Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher musste während des Falklandkrieges gegen mehr Widerstände kämpfen als bisher bekannt. Wie aus jetzt veröffentlichten Dokumenten aus Thatchers persönlichem Archiv hervorgeht, gab es vor dem Krieg heftige Auseinandersetzungen zwischen Thatcher und ranghohen Mitgliedern der konservativen Partei. Zu Beginn des Einsatzes im April 1982 gab es aus den Reihen der konservativen Tories Forderungen, die Falklandinseln Argentinien zu überlassen.

Thatcher zitiert in ihren Notizen Tory-Abgeordnete, die von einem "großen Fehler" sprechen und davon ausgehen, dass Großbritannien "ohne einen Kampf davonkommen" könnte. Kenneth Clarke, heute Kabinettsminister ohne Geschäftsbereich, sagte damals: "Hoffentlich denkt niemand, wir wollten gegen die Argentinier kämpfen. Wir sollten ein paar Schiffe in die Luft jagen, aber sonst nichts." Eine weitere Meinung war: "Lasst die Argentinier die Falklandinseln mit so wenig Aufhebens wie möglich haben."

Die 400 Kilometer vom argentinischen Festland entfernten Inseln befinden sich seit 1833 unter der Kontrolle Großbritanniens. Die argentinische Militärjunta hatte am 2. April 1982 die Invasion der von ihr beanspruchten Inseln begonnen. Im Falklandkrieg von April bis Juni starben auf beiden Seiten Hunderte Soldaten, ehe die Briten die Kontrolle über die Inseln zurückgewannen.

US-Präsident Reagan bot Friedensabkommen an

Zu den veröffentlichten Dokumenten zählt auch eine Anfrage der Zeitung Daily Mail, in der Thatcher gefragt wurde, ob sie sich einen Krieg zutraue. Ein Brief von Thatcher selbst, der aber nie abgeschickt wurde, richtete sich an den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Thatcher wies darin sein Angebot zurück, ein Friedensabkommen auszuhandeln.

In einem Papier wird deutlich, wie sehr ihr Nachrichten vom Tod britischer Soldaten persönlich nahegingen. Ende letzten Jahres war aus Dokumenten hervorgegangen, dass Thatcher von der argentinischen Invasion vollkommen überrascht worden war. Im Oktober 1982 sagte sie vor einem britischen Untersuchungsausschuss: "Das war der schlimmste Tag meines Lebens." Ihren Aussagen zufolge hatte sie erst zwei Tage vor der Invasion von den Plänen der argentinischen Militärjunta erfahren.

Der Krieg endete am 14. Juni mit einer Niederlage für Argentinien. Ein Referendum über den Verbleib der Inseln bei Großbritannien vor knapp zwei Wochen ergab ein Ergebnis von 99,8 Prozent Ja-Stimmen. Argentinien erkennt das Ergebnis nicht an und fordert weiter Verhandlungen über den Status der rohstoffreichen Inseln.