Der Holocaust hatte offenbar weit größere Ausmaße, als bisher angenommen. Laut einem Bericht der New York Times haben die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs 42.500 Zwangsarbeits- und Gefangenenlager, Konzentrationslager und Ghettos in Europa errichtet. Bislang waren Historiker von rund 7.000 solcher Orte der Nazi-Verbrechen im besetzten Europa ausgegangen.

Diese Karte, erstellt von der New York Times, zeigt die Ghettos, in denen Juden in Osteuropa ihrer Freiheit beraubt wurden.© The New York Times

Wie die Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe und vorab auf der Website berichtet, haben Wissenschaftler des United States Holocaust Memorial Museum im Jahr 2000 damit begonnen, alle Lager in Europa zu katalogisieren, in denen das Nazi-Regime zwischen 1933 und 1945 seine Opfer einsperrte, folterte und tötete. Die Ergebnisse der Untersuchung stellten die Wissenschaftler im Januar am German Historical Insitute in Washington vor.

Der deutsche Direktor des Instituts, Hartmut Berghoff, sagte der New York Times: "Die Zahlen sind viel höher, als wir ursprünglich dachten. Wir wussten schon vorher, wie grausam das Leben in den Lagern und Ghettos war, aber diese Zahlen sind unglaublich."

Lager von Frankreich bis Russland

Die Studie zeige auf, wie die Nationalsozialisten ihr Lagernetzwerk von Frankreich bis Russland ausdehnten, schrieb die Zeitung. Die meisten Lager seien in Polen und Deutschland errichtet worden. Bislang sei ihre Existenz nur regional bekannt gewesen.

Diese Karte, erstellt von der New York Times, zeigt große Konzentrationslager und bisher kaum bekannte SS-Lager.© The New York Times

Die Forscher unter der Leitung von Geoffrey Megargee und Martin Dean haben Daten aus etwa 400 Quellen zusammengetragen und ausgewertet. Das gesamte Ausmaß sei nun zum ersten Mal dokumentiert: wo sich die Lager befanden, von wem sie geleitet wurden und mit welchem Ziel sie errichtet wurden. Der Studie zufolge entstanden die ersten Lager kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933.

In Berlin habe es insgesamt rund 3.000 Lager und von den Nationalsozialisten als "Judenhäuser" bezeichnete Wohnhäuser gegeben, in Hamburg waren es 1.300. Allein die Anzahl dieser Orte ließe keinen Zweifel daran, dass die Deutschen über deren Existenz informiert waren, sagte der Wissenschaftler Dean der New York Times.