William Randolph HearstEin Schlossherr jagt nach Sensationen

Lügen, Intrigen und Affären waren sein Geschäft: William R. Hearst stieg zur Jahrhundertwende zum Großverleger auf. Die Auflage war ihm stets wichtiger als die Wahrheit. von 

Dass auf Hearst Castle einst ein König residierte, ist bis heute unübersehbar. Mit dem gigantischen Schloss, das sich der zum "King of the Yellow Press" aufgestiegene William Randolph Hearst in den 1920er Jahren bauen ließ, setzte er seinem Erfolg die bauliche Krone auf. Das Anwesen ist der Stein gewordene amerikanische Traum von den unbegrenzten Möglichkeiten, die selbst vor Stilgefühl oder Geschichtsbewusstsein nicht haltmachen.

Fresken an den Gewölben, der größte Privatzoo seiner Zeit und kitschige Antiquitäten aus ganz Europa: Der Prachtbau bot die perfekte Kulisse für die ausgelassenen Partys, die der Verleger ausrichtete. Sein Erfolgsgeheimnis würden heutige Karriereberater "Networking" nennen. Stets umgarnte er Hollywood-Stars, wie Joan Crawford, Charlie Chaplin, Cary Grant oder Clark Gable. Auch der mehrmalige britische Premier Winston Churchill und der Luftfahrt-Pionier Charles Lindbergh ließen sich gern von Hearst bewirten. Weil der stets mittendrin war statt nur dabei, fielen ihm die Sensationsstorys nur so zu: Damit fütterte er seine Boulevard-Blätter. Auf der Höhe seiner Karriere zählten 50 Zeitungen, ein Dutzend Radiosender und eigene Filmstudios zu seinem Imperium. Vor 150 Jahren wurde er geboren.

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Für Charlie Chaplin soll eine der opulenten Partys – die allerdings nicht auf Hearsts Schloss, sondern auf dessen Yacht stattfand – im November 1924 fast tödlich ausgegangen sein. Der Stummfilmstar hatte angeblich eine Affäre mit der Schauspielerin Marion Davies, die zur selben Zeit Hearsts Geliebte war. Während die Festgesellschaft gerade vor der Südküste Kaliforniens entlangdümpelte, schoss der Gastgeber auf Chaplin, traf aber den Regisseur Thomas Ince. So geht jedenfalls die von Peter Bogdanovich verfilmte Story.

Sicher ist nur, dass Ince bewusstlos von Bord gebracht wurde und kurz darauf starb. Der Rest ist ein weiterer dorniger Zweig in dem Gestrüpp aus Mythen, die den Großverleger und Multimillionär umgeben. Mitschuld daran trägt der Autor und Regisseur Orson Welles, der sich nicht von Fakten irritieren ließ, als er das Leben des Medien-Tycoons mit viel Fantasie in Citizen Kane (1941) verfilmte.

Reich geboren, studiert in Harvard

Der echte Hearst kam am 29. April 1863 reich zur Welt. Sein Vater George hatte im Bergbau und mit Farmen Millionen verdient. Als Knabe bereiste William Randolph mit seiner Mutter Europa. An der Universität von Harvard kümmerte er sich dann ums Geschäftliche der legendären Studenten-Satirezeitung Harvard Lampoon, bevor er von der Elite-Uni flog, weil er Kommilitonen Saufgelage spendiert hatte.

Leserkommentare
  1. "In Abstimmung mit Firmengrößen wie DuPont und Anslinger nahmen die Hearst-Zeitungen sehr erfolgreich Einfluss auf das Verbot von Hanf, das 1937 durchgesetzt werden konnte. Kritiker wie beispielsweise Jack Herer werfen Hearst vor, mit seiner Kampagne gegen das Marihuana nicht die Menschheit vor der „gefährlichsten Droge seit Anbeginn der Menschheit“ schützen zu wollen, sondern dass wirtschaftliche Interessen im Vordergrund standen. Hearst war Waldbesitzer und Papiermühlen-Magnat und der Hanf wurde durch neue Erntemaschinen eine übermächtige Konkurrenz dazu."

    Aus http://de.wikipedia.org/w...

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