Zeitumstellung : Eisenbahner erfanden Europas Zeit

In ganz Deutschland gilt jetzt wieder die Sommerzeit. Noch bis vor 120 Jahren aber hatte jeder Ort seine eigene Zeit – bis die Eisenbahn gleichen Takt verlangte.
Wartungsarbeiten an der Astronomischen Uhr in Prag (Archiv) © Petr Josek/Reuters

Es war einmal eine Zeit …Nein, schon falsch. Es waren einmal zwei, drei, viele Zeiten. Zeit war subjektiv, die Zeit gab es nicht. Denn die Geschichte der Zeitmessgeräte reicht zwar weit zurück in die Antike, zur Sanduhr und Klepsydra. Aber die konnten nur messen, wie die Zeit verstrich, relativ zu einem vom Menschen bestimmten Zeitpunkt.

Um zu wissen, wie spät es objektiv an einem Ort war, gab es nur den Sonnenstand. Zwölf Uhr mittags war es über Jahrhunderte genau dann, wenn die Sonne den höchsten Punkt ihrer Bahn erreichte. Das geschieht zwar an all jenen Orten zur selben Zeit, die auf einer gemeinsamen geografischen Länge liegen. Nach Osten und Westen aber verschiebt sich die Mittagsstunde, pro Kilometer zwar nur um wenige Sekunden, aber immerhin. Also hatte jeder Ort seine eigene Zeit.

Die Bauern in mittelalterlichen Dörfern arbeiteten ohnehin nicht nine to five, sie mussten schaffen, was geschafft werden musste. Zum Gebet rief die Glocke, geläutet nach dem Sonnenstand. Schwieriger wurde es, als die Städte wuchsen. Verabredungen zwischen Handelspartnern, Sitzungen der Stadträte, Markt- und Sperrstunden: Die Stadt brauchte ihren Takt. Die Kirchturmuhren gaben ihn vor.

Reisende richteten sich nach der Zeit am Aufenthaltsort. Weil sie nur langsam vorankamen, werden sie kaum bemerkt haben, dass es nicht überall zur gleichen Zeit Mittag wurde. Erst als die Eisenbahn im 19. Jahrhundert entfernte Regionen miteinander zu verbinden begann, wurde es nötig, die Zeit überörtlich zu normen.

Die ersten Zeitzonen dachten sich Amerikaner aus

Nicht Staaten, sondern Eisenbahngesellschaften legten fest, welche Ortszeit in ihrem Streckennetz galt. So richteten sich die bayerischen Bahnen nach der Münchner, die Preußischen Staatseisenbahnen nach der Berliner Zeit, Unterschied: sieben Minuten. An Umsteigebahnhöfen wurde es verwirrend. Wo sich mehrere Linien mit oft nur um Minuten verschiedenen Zeiten trafen, verlangten Reisepläne nach höherer Mathematik. 

Mit der Telegrafie wurden zentrale Zeitsignale möglich. In den 1840er bis 1860er Jahren legten viele europäische Staaten mit ihrer Hilfe landesweit einheitliche Zeiten fest, meistens orientiert an der Ortszeit der Hauptstadt. Im Flickenteppich der vielen Kleinstaaten des Deutschen Reiches half das allerdings auch nicht so recht weiter.

Die Idee der Zeitzonen hatten Eisenbahner in den USA. Nordamerika ist zu groß, um im kompletten Streckennetz mit derselben Zeit zu arbeiten; zu groß würde die Abweichung zur astronomischen Zeit. Also einigten sich die Eisenbahngesellschaften des Kontinents 1883, die von Ost nach West verlaufenden Strecken in vier, später fünf Zonen zu unterteilen.

Der kanadische Eisenbahningenieur Sandford Fleming hatte schon 1879 ein weltweites Zeitzonensystem vorgeschlagen. Doch erst 1884 teilte die Internationale Meridiankonferenz in Washington die Erde in 24 noch heute gültige Stundenzonen von je 15 Längengraden auf, deren Zeit sich jeweils um 60 Minuten unterschied. Als Nullmeridian dient der Längengrad, der durch das Observatorium in Greenwich bei London läuft.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Großartig

Hätte es damals schon das Internet gegeben und hätte man solche Begebenheiten in Online-Foren diskutieren können, wäre ich sehr auf diese Diskussion gespannt gewesen. Was ist da eine läppische Stunde, die man zwar aus nachvollziehbaren Gründen (damals dachte man, man könne Energie sparen) eingeführt hat, die sich dann aber so nicht bewahrheitet haben und ich es trotzdem gut finde, dass wir sie haben, die gute, alte Sommerzeit.

Es gibt Für und Widers, wie eigentlich überall im Leben. Auch hätte es natürlich etwas, das ganze Jahr Sommerzeit zu haben, bloß müsste man dann auch damit leben, dass es im Winter dann erst gegen 9.00-10.00 Uhr richtig hell ist und so mancher dann überhaupt kein Tageslicht mehr sehen würde.

Aber egal, Feuer frei für das ewige Für und Wider bezüglich der Sommerzeit. Und jährlich grüßt das Murmeltier.

Innere Einstellung

Mir geht es genauso wie Ihnen. Und insofern nehme ich die kleinen Unpässlichkeiten, die schon nach wenigen Tagen verflogen sind, gerne in Kauf. Für mich ist das der Moment, wo für mich der Frühling endgültig richtig anfängt. Es kommt halt auf die innere Einstellung an. Wenn jemand etwas als Belastung sieht, wird er wohl keine Freude empfinden können, sieht er es positiv, spürt er auch die Nebenwirkungen nicht. Das ist wie mit dem Jet-Lag. Hin, also zum Urlaubsziel, spüre ich diesen kaum, zurück umso mehr.