung nun mit Hilfe des Islams sich befreit, auch gut.

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    Sie haben etwas nicht mitbekommen, die Radikalislamisten eroberten Mali militärisch - nicht in einem Volksaufstand. Sie sind halt gut ausgerüstet(Spenden unter anderem aus Saudi Arabien), im Gegensatz zur Regierungsarmee und der Bevölkerung.

    Davon abgesehen ist Mali heute islamisch, auch nachdem die Radikalen vertrieben sein werden wird dies so bleiben.

    Und Befreiung vom bösen Imperialismus, um einen Glaubens-Bevölkerungsmasakrierungsstaat zu bekommen? Die Sharia nach afganischem Talibanniveau ist nicht in der afrikanischen Kultur verankert - hier gibt es ein eigenes Religionsverständnis.

    • dacapo
    • 22. Januar 2013 20:44 Uhr

    Der Islam ist nicht seit gestern in Mali die Mehrheitsreligion. Die Islamisten sind ohnehin eine Sache, aber noch lange nicht "der Islam". Diese Erkenntnis sollte sich doch irgendwann furchsetzen, auch beim Schwerfälligsten.

    • ztc77
    • 22. Januar 2013 17:14 Uhr

    Die Karawanen transportierten nicht nur Salz und Kolanüsse, sondern auch schwarze Sklaven vom Golf von Guinea in die mittelmeernahen Gebiete. Da (fast) kein Einkaufspreis zu entrichten war, lag die Gewinnmarge höher.

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  2. Sie haben etwas nicht mitbekommen, die Radikalislamisten eroberten Mali militärisch - nicht in einem Volksaufstand. Sie sind halt gut ausgerüstet(Spenden unter anderem aus Saudi Arabien), im Gegensatz zur Regierungsarmee und der Bevölkerung.

    Davon abgesehen ist Mali heute islamisch, auch nachdem die Radikalen vertrieben sein werden wird dies so bleiben.

    Und Befreiung vom bösen Imperialismus, um einen Glaubens-Bevölkerungsmasakrierungsstaat zu bekommen? Die Sharia nach afganischem Talibanniveau ist nicht in der afrikanischen Kultur verankert - hier gibt es ein eigenes Religionsverständnis.

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    • NiktaM
    • 22. Januar 2013 17:27 Uhr

    Nun sehe ich in Berichterstattung in Bezug auf Mali eine verdeckte Absicht und klare Botschaft die Antikrieg-Mehrheit umzuwerben. Es klappt nicht mit grausamen Terroristen-Geschichten und bärtigen Islamisten, es klappt nicht mit Freiheitsrettung und Frankreichs-Solidarität nun versucht man mit Mali als Weltkultur-Erbe die Stimmung zu kippen. Wieso nicht einfach Wahrheit zu sagen, dass Antikriegshaltung unter Umständen ziemlich unbequem für die strategische Position Deutschlands in Europa und in der Welt ist! Unbequem und belastend für die deutsch-französische Beziehungen! Unbequem du destruktiv für die innere Stimmung und Ruhe bzw. Sicherheit in Deutschland, wo Bevölkerung nicht unbedingt über alles ehrlich informiert werden soll! Zynisch? Nein, hören sie weiter! Wieso nicht sagen, dass wir Rohstoffe von Afrika brauchen! Wir brauchen Absatzmärkte von Afrika! Wir brauchen mehr Lebensraum! Dafür müssen wir aber kämpfen und wenn nötig ist, fremde Leute zu töten und unsere zu opfern. Der Ex-Präsident Köhler hat mal schon versucht, das zu vermitteln, mit bekannten Folgen!

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    • dacapo
    • 22. Januar 2013 21:04 Uhr

    Mit der Wahrheit ist es nicht so einfach. Es gibt mehrere Wahrheiten. Rohstoffe wurden schon seit Urzeiten besorgt und recht selten dort, wo man sie brauchte. Die kulturelle und technische Entwicklung wäre sonst irgendwo und irgendwann nicht weitergegangen. Das ist auch eine Wahrheit von vielen anderen Wahrheiten. Die scheinheilige europäische Selbstkasteiung bringt den Menschen in Mali nichts, aber auch garnichts. Die Islamisten sind dort, wie überall, wo sie Unruhe stiften wollen, eine verkuste Terroristen-Bagage, nicht mehr und nicht weniger, der recht wenig mit dem Islam zu tun hat. Und von Befreiung kann ohnehin nicht die Rede sein.

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • NiktaM
    • 22. Januar 2013 17:28 Uhr

    Nun für alle Kriegswilligen, Abenteuerlustigen, aber auch für Idealisten, International- und Freiheitskämpfer gibt es helden- und ehrenhafte Möglichkeit sich bei französischer Fremdenlegion freiwillig zu melden! Ich glaube, die deutschen Behörden werden sogar bereit, Ihren „Friedenslust“ bei der Legion étrangère sogar finanziell zu unterstützen, wenn auch aus innen-politischen Gründen und mit Hinblick auf kommenden Bundestagswahlen. Nun ob die Chancen der Abenteuerlustigen gut sind, werden die Franzosen entscheiden müssen, da in sie in der Legion étrangère nicht prahlerischen Langezungen und Drehemeister im Dienste der Politik brauchen, aber körperlichfittes, junges Kanonenfutter, das jeden Befehl wortlos ausführen muss, sogar wenn es gegen Menschenrechte, Humanität und Freiheit der anderen verstößt. Bitte, ah ja, Frankreich ist da nicht allein. Richtig! Großbritannien ist mit dabei! Aber erst muss man klar stellen, dass Frankreich mit seiner Fremdenlegion immer Drecksarbeit in Ex-Kolonien erledigt! Auch Großbritannien hat Quasi Fremdenlegion im Dienste der Krone - die Gurkhas. Die Aufgabe ist dieselbe wie bei Legion étrangère - Drecksarbeit und politische Verantwortung von sich wegzuschieben. Sie sind aber als etnischen Einheiten in regulärer britischer Armee integriert. Die Geschichte diesen Einheiten ist auch in moderner Zeit glorreich: Falklandkrieg, Golfkriege, Bosnien, Kosovo, Osttimor, Afghanistan… Nun sagen nur nicht, dass wir in Deutschland auch so was brauchen!

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    • Debitel
    • 22. Januar 2013 17:38 Uhr

    Schaut euch Saudi-Arabien, Iran, Katar, Bahrain oder VAI (Dubai) an ... dort herrscht die Scharia, dass islamische Gesetz, und in den Ländern herrscht Wohlstand.

    Iran versucht man mit den Sanktionen ausbluten zu lassen, was dass Volk aber wegstecken wird.

    Gebt Nordafrika die Freiheit, haltet euch raus, dann wird dort auch Frieden und Wohlstand herrschen !!!

    Aber der Westen spielt lieber Weltenverbesserer, unterstützt die Islamisten in Syrien und Libyen, und bekämpft sie dann in Mali oder sonst wo ...

    Das könnte so theoretisch 30 Jahre weiter gehen ...
    Dann ist Nah-Ost seine Rohstoffe los, und weiter gehts nach Mittelafrika oder Asien.

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    In den von ihnen genannten Staaten herrscht nicht wegen der Scharia Wohlstand. Saudi Arabien und seine Nachbarstaaten wurden reich durch den Hunger der Industrienationen nach Erdöl. Vor 1938 waren diese Regionen mausarm und ihre Wirtschaft basierte noch zum Teil auf Sklaverei. Die Scharia kannten die Menschen dieser Region aber schon sehr viel länger.

    Mit dem Verkauf von Erdöl könnte selbst das ewiggestrige Nordkorea reich werden (wenn es denn Erdöl zu verkaufen hätte).

  3. sich militärisch zu engagieren , auch wenn es nicht jedem passt !!!

    Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung vor Ort und der 120000 Immigranten aus Mali in und um Paris unterstützen ausdrücklich die Intervention , da der dort praktizierte tolerante Islam und die Lebensform von einer relativ geringen Zahl gutgerüsteter und radikaler , aber vor allem landesfremder Islam-Söldnern überrollt wird.

    Dieses hat nichts mit der Bush-Rhetorik im Irak zu tun.

    Eine deutlichere deutsche und europäische Unterstützung und eine gemeinsame aktive Nach-Kriegs-Politik der EU und der deutsch-französischen Achse wäre wünschenswert , denn es geht auch uns an.
    Und ein dauerhafter Interessenausgleich zwischen arabisch-stämmigen Bewohnern ( Tuareg...) und den südlichen Bewohnern.

    2 Leserempfehlungen
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    • Sikasuu
    • 22. Januar 2013 18:08 Uhr

    Die Tuaregs sind nicht arabischstämmig!
    .
    Die Araber in diesem Bereich sind genau so Eroberer wie alle anderen nach ihnen!
    .
    Wer sich die mit dem Linial gezogenen Grenzen in der Sahara und Subsahare anschaut sieht wenn er die Volksgruppen dort etwas einschätzen kann, die Großkonflikte der nachsten 100 Jahre!
    (Vergl. dazu kurdische Siedlungsgebiete in Nah Ost!)
    .
    Interessensausgleich? Mali ist ein Land in dem als Vergl. Finnen u. Portogiesen miteinander auskommen sollen.
    .
    Das geht vielleicht in solchen Staaten wie der Schweiz. Da geht nicht in zentral Afrika.
    .
    Was dort jetzt zu beobachten ist, ist das böse Überbleibsel der Ausbeutung Afrikas durch die Europäischen Großmächte!
    .
    Weiss
    Sikasuu
    .
    Ps. Mal nach Vogel, Rohlfs, usw, googlen. Gibt gute Orginalberichte aus dieser Gegend so um 18xy. Da sind die heutigen Probleme klar ab zu leiten!

    • Sikasuu
    • 22. Januar 2013 18:08 Uhr

    Die Tuaregs sind nicht arabischstämmig!
    .
    Die Araber in diesem Bereich sind genau so Eroberer wie alle anderen nach ihnen!
    .
    Wer sich die mit dem Linial gezogenen Grenzen in der Sahara und Subsahare anschaut sieht wenn er die Volksgruppen dort etwas einschätzen kann, die Großkonflikte der nachsten 100 Jahre!
    (Vergl. dazu kurdische Siedlungsgebiete in Nah Ost!)
    .
    Interessensausgleich? Mali ist ein Land in dem als Vergl. Finnen u. Portogiesen miteinander auskommen sollen.
    .
    Das geht vielleicht in solchen Staaten wie der Schweiz. Da geht nicht in zentral Afrika.
    .
    Was dort jetzt zu beobachten ist, ist das böse Überbleibsel der Ausbeutung Afrikas durch die Europäischen Großmächte!
    .
    Weiss
    Sikasuu
    .
    Ps. Mal nach Vogel, Rohlfs, usw, googlen. Gibt gute Orginalberichte aus dieser Gegend so um 18xy. Da sind die heutigen Probleme klar ab zu leiten!

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    • dacapo
    • 22. Januar 2013 20:52 Uhr

    Wie nannte man das Reich um Timbouktou?

    Na ja, mit der Ausbeutung ist es solch eine Sache. Die hat stattgefunden, in verschiedenen Epochen, aus verschiedenen Gründen. Aber die heutigen Probleme sind anderen Ursprungs.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Mali | Gold | Karl V. | Mittelalter | Niger | Europa
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