Nach dem Krieg bleibt die Protestaktion in der Rosenstraße lange eine fast vergessene Episode der NS-Geschichte. Als ein US-Historiker, Nathan Stoltzfus von der Florida State University in Tallahassee, 1989 in der ZEIT über die Demonstration schreibt, löst er eine anhaltende Kontroverse aus: Hat wirklich der Protest dazu geführt, dass die Inhaftierten freikamen? Oder entsprach es schlicht den Plänen des Reichssicherheitshauptamts für die Fabrikaktion?

Der Befehl vom 20. Februar 1943 sah vor, dass in Mischehe lebende Juden sowie einige andere Gruppen nicht deportiert werden sollten. In der Rosenstraße, meinen manche Historiker, sollte nur überprüft werden, zu welcher Gruppe die Verhafteten gehören. Stoltzfus meint, die Deutschen wollten nicht wahrhaben, dass Widerstand gegen den NS-Terror möglich war. Denn dann stelle sich die Frage, warum nicht mehr Deutsche den Mut dazu fanden. Historiker zweifeln allerdings an der Drohung der SS, zu schießen, ebenso wie an den "Mörder"-Rufen, die nicht ausreichend belegt seien.

Entscheidend ist jedenfalls nicht, ob die Proteste in der Rosenstraße zur Freilassung führten. Entscheidend ist, dass die Frauen ihre Angst überwanden. "Ich habe daran gedacht, was werden wird, wenn wir erschossen würden", erzählt Charlotte Israel, "in der Hauptsache habe ich an meinen Mann gedacht. 'Jetzt kann ich ihn überhaupt nicht mehr retten', habe ich gedacht, 'jetzt ist alles aus'." Mehrere Tausend Juden, die in der Fabrikaktion verhaftet werden, haben nicht das Glück, wie Julius Israel freizukommen: Sie werden in Auschwitz ermordet.